Berufsstand
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Unter dem Beruf versteht man diejenige institutionalisierte Tätigkeit, die ein Mensch für finanzielle oder herkömmliche Gegenleistungen oder im Dienste Dritter regelmäßig erbringt, bzw. für die er ausgebildet, erzogen oder berufen ist. Im Allgemeinen dient die Ausübung eines Berufes der Sicherung des Lebensunterhaltes, der seit Einführung des stark ausgebauten Geld- und (kapitalistischen) Wirtschaftssystems, sowie der Gründung von Städten, nun nicht mehr nur zwangsläufig in der alten Ackerbau betreibenden Sippe, der das Individuum zurückstellenden, jedoch sozial absichernden Großfamilie bestritten werden musste. Die erwirtschafteten Geld-, Sach- oder Tauschleistungen dienen der Stillung der persönlichen Bedürfnisse oder denen der sozialen Gemeinschaft (z. B. der Familie), der der Ausübende angehört. Dazu gehören in erster Linie die Ernährung, die Bekleidung, der (häusliche) Schutz vor Gefahr und Krankheit und die Vorratsbildung. Darüber hinaus üben viele Menschen berufsähnliche Tätigkeiten aus, die nicht oder nur indirekt entlohnt werden (durch soziale Anerkennung oder persönliche Befriedigung). Ehrenämter, amateurhaft ausgeübte Tätigkeiten (z. B. Kunst oder Sport) und intensiv betriebene Hobbys bilden daher Schnittmengen zum „Beruf“. Im Sinn des Grundgesetzes ist ein Beruf eine auf Dauer angelegte Erwerbstätigkeit, die zur Sicherung und Erhaltung der Lebensgrundlage dient (Art. 12 GG)

Inhaltsverzeichnis

Sozialgeschichtliches

Die Fähigkeiten und Kenntnisse, die in einem Beruf benötigt werden, werden also durch Ausbildung, durch Praxis oder Selbststudium oder durch Zuschreibung (adscription) (etwa bei Erbfolge [z. B. Bauer, zünftiger Handwerker, Reichs-Kämmerer] oder durch Gelöbnisse (Beamte) oder durch Ordination (Geistlicher)) erworben.

Die meisten Berufe sind das Ergebnis fortschreitender Differenzierung der Arbeit. Sie haben also eine jahrhundertelange Tradition, da viele von der Gesellschaft gewünschte Leistungen im Wesentlichen konstant sind. Daher rührt auch die soziale Erscheinung auffälliger Berufsvererbung.

Zu den ältesten, frühgeschichtlichen Berufen gehören Schmiede, Zimmerleute, Heiler, Priester, Wandererzähler und -sänger, Wächter. Seit dem Mittelalter fanden sich die Berufsgruppen in Zünften und Gilden zusammen, welche auch die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses übernahmen. Doch gliederten sich auch „unehrliche Berufe“ aus.

In einigen Berufen wird auf die sogenannte Berufung des/der Einzelnen besonderen Wert gelegt (zum Beispiel Pfarrer, Priester, aber auch Arzt, Lehrer, Apotheker, Richter). Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Pflicht zur Arbeit im Rahmen des Ordo Socialis (vgl. Christliche Gesellschaftslehre).

Der fortschreitende, mit der Industrialisierung einhergehende soziale und technische Wandel ließ neue Berufe entstehen und alte, zumeist handwerkliche Berufe aussterben. Mit der durchdringenden Verbreitung der Informationstechnologie in allen gesellschaftlichen Bereichen setzt sich dieser Trend fort.

Reglementierung der Berufsausübung

Heute wird die Berufsausbildung (Inhalte, Dauer) in den meisten europäischen Ländern staatlich festgelegt. Die staatliche Reglementierung der Berufswahl findet aber in Deutschland wie auch in den meisten anderen Ländern ihre Grenzen in dem Grundrecht der Berufsfreiheit.

Wer welchen Beruf ausüben darf, wurde und wird kulturell unterschiedlich gehandhabt. In Europa gilt prinzipiell das Recht der freien Berufsausübung, das jedoch einigen Einschränkungen unterliegt. So ist für die Ausübung bestimmter Berufe eine entsprechende Ausbildung erforderlich: Als Arzt oder Rechtsanwalt darf beispielsweise nur tätig sein, wer ein medizinisches bzw. juristisches Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen und entsprechende Praxiserfahrung (Referendariat) nachweisen kann.

Ebenfalls unterliegt die Ausübung handwerklicher Berufe bestimmten Einschränkungen: So ist zur selbständigen Ausübung eines Handwerks in Deutschland beispielsweise der Meister-Brief erforderlich. In anderen Ländern, beispielsweise den USA, kennt man diese Einschränkung nicht.

Alle erfolgreich sozial heraus gebildeten Berufe entwickeln eine (mehr oder minder ausgeprägte) Arbeitsethik.

Stärkste Berufsordnungen in Deutschland

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, werden die Berufe in 369 so genannte Berufsordnungen unterschieden, in der alle existierenden Berufe eingruppiert sind.

Erwerbstätige Männer in den stärksten besetzten Berufsordnungen 2006

  1. Berufskraftfahrer, 882.000
  2. Bürofachkräfte, kaufmännische Angestellte, 499.000
  3. Unternehmer, Geschäftsführer, 460.000
  4. Soldaten, Bundesgrenzschutz, Polizeibedienstete, 458.000
  5. Kraftfahrzeugmechaniker, Zweiradmechaniker, 376.000
  6. Hilfsarbeiter ohne nähere Tätigkeitsangabe, 357.000
  7. Elektriker, Elektroinstallateure, 334.000
  8. Verwaltungsfachleute (mittlerer Dienst), 328.000
  9. Lager- und Transportarbeiter, 317.000
  10. Konstruktionsmechaniker und zugeh. Metallbauer, 280.000

Erwerbstätige Frauen in den stärksten besetzten Berufsordnungen 2006

  1. Bürofachkräfte, kaufmännische Angestellte, 1.368.000
  2. Gebäudereinigerinnen und Raumpflegerinnen, 779.000
  3. Verwaltungsfachleute (mittlerer Dienst), 696.000
  4. Krankenschwestern und Hebammen, 677.000
  5. Sprechstundenhelferinnen (Arzthelferinnen), 552.000
  6. Verkäuferinnen, 541.000
  7. Nahrungs- und Genussmittelverkäuferinnen, 467.000
  8. Erzieherinnen, 445.000
  9. Büro- und kaufmännisches Sachbearbeiterinnen, 406.000
  10. Altenpflegerinnen, 370.000

Gefahrgeneigte Berufe

Die britische Versicherung Churchill Insurance hat im Jahr 2004 eine Liste der zehn risikoreichsten Berufe in Großbritannien veröffentlicht[1]. Bei Ausübung seiner Tätigkeit verunglückt danach (in absteigender Reihe) am häufigsten tödlich, wer tätig ist als:

  1. Fensterputzer
  2. Soldat
  3. Feuerwehrmann
  4. Hochseefischer
  5. Pilot
  6. Polizeibeamter
  7. Dachdecker
  8. Gerüstarbeiter
  9. Holzfäller
  10. Zirkusartist

Siehe auch


Literatur

  • Günter Lanczkowski, Gustaf Wingren, Heinz-Horst Schrey: Art. Beruf I. Religionsgeschichtlich II. Historische und ethische Aspekte III. Protestantismus und Katholizismus der Neuzeit. In: Theologische Realenzyklopädie 5 (1980), S. 654-676 (zur Kultur- und Begriffsgeschichte)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Britain's most dangerous job - (der Soldatenberuf wurde nicht einbezogen), msn Money, 18. Oktober 2004

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