Beryl Markham

Beryl Markham (* 26. Oktober 1902 in Leicester, Leicestershire; † 3. August 1986 in Nairobi, Kenia; gebürtige Beryl Clutterbuck) war eine britische Flugpionierin. Als erster Mensch überflog sie im Alleinflug den Atlantik nonstop in Ost-West-Richtung.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Beryl Markham wuchs als Tochter eines englischen Kolonisten und Pferdezüchters Charles Baldwin Clutterbuck und dessen Frau Clara Agnes (geb. Alexander) in Njoro, Kenia auf. Als sie 17 Jahre alt war, musste ihr Vater seine Farm und all seine Pferde verkaufen, Beryl verdingte sich bei anderen Gestüten als Trainerin von Vollblütern. Die von ihr ausgebildeten Pferde liefen in Nairobi gute Rennen und sie erarbeitete sich bald einen guten Ruf. 1927 heiratete sie den Engländer Mansfield Markham. Das Paar zog nach England, wo Beryl 1929 einem Sohn das Leben schenkte. Die Ehe scheiterte jedoch bald und Beryl Markham gab ihr Kind zu seinen Großeltern in Pflege und kehrte nach Kenia zurück.

In Nairobi wurde sie eine gute Freundin von Karen Blixen und Denys Finch Hatton, der sie in seinem Flugzeug mitnahm. Begeistert vom Fliegen nahm Beryl Markham selbst Flugstunden und legte innerhalb weniger Monate als erste Frau Ostafrikas die Prüfung zur Berufspilotin ab. Vom Wilson Airport in Nairobi aus arbeitete sie als Buschpilotin, begleitete Safaris, flog reiche Farmer, für den Postdienst, für Krankentransporte und als Scout für Großwildjäger. Ob sie mit Bror von Blixen-Finecke ein Verhältnis hatte, ist unklar.

Solo von Nairobi nach London

Kaum ein Jahr nach ihrer Flugprüfung flog sie solo von Nairobi nach England. Wegen technischer Probleme dauerte der Flug 23 Tage. Ihr Flugzeug war eine einmotorige Maschine mit 12 PS, ohne Funkausrüstung und ohne Navigationsausrüstung außer einem Kompass. Die Maschine verfügte nicht mal über ein Tachometer. Von Nairobi flog sie Richtung Dschuba im Sudan, musste jedoch kurz vor ihrem Ziel wegen eines Sandsturms und Motorenproblemen notlanden. Am nächsten Tag flog sie nach Malakal am Nil und wollte am Tag darauf Khartum erreichen. Dreimal musste sie wegen Reparaturen am Motor notlanden. In Khartum stellte sich heraus, dass eine Zylinderkopfdichtung beschädigt war. Weil sie in Khartum die benötigten Ersatzteile nicht auftreiben konnte, flog sie nach Atbara weiter, wo sie schließlich den Zylinder und die Dichtung ersetzen konnte. In der Nähe von Kairo hatte sie wegen eines weiteren Sandsturms erneut technische Probleme. Diesmal ließ sie die Maschine bei der britischen Royal Air Force reparieren und durchchecken, bevor sie über das Mittelmeer nach Europa flog. Trotz schlechten Wetters erreichte sie London ohne weitere technische Probleme.

Transatlantikflug in Ost-West-Richtung

Mitte der 30er Jahre wurden immer wieder Preise für besondere fliegerische Leistungen ausgeschrieben. Nachdem sie jahrelang als Buschpilotin gearbeitet hatte, kehrte Markham nach England zurück. Nach den Erfolgen Lindberghs und Earharts wurde in Europa und den USA über die Möglichkeit einer direkten Fluglinie zwischen London und New York diskutiert und für den Piloten, der diesen Weg als erster nonstop flog, ein hohes Preisgeld ausgesetzt. Die Schwierigkeit dieses Flugs lag darin, dass der Pilot gegen starke Windströmungen anfliegen musste. Bereits zwei Piloten hatten den Flug fast geschafft, jedoch nicht ohne Zwischenlandung. Der erste war Jim Mollison, der 1932 von Irland nach Kanada geflogen war, der zweite John Grierso, der 1934 in sechs Wochen London-New York flog.

In einer geliehenen Percival Vega Gull mit einem 200 PS-Motor, ausgerüstet mit Zusatztanks und Navigationsinstrumenten (jedoch keiner Funkausrüstung) startete Markham am 4. September 1936 um 20 Uhr abends in London. Um 22 Uhr 30 überflog sie Irland. Am nächsten Tag um 14 Uhr wurde sie von einem Schiff auf dem Atlantik gesichtet und um 16 Uhr 30 beobachtete sie jemand über Neufundland, bevor sie „verschwand“. Ihr Anruf aus dem Fischerdorf Baleine in Neuschottland rief große Erleichterung und Jubel hervor: Beryl Markham hatte eine Bruchlandung gemacht, ihr Flugzeug steckte Nase voran in einem Torfstich. Bereits über dem Atlantik hatte Markham Probleme mit einem Benzintank gehabt, weil die Benzinleitung eingefroren war und der Motor deshalb versagte. Kurz bevor sie auf dem Wasser aufschlug, brachte sie ihn wieder zum Laufen und flog weiter. Dasselbe geschah in Neuschottland und führte schließlich zum Absturz.

Beryl Markham war enttäuscht, denn sie dachte, dass der Flug wegen des Absturzes als Misserfolg gewertet würde. So war sie erstaunt, als sie von einer Maschine der US Coast Guard abgeholt und nach New York gebracht wurde, wo sie als Heldin empfangen wurde.

Nach dem Rummel zog sie sich nach Leicester zurück. Sie dachte mehrmals darüber nach, an einem der großen Luftrennen teilzunehmen. Als jedoch ein Freund von ihr, Campbell Black, bei einem Absturz ums Leben kam, war ihr die Rekordfliegerei verleidet.

1939 zog Beryl Markham nach Kalifornien, wo sie mit ihrem zweiten Mann eine Avocado-Ranch hatte. 1942 veröffentlichte sie - bereits wieder geschieden - ihr Buch Westwärts mit der Nacht (im Original West with the Night), das zum Bestseller wurde. Das Buch beschreibt ihre Kindheit, ihre Karriere als Buschpilotin und ihren Transatlantikflug.

1952 kehrte Markham von Kalifornien nach Kenia zurück und konnte sich erneut erfolgreich als Trainerin von Rennpferden etablieren. Als Westwärts mit der Nacht Anfang der 80er Jahre neu aufgelegt wurde, wurde sie noch einmal für kurze Zeit berühmt.

1986 drehte George Gutekunst einen Dokumentarfilm mit dem Titel World without Walls, und 1988 wurde ihr Leben unter dem Titel Beryl Markham: A Shadow on the Sun als Fernsehfilm verfilmt. Sie starb 1986 an einer Lungenentzündung.

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