Beschussamt (Deutschland)

In Deutschland gibt es sechs aktive Beschussämter, die für die Prüfung von Jagd-, Sport- und Verteidigungswaffen sowie deren Munition zuständig sind.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zur Regulierung des Beschusswesens wurden in Deutschland mit dem Gesetz vom 19. Mai 1891 Beschussprüfungen für alle zivilen Feuerwaffen vorgeschrieben. Die vorgesehenen Prüfmarken (auch Beschussmarken oder -zeichen genannt) wurden per Verordnung vom 22. Juni 1892 vorgeschrieben. Die Prüfstellen wurden auf Anordnung der Landesregierungen zum 1. April 1893 eingerichtet. Es waren zuerst drei Beschussanstalten in Suhl, Zella-Mehlis und Oberndorf am Neckar, die später zu Beschussämtern wurden. Im Jahr 1905 gab es weitere Prüfstellen in Frankfurt an der Oder, Sömmerda, München, und in Germersheim.[1] Seit 1991 werden sieben aktive Ämter verzeichnet. Einige der zwischenzeitlich betriebenen Ämter wurden aufgegeben (siehe Abschnitt „Ehemalige Beschussämter“).

Standorte

Die seit 1991 aktiven Ämter befinden sich in Kiel, Köln, Mellrichstadt, München, Suhl und Ulm-Jungingen. Dabei unterscheiden sie sich in ihren Aufgaben. Während in Hannover nur Waffenprüfungen durchgeführt werden, finden in allen anderen Ämtern auch Munitionsprüfungen statt. In Mellrichstadt, München und Ulm werden außerdem Materialprüfungen (z.B. Panzerglas, Schutzwesten, Sonderschutzfahrzeuge) durchgeführt.

Aufgaben

Die bekannteste Aufgabe der Beschussämter ist die Beschussprüfung. Darüber hinaus werden Waffen auch nach §24 Waffengesetz gekennzeichnet und auf ihre Funktionssicherheit und Maßhaltigkeit geprüft. Jedes Beschussamt hat für diese Kennzeichnungen ein eigenes Ortszeichen, um z.B. nachvollziehen zu können, bei welchem Beschussamt die jeweilige Prüfung vorgenommen wurde.

Böller und Vorderlader, die bei öffentlichen Auftritten von Traditionsvereinen abgeschossen werden, müssen regelmäßig beschossen werden und es wird zudem eine Beschussbescheinigung ausgestellt. Für den Vertrieb von Munition muss diese sowohl im Hinblick auf ihren Typ, als auch auf die Gleichmäßigkeit in der industriellen Produktion geprüft werden.

Die Beschussämter erstellen außerdem Gutachten für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Das Beschussamt in Ulm ist außerdem an der Erstellung von polizeilichen Pflichtenheften, z.B. für Polizeipistolen, beteiligt.

Beschussämter

Logo Beschussamt Köln (Ortszeichen).jpg

Beschussamt Köln

Das Beschussamt Köln ist eine Betriebsstelle des nordrheinwestfälischen Landesbetriebes für Mess- und Eichwesen in Köln. Schwerpunkte der Tätigkeit sind Beschussprüfungen und Zulassungen. [2]

Beschussamt Suhl

Seit 1891 sind Funktionsprüfungen in Deutschland Pflicht. Das Beschussamt Suhl ist das älteste und das einzige, welches ununterbrochen arbeitet, zumal noch am historischen Ort. In den Mitteilungsblättern der Amtspresse Preußens findet sich unter dem Titel „Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung“ vom 13. Januar 1893 die Notiz: „Neu aufgeführt sind 50 000 Mark Einnahmen der Beschußanstalt in Suhl.“[3] Das Beschussamt Suhl ist seit Ende des 20. Jahrhunderts dem Thüringer Landesamt für Mess- und Eichwesen angegliedert.

Beschussamt Ulm

Das größte Beschussamt in Deutschland liegt in Ulm-Jungingen. Das Beschussamt Ulm wurde 1952 gegründet und ist dem Regierungspräsidium Tübingen als Referat 27 (Beschusswesen, Sicherheitstechnik) angegliedert. Es ist unter anderem mit 100 m-Schießbahnen, Freigelände für Sprengprüfungen, vier Beschusskammern und verschiedenen Materialprüfmaschinen ausgestattet. Außerdem verfügt man dort über rund 200 Prüfläufe für entsprechend viele Munitionssorten.

In Ulm werden rund 70% der deutschen Beschussprüfungen durchgeführt. Wegen der diversen großen Waffenhersteller im Einzugsgebiet des Beschussamtes unterhält man „Abfertigungsstellen“ bei Blaser, Heckler & Koch, Feinwerkbau, J. G. Anschütz, Carl Walther GmbH und Röhm. Dabei müssen auch sogenannte Schreckschuss- und Signalwaffen beschossen werden, wenn sie ein Kaliber über 7mm aufweisen.

Ehemalige Beschussämter

Beschuss­amt Zella-Mehlis
Beschuss­amt Oberndorf am Neckar

In Deutschland sind weitere Beschussämter bekannt (ehemals auch Beschussanstalten genannt), die eigene Beschussmarken geführt haben. Es handelt sich dabei um die Beschussämter von Berlin, Eckernförde, Frankfurt an der Oder, Germersheim, Hannover, Oberndorf am Neckar und Zella-Mehlis.[1][4] Das Beschussamt in Zella-Mehlis wurde am 1. April 1893 in Betrieb genommen[5] und 1949 zugunsten den Beschussamtes in Suhl aufgegeben. Detailliert sind die Vorgänge der letzten Zeit im Aktenvorgang „Beschußanstalten Suhl und Zella-Mehlis 1944–49“ (Stadtarchiv Suhl, 2.5./70) festgehalten. [6]

Andere Behörden

Einige Aufgaben in diesem Zusammenhang übernehmen auch andere Behörden. So ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) für die Bauartzulassung von Handfeuerwaffen und Einsteckläufen zuständig. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) bearbeitet die Zulassung von pyrotechnischer Munition.

Einzelnachweise

  1. a b Meyers 1905, Eintrag Handfeuerwaffen, letzter Abschnitt (eingesehen am 20. September 2010)
  2. Beschussamt Köln, offizielle Information, PDF-Datei
  3. Amtpresse Preußens, Neueste Mittheilungen. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. jur. O. Hammann. Berlin, Freitag, den 13. Januar 1893, bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz [1] (eingesehen am 20. September 2010)
  4. DSB-Regel 1.58 – Ordonnanzgewehr PDF-Datei „DSB-regelkonforme Waffen, Munition, Zubehör und Ausrüstung“, (3. Auflage ab 2009), Anlage 2-2, gültige Beschussmarken Quelle: DSB,(eingesehen am 20. September 2010)
  5. Die Beschußanstalt in Zella-Mehlis, offizielle Website des Geschichts- und Museumsverein Zella-Mehlis e. V. (eingesehen am 20. September 2010)
  6. Lothar Schreier, Interessantes zur Beschußanstalt, in Der Museumskurier Heft 4 1998 Herausgeber: Geschichts- und Museumsvereins Zella-Mehlis e.V., Seiten 7 bis 10 PDF-Datei (eingesehen am 20. September 2010)

Weblinks


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