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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Stockach
Stockach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Stockach hervorgehoben
47.8513888888899.0113888888889491Koordinaten: 47° 51′ N, 9° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 491 m ü. NN
Fläche: 69,75 km²
Einwohner: 16.674 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 239 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78333
Vorwahl: 07771
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 079
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Adenauerstraße 4
78333 Stockach
Webpräsenz:
Bürgermeister: Rainer Stolz

Stockach ist eine Stadt im Landkreis Konstanz im Süden Baden-Württembergs und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Stockach liegt im Hegau, fünf Kilometer nordwestlich des Bodensees in einer Moränenlandschaft an der Stockacher Aach.

Stadtgliederung

Zur Stadt Stockach mit den früher selbstständigen Gemeinden Espasingen, Hindelwangen, Hoppetenzell, Mahlspüren im Hegau, Mahlspüren im Tal, Raithaslach, Wahlwies, Winterspüren und Zizenhausen gehören die Stadt Stockach und 79 weitere Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser.

→ Siehe auch: Liste der Orte im Landkreis Konstanz

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Mahlspüren im Tal liegt die Wüstung Wolfertshausen. In Stockach aufgegangen ist die Ortschaft Rißtorf und im Gebiet der Gemeinde Stockach in den Grenzen vom 30. November 1971 liegt die abgegangene Ortschaft Brändlishofen. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wahlwies liegt die abgegangene Ortschaft Forsterhof. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Winterspüren liegt der abgegangene Hof Daxberg und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Zizenhausen liegt die abgegangenen Ortschaften Sennhof und Sonnenbühl.[2]

Die eingemeindeten Gemeinden bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Geschichte

Stockach um 1907
Stockach 2005 (Blick vom Nellenburger Hang)
Luftbild von Stockach (2006)

Gräberfunde lassen sich aus der Hallstattzeit (700 v. Chr.), der Kelten- (4. Jahrhundert v. Chr.) und der Alemannenzeit (400 bis 800 n. Chr.) in der Vorstadt Rißtorf nachweisen.

Zwischen 750 und 1056 wurde die Nellenburg gebaut und erweitert. Neben einem älteren Dorf im Tal der Stockacher Aach an der Kreuzung zweier ehemaliger Römerstraßen gründeten Mitte des 13. Jahrhunderts die Grafen von Nellenburg auf einer geschützten Anhöhe die Stadt Stockach nach einfach gegliedertem Plan, seit 1275 bestand das Amt Stockach in der Grafschaft Nellenburg, im Jahr 1278 (wahrscheinlich) oder 1283 (belegt) erhielt Stockach das Stadtrecht.

Nach dem Aussterben der dritten Linie der Grafen von Nellenburg kam Stockach mit der Landgrafschaft Nellenburg an die Freiherren von Tengen, die beides 1465 an Österreich verkauften. Das Haus Habsburg blieb bis 1805 Stadt- und Landesherr (Vorderösterreich). Im Jahr 1499, im Zuge des Schweizerkriegs (auch als Schwabenkrieg bekannt), kam es zur vergeblichen Belagerung Stockachs.[3]

Im Jahre 1704, während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701−1714), ließ der bayerische Kurfürst Max Emanuel Stockach weitgehend niederbrennen. Am 25. März 1799, im Zweiten Koalitionskrieg, errang Erzherzog Karl für Österreich in der Schlacht bei Stockach und Liptingen einen Sieg über die Franzosen unter General Jourdan.

Stockach kam 1805 an Württemberg und 1810 an Baden.

Geschichte der Stadtteile

Hindelwangen Hindelwangen
Hoppetenzell Hoppetenzell

Hoppetenzell wird im Jahre 777 zum ersten Mal im Testament des Abtes Fulrad von St. Dénis (bei Paris) urkundlich erwähnt. Demnach gehörte zum Besitz des Klosters ein Flecken im Hegau, der mit Adelungcella (oder auch Adelungscella) bezeichnet wird. Nachweislich handelt es sich dabei um die heutige Ortschaft Hoppetenzell. Das Kloster St. Dénis gab Hoppetenzell bald als Lehen an die Grafen von Nellenburg, die das Lehnsverhältnis stillschweigend in ein Eigentumsverhältnis umwandelten.

Wahlwies Raithaslach
Wahlwies Wahlwies

Erste geschichtliche Erwähnung erfuhr Wahlwies im Jahre 839. Hier fanden zwei Schlachten statt: 355 gegen die Römer, und 915 gegen das Bistum Konstanz um die Wiederherstellung des schwäbischen Herzogtums.

Wahlwies ist vor allem durch das dortige Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf und eine Waldorfschule bekannt.

Winterspüren Winterspüren
Zizenhausen
Heidenhöhlen bei Zizenhausen
Zizenhausen

Die Ortschaft Zizenhausen hat rund 1200 Einwohner. Der Ort ist bekannt durch die Zizenhausener Terrakotten aus einer Manufaktur des 19. Jahrhunderts. Ein Teil dieser von Sammlern hoch begehrten Tonfiguren ist im Schloss Zizenhausen und im Stockacher Stadtmuseum zu bewundern. Neben zahlreichen Darstellungen ist besonders der „Basler Totentanz“ bekannt. Der Ort liegt sieben Kilometer nördlich des Bodensees im Hegau. Geologisch interessant sind die im Ortsgebiet gelegenen „Heidenhöhlen“.

Eingemeindungen

Im Zuge der baden-württembergische Gebietsreform in den 1970er Jahren wurden am 1. Dezember 1971 Hindelwangen, am 1. Januar 1972 Winterspüren, am 1. Januar 1973 Espasingen und Mahlspüren im Tal, am 1. Januar 1974 Raithaslach und Zizenhausen und am 1. Januar 1975 Hoppetenzell, Mahlspüren im Hegau und Wahlwies nach Stockach eingemeindet.

Politik

Die Stadt ist auch Sitz einer Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Eigeltingen, Hohenfels, Mühlingen und Orsingen-Nenzingen mit (2005) insgesamt rund 30.570 Einwohnern. Die Verwaltungsgemeinschaft wurde am 1. Oktober 1975 konstituiert.

Gemeinderat

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 30 Mitglieder an.

FWG 36,5 % -3,8 11 Sitze -2
CDU 31,4 % -7,9 10 Sitze -4
SPD 17,0 % +1,8 5 Sitze ±0
Die Grünen 8,9 % +8,9 2 Sitze +2
FDP/DVP 6,3 % +1,4 2 Sitze +1

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold ein silberner Schrägbalken, belegt mit einem rotem Ast, oben und unten je eine schrägrechtsliegende, vierendige blaue Hirschstange.“

Städtepartnerschaften

Seit 1972 wird eine Städtepartnerschaft mit der in Hochsavoyen gelegenen französischen Stadt La Roche-sur-Foron unterhalten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Stockach nennt sich Tor zum Bodensee. Es lebt vom Tourismus und einer doch stattlichen Anzahl an Firmen, die international tätig sind.

Verkehr

Nahverkehrszug auf dem Seehäsle

Die Stadt Stockach ist über die Bundesautobahn 98 über zwei Ausfahrten erreichbar. Im Ort kreuzen sich die Bundesstraßen B 14, B 31 und B 313. Seit 1996 kann man die Stadt wieder mit der Bahn erreichen. Die Seehäsle genannte Linie Stockach – Radolfzell vereinigt sich in Stahringen mit der Bodensee-Gürtelbahn und hat in Radolfzell Anschluss zu der Seehas genannten Nahverkehrslinie Engen – Singen – Radolfzell – Konstanz.

Gericht, Behörden und Einrichtungen

Stockach hat ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Konstanz gehört.

Vom Landratsamt Konstanz gibt es eine Außenstelle für KFZ-Zulassungen und Führerscheine, die im Rathaus untergebracht ist.

Religionen

Kath. St.-Oswald-Kirche.

In Stockach gibt es zwei evangelische - in Stockach und Wahlwies - und in den verschiedenen Ortsteilen mehrere katholische Kirchen. Die Stadt ist Sitz des Kirchenbezirks Überlingen-Stockach der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Folgende Kirchen und Glaubensgemeinschaften sind in Stockach vertreten:

Bildungseinrichtungen

In der Kernstadt gibt es Grund- und Hauptschule, das Nellenburg-Gymnasium, Realschule, Förderschule, E-Schule, Berufsschulzentrum, Sprachheilschule, Fachschule für Landwirtschaft und Musikschule.

Im Ortsteil Wahlwies gibt es eine Grund- und Hauptschule sowie eine Freie Waldorfschule.

In Zizenhausen gibt es die Anton-Sohn-Schule, diese Grund- und Hauptschule ist nach dem bekannten Sohn des Dorfes Zizenhausens benannt. Die ersten beiden Klassen der Anton-Sohn-Schule werden im Ortsteil Mahlspüren im Hegau unterrichtet. Eine weitere Grundschule befindet sich im Ortsteil Winterspüren. Ebenso wird im Ortsteil Hindelwangen die erste Klasse unterrichtet. Nach der ersten Klasse gehen die Schüler dann in die zentrale Grundschule der Kernstadt.

Die 2002 neu eingerichtete moderne Stadtbücherei bietet über 25.000 Medien, kostenfreien Internetzugang und zahlreiche Veranstaltungen zur Leseförderung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Über 140 Vereine sorgen in Stockach für ein großes Spektrum an Veranstaltungen.

Musik

  • Chöre: Eintrachtchor 1836 (mit Jugendchor), Kammerchor, sechs Gesangsvereine.
  • Orchester: Akkordeon-Orchester Wahlwies, Kammerorchester, Musikschule, acht Musikvereine, zwei Schalmeiengruppen

Museen

Im Alten Forstamt, im 1. und 2. Dachgeschoß über der Stadtbücherei, befindet sich das Stadtmuseum Stockach.

Bauwerke

Stockach beherbergt zwei Skulpturen des im nahen Bodman-Ludwigshafen lebenden Bildhauers Peter Lenk, der „Ehrenwortbube“ und das „U-Boot U20“.

Regelmäßige Veranstaltungen

„Hänsele“ der Narrenzunft „Narrengericht zu Stocken“

Bekannt ist Stockach nicht zuletzt durch seine schwäbisch-alemannische Fastnacht mit dem „Stockacher Narrengericht“, das seit 1351 besteht.

Jährlich im Sommer (Ende Juni) wird am „Schweizer Feiertag“ des erfolgreichen Widerstands gegen die schweizerische Belagerung während des Schwabenkrieges (1499) gedacht und mit einem Straßenfest gefeiert.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Kuony von Stocken (auch manchmal als Hans Kuony), Begründer des Narrengerichts zu Stockach
  • Caroline Schleicher (1794–?), Klarinettistin
  • Anton von Stabel (1806-1880), Staatsrechtler und Regierungschef
  • Gideon Weizel (1807–1872), Staatsrat
  • Richard Stocker (1832-1918), geboren in Wahlwies, war ein „Großherzoglicher Verwaltungsbeamter“ in Waldshut und berühmter Tenor (genannt der „Hegausänger“) seiner Zeit; befreundet mit Joseph Victor von Scheffel und Joseph Stöckle.
  • Emil Lugo (1840–1902), Maler
  • Julius Pecher (1842–1901), Hofbaumeister und Schriftsteller
  • Albert Gockel (1860-1927), Physiker
  • Karl Friedrich Gegauf (1860-1926), geboren in Wahlwies, erfand und baute die erste Hohlsaum-Nähmaschine der Welt und legte damit den Grundstein für die Bernina Nähmaschinenfabrik
  • Karl Futterer (1866–1906), Geologe, Mineraloge und Asienforscher
  • Paul Pfeiffer (1879–1957), Metallkünstler
  • Wilhelm Mattes (1892-1952), geboren in Winterspüren, Politiker (DVP, später GB/BHE), Landtagsabgeordneter
  • Andreas Renner (*1959), deutscher Politiker der CDU, ehemaliger Sozialminister Baden-Württembergs
  • Andreas Jung (Politiker) (*1975), deutscher Politiker der CDU, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Konstanz ab 2005
  • Sebastian Padotzke, Keyboarder von Reamonn
  • Déborah Rosenkranz (*1983), Sängerin, bekannt als singende Stewardess

Andere Persönlichkeiten

  • Anton Sohn (1769–1841), Schöpfer der Zizenhausener Terrakotten, lebte und wirkte von 1799 bis zu seinem Tod im Ortsteil Zizenhausen
  • Gustav Rockholtz (1869–1938), Maler, lebte und wirkte von 1919 bis zu seinem Tod in Stockach
  • Carl Anton von Krafft (1743-1830), Oberamtmann und Landrichter der Grafschaft Nellenburg und Herr der Grundherrschaft Zizenhausen

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 777–784
  3. Max Miller, Gerhard Taddey: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 6, Baden-Württemberg. 2. Auflage, 1980, ISBN 978-3-520-27602-5 S. 763.

Literatur

  • Fredy Meyer: Wahlwies. Ein Dorf und seine Geschichte. Engen: Stähle, 1990, XIII, 509 S., ISBN 3-921413-26-5 (Hegau-Bibliothek; Band 67)
  • Hartmut Rathke: Stockach im Zeitalter der Weltkriege. (= Hegau-Bibliothek; Band 123). Konstanz 2004, ISBN 3-00-014732-2
  • Hans Wagner: Aus Stockachs Vergangenheit. Herausgegeben vom Verein für Geschichte des Hegaus e. V. (= Hegau-Bibliothek; Band 11). 1967 (aus diesem Buch stammen die meisten Angaben zu Geschichte und Persönlichkeiten)

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