Besondere Gefechtshandlungen

Als Besondere Gefechtshandlungen werden im deutschen Heer militärische Handlungen bezeichnet, die im Rahmen aller Gefechtsarten möglich sind und die zu einem Gefecht überleiten können. Sie sind damit neben den Allgemeinen Aufgaben im Einsatz und den Gefechtsarten eine eigenständige Gattung, die bei der Führung im Gefecht und der Truppenausbildung zu berücksichtigen sind.
Zu den Besonderen Gefechtshandlungen zählen:

  • Begegnungsgefecht
  • Lösen vom Feind
  • Ablösung einer Truppe, die am Feind steht, durch eine neue Truppe, die ggf. deren Aufgabe übernimmt
  • Aufnahme von eigenen, ausweichenden Kräften durch eigene Truppen
  • Überwachen von Räumen, um mit weiträumig eingesetzten Kräften und Mitteln Informationen über das Geschehen in Gebieten zu erhalten.

Vorschriften und historische Entwicklung

In der Truppenführungsvorschrift (Heeresdienstvorschrift 100/100 - TF/G) des Heeres ist den Besonderen Gefechtshandlungen ein eigener Teil vorbehalten, in dem die wesentlichen Charakteristika und grundlegenden Vorschriften für die Bewältigung solcher Lagen und Aufträge gegeben werden. Da sie den Allgemeinen Aufgaben im Einsatz und den Gefechtsarten in der Häufigkeit des Vorkommens nachgeordnet sind, schließt die Vorschrift mit ihrer Darstellung.

Für die Wehrmacht wurden die entsprechenden Anweisungen in der damaligen Truppenführungsvorschrift (Heeresdienstvorschrift 300/1 Truppenführung - T.F.) gemacht. Der Begriff der Besonderen Gefechtshandlung war jedoch noch nicht in Gebrauch. So wurde das Begegnungsgfecht im Abschnitt VI. Angriff, das Lösen vom Feind und die Aufnahme im Abschnitt IX. Abbrechen des Gefechts, Rückzug geregelt. Das Überwachen von Räumen war Abschnitt III. Aufklärung zugeordnet, während es für die Ablösung von Truppen keine vorschriftlichen Regelungen gab. Dagegen wurden als Gefechte unter besonderen Verhältnissen das Gefecht bei Dunkelheit und Nebel, Ortsgefecht, Waldgefecht, Überwinden von und Abwehr an Flüssen und anderen Gewässern, Gefecht im Gebirge, Gefecht in Engen, Grenzschutz und Kleiner Krieg (i.a. Partisanenkampf) im Abschnitt XI. behandelt. Für die Bundeswehr wurden die entsprechenden Regelungen in eigenständigen Vorschriften zusammengefasst, wodurch die Truppenführungsvorschrift entlastet werden konnte.

Die Wehrmacht stützte sich damit weitgehend auf die von General Hans von Seeckt für die Reichswehr herausgegebene Heeresdienstvorschrift 487 - Führung und Gefecht der verbundenen Waffen (F.u.G.) von 1924. Dort hatte das Begegnungsgefecht gemeinsam mit den Angriffsverfahren den Abschnitt VI. für sich. Die Ablösung war in Kapitel X. Verteidigung geregelt. Als Gefechte unter besonderen Verhältnissen kannte die F.u.G. das Hinhaltende Gefecht, Orts- und Waldgefecht, Gefecht bei Dunkelheit und Nebel, Gefecht um Engen und Flussübergänge, Gefecht im Gebirge und den Minenkrieg.

Das königlich preußische Heer, und mit ihm die übrigen Kontingente des Deutschen Reichs vor 1918, kämpfte nach der Felddienst-Ordnung (Dienstvorschrift-Exerzierregelement Nr. 267), dem Vorläufer der Truppenführungsvorschriften. Dort sind jedoch noch keine Besonderen Gefechtshandlungen aufgeführt.

Quellen

  • Heeresdienstvorschrift 100/100 Führung im Gefecht (TF/G) - Verschlusssache Nur für den Dienstgebrauch (nicht öffentlich), Bonn 1962, 1974, 1998 (Neuausgaben und ständige Fortschreibung)
  • Heeresdienstvorschrift 300/1 Truppenführung (T.F.), Berlin 1936
  • Heeresdienstvorschrift 487 - Führung und Gefecht der verbundenen Waffen (F.u.G.), Berlin 1924
  • Dienstvorschrift-Exerzierregelement Nr. 267 Felddienst-Ordnung (F.O.), Berlin 1908

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