Bestattungsritual

Bestattungsritus bezeichnet – vor allem in der Ethnologie und der Archäologie – die Gesamtheit aller Handlungen vor, während und nach einer Bestattung. Im engeren Sinne ist die Art der Totenlege gemeint (z. B. Hockergrab), im weiteren Sinne alle mit den körperlichen Überresten des Verstorbenen in Verbindung stehenden Handlungen.

Bestattungsriten sind seit der Steinzeit (Paläolithikum) bekannt und wichtiger Teil der meisten Kulturen. Sie sind eine spezifisch menschliche Erscheinung. Im Tierreich sind keine Bestattungsriten bekannt. Sie sind eng an die jeweiligen Jenseitsvorstellungen geknüpft und gehören deshalb meistens in den religiösen Bereich einer Kultur.

Bestattungsriten können als Übergangsriten angesehen werden. Rituelle Bestattungen dienen den Bestattenden dazu, ihre Trauer zu kanalisieren, die Störung in der Gemeinschaft, die durch den Tod ausgelöst wird, zu verarbeiten, und Aussagen über das Jenseits zu treffen.

Inhaltsverzeichnis

Bestattungsformen

Nahezu jede denkbar mögliche Behandlung von Leichnamen ist von Ethnologen, Historikern und Archäologen beschrieben worden. Häufige Formen sind:

Körperbestattung

Brandbestattung

  • Urnenbestattung, d. h. der Leichenbrand wird aufgesammelt und separat in einem Gefäß beigesetzt
  • Brandschüttung, d. h. der Leichenbrand wird aufgesammelt und anschließend in die Grabgrube geschüttet
  • Scheiterhaufengrab, d. h. das Grab wird über dem Scheiterhaufen errichtet (meistens Hügelgrab)
  • Bustumgrab, d. h. der Scheiterhaufen wird über der Grabgrube errichtet und fällt in Folge der Verbrennung herab
  • Verstreuen der Asche in den Wind
  • Überantwortung der Bestattung in ein Gewässer
  • Teilverbrennung

Riten verschiedener Kulturen

Siehe auch

Literatur

Reiner Sörries, Stefanie Knöll: Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Braunschweig, Thalacker Medien, 2005.

Weblinks


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