Bestimmungswort

Die Komposition (auch: Zusammensetzung[1]) ist nach herrschender Bestimmung (Definition) die Bildung eines neuen Wortes durch die Verbindung mindestens zweier selbstständig vorkommender Wörter[2] oder (in anderen Worten) „die Verbindung von zwei oder mehreren sonst frei vorkommenden Morphemen oder Morphemfolgen (Wörtern) zu einem Kompositum.“[3]

  • Beispiele: Brief + Träger > Briefträger, Abfahrt + Zeit > Abfahrtszeit, kaufen + Haus > Kaufhaus, Fußball + Stadion > Fußballstadion.

Die Komposition ist (im Deutschen) neben der Derivation (Ableitung) die wichtigste Art der Wortbildung.

Sie ist neben der Entlehnung – die nicht als Wortbildungsart zählt – das wichtigste Mittel, um bei Bedarf den bestehenden Wortschatz zu erweitern.

Die Kompositionsbildung folgt einem Prinzip der Univerbierung oder Informationsverdichtung. Das bedeutet, ein Syntagma wird im Sinne der Sprachökonomie in einem Wort ausgedrückt.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung zu anderen Wortbildungsarten

Die Komposition ist von der Derivation (Ableitung) und von der Konversion – soweit man diese nicht als Derivation auffasst – zu unterscheiden.

Derivation

Während die Derivation durch das Anhängen eines Affixes an einen Wortstamm gebildet wird, wird das Kompositum durch die Kombination von (freien) Wortstämmen bzw. (freien) lexikalischen Morphemen (oder Morphemfolgen mit einem lexikalischen Morphem als Kern) gebildet.

Zur Abgrenzung von der Derivation (Ableitung) wird vorherrschend definitorisch verlangt, dass es sich bei der Komposition um freie Morpheme handeln muss (siehe dazu Morphem).[4] Nach anderen ist „diese Definition … dahingehend zu erweitern, dass auch die nicht-wortfähigen Kernmorpheme von Wörtern (z. B. reit in reit-en) kompositionsfähig sind (Reit-pferd, Reit-schule).“[5]

Die Unterscheidung zwischen Komposition und Derivation ist idealtypisch zu nennen: „Der Übergang von Komposition zu Derivation … ist sowohl synchronisch als auch diachronisch fließend.“[3]

Konversion

Die Komposition ist von der Konversion zu unterscheiden. Die Konversion kommt ohne Hinzufügung von Lautmaterial aus, während die Komposition bestehende Morpheme miteinander verbindet.

Fuge und Fugenelement (im Deutschen)

Die Nahtstelle zwischen den Wortstämmen, die die Glieder eines Kompositums bilden, wird Fuge oder Kompositionsfuge genannt.[6] Diese kann durch ein spezielles Fugenelement gekennzeichnet sein.[6]

  • Beispiel: Das „s“ in „Komposition-s-fuge“

Als Fugenelemente erscheinen im Deutschen hauptsächlich -(e)s-, -e-, -(e)n- und -er- wie in Liebeslied, nötigenfalls, Wartezimmer und gewissermaßen. Die Fugenelemente im Deutschen sind aus Flexionsendungen oder andernorts geschwundenen Teilen des Wortstamms entstanden, wurden aber später in Analogie dazu gebildet. Man unterscheidet paradigmatische Fugenelemente, d. h. Laute bzw. Lautverbindungen, die dem Flexionsparadigma des Erstglieds entsprechen, z. B. Genitiv-/Plural-Morphologie (Geistesblitz, Geisterfahrer) und unparadigmatische Fugen, die nicht zum Flexionsparadigma des Erstglieds gehören, z. B. Liebesbrief, Beobachtungssatellit.[7] Vollständige Regeln für ihr Auftreten gibt es nicht. Einige Suffixe verlangen jedoch immer das Anhängen eines Fugen-s, so etwa bei -keit, -heit, -schaft, -ung, -ut, -ion, -tät, -tum. Beispiele hierfür sind der Achtungserfolg und der Heiterkeitsausbruch.

„Kopf“ und „Kern“ bei der Komposition

Der grammatikalische Kopf einer Konstruktion überträgt die grammatikalischen Eigenschaften auf das ganze konstruierte Wort und steht beim Kompositum in der Regel rechts außen (= Rechtsköpfigkeit). Der Kopf darf an dieser Stelle nicht mit dem Kern verwechselt werden, denn während der Kopf die grammatikalischen Eigenschaften überträgt, ist der Kern für die semantischen Eigenschaften zuständig. In der Regel gilt zwar Kopf = Kern, das heißt, der semantische Kern ist im Kompositum enthalten, also aus den Konstituenten erschließbar (= endozentrisch), es besteht aber auch die Möglichkeit 'Kopf ≠ Kern, das heißt, der semantische Kern befindet sich außerhalb des Kompositums (= exozentrisch).

Kompositionstypen

In der Sprachwissenschaft werden verschiedene Typen und Arten von Komposita unterschieden. Verbreitet ist die Einteilung in Determinativkomposita, Possessivkomposita und Kopulativkomposita (auch Root Compounds genannt). Daneben werden auch Rektionskomposita (deverbale Komposita) als Synthetic Compounds und Sonderfälle angeführt. Komposita können zudem nach der Art der Konstituenten systematisiert werden. Auch eine semantische Typisierung ist möglich.

Herkömmliche Typisierung

Herkömmlich werden Komposita nach semantischen Kriterien als Determinativkomposita, Possessivkomposita und Kopulativkomposita typisiert. Beim Determinativkompositum bestimmt (determiniert, spezifiziert) ein Wortglied das andere, während beim Kopulativkompositum die Glieder semantisch gleichberechtigt sind.

Man spricht dabei bewusst von Typisierung und nicht von Einteilung. Die Typisierung in Determinativkomposita und Kopulativkomposita wird nicht (immer) als abschließende, eindeutige Einteilung angesehen.

  • Beispiel eines nicht zuordbaren Kompositums: „Vergißmeinnicht“.[8]

Das Possesivkompositum gilt zumeist als Sonderfall des Determinativkompositums. Daneben wird auch ein präpositionales Rektionskompositum angeführt.

Determinativkomposita (hypotaktische Komposita)

Das Determinativkompositum (im weiteren Sinn) ist ein Kompositum, bei dem zwischen den verbundenen Wörtern (Konstituenten) ein Über- und Unterordnungsverhältnis (ein „hypotaktisches (untergeordnetes) Verhältnis“,[9] ein Bestimmungsverhältnis) besteht. Das heißt eine Wortzusammensetzung, bei der ein Wortteil (Grundwort, Determinatum) durch ein anderes Wortteil (Bestimmungswort, Determinans) bestimmt wird.

Vielfach wird von einem Determinativkompositum (im engeren Sinn) nur dann gesprochen, wenn darüber hinaus zwischen den Wörtern/Morphemen (Konstituenten) ein endozentrisches Bedeutungsverhältnis besteht. Da auch das Possessivkompositum als hypotaktisches, jedoch nicht endozentrisches Kompositum aufgefasst wird, wird hier zwischen einem Determinativkompositum im weiteren und engeren Sinn unterschieden.[10]

Endozentrische hypotaktische Komposita (Determinativkomposita (im engeren Sinn))

Das Determinativkompositum (im engeren Sinn) (auch: „Endozentrisches Kompositum“ oder „Tatpurusha“) (Kopf = Kern) ist ein Determinativkompositum (im weiteren Sinn), bei dem ein „endozentrisches Bedeutungsverhältnis“ zwischen den beiden Konstituenten besteht. Dies ist dann der Fall, wenn die Bedeutung des Kompositums im Grundwort enthalten ist und durch das Bestimmungswort eine einschränkende Spezifizierung erhält.

  • Beispiele: Hochhaus, Speiseöl.

Bei Determinativkomposita in germanischen Sprachen bestimmt das Erstglied (Determinans, modifier, Bestimmungswort) das Zweitglied (Determinatum, head, Grundwort, Basiswort) näher. Bei romanischen Sprachen ist es umgekehrt (Beispiel: (dt.) Filterkaffee, (frz.) café filtre), und auch semitische Sprachen verfahren nach diesem Prinzip. Hebräisches Beispiel: cheder = Zimmer, ochel = Essen; chadar ochel = Esszimmer.

Das Determinans schränkt also das Determinatum semantisch ein, determiniert dies. Die syntaktischen Eigenschaften wie Wortart und Flexionsklasse (Kasus, Genus, Numerus) legt aber weiterhin das Basiswort fest (Beispiel: grasgrün, Grüngras).

Schon als Übergang zu den Simplizia betrachtet man Wörter wie Junggeselle oder jene mit unikalem Morphem im ersten Glied, wie Himbeere, Schornstein, bei denen die formale Analyse nach Determinatum und Determinans keinen Sinn mehr ergibt.

Exozentrische hypotaktische Komposita

Komposita, in denen zwischen ihren Konstituenten ein Über-, Unterordnungsverhältnis besteht, das Bedeutungsverhältnis jedoch exozentrisch ist, werden hier exozentrische Determinativkomposita genannt. Das Bedeutungsverhältnis ist exozentrisch, wenn die Bedeutung der Zusammensetzung in der Zusammensetzung nicht explizit genannt wird. Als exozentrische hypotaktische Komposita werden herkömmlich die Possessivkomposita, vereinzelt auch die präpositionalen Rektionskomposita genannt.

Possessivkomposita

Beim Possessivkompositum (auch: possessivische (besitzanzeigende) Zusammensetzung,[11] Bahuvrihi, Exozentrisches Kompositum) (Schema: Kopf ≠ Kern) besteht wie beim Determinativkompositum ein Determinationsverhältnis. Jedoch wird über das Zweitglied hinausgehend (exozentrisch) „eine andere Entität denotiert als das Zweitglied.“[12]

  • Beispiel: Determinativkompositum: „Gesichtsmilch“; Possessivkompositum: „Milchgesicht“.[12]

Man kann sie auch als Bildungen pars pro toto (im zweiten Glied) auffassen: Großmaul, Dickwanst, Rotkehlchen etc.

Alle diese Bildungen lassen sich mit einem haben-Syntagma paraphrasieren („Jemand, der ein großes Maul hat“). Mit zeitlicher Entfernung kann die Empfindung der einzelnen Komponenten dann aber verloren gehen, die Paraphrasierung sinnlos werden: Bei Grünschnabel oder Rotkehlchen, Löwenzahn etc. ist die Idiomatisierung bereits so stark fortgeschritten, dass sie als Simplizia empfunden werden können.

Noch einmal hiervon abzusondern sind Bildungen wie Dickhäuter, Tausendfüßer, Linkshänder etc. die noch ein derivatives -er aufweisen. Bei ihnen handelt es sich um sog. Zusammenbildungen, eine Form der Ableitung.

Rektionskomposita

In Rektionskomposita hat das Zweitglied eine Argumentstruktur, die vom Erstglied erfüllt wird. Beispielsweise kann der Kopf eines Rektionskompositum von einem transitiven Verb abgeleitet sein.

Bsp.: fahren <_AGENS, _THEMA> --> Fahrer <_THEMA> --> Taxifahrer <_>

Viele Linguisten betrachten ein Kompositum nur dann als Rektionskompositum, wenn das Erstglied tatsächlich ein realisiertes Argument des Verbs ist: Taxifahrer = jmd. fährt Taxi. Ist dies nicht der Fall, wie bspw. in Unfallfahrer ≠ jmd. fährt einen Unfall, wird dieses nicht als Rektionskompositum, sondern als Nicht-Rektionskompositum (Olsen (1986)) oder als Determinativkompositum (Selkirk (1982)) analysiert. Oft wird auf diese Unterscheidung allerdings auch verzichtet.

Das präpositionale Rektionskompositum ist ein exozentrisches hypotaktisches Kompositum, das im Unterschied zum Possessivkompositum als Erstglied eine Präposition hat.[13]

  • Beispiele: „Vor+mittag“, „Unter+tasse“, „Über+see“[13]

Kopulativkomposita (parataktische Komposita)

Kopulativkomposita (auch: Dvandva, Koordinativkomposita) sind Komposita aus zwei oder mehr Bestandteilen derselben Kategorie, welche in einem Verhältnis der Koordination (ein „parataktisches (nebengeordnetes) Verhältnis“[14]) und nicht der Über- oder Unterordnung stehen. Das Besondere der Kopulativkomposita ist, dass die Konstituenten semantisch gleichwertig sind und nicht die eine der anderen untergeordnet ist. Deshalb spricht man hier von Kopflosigkeit oder auch von Doppelköpfigkeit.

  • Beispiele: süßsauer, nasskalt, gelbrot, Hosenrock, aber auch mit Bindestrich: Castrop-Rauxel, Elsaß-Lothringen, Nordrhein-Westfalen und Zahladjektive wie einundzwanzig, Fahnenfarben wie schwarzrotgold, die aber in der Reihenfolge konventionalisiert sind.

Wenn die Reihenfolge nicht lexikalisiert ist, können (theoretisch) die Glieder ohne Sinnverlust vertauscht werden, wie bei Spieler-Trainer sowie Trainer-Spieler.[15]

In manchen Fällen sind Bildungen wie graublau je nach Wortakzentuierung und Kontext determinativ oder kopulativ interpretierbar.

Typenbildung nach Grimm

Während die Typenbildung in Determinativ-, Possessiv- und Kopulativkomposita als synchronisch qualifiziert wird[16] hat Grimm unter historisch-genetischem Aspekt echte/eigentliche Komposita durch Juxtaposition, Kasuskomposita (uneigentliche/unechte Komposita) und verdunkelte („versteinerte“) Zusammensetzungen unterschieden.[17]

Typisierung von Nomina nach semantischen Mustern

  • Substanz-Nomina: (B besteht aus A) aus BS + BS:
Lackschicht = „Schicht aus Lack“
  • affizierende Nomina: (A bewirkt B oder: B wird durch A bewirkt) aus BV + BS:
Lachfalten = „Falten, die durch Lachen bewirkt wurden“, Eisglätte = „Glätte, die durch [eine] Eis[schicht] bewirkt wird“
  • effizierende Nomina: bzw. Nomina resultativa (B bewirkt A) aus BV + BS:
Niespulver = „Pulver, das Niesen bewirkt“, Prosaschriftsteller = „Schriftsteller, der Prosa schreibt“, Diätkoch = „Koch, der Diät kocht“, Märchenonkel = „Onkel, der Märchen erzählt“
  • Nomina agentis: (B tut A) aus BV + BS:
Lebewesen = „Wesen, das lebt“
  • Nomina patientis: (B ist Ziel von A) aus BV + BS:
Wickelkind = „Kind, das man wickelt“
  • Nomina instrumenti: (A tut etwas mit B) aus BV + BS:
Rasierapparat = „Apparat, mit dem man rasiert“ oder BS + BS: Schiffsreise = „Reise mit dem Schiff“
  • Nomina loci: (B geschieht in A) aus BV + BS:
Backstube = „Stube, in der gebacken wird“ und BS + BS: Österreichreise = „Reise in/nach Österreich“ und
  • Nomina directionalia (B geschieht nach A oder in Richtung A):
Anflugrichtung = „Richtung, in die man anfliegt“ und
  • Nomina temporis (A finden an B statt/A dauert B) aus BV + BS:
Waschtag = „Tag, an dem man wäscht“ und BS + BS Osterreise = „Reise zu Ostern“
  • Nomina finalia: (B zum Zwecke von A) aus BS + BS:
Vergnügungsreise = „Reise zum [Zwecke des] Vergnügen[s]“
  • Nomina causalia: (B wegen A oder: B um A willen) aus BS + BS:
Geschäftsreise = „Reise um des Geschäftes willen“
  • Nomina conditionalia: (A gibt den Anlass für B an):
Hochzeitsreise = „Reise anlässlich der Hochzeit“
  • Nomina modalia: (A gibt das wie für B an):
Gesellschaftsreise = „Reise in [der Art und Weise der] Gesellschaft“

Typisierung nach den beteiligten Wortarten

Die unmittelbaren Konstituenten eines Kompositums können unterschiedlichen Wortarten angehören. „Fast alle Wortarten können miteinander kombiniert werden.“[18] oder es gibt „grundsätzlich keine Einschränkungen.“[19]

(Nomen + Nomen; N+N – Komposita): „Fuge+n+element“, „Wort+bildung“

(Adjektiv + Nomen (+ Nomen)): „Breit+maul+frosch“; „Dünn+brett+bohrer“

(Adjektiv + Adjektiv): „hell+gelb“

(Adverb + Adverb): „immer+fort“

(Verb + Verb): „dreh+bohren“

(Verb + Nomen): „Koch+topf“

(Präposition + Nomen): „Gegen+satz“

(Pronomen + Nomen): „All+heilmittel“

Komposita kann man auch nach der Wortart der Kopfkonstituente einteilen in:[16]

  • Nominalkomposita (Beispiel: „Renn+wagen“)
  • Adjektivkomposita (Beispiel: „himmel+blau“)
  • Verbkomposita (Beispiel: „zusammen+setzen“)

Sonderfälle

Zusammenrückungen, Amalgamierungen

Zusammenrückungen, auch Amalgamierungen genannt, also Wörter wie Taugenichts, Nimmersatt, Vergissmeinnicht, fußbreit, fortan sind in der Forschung in ihrer Zuordnung umstritten. Nach Bußmann stellen sie eine Ausnahme bei der Komposition dar, da das 2. Glied nicht Wortart und Flexionsklasse bestimmt.[16]

Autokomposita, Iterativkomposita

Die Reduplikation, auch Iteration, ist eine schwach produktive Wortbildungsart, bei der durch Doppelung eines Wortes ein Kompositum gebildet wird. Gelegentlich wird dabei der anlautende Konsonant variiert, meist aber der Stammvokal des Ausgangswortes.

Beispiel:
variierter Konsonant: Schickimicki
variierter Stammvokal: Mischmasch, Wirrwarr

Nicht zur Reduplikation gehören Onomatopoetika wie Kuckuck, Tamtam, Wauwau, die nicht aus Wörtern gebildet, sondern lautmalerisch urgeschöpft werden. Ebenfalls nicht als Reduplikationsprodukte, sondern als Determinativkomposita werden hier die sogenannten Selbstkomposita verstanden, die vorrangig der Hervorhebung dienen, z. B. Film-Film, graugraue Hemden.

Affixoide Wortbildungen

Sie stehen funktional zwischen Kompositum und Derivation. Affixoide sind reihenbildende Kompositionsglieder. Während Pressefreiheit (Freiheit für die Presse) ein übliches Kompositum ist, ist Schadstofffreiheit (das Freisein von Schadstoffen) ein affixoides – noch genauer ein suffixoides – Kompositum.

Die Unterschiede zwischen reihenbildenden affixoiden und nichtreihenbildenden Komposita lassen sich an folgenden Beispielen veranschaulichen:

Affixoide (reihenbildende) Komposita sind:

  • a) präfixoide: Star-dirigent, Problem-kind, Traum-frau, Schlüssel-erlebnis, Riesen-freude, sau-müde;
  • b) suffixoide: Ehe-muffel, Geräusch-armut, Europa-müdigkeit, Lust-killer (etwas, was die Lust „killt“), Konflikt-freudigkeit, Impf-müdigkeit, trink-fest.
  • Nichtreihenbildende Komposita: Problembewusstsein, Schlüsselbund, Saumagen, Kinderarmut, Mafiakiller (Killer von der Mafia).

Es gibt Komposita, die auf Grund dieser beiden Wortbildungsmöglichkeiten zwei Bedeutungen haben:

  • Traumarbeit: 1. In der Psychologie: Arbeit, die der Traum leistet, nämlich die Umformung und Aufarbeitung unbewusster libidinöser Wünsche; 2. (präfixoid) traumhaft schöne Arbeit.
  • Bombenauto: 1. Auto, in dem eine Bombe versteckt ist; 2. (präfixoid) ein ganz tolles Auto.
  • Scheißhaus: 1. derb für: Toilette, Abort; 2. (präfixoid) Haus, das in einem bestimmten Zusammenhang als ärgerlich empfunden wird, blödes Haus (wegen dieses Scheißhauses kann ich nicht in den Urlaub fahren, ich muss es noch immer abbezahlen).

(Literatur: Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Lexicographica Series Maior 84: Wörterbücher in der Diskussion III. 1998. Darin: Wolfgang Müller: Wörterbücher der Zukunft oder Terrae incognitae. S. 212–222.)

Literatur

  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
  • Elke Donalies: Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. Narr, Tübingen 2002, ISBN 3-8233-5157-5, 2. Auflage 2005.
  • Johannes Erben: Einführung in die deutsche Wortbildungslehre. 3. neubearbeitete Auflage. Schmidt, Berlin 1993, ISBN 3-503-03038-7.
  • Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz, unter Mitarbeit von Marianne Schröder: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10682-4
  • Susan Olsen: Wortbildung im Deutschen. Eine Einführung in die Theorie der Wortstruktur. Kröner, Stuttgart 1986, ISBN 3-520-66001-6.
  • Susan Olsen: „Argument-Linking“ und unproduktive Reihen bei deutschen Adjektivkomposita. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft. 5, S. 5–24, 1986b.
  • Lorelies Ortner, Elgin Müller-Bollhagen u. a.: Substantivkomposita. (Komposita und kompositionsähnliche Strukturen 1). de Gruyter, Berlin/New York 1991, ISBN 3-11-012444-0.
  • Maria Pümpel-Mader, Elsbeth Gassner-Koch, Hans Wellmann unter Mitarbeit von Lorelies Ortner: Adjektivkomposita und Partizipialbildungen. (Komposita und kompositionsähnliche Strukturen 2). de Gruyter, Berlin/New York 1992, ISBN 3-11-012445-9.
  • Elisabeth O. Selkirk: The syntax of words. 2. Auflage. MIT Press. Cambridge, Mass. [u. a.] 1982, ISBN 0-262-19210-1/ISBN 0-262-69079-9.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Der Ausdruck „Zusammensetzung“ ist mehrdeutig: Er bezeichnet sowohl den Wortbildungsvorgang (die Komposition) als auch das Wortbildungsergebnis (das Kompositum).
  2. Vgl. Duden, Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht. 2007, S. 126
  3. a b Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Komposition.
  4. Exemplarisch: Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Komposition.
  5. Schöneck: Wortbildung. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Auflage. 2005, ISBN 3-8252-1879-1, S. 106.
  6. a b Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Auflage. 2003, ISBN 3-8252-1526-1, S. 70.
  7. Altmann, Kemmerling, 2005
  8. So Clément: Linguistisches Grundwissen. 2. Auflage. 2000, S. 39.
  9. Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 104.
  10. Diese Unterscheidung wurde in der eingesehenen Literatur nicht vorgefunden.
  11. Langemann,Felgentreu (Hrsg.): Duden, Basiswissen Schule: Deutsch. 2. Auflage. 2006, ISBN 3-411-71592-8, S. 112.
  12. a b Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Possessivkompositum.
  13. a b Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 104f.
  14. Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 105.
  15. Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Kopulativkompositum.
  16. a b c Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Kompositum.
  17. Einzelheiten bei Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, ISBN 3-520-45203-0/Komposition.
  18. Langemann, Felgentreu (Hrsg.): Duden, Basiswissen Schule: Deutsch. 2. Auflage. 2006, ISBN 3-411-71592-8, S. 111.
  19. So Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, S. 102.
  20. Beispiele überwiegend nach Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. 2005, S. 102.

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