Betheler Bekenntnis

Bei dem Betheler Bekenntnis handelt es sich um ein lutherisches Bekenntnis im Kirchenkampf, das im August 1933 in Bielefeld-Bethel von einem Arbeitskreis erstellt wurde, an dem federführend Hermann Sasse und Dietrich Bonhoeffer beteiligt waren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der erste Entwurf wurde von Friedrich von Bodelschwingh an eine Reihe von 20 evangelischen Theologen (u.a. Karl Barth und Adolf Schlatter) mit der Bitte um Gutachten verschickt. Als die Gutachten einliefen, stellte sich schnell heraus, dass das Bekenntnis nicht als gesamt-evangelisches Dokument gegen die Deutschen Christen geeignet war. Vielen war es zu lutherisch, andere vermissten eine klare Stellungnahme gegen Karl Barth.

Aus verschiedenen Gründen zogen dann Sasse und Bonhoeffer ihre Unterstützung für das Projekt zurück. Es kam noch zu einer anonymen Veröffentlichung einer von Martin Niemöller überarbeiten Fassung, die aber nicht mehr von den ursprünglichen Hauptautoren mitgetragen wurde.

Inhalt

Das Bekenntnis ist in sechs Hauptartikel gegliedert und stellt die Lehre der Kirche sowohl positiv als auch negativ gegenüber verbreiteten Irrlehren der Zeit dar:

  • I. Von der Heiligen Schrift
  • II. Was ist Reformation?
  • III. Von der Dreieinigkeit Gottes
  • IV. Von Schöpfung und Sünde
    • 1. Schöpferglaube und natürliche Erkenntnis
    • 2. Die Ordnungen
    • 3. Das Gesetz
    • 4. Die Sünde
  • V. Von Christus
  • VI. Vom Heiligen Geist und von der Kirche
    • 1. Vom Heiligen Geist
    • 2. Von Rechtfertigung und Glaube
    • 3. a. Von der Kirche
    • b. Amt und Bekenntnis
    • 4. Kirche und Volk
    • 5. Kirche und Staat
    • 6. Kirche und die Juden
    • 7. Vom Ende aller Dinge

Würdigung

Klaus Scholder schreibt:

Gleichwohl bleibt das Betheler Bekenntnis in seiner Erstfassung -- gerade auch im Blick auf den großen deutschchristlichen Aufbruch der deutschen Theologie in dieser Zeit -- ein glänzendes, scharfes und eindrückliches Zeugnis für das, was theologische Arbeit im Sommer 1933 nun doch auch noch zu leisten vermochte. In der Form zwar schwerfällig, befrachtet mit zahlreichen Belegen aus der Bibel, aus Luther und vor allem aus den [lutherischen] Bekenntnisschriften, war dieses Bekenntnis doch an manchen Stellen theologisch und politisch klarer und genauer als die berühmte Barmer Erklärung vom Mai 1934.[1]

Anmerkungen

  1. Scholder, S. 579.

Literatur

  • Bonhoeffer, Dietrich. Kirchenkampf und Finkenwalde: Resolutionen, Aufsätze, Rundbriefe 1933 bis 1945, hg. von E. Bethge, 2. Aufl. (München: Chr. Kaiser, 1965), 80-89 (Vorbemerkung E. Bethges), 90-119 (Text des Bekenntnisses).
  • Bethge, Eberhard. Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, 5. Aufl. (München: Chr. Kaiser, 1983), bes. 352-356.
  • Scholder, Klaus. Die Kirchen und das Dritte Reich 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen 1918-1934, geringf. erg. Ausg. (Frankfurt/Berlin: Ullstein, 1986), 579-582.

Weblinks


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