Bethlehem Steel Corporation

Die Bethlehem Steel Corporation, allgemein unter dem Namen Bethlehem Steel bekannt, deren Stammsitz in Bethlehem, Pennsylvania lag, war einst der zweitgrößte Stahlproduzent in den USA (nach der US Steel aus Pittsburgh, Pennsylvania). Nach ihrem Bankrott 2001 wurde die Gesellschaft aufgelöst und die verbliebenen Vermögenswerte 2003 an die International Steel Group verkauft, hinter der die Mittal Steel Company N.V. steht. Während seiner aktiven Zeit war Bethlehem Steel auch eine der größten Schiffswerften und größten konventionellen Rüstungsunternehmen der Welt.

Bethlehem Steels Niedergang wird häufig als ein prominentes Beispiel zitiert für die Abkehr der US-Wirtschaft von industrieller Fertigung und ihrer Unfähigkeit, im Wettbewerb mit billiger ausländischer Arbeitskraft zu bestehen.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Das Unternehmen startete am 8. April 1857 unter der FirmaSaucona Iron Works“ in South Bethlehem, Pennsylvania. Am 1. Mai 1861 änderte es seine Firma in „Bethlehem Iron Works“. In seinen frühen Jahren produzierte es Eisenbahnschienen und Panzerplatten für die United States Navy. 1899 erhielt das Unternehmen die Firma Bethlehem Steel Company, aus der 1904 die Bethlehem Steel Corporation wurde.

1904 stieß Charles M. Schwab, ein früherer Präsident von US Steel, der zuvor auch bei Carnegie Steel tätig war, zu Bethlehem Steel und bildete zusammen mit Joseph Wharton das board of directors, in dem Schwab die Funktion des Präsidenten und Chairmans übernahm. Bethlehem Steel stieg zu großer Prominenz in der amerikanischen Industrie durch die Installation der revolutionären grauen Walzstraße und die Produktion von Breitflanschträgern auf, die erstmals in Amerika produziert wurden. Sie wurden hauptsächlich in der Bauindustrie verwendet, die mit dem Aufkommen von Wolkenkratzern Bethlehem Steel schnell die Rolle des führenden Lieferanten für die Bauindustrie gab. Die heute weltweit verbreitete Produktionsmethode für gehärteten Werkzeugstahl wurde bei Bethlehem Steel erfunden und auf der EMO 1900 der Öffentlichkeit präsentiert.

Im beginnenden 20. Jahrhundert griff der Konzern über die reine Stahlproduktion hinaus zu Eisenerzminen auf Kuba und in Chile sowie Werften überall in den USA. 1913 akquirierte Bethlehem Steel die Fore River Shipbuilding Company aus Quincy, Massachusetts, wobei Bethlehem Steel hierdurch die Rolle des weltführenden Schiffbauers übernahm.

Über amerikanische Landmarken hinaus

1916 wurde Eugene G. Grace Präsident des Unternehmens und 1945 sein Chairman, das er bis 1960 leitete. Grace übernahm eine Reihe weiterer Stahlproduzenten in den 1920er Jahren, und Bethlehem Steel produzierte für eine Vielzahl von Amerikas prominentesten Landmarken, wie z.B. das Rockefeller Center und den Madison Square Garden in New York City oder für die Golden Gate Bridge in San Francisco. Für die PR von Bethlehem Steel wirkte einige Zeit Ivy Ledbetter Lee.

Der Stahl für die amerikanischen Streitkräfte

Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs übernahm Bethlehem Steel die Rolle des Hauptlieferanten für Panzerplatten und Rüstungsprodukte für die amerikanischen Streitkräfte. Viele der Kriegsschiffe besaßen Panzerplatten und großkalibrige Geschütze, die von Bethlehem Steel geliefert worden waren.

Während des Zweiten Weltkriegs produzierten Bethlehems Werften insgesamt 1.121 Schiffe, mehr als jeder andere Schiffbauer während des Krieges, wobei 180.000 Mitarbeiter (von einer Belegschaft insgesamt von 300.000) allein hiermit beschäftigt waren. Später in der Friedenszeit setzte die Fabrik die Produktion einer breiten Produktpalette von Profilstählen und Schmiedestählen für die Bauwirtschaft und das Militär, für die Energieerzeugung und andere Stahlproduzenten fort. Die Zahl der Beschäftigten sank 1961 auf 121.000.

Bethlehem Steels Gipfel wurde in den 1950er Jahren erreicht, als das Unternehmen etwa 23 Mio. Tonnen Stahl jährlich herstellte und seine größte Fabrik in Burns Harbor, Indiana zwischen 1962 und 1964 errichtete. Arthur B. Homer, Präsident von Bethlehem Steel, war 1958 der höchstbezahlte Manager in den USA.

Im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten

Mitte der 1980er Jahre begann der Markt für die Profilstähle des Unternehmens zu verschwinden. Immer mehr Stahlprodukte, z.B. im Brücken- und Schiffbau, die zuvor aus Profilstählen hergestellt wurden, konnten jetzt auch durch den preiswerter zu erzeugenden Flachstahl gefertigt werden. Neue Wettbewerber traten auf den Markt. Leichtere, niedrigere Baustile, aus denen weniger hohe Gebäude resultierten, die nicht die bei Bethlehem Steel produzierten massiven Profilstähle benötigten, zwangen Bethlehem Steel, seine Fabrik am Hauptstandort Bethlehem Ende 1995 aufzugeben. Nach ca. 140 Jahren Metallerzeugung stellte Bethlehem Steel ausgerechnet in Bethlehem seine Produktion ein.

In den 1980er Jahren setzte der Import billigeren ausländischen Stahls ein, der Bethlehem Steels Anteil am amerikanischen Stahlmarkt sinken ließ. 1982 erzielte das Unternehmen einen Verlust von US$ 1,5 Mrd. und sah sich zur Aufgabe vieler Geschäftszweige gezwungen. 1988 kehrte das Unternehmen kurz zur Profitabilität zurück, aber der Prozess des Umbaus und der Produktionsstilllegungen setzte sich in den 1980er und 1990er Jahren fort. 1990 erzielte Bethlehem Steel mit 29.600 Beschäftigten noch einen Umsatz von US$ 4,93 Mrd..

Schließung und Bankrott

Mit der Schließung seiner lokalen Betriebe und seinem daraus resultierenden extremen Einflusses auf die Region Lehigh Valley, entschied sich Bethlehem Steel, die South Side von Bethlehem zu revitalisieren und warb fremde Berater an, die Konzepte zur Wiedernutzung des riesigen Geländes entwickeln sollten. Konsens war die Umbenennung einer Fläche von 660.000 m² in „Bethlehem Works“, um sie für Kultur, Erholung, Bildung, Unterhaltung und Einzelhandel zu entwickeln. Das National Museum of Industrial History zusammen mit der Smithsonian Institution und dem Bethlehem-Handelscenter, bestehend aus 6,5 km² früheren Industriebesitzes, wurden an dieser Stelle errichtet.

2001 ging Bethlehem Steel formell endgültig bankrott. Zwei Jahre später wurden die Überreste einschließlich der sechs ausgedehnten Fabriken von der International Steel Group Inc. erworben.

Die Produktionsgebäude der Bethlehem Steel waren Filmkulisse für Transporter.

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