Betonnung
Tonne 15 Ansteuerung Fehmarnsund
2 Flachwassertonnen (im Nautineum Stralsund)

Schifffahrtszeichen (im Küstenbereich vor allem früher auch Seezeichen) sind hör- oder sichtbare Markierungen, die als Navigationshilfen in der Schifffahrt dienen. Sie werden in den Seekarten durch international genormte Zeichen dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1310 stand bereits ein Turm auf der Insel Neuwerk in der Elbmündung. Die ersten schwimmenden Seezeichen lagen 1358 aus. Die 'Schartonne' wird 1466 erwähnt. Die Hamburger Kaufmannschaft brachte sie mit einem Kauffahrteischiff aus.

Die Tonnen waren meist wie ein Fass aus Eichenholz mit Eisenringen gefertigt. Zuerst waren sie konisch geformt, später liefen sie an beiden Enden spitz zu. Noch später entwickelten sich die verschiedenen heutigen Formen. Um 1900 gab es im Elbstrom bereits ca. 134 Tonnen.

Zunächst waren alle Tonnen schwarz, doch ab 1575 begann man, auch weiße Tonnen auszulegen. 1887 wurde durch den Reichskanzler eine einheitliche Betonnung an den deutschen Küsten angeordnet: Rote Spierentonnen an der Steuerbordseite und schwarze, spitze Tonnen an der Backbordseite.

Seit 1982 gilt international die Regelung der IALA.

Funktion

Seezeichen dienen der Navigation nach Sicht und sind zur Orientierung der Seefahrer häufig an Küsten, gefährlichen Sandbänken oder Riffen, in Flüssen und schiffbaren Binnenseen, in Hafeneinfahrten und engen Fahrwassern aufgestellt.

Sie sind durch Form und Farbe sowie teilweise durch Lichtsignale (Befeuerung) eindeutig unterscheidbar und haben international festgelegte Bedeutungen. Seezeichen mit Radarantwortbaken (Racon) identifizieren sich auf einem Radarschirm mit besonderen Zeichen (meist Morsecode, heute digital mit Ansteuerungskennzeichen, die in Seekarten eingetragen sind).

Im Wesentlichen kennzeichnen die Seezeichen Schifffahrtswege oder Fahrwasser nach dem Lateralsystem und Gefahrenstellen nach dem Kardinalsystem.

Schwimmende Seezeichen werden Tonne genannt. Siehe auch Betonnung. Der häufig in diesem Zusammenhang verwendete Begriff Boje ist für ein Seezeichen fast immer falsch.

In der allgemeinen Lehre der Zeichen (Semiotik) ist ein Seezeichen ein Signal.

Klassifizierung

Loschenturm von 1854 in Bremerhaven
Feuerschiff Weser, früher positioniert am Hohen Weg, der Trennungsstelle zwischen Weser-Einfahrt und Jadefahrwasser, heute im Wilhelmshavener Museumshafen

Man unterscheidet Tag-, Nacht- und Nebel-Seezeichen.

Nachtzeichen haben ein Licht (Befeuerung).

Nebelzeichen geben ein akustisches Nebelsignal ab.

Eine Tonne ist ein schwimmendes Seezeichen, das am Grund fest verankert und meist aus Stahl gefertigt ist.

Seezeichen Funktion Aussehen s/f T/N/A
Leuchtturm s TN
Feuerschiff meist Leuchtrot angestrichen f TN
Bake Turm oder Gerüst aus Holz oder Stahl f TN
Dalbe Fahrwasser einzelner Pfahl oder mehreren Pfähle f T
Stange Fahrwasser einzelne Stange, oder Pfahl mit Toppzeichen f T
Pricke Fahrwasser Baumzweige an Stangen oder junger Baum f T
Fahrwassertonne Fahrwasser Tonne s TN
Kardinaltonne Hindernis Tonne s TN
Festmachetonne Festmachen Tonne s T
Spezialtonne Bereich bezeichnen Tonne s TN
Kabeltonne Bereich bezeichnen Tonne s TN
Leuchttonne Tonne s TN

Schallzeichen

Glockentonne vor Laboe in der Kieler Förde
  • Nebelhorn - Akustisches Signal, entweder an einer Tonne, an Bord eines Schiffes oder stationär an Land, um ein Hindernis zu markieren (beispielsweise Fehmarnsundbrücke)
  • Nebeltonne - (mit Lichtsignallaterne bei Nebel) wird bei Konvoifahrt von einem Schiff ausgesetzt, damit das nachfolgende nicht auffährt
  • Heultonne
  • Gongtonne
  • Glockentonne - davon gibt es nur noch sechs in Deutschland[1]. Eine der letzten (Kieler Förde 6) warnt in der Kieler Förde vor der Untiefe bei Laboe (54° 24′ 48″ N, 10° 12′ 55″ O54.41333333333310.2152777777787): Bei Wellengang schlagen vier Klöppel unregelmäßig gegen eine kleine Glocke.

Typen

Fahrwasserzeichen
Kardinale Kennzeichnung von Gefahrenstellen
Östliche Untiefentonne

Schwimmende Seezeichen

  • Markierungstonne - gelb mit Kreuz als Toppzeichen - bezeichnet ein Seegebiet, das nicht befahren werden darf z. B. Seeschießgebiete der Marine
  • Bezeichnung des Fahrwassers, von See kommend gesehen (IALA Lateralsystem Region A):
    • Backbord, rot
      • Spierentonne
      • Bakentonne
      • Stumpftonne
    • Steuerbord, grün
      • Spitztonne
      • Bakentonne
  • Ansteuerungstonne - in der Mitte des Fahrwassers, z.B. in einer Flusskrümmung (grün, rot, weiß)
    • Bakentonne
    • Kugeltonne
  • zum Festmachen (Anlegen)
    • Festmachtonne

Feste Seezeichen

  • Bezeichnung des Fahrwassers
    • Backbord
      • Bake, rot (bei Lateralsystem A) oder stumpfes Toppzeichen, in der Regel ein Zylinder
      • Pricke, in den Wattboden gestecktes Birkenbäumchen, sieht aus wie ein Besen mit Gestrüpp (nach oben breites, unten ggf. zusammengebundenes Geäst)
      • Stange mit Zylinder-Toppzeichen
    • Steuerbord
      • Bake, grün (bei Lateralsystem A) oder spitzes Toppzeichen, in der Regel ein Kegel
      • Pricke (nach unten breites, oben zusammengebundenes Gestrüpp), teilw. Tanne genannt
      • Stange mit nach oben zeigendem schwarzen Dreieck als Toppzeichen

Die meisten Seezeichen, sowohl schwimmende wie feste, können zudem mit einem periodischen oder dauerhaften Licht ausgerüstet sein (vergl. Nachtseezeichen). Die Farbe des Lichtes ist dabei rot oder grün bei lateralen Zeichen, ansonsten weiß.

Schifffahrtszeichen sind überwiegend im Bereich der Binnenwasserstraßen angebracht. Sie sind Gebots- und Verbotsschilder oder auch Hinweisschilder und dienen der Verkehrsregelung.

Tonnen auslegen

Tonnen werden mit Spezialschiffen, sogenannten Tonnenlegern, ausgelegt:

Unterhalt der Seezeichen in Deutschland

Tonnenhof Wilhelmshaven mit bereit liegenden Tonnen und einem Tonnenleger

Für den Unterhalt der Seezeichen ist in den deutschen Hoheitsgewässern die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit derzeit 39 Wasser- und Schifffahrtsämtern (WSÄ) zuständig. Zentrale technische Aufgaben werden von der Fachstelle der WSV für Verkehrstechniken (ehemals Seezeichenversuchsfeld) für die See- und Binnenwasserstraßen wahrgenommen. Die Seezeichen werden in den Tonnenhöfen der WSÄ gewartet. Die Tonnen werden von Spezialschiffen, so genannten Tonnenlegern, regelmäßig zur Überholung eingeholt und wieder ausgelegt. So wird zum Beispiel in eisgefährdeten Gewässern im Winter eine besondere Winterbetonnung ausgelegt. In Deutschland werden inzwischen alle Tonnen mit Gasbetrieb durch Solartonnen ausgetauscht. Die Tonnen mit Gasbetrieb müssen regelmäßig aufgefüllt bzw. ausgetauscht werden.

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Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Auskunft der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Nord (http://www.wsd-nord.wsv.de/)

Weblinks


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