Betriebs- und Geschäftsgeheimnis
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Betriebsgeheimnisse und Geschäftsgeheimnisse sind im Bereich der Wirtschaft Techniken, Rezepte oder andere Angaben, die als geheimhaltungsbedürftig gegenüber Wettbewerbern und der Öffentlichkeit gelten dürfen.

Während das Betriebsgeheimnis die technischen Aspekte des Geheimnisses umfasst, werden vom Geschäftsgeheimnis die kaufmännischen Aspekte erfasst.

In seinem Beschluss vom 14. März 2006, dem eine Verfassungsbeschwerde der Deutsche Telekom AG zugrundelag, führte das Bundesverfassungsgericht aus:

Als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse werden alle auf ein Unternehmen bezogene Tatsachen, Umstände und Vorgänge verstanden, die nicht offenkundig, sondern nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind und an deren Nichtverbreitung der Rechtsträger ein berechtigtes Interesse hat. Betriebsgeheimnisse umfassen im Wesentlichen technisches Wissen im weitesten Sinne; Geschäftsgeheimnisse betreffen vornehmlich kaufmännisches Wissen. Zu derartigen Geheimnissen werden etwa Umsätze, Ertragslagen, Geschäftsbücher, Kundenlisten, Bezugsquellen, Konditionen, Marktstrategien, Unterlagen zur Kreditwürdigkeit, Kalkulationsunterlagen, Patentanmeldungen und sonstige Entwicklungs- und Forschungsprojekte gezählt, durch welche die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Betriebs maßgeblich bestimmt werden können (vgl. Bonk/Kallerhoff, in: Stelkens/Bonk/Sachs, Kommentar zum Verwaltungsverfahrensgesetz, 6. Aufl. 2001, § 30 Rn. 13 m.w.N.; K. Schmidt, in: Immenga/Mestmäcker, GWB, Kommentar zum Kartellgesetz, 3. Aufl. 2001, § 56 Rn. 12 m.w.N.). [1]

Das Bundesverwaltungsgericht definierte im Jahr 2005:

Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Unternehmens stehende Umstände oder Vorgänge, die nur einem begrenzten Personenkreis bekannt, für Außenstehende aber wissenswert sind, die nach dem bekundeten Willen des Betriebs- oder Geschäftsinhabers geheim zu halten sind und deren Kenntnis durch Außenstehende dem Geheimnisschutzträger zu einem Nachteil gereichen kann. Allgemein bekannte Umstände und Vorgänge sind auch dann keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse, wenn der Inhaber sie als solche bezeichnet (vgl. BAG, Urteil vom 15. Dezember 1987 - 3 AZR 474/ 86 - BAGE 57, 159, Urteil vom 16. März 1982 - 3 AZR 83/ 79 - BAGE 41, 21; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 8. November 2000 - 13 B 15/ 00 - RTkom 2001, 168). [2]

Im Folgenden wird nur von Betriebsgeheimnissen gesprochen, auch wenn Geschäftsgeheimnisse im Sinne der zitierten Unterscheidung ebenso gemeint sind.

Im IT-Bereich werden zu ihrem Schutz häufig nondisclosure agreements unterzeichnet, wenn auf Grund einer unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit Einzelheiten bekannt gemacht werden müssen. Zur Umgehung wird oftmals Reverse Engineering betrieben, also eine Art rückwärtiges Entwickeln anhand einzelner, bekannter Eigenschaften.

Betriebsgeheimnisse sind in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder der Grund für feindliche Übernahmen, da sie zusammen mit dem Unternehmen den Besitzer wechseln.

Betriebsgeheimnisse unterliegen dem strafrechtlichen Schutz nach § 203, § 204 Strafgesetzbuch und §§ 18 f. UWG (siehe auch Geheimnishehlerei).

Zahlreiche Rechtsnormen schreiben den Schutz von Betriebsgeheimnissen durch den Staat fest, wenn dieser von ihnen Kenntnis erlangt. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass primär das Grundrecht der Berufsfreiheit Art. 12 GG als Prüfungsmaßstab zu gelten hat, wenn es um Offenlegung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen geht. Soll vor Gericht das Verhalten eines Wettbewerbers beurteilt werden und nehmen andere Wettbewerber am Verfahren teil, so entsteht regelmäßig ein Konflikt zwischen dem Schutz der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse und den Regeln umfassender Einsicht in die Gerichtsakten für alle Verfahrensbeteiligten.

Einzelnachweise

  1. http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20060314_1bvr208703.html
  2. http://lexetius.com/2005,136

Literatur

  • Carolina Wodtke, Swantje Richters, Marcus Pfuhl: Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Leitfaden für die Praxis. Verlag Erich Schmidt, Berlin 2004, ISBN 978-3503078981, 280 Seiten.
  • Matthias Pierson, Thomas Ahrens und Karsten Fischer: Recht des geistigen Eigentums. Verlag Vahlen, 2. Aufl., 2010, ISBN 978-3800637416, 430 Seiten.
  • Ingo Westermann: Handbuch Know-how-Schutz. C.H. Beck Verlag, 2007, ISBN 978-3-406-51186-8, 271 Seiten.
  • Marcus von Welser, Alexander González, Marken- und Produktpiraterie, Strategien und Lösungsansätze zu ihrer Bekämpfung, 2007, Wiley-VCH, ISBN 3-527-50239-4, 427 Seiten.
  • Christoph Ann, Michael Loschelder, Marcus Grosch, Praxishandbuch Know-how-Schutz, 1. Aufl., 2010, Verlag Carl Heymanns, ISBN 978-3452268921, 753 Seiten.
  • Markus A. Mayer: Geschäfts- und Betriebsgeheimnis oder Geheimniskrämerei? GRUR (Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht) 113(10), S. 884 - 888 (2011), ISSN 0016-9420
  • Eiichiro Kubota: Protection of Trade Secrets in Japan. A.I.P.P.I. (Journal of International Association for the Protection of Intellectual Property of Japan) 36(5), 231 - 238 (2011), ISSN 0385-8863

Weblinks

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