Bettelordenskirchen

Die Kirchenbauten der Bettelorden bilden einen eigenen Typus innerhalb der Architekturgeschichte. Die Bettelordensarchitektur beginnt im 1. Viertel des 13. Jahrhunderts und erreicht im 14. Jahrhundert eine hohe Blüte.

Architektur

Die Bauvorschriften der Dominikaner und Franziskaner beschränkten sich auf wenige Forderungen und Verbote. Sie verlangten Schlichtheit und maßvolle Größe der Gebäude, den weitgehenden Verzicht auf plastische oder malerische Ausstattung, den Verzicht auf Gewölbe in der Kirche mit Ausnahme des Chorraums sowie Turmlosigkeit und Nutzung eines Dachreiters als Glockenstuhl. Diese Vorschriften wurden jedoch schon früh immer wieder ignoriert und im 14. und 15.Jahrhundert noch seltener beachtet. Bereits eine der ersten Kirchen auf deutschem Boden, die 1268 geweihte Dominikanerkirche in Esslingen/N., wurde vollständig gewölbt.

Stilistisch orientierten sich die Bettelordenskirchen am zu jener Zeit aktuellen gotischen Stil, allerdings in reduzierter Formensprache. Im Gegensatz zu der Vertikalität, den zergliederten Bauformen und dem prächtigen Bauschmuck der Kathedralgotik zeichnen sich die zeitgleichen Bettelordenskirchen durch ihre Einfachheit und Strenge in Bau- und Raumform sowie Sparsamkeit in den Einzelformen aus. Ihre äußere Erscheinung zeigt in der Regel einen kubisch zusammengefassten, horizontal gestreckten Baukörper ohne aufwendige Gliederungen. Auf reiche Bauplastik, ein Querhaus sowie auf Glockentürme wurde stets verzichtet.

Eine Bevorzugung eines bestimmten charakteristischen Bautyps lässt sich nicht feststellen, auch innerhalb der diversen Orden sind nur geringe Unterschiede erkennbar. Gebaut wurden Saalkirchen, Basiliken und Hallenkirchen mit verschiedenster Anzahl von Schiffen, teilweise asymmetrisch angelegt. Charakteristisch ist die Weiträumigkeit des Laienbereichs, der der Funktion als Volkskirche entspricht. Zumeist bestehen die mittelalterlichen Bettelordenskirchen aus einem zwei- oder dreischiffigen Langhaus und einem einschiffigen Chor.

Während die Dominikaner etwas früher und öfter gewölbte Kirchen bauten, bevorzugten die Franziskaner eher flachgedeckte Räume mit Holzbalkendecke. Der Chor besitzt meist ein Kreuzgewölbe. Die anfängliche Kleinchörigkeit und der Verzicht auf einen Lettner wurden bald wieder aufgegeben.

Ausstattung

Über Ausstattung und Schmuck der Bettelordenskirchen lässt sich heute aufgrund der gründlichen Zerstörungen seit der Reformation kaum mehr etwas sagen. Anfängliche Bemühungen der Orden, übermäßigen Luxus einzudämmen - so erlaubte ein Franziskanerstatut von 1260 nur Bilder des Kruzifixus, der Madonna, des hl. Johannes, Franziskus und Antonius - scheinen jedenfalls gescheitert zu sein. Gegen sie sprach die Abhängigkeit der Klöster von stiftungsfreudigen Patriziat. Von prachtvollen Glasfenstern, einer großen Zahl von Grabmälern und Wappenschildern, deren Auftraggeber großzügige Stifter waren, liest man in den zeitgenössischen Quellen recht häufig.

Klostergebäude

Die Klostergebäude richteten sich meist nach den örtlichen, oftmals beengten Gegebenheiten. Meist waren die Klausurgebäude im konventionellen Schema um einen rechteckigen Kreuzgang angeordnet. Die Mönche bewohnten einzelne Zellen. Auf Wirtschaftsgebäude konnte verzichtet werden, da man keine Landwirtschaft betrieb.


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