Bettie Page
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Bettie Page (* 22. April 1923 als Betty Mae Page in Nashville, Tennessee; † 11. Dezember 2008 in Los Angeles) war ein US-amerikanisches Fetisch- und Aktmodel. Sie wurde in den 1950er-Jahren durch ihre Pin-up-Bilder bekannt, geriet in den 1960ern weitgehend in Vergessenheit und wird seit den 1980ern von verschiedenen Subkulturen als Ikone des Pin-Up und Sexsymbol verehrt. Sie gilt als eine der meist fotografierten Frauen der 1950er-Jahre, erstes bekanntes Bondage- und Fetischmodel, Wegbereiterin der Sexuellen Revolution und war Inspiration für Comicfiguren, Filme und die Entwicklung der New Burlesque.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Kindheit und Jugend

Bettie Page wurde in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee in ärmlichsten Verhältnissen als zweites der sechs Kinder von Walter Roy Page und Edna Mae Pirtles geboren. Während ihrer Kindheit reiste die Familie auf der Suche nach Arbeit und wirtschaftlicher Stabilität durchs Land, und Bettie musste sich bereits früh um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Bettie Page wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht.[1] Ihre Eltern ließen sich scheiden, als Bettie 10 Jahre alt war, und ihre Mutter gab sowohl Bettie als auch ihre Schwester aus einer finanziellen Notlage heraus für ein Jahr in ein Waisenhaus.

Als Teenager entwarf Bettie gemeinsam mit ihren Schwestern Frisuren, sie imitierten die Make-up-Stile ihrer Idole, und Page lernte in dieser Zeit auch das Nähen. Beides erwies sich später als nützlich für ihre Karriere, da sie sowohl ihr Make-up als auch ihre Frisuren, ihre Bikinis und ihre Kostüme selbst entwarf. Auf der Hume-Fogg High School war sie eine sehr gute Schülerin und Mitglied des Debattierclubs, dort wurde sie als „höchstwahrscheinlich erfolgreich“ beurteilt.[2]

Page schloss die High School am 6. Juni 1940 als Zweitbeste ihres Jahrgangs ab und immatrikulierte sich am George Peabody College mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Im Herbst darauf wechselte sie ihr Studienfach und begann in der Hoffnung als Filmstar entdeckt zu werden Schauspiel zu studieren. Zur gleichen Zeit nahm sie ihren ersten Job an, sie erledigte Schreibarbeiten für den Autor Alfred Leland Crab. 1944 schloss Page das College mit dem Bachelor of Arts ab.[2]

Im Jahre 1943 heiratete Page ihren früheren Schulkameraden Billy Neal kurz vor dessen Einberufung in den aktiven Dienst während des Zweiten Weltkrieges. In den darauffolgenden Jahren zog Page von San Francisco nach Nashville, von dort nach Miami und anschließend nach Port-au-Prince auf Haiti, eine Insel, auf der sie sich sehr wohlfühlte. Nach ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten im Jahre 1947 beantragte sie die Scheidung von Neal.[2]

Karriere als Fotomodel

Die Camera-Clubs

Nach ihrer Scheidung arbeitete Page gelegentlich in San Francisco und auf Haiti. Auf der Suche nach einer Anstellung als Schauspielerin zog sie schließlich nach New York City und finanzierte sich dort anfangs mit Gelegenheitsjobs als Sekretärin. 1950 begegnete Page bei einem Spaziergang am Strand von Coney Island dem Polizisten Jerry Tibbs, der sich für Fotografie interessierte. Page war bereit, für ihn Model zu stehen und aus den von Tibbs gemachten Fotografien entstand Pages erstes Pin-Up-Portfolio.[2]

In den späten 1940ern fanden sich Männer in sogenannten Camera-Clubs zusammen, deren Zweck es war, die bestehenden restriktiven gesetzlichen Bestimmungen zur Produktion von Aktaufnahmen zu umgehen. Vorgeblich dienten die Clubs der Herstellung künstlerisch wertvoller Fotografien, waren jedoch nur Fassade für die Herstellung erotischer und zum Teil auch pornografischer Aufnahmen. Als Page im Bereich der Glamourfotografie mit dem Fotografen Cass Carr zu arbeiten begann, war sie bereits ein sehr bekanntes Model in der Camera-Club-Szene. Ihre hemmungslose Art beim Posieren vor der Kamera machte sie populär, und ihr Gesicht wurde in der Erotikindustrie rasch bekannt. 1951 erschienen ihre Bilder in Männermagazinen mit Namen wie „Eyeful“, „Wink“, „Titter“, „Black Nylons“ oder auch „Beauty Parade“.[3]

Zusammenarbeit mit Irving Klaw

Pin-Up mit den Bettie Bangs, der typischen Page-Frisur, die von Irving Klaw geschaffen wurde

Zur gleichen Zeit modelte sie gelegentlich für den Fotografen Irving Klaw, der Fotografien mit Bondagemotiven und sadomasochistischen Motiven per Postversand vertrieb. Klaw schlug Page die Frisur mit dem Prinz-Eisenherz-Pony vor, der zu ihrem Markenzeichen wurde und in den kommenden Jahrzehnten Reminiszenzen an Page leicht erkennbar machte.[4] Sie wurde durch Klaw als Bettie Page – The Dark Angel („Der dunkle Engel“) zum ersten bekannten Bondage- und Fetischmodel. Klaw deckte mit den Dominatrix-Bildern der mit einer Peitsche versehenen Page eine Lücke ab, denn in den öffentlich verkäuflichen Männermagazinen der Eisenhower-Ära waren solche Bilder nicht verfügbar. Entgegen der Behauptungen Klaws, die überwiegend Marketingzwecke erfüllten[5], war Page selbst weder an Bondage noch an BDSM interessiert. Die Szenarien, die sie als Femdom mit ihrer Schwester darstellten, sowie die Fotografien submissiver oder gefesselter Damsel in Distress („Edelfräulein in Nöten“) Szenen waren gestellt.[6]

Nachdem die von Klaw vertriebenen Künstler wie John Willie und Gene Bilbrew nicht nur einzelne Bilder produzierten, sondern ganze Serien herstellten, die sich in Art einer Bildergeschichte betrachten ließen, war der Schritt zur Filmproduktion mit Page für Klaw eine naheliegende Weiterentwicklung. Mit Page und weiteren bekannten Stars aus der Pin-Up- und der Burlesque-Szene, beispielsweise Lili St. Cyr und Tempest Storm, produzierte Klaw die drei Untergrundfilme Striporama (1953), Varietease (1954) und Teaserama (1955). Diese drei Filme waren für die Verbreitung des Striptease in den prüden USA der Nachkriegszeit von besonderer Bedeutung, da sie weit mehr Menschen erreichten und beeinflussten als die bis dahin üblichen Burlesque-Nummern in den Nachtclubs oder Vaudeville-Häusern.[7] Bettie Page wurde in der Zusammenarbeit mit Klaw zu einer Ikone des Catfight. Sie wirkte an etwa 50 Frauenringkampffilmen mit, zudem gab es Hunderte von Photos mit Ringkampfposen.[8]

Off-Broadway

Während der Zusammenarbeit mit Herbert Berghoff bekam Page 1953 einige Theaterrollen in New Yorker Off-Broadway-Produktionen, beispielsweise Time is a Thief und Sunday Costs Five Pesos und hatte einige Fernsehauftritte, darunter auch ein Auftritt in der damals populären Jackie Gleason Show. Obwohl sie zu mehreren Castings bei Filmgesellschaften in Hollywood eingeladen wurde, scheiterte sie wegen ihres sehr stark ausgeprägten Südstaatendialektes, den sie trotz intensiven Sprachtrainings nie ablegen konnte.[9] Sie konnte in der Schauspielerei weder auf der Bühne noch auf der Leinwand Fuß fassen und ihr Schwerpunkt blieb die Pin-Up-Fotografie.

Zusammenarbeit mit Bunny Yeager

1954, während einer ihrer jährlichen Reisen nach Miami, traf Page die Fotografen Jan Caldwell, H. W. Hannau und Bunny Yeager. Damals eines der bekanntesten Pin-Ups in New York, wurde sie von Yeager, die ein ehemaliges Model und eine aufstrebende Fotografin war, für eine Fotosession im heute geschlossenen Africa U.S.A. Park in Boca Raton, Florida gebucht. Die Fotos aus dieser Session, die Jungle Queen Serie, gehören zu den meist beachteten Fotografien ihrer Karriere, darunter sind sehr populär gewordene Aktaufnahmen von Page mit einem Gepardenpaar.[10] Die verwendeten Kostüme mit dem klassischen Leopardenmuster wurden von Page selbst entworfen.

Nachdem Yeager 1955 einige der Fotos an den Gründer des Playboy Hugh Hefner schickte, stellte Hefner Page als Playmate des Monats Januar vor. Im selben Jahr gewann sie auch den Titel „Miss Pinup Girl of the World“. Während die Karriere vieler Pin-Up-Girls sich häufig nur auf ein paar Monate beschränkte, war Page als Model über Jahre hinweg bis 1957 gefragt. Obwohl sie oft nackt posierte, erschien sie nie offiziell in Szenen mit pornographischem Bezug.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Page zog sich am Höhepunkt ihrer Karriere als meist fotografierte Frau der 1950er Jahre aus der Öffentlichkeit zurück, zu diesem Zeitpunkt gab es etwa 20.000 Bilder[11] von ihr, und sie war auf mehr Titelblättern und Magazinen erschienen als später Marilyn Monroe und Cindy Crawford zusammen.[12] Für ihren Rückzug als Model aus der Pin-Up- und Fetischfotografie werden verschiedene Gründe angegeben. Möglicherweise zog sie sich aus Enttäuschung über ihre gescheiterten Pläne, ein Filmstar zu werden, und ihres mangelnden Erfolges am Broadway zurück.[5], einige Berichte erwähnen die Kefauver-Hearings-Anhörungen vor dem Senate Subcommittee on Juvenile Delinquency, die in den 1950ern die negative Auswirkung von Gewalt und Sex in den Medien, insbesondere in Comics untersuchen sollte. Diese Untersuchungen beendeten Irving Klaws Versandhandel mit BDSM- und Bondagefotografien.[13][14] Page wurde vom Kongress der Vereinigten Staaten als Zeugin geladen und aufgefordert, die Fotografien zu erläutern, auf denen sie erschien. Obwohl sie wie auch Klaw versuchte, das Komitee mit Argumenten zu überzeugen, wurde die Zerstörung dutzender Negative ihrer Bilder durch Gerichtsbeschluss angeordnet. Der Nachdruck der noch verbleibenden Negative wurde unter Strafe gestellt.[5][9]

Eine weitere Erklärung für die Beendigung ihrer Karriere, die häufig als die wahrscheinlichste Ursache betrachtet wird, war Pages Hinwendung zur evangelikalen Erweckungsbewegung. Während eines ihrer regelmäßigen Besuche in Key West wohnte sie am Silvesterabend einem Gottesdienst in der Gemeinde bei, die heute die Key West Temple Baptist Church ist. Dort fand sie die ethnisch gemischte Atmosphäre sehr attraktiv und begann, regelmäßig die Gottesdienste zu besuchen. Nach dieser Bekehrung brach sie jede Verbindung zu ihrem früheren Leben ab.[9]

Die Jahre nach dem Rückzug

In den folgenden Jahren besuchte sie verschiedene weiterführende Bibelschulen, unter anderem das Bible Institute of Los Angeles, die Multnomah School of the Bible und ein als Bibletown bekanntes Rüstzentrum einer überkonfessionellen Gemeinde in Boca Raton. Während der 1960er-Jahre versuchte Page als christliche Missionarin für Afrika ausgewählt zu werden, wurde aufgrund ihrer Scheidung jedoch abgelehnt. Ehe sie sich 1963 wieder in Nashville niederließ, arbeitete sie für verschiedene christliche Organisationen. Um Zugang zur Missionsarbeit zu erhalten, heiratete sie erneut ihren geschiedenen Mann Billy Neal, die Ehe wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder geschieden. Neben einer weiteren gescheiterten Ehe mit Armond Walterson in den 1960ern und ihrer Arbeit in einer christlichen Organisation gab es bis in die 1980er Jahre hinein keine weiteren öffentlichen Informationen über Page.

Page kehrte 1967 in das von ihr geliebte Florida zurück und heiratete dort Harry Lear. Die Ehe wurde 1972 geschieden, und Page verließ Florida in den späten 1970ern, um gemeinsam mit ihrem Bruder in Los Angeles zu leben. Sie lebte dort sehr zurückgezogen und war sich des Kultes, der in den 1980ern um ihre Person herum entstand, nicht bewusst. Die wiederaufkommende Popularität führte dazu, dass nachgeforscht wurde, was nach den 1950ern mit Page geschehen war. In der 1990er Ausgabe des sehr bekannten Book of Lists wurde Page als eine ehemalige Berühmtheit gelistet, die völlig aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden war.[15]

1993 führte Page ein Telefoninterview mit Robin Leach von Lifestyles of the Rich and Famous, in dem sie ihm erzählte, sie habe keine Kenntnis von ihrer Popularität, sie sei „arm und nicht berühmt“. In einem anderen Interview Ende der 1990er stellte sie klar, dass sie keine Veröffentlichung aktueller Aufnahmen von sich erlaube, lediglich 1998 änderte sie kurzzeitig ihre Meinung und erlaubte dem Playboy, ein Foto[1] in der August-Ausgabe des Magazins abzudrucken. Danach verweigerte sie beispielsweise der Los Angeles Times für einen Artikel mit dem Titel A Golden Age for a Pinup („Eine goldene Ära für ein Pin-Up-Girl“) wieder die Zustimmung zur Veröffentlichung aktueller Bilder. Sie sagte, sie wünsche sich, dass die Menschen sie so in Erinnerung behielten, wie sie gewesen war.

Page unterschrieb einen Vertrag mit dem Agenten James Swanson aus Chicago. Beinahe mittellos und ohne jegliche Lizenzgebühren oder Tantiemen für ihre Arbeit erhalten zu haben, entließ sie Swanson nach drei Jahren und wechselte zur Curtis Management Group, die auch die Rechte James Deans and Marilyn Monroes verwaltete. Durch diesen Vertrag und die Verwertung ihrer Rechte konnte sie sich nachfolgend ihre finanzielle Unabhängigkeit sichern.

Die offene Frage nach Pages Verbleib in den Jahren nach ihrer Karriere wurde 1996 mit Erscheinen einer offiziellen Biographie Bettie Page: The Life of a Pin-up Legend teilweise geklärt. Die Biographie beschreibt Page als eine geradlinige Person, die Widerständen mit erhobenem Haupt begegnet und immer vorwärts und nie zurückgeschaut hat.[16]

1996 erlaubte Page dem Reporter Tim Estiloz ein Exklusiv-Interview für die kurzlebige Morgensendung des NBC Real Life im Zusammenhang mit ihrer eigenen Beteiligung an der Veröffentlichung ihrer Biographie Bettie Page: The Life Of A Pin-Up Legend. Das ausgestrahlte Interview zeigte Fotos aus Bettie Pages privater Sammlung, während man ihre Stimme hören konnte, die von ihrer Karriere berichtete und Anekdoten aus ihrem privaten Leben erzählte. Auf Pages Wunsch hin wurde ihr Gesicht während des Interviews nicht gezeigt. Das Interview wurde nur einmal im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt, ist aber unter dem Titel REAL Bettie Page TV Interview – Her Life In Her OWN Words im Internet verfügbar.[12]

Eine weitere Biographie, The Real Bettie Page: The Truth about the Queen of Pinups, 1997 von Richard Foster veröffentlicht, erzählt eine andere, weniger glückliche Geschichte über Pages Leben nach dem Rückzug aus der Öffentlichkeit.[17] Fosters Buch stieß auf heftigen Widerstand bei Pages Fans, unter anderen bei Hugh Hefner und Harlan Ellison. Page gab eine Erklärung ab, nach der die von Foster verfasste Biographie „voller Lügen“ sei. Die Kritik entstand durch Fosters Veröffentlichung eines Polizeiberichts aus dem Büro des Los Angeles County Sheriff, nach dem Page an einer paranoiden Schizophrenie litt und am Nachmittag des 19. April 1979 ihre Vermieter, ohne provoziert worden zu sein, während eines paranoiden Schubes niedergestochen hatte.[18]

Page scheute nach wie vor die Öffentlichkeit und lebte abgeschirmt und zurückgezogen an einem unbekannten Ort in Kalifornien.

Anfang Dezember 2008 wurde bekannt, dass Bettie Page nach einem Herzinfarkt ins Koma gefallen sei. Bereits Mitte November musste Page mit Lungenproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Am 11. Dezember 2008 starb sie im Alter von 85 Jahren in Los Angeles nach einwöchiger Bewusstlosigkeit.[19]

Die Wiederentdeckung des Sexsymbols

1976 veröffentlichte Eros Publishing A Nostalgic Look at Bettie Page, einen Rückblick auf Pages Fotos der 1950er Jahre. Zwischen 1978 und 1980 publizierte der Verlag Belier Press vier Bände einer Fotosammlung mit dem Titel Betty Page: Private Peeks, die überwiegend aus den privaten Camera Club-Fotosessions stammten und die Page einer neuen, aber noch kleinen Anhängerschaft vorstellte.[20] 1983 folgte ein weiterer Nachdruck ihrer Aufnahmen aus der Camera Club-Szene durch London Enterprises: In Praise of Bettie Page – A Nostalgic Collector's Item.

In den frühen 1980ern wurde Page das Vorbild für die Geliebte des Comic-Helden Cliff Secord in der später als Rocketeer verfilmten Serie des Zeichners Dave Stevens. 1987 wurde von Greg Theakston ein Fanzine namens The Betty Pages ins Leben gerufen[20], in dem überwiegend Anekdoten aus Pages Leben, insbesondere aus den Camera Clubs, erzählt wurden. In den darauffolgenden sieben Jahre erregte das Blatt ein weltweites Interesse an Page. Ihr Stil, vor allem aber ihre Frisur, wurde von Frauen vielfach kopiert. Nachdem die Medien auf die Begeisterung für Page aufmerksam wurden, erschienen etliche Artikel über sie. Nachdem Pages Fotografien beinahe alle gemeinfrei waren, wurden sie für die Aufwertung anderer Produkte verwendet und in dem aufkommenden Popularitätsschub zu Geld gemacht.

Mitte der 1990er wurde Page in einer Fernsehsendung von Lifestyles of the Rich and Famous porträtiert, ebenso von Entertainment Tonight. Der Herausgeber der The Betty Pages, Greg Theakston führte für die The Betty Page Annuals V.2 ein Interview mit ihr. 1994 erschien ein von Yeager autorisierter Bildband mit einer Kurzfassung der Biographie und etwa 100 Aufnahmen Pages[21] und der Illustrator Jim Silke arbeitete die Fotografien Pages 1995 in einem großformatigen Bildband auf.[22][23] Anschließend produzierte Dark Horse Comics eine Comicserie, die fiktive, teilweise erotische, Abenteuer Pages darstellte. Eros Comics verlegte ebenfalls etliche Ausgaben mit Bettie Page, die bekannteste Ausgabe wurde die ironische Erzählung Tor Loves Bettie, die ihr eine Affäre zwischen dem Teilzeit-Wrestler und überwiegend für Ed Wood arbeitenden Schauspieler Tor Johnson andachte.

Tattoo inspiriert von Bettie Page

Durch das Erscheinen der beiden Biographien Pages in den Jahren 1996 und 1997, der nachfolgenden Interviews und der Beteiligung Hefners sowie anderer Prominenter an der Diskussion um Pages geistige Gesundheit wurde das Interesse der Öffentlichkeit an Page verstärkt. Ebenfalls 1997 strahlte E!: Entertainment Television's E! True Hollywood Story ein Porträt Pages mit dem Namen Bettie Page: From Pinup to Sex Queen aus.[24] Zudem wurden einige Kurzfilme, in denen Page auftrat, auf DVD herausgegeben, beispielsweise Bettie Page: Varietease/Teaserama und eine Zusammenfassung von fünf ihrer Kurzfilme Betty Page in Bondage.

Im Jahre 2003 erschienen anlässlich Pages 80. Geburtstag etliche Artikel in Zeitungen und Magazinen, die an Page erinnerten und ihre Bedeutung für die heutige Popkultur und die sexuelle Befreiung beleuchteten, wodurch das öffentliche Interesse auch außerhalb der sie verehrenden Subkulturen wie den Rockabillys, der Emo-Szene und vielen Fetischisten auf das ehemalige Model und Sexsymbol gelenkt wurde.[5][25] 2004 erschien der biographische Film Bettie Page: Dark Angel[26] von Nico B. mit dem Fetischmodel Paige Richards als Bettie Page. Der Film beschreibt die letzten drei Jahre der Karriere Pages in New York. Mit The Notorious Bettie Page drehte Mary Harron 2005 einen biographischen Film über Page, der ihren Werdegang, beginnend Mitte der 1930er bis hin zur Mitte der 1950er Jahre erzählt. Die Schauspielerin Gretchen Mol übernahm dabei die Rolle der erwachsenen Bettie Page. Der Gitarrenbauer Halo Custom Guitars, Inc. und Page produzierten 2007 gemeinsam eine auf 100 Exemplare limitierte Serie, die Gitarren wurden von Waylon Ford handgefetigt, von der Künstlerin Pamelin H. bemalt und von Bettie Page signiert.[27]

Wirkung

Einfluss auf die sexuelle Revolution

Bettie Page im Bizarre Magazin

Page wurde unter anderem wegen ihrer Ungezwungenheit vor der Kamera und ihres unkomplizierten Umgangs mit Nacktheit in den von restriktiven Moralvorstellungen gekennzeichneten Nachkriegsjahren in den USA zu einer öffentlichen Person. Sie trat im Fernsehen auf, was noch keinem anderen Pin-Up-Girl vor ihr gelungen war und wurde in den Medien als Königin des Pin-Up gefeiert. Die bis dahin nur geduldeten Pin-Ups, deren Bedeutung während der Kriegsjahre und der Stationierung junger Männer in Übersee zunahm, rückten stärker in das öffentliche Bewusstsein und Page, die überwiegend als das All-American-Girl („das Mädchen von nebenan“) in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, in den Vordergrund.[11] Damit wurde Page zum Prototyp einer sexuell freizügigen und trotzdem unschuldig wirkenden Frau, die anderen Frauen mit starkem Sex-Appeal, beispielsweise Marilyn Monroe, den Weg in die gesellschaftliche Anerkennung ebnete. Page selber hat ihren Einfluss auf die sexuelle Befreiung völlig anders wahrgenommen und sagte in einem Interview dazu: „Man sagt, ich sei eine Sex-Ikone und mit mir habe die sexuelle Revolution begonnen. Aber ich habe nur nackt posiert. Meine sexuelle Aktivität jedenfalls war nie geringer, als während meiner sieben Jahre in New York.“[5]

Die Fotografien Pages, insbesondere die Fetisch- und Bondageaufnahmen, die aus der Sicht nach der Jahrtausendwende eher keusch wirken, lösten in der Eisenhower-Ära einen Untersuchungsausschuss aus, der sich mit den nach damaligem Verständnis pornographischen Werken und deren verderblichen Einfluss auf die Jugend auseinandersetzte.[11] Durch diese Untersuchung rückten Pages Aktbilder und ihre verschiedenen fetischistischen Rollenbilder wie die Jungle Queen, Zofe, Dominatrix oder Krankenschwester stärker in den Vordergrund, jedoch änderte sich die positive Wahrnehmung in der öffentlichen Meinung dadurch nicht.[28]

Kulturelle Einflüsse

Der Einfluss des erotischen Stils Pages ist in vielen Genren und Subkulturen sichtbar geworden, beispielsweise in den verschiedenen Comicfiguren, genauso wie in der Rockabilly-, Psychobilly-, Gothic-, Punk- oder BDSM-Szene. Neben Zigarettenwerbungen und Merchandising-Artikeln verweisen einige Filme mit Szenen, Texten oder Kostümen auf Page, unter anderen Pulp Fiction, Haus der 1000 Leichen und The Crying Game.

Page wird seit den 1970ern häufig als Motiv in Illustrationen und Comics aufgegriffen, beispielsweise in der Jungle Betty Serie von Dave Stevens, der Clara Noche Serie von Trillo Maicas & Bernet[29] oder der später in Batman und Robin verfilmten Figur Poison Ivy, die von dem Autor Robert Kanigher und dem Künstler Sheldon Moldoff geschaffen wurde. Von Pages Fotos selbst existieren hunderte Nachzeichnungen und computergestützte Nachbearbeitungen ihrer Bewunderer, einige der typischen Posen der Pin-Up-Fotografie der Page wurden als Tattoo, Streetart oder als Aufdruck auf Merchandisingprodukten verwendet. Den Reminiszenzen an Page sind vor allem die Bettie Bangs, die unverwechselbare Frisur Pages, gemein, während die Posen und die Mimik sich häufig deutlich unterscheiden. Nicht zuletzt ist die Kultfigur Emily Strange Page nachempfunden, ebenso die Arbeiten verschiedener Künstler, beispielsweise der Pin-Up-Zeichnerin Olivia de Berardinis[30] und verschiedener Fetischkünstler und -fotografen.

New Burlesque-Künstlerin Dita von Teese ließ sich von Bettie Page inspirieren

Zahlreiche Musiker haben Bettie Page besungen, darunter auch Paul Spencer, der auf dem Album The Whole Shebang mit dem Titel „Bettie Page“ eine Hommage an Pages Fotografien sang, die Metalband Bile auf deren Album Sex Reflex (2000) im Lied „Bettie Page“ dem glänzend schwarzen Haar Pages gedacht wird. Außerdem bezog sich die Royal Crown Revue (The Contender, 1998) mit dem Track „Port-Au-Prince (Travels with Bettie Page)“ auf Pages Leben auf Haiti sowie The Creepshow, die 2006 auf dem Album Sell Your Soul mit der Textzeile „She’s a horrorbilly Bettie Page in the flesh“ aus „Psycho Ball And Chain“ das Sexsymbol erwähnten. Auch Die Ärzte widmeten Bettie Page in dem Lied Mondo Bondage die Textzeile „Bitte sei mir meine Bettie oder Gwendoline“.

Neben der Huldigung Pages in Musiktexten wurden auch einige Kompilations zusammengestellt, deren Auswahl zu den Bewegungen der Burlesque passen oder auf die Musik der 1950er verweist. Beispiele hierfür sind Betty Page: Danger Girl Burlesque Music oder Back to the 50's: A Betty Page Tribute, beide erschienen 1997.

Insbesondere Madonna nahm die Anregungen durch Pages Fotografien in den 1950ern immer wieder auf, beispielsweise den spitz zulaufenden Metall-Büstenhalter oder das Spiel mit Fetischrequisiten, und beide nutzen diese Möglichkeiten, um die bürgerliche Moral zu erschüttern und Popularität zu gewinnen. Genau wie Page in den 1950ern gewann Madonna dadurch nicht nur männliche, sondern auch weibliche Fans.[25] Page inspirierte darüber hinaus immer wieder Modeschöpfer, beispielsweise Jean-Paul Gaultier[31] und war eine der Inspirationsquellen des Rockabilly-Stil.

Für die Entwicklung des Burlesque über den Striptease hin zur New Burlesque war das Wirken Pages von großer Bedeutung, ihre Posen und ihr erotisch-naiver Stil werden, genau wie ihr Aussehen von zahlreichen Pin-Up-Models und New-Burlesque-Tänzerinnen kopiert, darunter Dita von Teese, Immodesty Blaize oder die modernen Pin-Up-Models Suicide Girls. Mit Pages Fotografien und Filmen haben Fetisch und Glamour als Stilmittel einen festen Platz in der Entwicklung des Burlesque gefunden[32], Dita von Teese bezeichnete Page in diesem Zusammenhang „als den Wind unter ihren Quasten.“[33]

Filme

Neben einer Reihe kleinerer Produktionen aus den frühen 1950er Jahren entstanden in den späten 1990er Jahren erneut Filme mit und über das Leben des bekannten Models, sowie einiger Neuauflagen ihrer noch in schwarz-weiß gedrehten Filme auf DVD.

Filme mit Bettie Page (teilweise Archivmaterial)

Filme über Bettie Page

Einzelnachweise

  1. a b Playboy, Januar 1998: Kevin Cooks Interview mit Betty Page My Story: The Missing Years Letzter Zugriff am 13. Mai 2008
  2. a b c d Offizielle Website von Bettie Page: Biographie Letzter Zugriff am 12. Mai 2008.
  3. Verschiedene Coverfotos mit Betty Page Letzter Zugriff am 13. Mai 2008
  4. Evolver-Porträt von Irving Klaw: Die Leichtigkeit des Scheins Letzter Zugriff am 14. Mai 2008.
  5. a b c d e Stern.de-Reportage vom 17. April 2003: Die Ikone – Happy Birthday, Bettie! Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  6. Maria Elena Buszek: Pin-up Grrrls: Feminism, Sexuality, Popular Culture. Duke University Press, 2006, ISBN 0-8223-3746-0
  7. Rachel Shteir: Striptease: The Untold History of the Girlie Show. Oxford University Press, 2004, ISBN 0-19-512750-1, Seite 288 ff.
  8. Werner Sonntag: Kampfes Lust. über die Erotik der Körperbegegnung im Zweikampf ; Beschreibung einer Szene ; wenn Frauen kämpfen und Männer zuschauen: Emanzipation, Stimulation, Obsession? Laufen und Leben, Ostfildern 2002, ISBN 3-9802835-2-6, S. 184.
  9. a b c Internet Movie Database: Bettie Page
  10. Fotografien von Bunnie Yeager: The Jungle Queen
  11. a b c Reason Magazine, Ausgabe August/September 2007: „Greg Beato: The Fetishist Next Door – The all-American appeal of Bettie Page Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  12. a b NBC-Interview auf Youtube: REAL Bettie Page TV Interview – Her Life In Her OWN Words Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  13. Bart Beaty: Fredric Wertham and the Critique of Mass Culture. University Press of Mississippi, 2005, ISBN 1-57806-819-3
  14. Ami Kiste Nyberg: Seal of Approval: The History of the Comics Code. University Press of Mississippi, 1998, ISBN 0-87805-975-X
  15. David Wallechinsky und Amy Wallace: The People's Almanac Presents the Book of Lists – the '90s Edition. Little Brown & Co, 1993, ISBN 0-316-92079-7
  16. Karen Essex und James L. Swanson: Bettie Page: The Life of a Pin-Up Legend. General Publishing Group, 1996, ISBN 1-881649-62-8
  17. Richard Foster: The Real Bettie Page: The Truth About the Queen of the Pinups. Carol Publishing Group/Birch Lane Press, 1997, ISBN 1-55972-432-3
  18. Richard Foster: The Real Bettie Page: The Truth About the Queen of the Pinups. Carol Publishing Group/Birch Lane Press, 1997, ISBN 1-55972-432-3, Seiten 120–132
  19. LA Times: Pinup queen Bettie Page dies at 85. 11. Dezember 2008
  20. a b Cult Sirens: Bettie Page Letzter Zugriff am 13. Mai 2008
  21. Stan Corwin Productions, Bunny Yeager: Betty Page Confidential. St. Martin's Press, 1994, ISBN 0-312-10940-7
  22. Jim Silke und Lyn Silke: Bettie Page: Queen of Hearts. Dark Horse Comics, 1995, ISBN 1-56971-124-0
  23. Jim Silke: Bettie Page: die Glamour-Illustration der 50er Jahre und ihre ungekrönte Königin. Schreiber und Leser, ISBN 3-929497-75-1
  24. tv.com – E! True Hollywood Story: Bettie Page: From Pinup to Sex Queen. Letzter Zugriff am 11. August 2010
  25. a b USA TODAY vom 23. April 2003: Whitney Matheson: Happy birthday, Bettie! Letzter Zugriff am 14. Mai 2008
  26. Offizieller Webauftritt des Biopic Bettie Page: Dark Angel Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  27. HALO Custom Guitars, Inc. Letzter Zugriff am 13. Mai 2008
  28. Los Angeles Times vom 11. März 2006: Louis Sahagun: „A Golden Age for a Pinup“
  29. Private Sammlung verschiedener Comic Covers mit Bettie Page
  30. Offizieller Webauftritt Olivia de Berardinis Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  31. Polly Staffles Hall of Fame: Bettie Page Letzter Zugriff am 15. Mai 2008
  32. Michelle Baldwin: Burlesque and the New Bump-N-Grind. Speck Press, 2004, ISBN 0-9725776-2-9
  33. Straight vom 27. April 2006: Mark Leiren-Young: Bettie Page role revealing Letzter Zugriff am 15. Mai 2008

Literatur

  • Charles G. Martignette und Louis K. Meisel: The Great American Pin-Up. ISBN 3-8228-1701-5
  • Karen Essex, James L. Swanson: Bettie Page: The Life of a Pin-Up Legend. General Publishing Group, 1996, ISBN 1-881649-62-8
  • Richard Foster: The Real Bettie Page: The Truth About the Queen of the Pinups. Carol Publishing Group/Birch Lane Press, 1997, ISBN 1-55972-432-3
  • Olivia de Berardinis: Bettie Page by Olivia. Ozone Productions, 2006, ISBN 978-0-929643-25-0

Weblinks

 Commons: Bettie Page – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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