Beumelburg

Werner Beumelburg (* 19. Februar 1899 in Traben-Trarbach/Mosel; † 9. März 1963 in Würzburg) war ein deutscher Schriftsteller. Er gehörte zu den bekanntesten Autoren der NS-Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bis 1933

Werner Beumelburg wurde als Sohn des Superintendenten Eduard Beumelburg und seiner Frau Marie geb. Waldeyer geboren. Er war ein Bruder von Walter Beumelburg (1894–1944), dem späteren Intendanten des Reichssenders Berlin.[1] Werner Beumelburg besuchte die Schule in Traben-Trarbach und machte 1916 das Notabitur. Am Ersten Weltkrieg nahm er zunächst als Fahnenjunker eines Pionierbataillons teil, 1917 wurde er Offizier. Er war Teilnehmer der Schlacht um Verdun und erhielt das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse.

(1929)
(1930)

Nach Kriegsende studierte Beumelburg in Köln Geschichte und Staatswissenschaften und war ab 1921 als Schriftleiter der Deutschen Soldatenzeitung tätig, die vom Reichswehrministerium in Berlin herausgegeben wurde. Später war er politischer Schriftleiter der Deutschen Allgemeinen Zeitung und wechselte 1924 zu den Düsseldorfer Nachrichten.

Sein erstes Buch Die gestohlene Lüge (1921) war eine Widerlegung der deutschen Kriegsschuld am 1. Weltkrieg und Ausdruck der Erwartung eines starken „Führers“ im Gewand eines Science Fiction-Romans. In den folgenden Jahren wurde er durch „die eigenwillige Darstellung deutscher Kriegsgeschichte bekannt“.[2] Für die im Auftrag des Reichsarchivs herausgegebenen Reihe „Die Schlachten des Weltkriegs“ verfasste er zwischen 1923 und 1928 vier Kriegsbücher, die eine Mischung aus Dokumentation und fiktiver Handlung waren. Aufgrund der positiven Resonanz wagte er 1926 den Sprung zum freien Schriftstellerberuf.

Beumelburg stand in Radikalopposition zur Weimarer Republik. Seine nächsten Bücher waren Sperrfeuer um Deutschland (1929), eine literarisch-historische Abhandlung des Ersten Weltkriegs, und Gruppe Bosemüller (1930), der bekannteste und heute am häufigsten wissenschaftlich untersuchte deutsch-nationale Frontroman. Beide hatte er aus nationalistischer, zutiefst antidemokratischer Sicht verfasst und propagierten darin die „Schützengrabengemeinschaft“ und einen zukünftigen „Frontsoldatenstaat“. Die gut lesbaren und in einem sachlich-nüchternen Ton verfassten Werke machten Beumelburg zum Bestsellerautoren. In seiner Propagandaschrift „Deutschland in Ketten“ (1931) denunzierte er schließlich die Republik als „Sklavenstaat“.

Karriere im Nationalsozialismus

Beumelburgs eigentliche Karriere begann mit der „Machtergreifung“ 1933. Hatte er Adolf Hitler früher durchaus kritisch betrachtet, so akzeptierte er ihn jetzt als Erbe Bismarcks und Einiger des Reiches und feiert ihn in seiner Hymne „Deutschland erwacht. Deutsches Wort, deutscher Geist, deutsche Tat“ (1933): „Gott ist sichtbar mit ihm“ (S. 56). Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben.[1] Nach der "Säuberung" der Preußischen Akademie der Künste von jüdischen Mitgliedern nahm er gemeinsam mit anderen deren Plätze ein und wurde dort „Schriftführer“ (Geschäftsführer). Nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg gehörte er im August 1934 zu den Unterzeichnern des Aufrufs der Kulturschaffenden zur „Volksbefragung“ über die Zusammenlegung des Reichskanzler- und Reichspräsidentenamtes.[1] 1936 erhielt Beumelburg den „Großen Literaturpreis der Reichshauptstadt Berlin“, ein Jahr später den „Kunstpreis des Westmarkgaues“.

Als repräsentativer Autor des neuen Staates feierte er den Nationalsozialismus als „Auferstehung der Masse im Geist des Weltkriegssoldatentums“,[3] schrieb über den Reichsarbeitsdienst, den Anschluss Österreichs und den Einsatz der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Neu war dabei ein bis dahin bei Beumelburg nicht zu findender Antisemitismus.

Ab 1942 führte er als Luftwaffenoffizier das Kriegstagebuch für Hermann Göring. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges soll er sich vom NS-Regime distanziert haben. Belegt ist allerdings nur, dass Beumelburg ein 1944 von der Reichsschrifttumskammer initiiertes Treuegelöbnis zum Führer boykottierte. In der gleichen Zeit soll er jungen Soldaten empfohlen haben, „einen Einsatzort im Westen anzustreben und im Fall der Feindberührung die Gefangennahme zu suchen“.[4] Der Literaturwissenschaftler Stefan Busch merkt in seiner Untersuchung über Beumelburg einschränkend an: „Diese Distanzierung verringerte sich aufgrund der ja nicht selten anzutreffenden Mischung aus ideologischen Affinitäten, Attraktion durch Erfolg und Opportunismus auf ein nicht mehr nachweisbares Minimum.“[5]

Kurz vor Kriegsende wurde Beumelburg noch Leiter einer Kriegsschule der Luftwaffe. Nachdem diese sich schließlich von der Tschechoslowakei nach Bayern abgesetzt hatte, geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg hatte Beumelburg Verbindungen zu General George S. Patton. Nach kurzer Inhaftierung im ehemaligen KZ Dachau wurde er wieder freigelassen und lebte zunächst in Faistenhaar bei München, später in Würzburg. Einem Entnazifizierungsverfahren musste er sich nicht unterziehen.

In der Sowjetischen Besatzungszone sowie später in der Deutschen Demokratischen Republik wurden viele seiner Bücher auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[6]

Seine ersten neuen Bücher, in renommierten Verlagen erschienen, waren durchaus wieder erfolgreich. Der Spiegel beklagte aber Beumelburgs „Nachkriegsflucht in den historischen Roman.“[7] 1952 erschien Jahre ohne Gnade, seine „Chronik“ des 2. Weltkrieges. Im Vorwort des Buches kündigte er an, „keiner Frage aus dem Weg zu gehen, die um der geschichtlichen Wahrheit willen behandelt werden muss“ und schilderte dann ausführlich den Terror und die Massenmorde der Nazis. Dennoch blieb er politisch weiter diskreditiert, auch weil er weiterhin an den 1934 von Hans Grimm gegründeten reaktionären Lippoldsberger Dichtertagen teilnahm.

Jahre ohne Gnade wurde vom Publikum nicht angenommen, auch die Verkaufszahlen seiner anderen Werke sanken rapide. Seine Nachkriegskarriere war damit bereits in den 1950er Jahren beendet. Von den großen Verlagen jetzt aus Opportunitätsgründen zurückgewiesen, veröffentlichte er in dubiosen rechtsgerichteten Kleinverlagen noch zwei Romane, die als konventionelle Unterhaltungsware ohne größere Resonanz blieben. Nach 1958 erschienen keine neuen Auflagen seiner Bücher mehr, er war „ins geistige und literarische Niemandsland geraten.“[8] Seine Bücher fanden sich aber noch lange in den Soldatenbüchereien der Bundeswehr. 1962 schrieb der Stern einen „Deutschen Erzählpreis“ aus, für den sich Beumelburg anonym bewarb. Im Oktober 1963 erhielt er einen der 17 „Förderpreise“ zugesprochen. Aber da war Beumelburg schon seit Monaten tot. Er wurde in seiner Heimatstadt Traben-Trarbach beigesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1936 Literaturpreis der Stadt Berlin
  • 1937 Kunstpreis der Deutschen Westmark
  • 1963 Förderpreis des Erzählerpreises der Zeitschrift Stern für König Nobels letzte Reise[9]
  • Ehrenbürger der Stadt Traben-Trarbach[10]

Werke

  • Douaumont (1923)
  • Ypern 1914 (1925)
  • Loretto (1927)
  • Flandern 1917 (1928)
  • Die Gruppe Bosemüller (Der große Roman der Frontsoldaten) (1929)
  • Die stählernen Jahre (1929)
  • Sperrfeuer um Deutschland (1929)
  • Der Strom (1930)
  • Der Kuckuck und die zwölf Apostel, Roman (1931)
  • Deutschland in Ketten, Von Versailles bis zum Young-Plan (1931)
  • Bismarck gründet das Reich (1932)
  • Das jugendliche Reich. Reden und Aufsätze zur Zeitwende (1933)
  • Friedrich II. von Hohenstaufen (1934)
  • Preußische Novelle (1935)
  • Kaiser und Herzog. Kampf zweier Geschlechter um Deutschland (1936)
  • Die Hengstwiese. Novelle (1937)
  • Reich und Rom. Oldenburg (1937)
  • Der König und die Kaiserin. Friedrich der Große und Maria Theresia (1938)
  • Mont Royal. Ein Buch vom himmlischen und vom irdischen Reich (1938)
  • Österreich und das Reich der Deutschen: kurze Geschichte des Großdeutschen Reiches (1938)
  • Kampf um Spanien (1939)
  • Sieg im Osten. So schlugen wir die Russen 1914/17 (1939)
  • Von 1914 bis 1939. Sinn und Erfüllung des Weltkriegs (1940)
  • Geschichten vom Reich (1941)
  • Reich und Rom (1943)
  • Hundert Jahre sind wie ein Tag (1950)
  • Nur Gast auf dunkler Erde (1951)
  • Jahre ohne Gnade (1952)
  • Das Kamel und das Nadelöhr (1957)
  • ...und einer blieb am Leben (1958)
  • König Nobels letzte Reise (unveröffentlicht)

Literatur

  • Jürgen Hillesheim/Elisabeth Michael (Hg.): Lexikon nationalsozialistischer Dichter: Biographien, Analysen, Bibliographien. Würzburg: Königshausen & Neumann, 1993. ISBN 3-88479-511-2
  • Stefan Busch: „Und gestern, da hörte uns Deutschland“. NS-Autoren in der Bundesrepublik. Kontinuität und Diskontinuität bei Friedrich Griese, Werner Beumelburg, Eberhard Wolfgang Möller und Kurt Ziesel. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1998 (= Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte; 13) ISBN 3-8260-1395-6
  • Markus Pöhlmann: „Das große Erleben da draußen“. Die Reihe Schlachten des Weltkrieges (1921-30), in: Thomas F. Schneider und Hans Wagner (Hg.), Von Richthofen bis Remarque. Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg. Amsterdam: Rodopi 2003, S. 113-131.
  • Hans Sakowicz/Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biographisches Lexikon. Hamburg/Wien: Europa Verlag (Erw. Neuauflage) 2002 ISBN 3-203-82030-7
  • Karl-Heinz Joachim Schoeps: Literatur im Dritten Reich. Bern u.a.: Lang 1992 (= Deutsche Literatur zwischen den Weltkriegen; 3) ISBN 3-261-04589-2
  • Ernst Klee: „Werner Beumelburg“ Eintrag in ders.: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 50.
  2. Kriegsgeschichte: Eine Sargbreite Leben. In: Der Spiegel v. 04. Februar 1953, S. 31.
  3. Von 1914 bis 1939. Sinn und Erfüllung des Weltkriegs (1939), zit. n. Sakowicz/Mentzer, S. 97.
  4. Olaf Simons: Kurzbiografie zu Werner Beumelburg 2004.
  5. Busch, S. 82.
  6. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-b.html; http://www.polunbi.de/bibliothek/1947-nslit-b.html; http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-b.html; http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-b.html
  7. Kriegsgeschichte: Eine Sargbreite Leben. In: Der Spiegel v. 04.02.1953, S. 33
  8. Busch, S. 82; zum Folgenden: Truppenbüchereien: Helden im Spind. In: Der Spiegel v. 04.12.1967, S. 50-54
  9. Der Roman liegt unveröffentlicht im Stern-Archiv, ein weiteres Exemplar des Manuskripts befindet sich im Nachlass Beumelburg
  10. Trierischer Volksfreund, Ausgabe vom 29.01.2007

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