Beutekunst

Beutekunst nennt man zusammenfassend Kulturgüter, die sich jemand in einem Krieg oder kriegsähnlichen Zustand widerrechtlich (entgegen Art. 56 der Haager Landkriegsordnung) aneignet (Kunstraub). Dies geschieht gewöhnlich, um den Gegner zu demütigen, sich selbst, die eigene Partei oder den eigenen Staat zu bereichern. Oftmals ist der Kunstraub auch Ausdruck staatlicher Ideologie. Nach den Regeln der Kompositabildung müsste es eigentlich Kunstbeute heißen, da es sich ja um erbeutete Kunst handelt und nicht etwa um eine künstlerische Darstellung von Beute. Der Begriff Beutekunst hat sich jedoch in dieser Form eingebürgert. In der Rechtswissenschaft wird von der Beutekunst der Begriff der Raubkunst abgegrenzt. Unter Raubkunst versteht man ausschließlich Kulturverluste, die dadurch entstanden sind, dass das NS-Regime Sammler – also Privatpersonen – verfolgt, erpresst, ihres Besitzes beraubt und in vielen Fällen ermordet hat. Beutekunst ist ein kulturelles Phänomen, das es als Folge von Kriegen seit jeher gegeben hat.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele in der Geschichte

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor wurde auf Befehl Napoléon Bonapartes 1807 als Beutekunst nach Paris geschafft
Johannisfriedhof in Nürnberg, Aquarell von Albrecht Dürer als Beispiel für Beutekunst der Alliierten
  • NS-Raubkunst: Die Nationalsozialisten verschafften sich durch Raub und Enteignung in ihrem Herrschaftsgebiet viele bedeutende Kunstwerke.
Der von Heinrich Schliemann entdeckte Schatz des Priamos (vor dem Zweiten Weltkrieg im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, heute als Beutekunst im Puschkin-Museum in Moskau)
  • Beutekunst der Alliierten: Die Alliierten, insbesondere die Sowjetunion und Polen, aber auch die Westalliierten nahmen nach der Niederlage des Deutschen Reiches deutsche Kulturgüter in ihren Besitz. Von seiten der Westalliierten wurden die meisten Kunstgegenstände, soweit noch auffindbar, wieder zurückgegeben. In den Nachfolgestatten der Sowjetunion bzw. in Osteuropa befinden sich noch heute umfangreiche Kunstbestände und Bestände aus deutschen Bibliotheken. Häufig sind diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Eines der bekanntesten Beispiele für diese Art Beutekunst ist der Schatz des Priamos (heute in Moskau).

Siehe auch

Literatur

  • Hector Feliciano: Das verlorene Museum. Vom Kunstraub der Nazis. Aus dem Englischen übertragen von Chris Hirte. Aufbau-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-351-02475-4.
  • Gilbert H. Gornig: Kulturgüterschutz – internationale und nationale Aspekte. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-12525-8, (Staats- und völkerrechtliche Abhandlungen der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht 24).

Waldemar Ritter: "Kulturerbe als Beute", Die Rückführung kriegsbedingt aus Deutschland verbrachter Kulturgüter - Notwendigkeit und Chancen für die Lösung eines historischen Problems. Wissenschaftliche Beibände im Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1997.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Beutekunst — Beu|te|kunst 〈f. 7u; unz.; umg.〉 im Krieg erbeutete Kunst (a. wissenschaftl. Werke); Sy Raubkunst * * * Beu|te|kunst, die <o. Pl.> (Jargon): im Krieg erbeutete ↑ Kunst (1 b): die beiden Regierungschefs haben die gegenseitige Rückgabe der B …   Universal-Lexikon

  • Beutekunst — Beu|te|kunst, die; (im Krieg erbeutete Kunstwerke) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Beutekunst (Zweiter Weltkrieg) — Von 1945 bis 55 in Moskau: Raffaels Sixtinische Madonna aus der Dresdner Galerie der Alten Meister Beutekunst im Zweiten Weltkrieg umfasst den Kulturgutraub am und nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch die alliierten Kräfte und Besatzungsmächte …   Deutsch Wikipedia

  • Kunstbeute — Beutekunst nennt man zusammenfassend Kulturgüter, die sich jemand in einem Krieg oder kriegsähnlichen Zustand widerrechtlich (entgegen Art. 56 der Haager Landkriegsordnung) aneignet (Kunstraub). Dies geschieht gewöhnlich, um den Gegner zu… …   Deutsch Wikipedia

  • NS-Raubgut — Beutekunst nennt man zusammenfassend Kulturgüter, die sich jemand in einem Krieg oder kriegsähnlichen Zustand widerrechtlich (entgegen Art. 56 der Haager Landkriegsordnung) aneignet (Kunstraub). Dies geschieht gewöhnlich, um den Gegner zu… …   Deutsch Wikipedia

  • Trophäenkunst — Beutekunst nennt man zusammenfassend Kulturgüter, die sich jemand in einem Krieg oder kriegsähnlichen Zustand widerrechtlich (entgegen Art. 56 der Haager Landkriegsordnung) aneignet (Kunstraub). Dies geschieht gewöhnlich, um den Gegner zu… …   Deutsch Wikipedia

  • Schliemann-Schatz — Schatz des Priamos Der Schatz des Priamos (auch Gold von Troja oder Priamosschatz) ist ein Depotfund, den Heinrich Schliemann während seiner Ausgrabungen in Troja entdeckte. Er wurde nach dem antiken König Priamos benannt, dem er aber aufgrund… …   Deutsch Wikipedia

  • Schatz des Priamos — Der Schatz des Priamos (auch Gold von Troja oder Priamosschatz) ist ein Depotfund, den Heinrich Schliemann während seiner Ausgrabungen in Troja entdeckte. Er wurde nach dem antiken König Priamos benannt, dem er aber aufgrund des zeitlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Trésor de Priam — Le trésor de Priam Le Trésor de Priam (parfois désigné comme l’or de Troie) est une découverte archéologique effectuée par Heinrich Schliemann alors qu il dégageait le site de Troie. Les près de 8000 objets rapportés des fouilles ont été… …   Wikipédia en Français

  • Carus-Medaille — Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Zweck: Nationale Akademie der Wissenschaften Vorsitz: Volker ter Meulen (Präsident) Gründungsdatum: 1. Januar 1652 Mitgliederzahl: ca 1.300 Sitz: Halle (Saale), Deutschland …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”