Bevergern
Die Altstadt von Bevergern mit ihren charakteristischen Fachwerkhäusern
Ortswappen

Die Ackerbürgerstadt Bevergern ist ein Stadtteil von Hörstel mit ca. 4500 Einwohnern im Tecklenburger Land des Kreises Steinfurt in Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zum ersten Mal wurde Bevergern im Jahre 1125 urkundlich erwähnt und erhielt 1366 die Stadtrechte. Mindestens seit dem 14. Jahrhundert bis 1680 befand sich in der Stadt auch eine Burg. Die Stadt Bevergern wurde am 1. Januar 1975 zusammen mit den Gemeinden Dreierwalde, Hörstel und Riesenbeck zur Stadt Hörstel zusammengefasst.[1] Wappentier von Bevergern ist der Biber, der sich im Stadtwappen von Hörstel wiederfindet. Partnergemeinde der Stadt Hörstel im Vereinigten Königreich ist Waltham Abbey; Partnergemeinde der Stadt Hörstel in den Niederlanden ist Dalfsen.

Der Stadtteil liegt am Radfernweg der 100-Schlösser-Route und zahlreichen weiteren Radwanderwegen. Jährlich findet der Castellans Folk Sommer, ein Folkfestival, am Dortmund-Ems-Kanal statt. Der Bevergerner Karneval ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das Heimathaus befindet sich im Stadtkern; es war eine Schenkung von Anton Hilckman und wurde 1966 eingeweiht. Charakteristisch für die Altstadt des Bundesgolddorfes Bevergern sind die Kopfsteinpflaster, die Fachwerkhäuser und die Gassen. Auf dem Dorfplatz sind im Pflaster die Grundmauern der 1680 zerstörten Burg Bevergern angedeutet. Die Burg war in ihrer Geschichte immer wieder Ausgangspunkt von Streitigkeiten, und so ließ Bischof Ferdinand II. sie sprengen. Vom Kloster Gravenhorst führt ein historischer Fluchtweg, das Nonnenpättken, zum Klosterhof im Ortskern von Bevergern. Zu den markantesten Gebäuden zählt der Saltenhof, den 1938 SA-Chef Viktor Lutze für sich bauen ließ. Als das Wahrzeichen Bevergerns gilt das „Nasse Dreieck“. Hiermit ist die Stelle gemeint, an der der Mittellandkanal vom Dortmund-Ems-Kanal abzweigt. Weiterhin ist der Torfmoorsee, ein großer Badesee, der wegen des Baus der Autobahn 30 gebaut wurde, ein beliebtes Ausflugsgewässer. Die Bevergerner Aa fließt von Riesenbeck kommend (dort als Flötte bekannt) durch den Ort, um dann auf Rheiner Stadtgebiet unter der Bezeichnung Hemelter Bach in die Ems zu fließen.

Bevergerner „Karfriedagsdracht“

Leidenswerkzeuge, Grabchristus und trauernde Madonna werden in dieser Reihenfolge bei der Prozession mitgeführt.

Bevergern gehört mit zu den wenigen Orten in Westfalen, wo eine alte Form der Karfreitagsprozession bewahrt werden konnte. Nach der Liturgie am Nachmittag setzt sich der Zug in Bewegung. Er führt heutzutage am Stadtgraben und ungefähr am ehemaligen Verlauf der Stadtmauer entlang. Früher ging er durch das sogenannte Karfreitagsgässchen, einem engen Durchgang zwischen den Häusern der Altstadt, der allerdings im Rahmen der Altstadtsanierung beseitigt worden ist. Mitgeführt werden neben den Leidenswerkzeugen noch ein Grabchristus und eine trauernde Madonna. Das Besondere ist, dass während der Bevergerner Karfreitagsprozession alte Lieder aus der Zeit des Hochstiftes Münster gesungen werden, welche andernorts längst in Vergessenheit geraten sind. Auch gehen Männer und Frauen getrennt voneinander mit der Prozession, so dass sich Leidenswerkzeuge/Grabchristus/trauernde Madonna dazwischen in der Mitte des Zuges befinden. An fünf Stationen macht die Prozession Halt, wo jeweils ein Gesätz des „Schmerzhaften Rosenkranzes“ gebetet wird. Die „Karfriedagsdracht“ endet in der Pfarrkirche mit dem Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“.

Persönlichkeiten

Das „Haus Hilckman“ in der Bevergerner Altstadt; es beherbergt heute das Heimathaus des Ortes.
  • Albert Freude (1877-1956), römisch-katholischer Pfarrer von St. Marien Bevergern und langjähriger Dechant des Dekanats Ibbenbüren; Ehrenbürger der damaligen Stadt Bevergern
  • Viktor Lutze (1890-1943), war ein Freikorpskämpfer und als Nachfolger Ernst Röhms Stabschef der SA.
  • Joseph Wewel (1907-1978), römisch-katholischer Geistlicher, wirkte in der Finanzverwaltung der katholischen Kirche in Westdeutschland sowie als Diözesan-Wallfahrtsleiter und Apostolischer Visitator

Einzelnachweise

  1. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.

Literatur

  • Autorenkollektiv: Bevergern. Geschichte und Geschichten um eine alte Stadt. Stadtverwaltung Bevergern, Bevergern 1966.
  • Reinhard Niehoff, Klaus H. Peters, Georg Pistorius: Hörstel: fotografische Impressionen. Bevergern, Dreierwalde, Hörstel, Riesenbeck. Lammert, Hörstel-Riesenbeck 1992.
  • Ottilie Baranowski, Walter Kinast: Päörtkes, Püttkes, Pädtkes: Tore, Brunnen, Wege. Bevergern. Herausgegeben vom Heimatverein Bevergern. Ibbenbürener Vereinsdruckerei, Ibbenbüren 1989, ISBN 3-921290-39-2.
  • Westfälischer Städteatlas. Band: V; 1 Teilband. Im Auftrage der Historischen Kommission für Westfalen und mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, hrsg. von Heinz Stoob und Wilfried Ehbrecht. Stadtmappe Bevergern, Autor: Hartmut Klein. Dortmund-Altenbeken 1996, ISBN 3-89115-138-1.

Weblinks

 Commons: Bevergern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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