Bewaldung

Ein Wald ist ein in Schichten aufgebautes Ökosystem, das dauerhaft mit Gehölzen wie Bäumen bewachsen ist. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) spricht von Wald, wenn die Bäume in winterkalten Gebieten mindestens drei, im gemäßigten Klima mindestens sieben Meter hoch sind.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft und Begrifflichkeiten

Das Wort „Wald“, schon althochdeutsch wald, beruht wohl auf einem rekonstruierten urgermanischen *walþu „Büschel“, in diesem Fall „Laubwerk“, „Zweige“, das wohl seinerseits aus dem Indogermanischen *wolɘt „dichtbewachsen“ hervorgegangen ist (vgl. Wolle).

Wald im allgemeinen Sinne ist ein Begriff der Ökologie.

  • Als Primärwald oder Urwald werden naturbelassene, das heißt ohne forstwirtschaftliche oder das ökologische Gleichgewicht berührende menschliche Eingriffe gewachsene Wälder bezeichnet.
  • Der bewirtschaftete Wald wird als Wirtschaftswald oder umgangssprachlich auch als Forst bezeichnet.
  • Als juristischer Begriff ist Wald in Deutschland im Bundeswaldgesetz[1], in Österreich im Forstgesetz 1975 und in der Schweiz im Waldgesetz (WaG) gesetzlich definiert.

Verbreitung der Wälder

Laubwald mit umgestürztem Baum

Weltweit treten Wälder als Waldgesellschaften in Gebieten mit einer (je nach Temperatur) bestimmten minimalen Niederschlagsmenge auf. Fällt weniger Niederschlag, geht der Wald in eine Trocken-Savanne oder Steppe über. Für Hochlagen und kalte Klimate ist die Dauer der Vegetationsperiode für den Erfolg der Vegetation entscheidend. Ab einer bestimmten Höhe bzw. geografischen Breite gibt es eine Waldgrenze, jenseits derer kein Wald mehr wachsen kann und nur vereinzelt (verkrüppelte) Bäume vorkommen. Ihr folgt die Baumgrenze.

Waldökosysteme

Wälder sind komplexe Ökosysteme. Mit optimaler Ressourcenausnutzung sind sie das produktivste Landökosystem. Nach den Ozeanen sind sie die wichtigste Einflussgröße des globalen Klimas. Sie stellen gegenüber anderen Nutzungsformen global die einzig wirksame Kohlendioxidsenke dar und sind die wichtigsten Sauerstoffproduzenten. Sie wirken ausgleichend auf den globalen Stoffhaushalt. Ihr Artenreichtum ist ein unschätzbarer Genpool, dessen Bedeutung zunehmend auch in der Industrie erkannt wird.

Räumliche Einteilung

Innerhalb der neun Ökozonen der Erde bilden sich mit Überlagerung der Orobiome (Höhenstufe (Ökologie)) verschiedene Waldformen aus. In den Grenzbereichen des Lebens, bei starker Trockenheit oder Kälte, gehen die Wälder in Savannen, Tundren oder Wüsten über. Die ausgedehntesten Waldgebiete der Erde sind die tropischen Regenwälder um den Äquator und die borealen Wälder der kalten bis gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel (Finnland, Sibirien, Kanada).

Diese Ökosysteme sind naturbelassen weder ein zeitlich starres noch ein räumlich homogenes Gebilde. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind auch die zusammenhängenden rezenten „Urwälder“, wie die Regenwälder aber auch die heimischen Buchenwälder ein Mosaik aus zonaler, azonaler und extrazonaler Vegetation, deren einzelne Flächen („Patches“) zu dem auch einer zeitlichen Entwicklung unterworfen sind.

Siehe auch:

Zeithorizonte

Wald in Kalifornien

Die unterschiedlichen Einflüsse, zeitliche Faktoren als Grundlagen der Waldentwicklung, sowie resultierende Schlusswaldgesellschaft werden im Mosaik-Zyklus-Konzept und der Megaherbivorentheorie diskutiert.

Ökologisch lässt sich eine Einteilung nach Sukzessionsstadien vornehmen: das Mosaik-Zyklus-Konzept beschreibt die Formen der potenziell natürlichen Waldentwicklung. Zu einer vollständigen Artenausstattung (Flora und Fauna) von Klimaxwaldgesellschaften bedarf es Jahrhunderte ununterbrochener Bestockung. Auch die durch menschliche Nutzung eingestellten Bestandesformen lassen sich in natürlich vorkommende Sukzessionsstadien einordnen.

Die Megaherbivorentheorie misst den großen Pflanzenfressern eine größere Bedeutung in der Waldentwicklung zu. Wie groß deren Einfluss auf die Vegetation wäre ohne Bejagung durch Menschen, aber mit Bejagung durch in Mitteleuropa ausgestorbene oder ausgerottete Carnivoren, ist umstritten.

Einteilung der Waldgesellschaften nach Vegetationszonen

Wälder der Tropen

Wald in Bangladesch

Zwischen den Wendekreisen der Sonne, in tropischen Klimaten, bildet sich bei entsprechender Feuchteversorgung durch Regen (1800–2000 mm/a) eine Vielfalt von verschiedenartigen Regen- und Nebelwäldern aus. Ein regionsweise hoher Anteil kann dabei im sog. „Kleinen Wasserkreislauf“ aus der Verdunstung des Waldes selbst entstammen, soweit diese Waldflächen eine gewisse Größe nicht unterschreiten.

Ein ganzjähriges Wachstum haben tropische Regenwälder, die die artenreichsten Landökosysteme der Erde sind. Schätzungsweise 70 % aller landgebundenen Arten dieser Erde leben in der tropischen Regenwaldzone. Für diese Produktivität spielt der Boden eine entscheidende Rolle. Die meisten tropischen Regenwälder stehen auf Lateritboden und der ist sehr unfruchtbar, weil er kaum Nährstoffe enthält und speichert. In Einflussbereichen des sauren und sauerstoffarmen Schwarzwassers (zum Beispiel am Rio Negro) gedeihen Schwarzwasserwälder. Es gibt Tiefland-Regenwälder und Regenwälder in mittleren Höhenlagen.

Mit zunehmender Höhe gehen in diesem Klimat die Regenwälder in Nebel- oder Wolkenwälder über. In einem Wolkenwald wachsen zahlreiche Epiphyten. Dieser üppige Bewuchs wird nur noch von echten Bergnebelwäldern übertroffen, die in den feucht heißen Tropen ab 2000 m über dem Meer anzutreffen sind. Hier findet man vor allem Hautfarne.

Oberhalb der echten Bergnebelwälder gehen tropische Wälder ab 3100 m (in Afrika am Kilimandscharo) oder ab 4000 m in den Anden in einen niederwaldartigen Bewuchs über. Mit zunehmender Höhe beginnt der hochandine Bereich über der Baumgrenze, die Páramos.

In der Gezeitenzone tropischer Küsten wachsen Mangrovenwälder, die allerdings von einem starken Rückgang betroffen sind. Die Flora der Mangrovenwälder beschränkt sich auf eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Mangrovenbaumarten mit speziellen Anpassungen an die schwierigen Lebensbedingungen dieses Lebensraums (z. B. Salinität, periodische Überflutung oder Brandung). Die höchste Diversität beobachtet man im indopazifischen Raum; Westafrika und Amerika beherbergen nur eine geringe Anzahl von Mangrovenbaumarten. In Richtung auf die nördlichen oder südlichen Verbreitungsgrenzen geht die Artenzahl weiter zurück, so kommt z. B. am Sinai (Ägypten) oder im nördlichen Neuseeland nur eine Art der Gattung Avicennia (A. marina) vor. Trotz der Artenarmut der Flora nutzt eine Vielzahl von Tieren die Mangrovenwälder.

Wälder der Subtropen

Als Übergänge zu den Regenwäldern bilden sich die Saisonregenwälder, die in mehr oder weniger regelmäßigeren Abständen, nicht durch Regen bewässert werden. Sie wachsen in Gebieten, die noch meistens niederschlagsreich sind, aber schon eine kürzere Trockenzeit aufweisen.

In den Subtropen bilden sich unter dem Einfluss von Jahreszeiten in der Nähe der Wendekreise die Monsunwälder und Passatwälder, die von den mit den Namensgebenden Winden herangetragenen Regengüssen bewässert werden. Diese Regenzeitwälder haben keine typische Form, sind sehr variabel und prägen sich je nach Dauer der Trockenheit aus. Sie werfen unter normalen Umständen nicht durch Trockenheit deutlich Laub ab.

Trockenkahle Wälder gedeihen in Gebieten mit länger anhaltenden jährlichen Trockenzeiten und werfen in solchen vollständig ihr Laub ab. Sie grenzen an Passat- und Monsunwälder einerseits und an Dornwälder andererseits. Sie werden häufig bewirtschaftet und sind durch die Nachfrage an Teak und Mahagoni schon nicht mehr in ihrem natürlichen Zustand. Die Afrikanische Variante der trockenkahlen Wälder heißt Miombo.

Bei länger anhaltenden Trockenzeiten können in Venezuela, Brasilien, Indien und Nepal und Afrika nur noch Dornwälder gedeihen. Sie bestehen aus Schirmakazien, Mimosen- und Caesalpinaceen-Arten. Die Trichterförmigen Kronen der Bäume stehen schütter und fangen den geringen Sommerregen auf. Einige Dornwälder sind auch durch die menschliche Nutzung aus trockenkahlen Wäldern entstanden

Bei weiter abnehmenden Niederschlagsmengen entstehen Sukkulentenwälder und schließlich die Savanne. Neben der Beweidung, der Brandrodung und dem Holzfällen des Menschen üben Termiten einen Einfluss auf die Wälder der Subtropen aus.

Wälder der warmtemperierten Zone

In dieser Zone finden sich sowohl Hartlaubwälder, als auch Laubwälder warm-feuchter Klimate. Erstere sind geprägt durch Hartlaubvegetation, also immergrüne Pflanzen mit Anpassungen an lange Phasen der Trockenheit im Sommer. Man findet diesen Bereich z.B. am Mittelmeer.[2] Eine typische Baumart in solchen Wäldern ist die Steineiche.

Laubwälder warm-feuchter Klimate wachsen an der Ostseite der Kontinente mit kräftigen Monsunregen im Sommer und hohen Temperaturen; außerdem bei sommertrocken-winterfeuchtem Klima, wenn eine regelmäßige Wolkenbildung die Sommertrockenheit abschwächt.[2]

Wälder der nemoralen Zone

Mischwald in Polen
Erlenbruchwald in Polen

Boreale Wälder

Die boreale Nadelwaldzone umfasst einen Bereich von 1,4 Milliarden ha (14 Millionen km2) bzw. etwa 1/3 der Gesamtwaldfläche der Erde. Etwa 150 Millionen Hektar davon sind jedoch, bedingt durch Sturm oder Feuer, vorübergehend nicht bestockt. Die boreale Klimazone schließt sich an den Süden der arktischen Tundra an und umfasst eine Nord-Süd-Ausdehnung von 700 km in Europa und Nordamerika, sowie bis zu 2000 km in Sibirien. Die West-Ost-Ausdehnung umfasst das gesamte Eurasien von Norwegen bis Kamtschatka, bzw. auch Kanada. Sie ist somit das ausgedehnteste geschlossene Waldgebiet der Erde. Boreale Wälder existieren nur auf der Nordhalbkugel. Die Vegetation wird in der Baumschicht von Koniferen dominiert, insbesondere Sibirische Lärche, Fichten, Zirbelkiefer und Gemeine Kiefer.

Natürlichkeit

Wälder kommen ihrem natürlichen (ahemeroben) Zustand umso näher, „...je ähnlicher ihre Baumartenzusammensetzung ist, und je weniger die Bewirtschaftung von der zusätzlichen Zufuhr von Energie in die biologischen Produktionsprozesse über die einstrahlende Sonnenenergie hinaus abhängig ist.“ [3]

Urwälder

Urwälder – oder besser Primärwälder – sind die natürlichsten Waldökosysteme. Sie sind nach Definition der FAO Waldgebiete, die eine natürliche Vegetation aufweisen, ohne sichtbaren menschlichen Einfluss sind und deren natürliche Dynamik ungestört verläuft. Weltweit entsprechen zurzeit etwa 36% aller Wälder diesen Kriterien. Die Fläche wird um jährlich 6 Millionen ha reduziert [4].

Urwälder Europas

Urwälder sind in Mitteleuropa bis auf wenige Urwaldrelikte verschwunden. Da die Konzepte über die Wiederbewaldung und Theorien über die potenziell natürliche Vegetation nicht widerspruchsfrei sind, ist es darüber hinaus schwierig, einen Urwald in Mitteleuropa zu definieren.

  • Der letzte wirklich großflächige, über Relikte hinausgehende Urwald der potentiell natürlichen Waldgesellschaft Mitteleuropas findet sich am östlichen Rande des Buchenareals zwischen Elburs-Gebirge und Kaspischem Meer: 300.000 ha von 2.000.000 ha im Iran wurden noch 1998 als "unberührt" bezeichnet.
  • Die weitaus größten Urwaldreste Europas liegen in Skandinavien, vor allem am Fuße der Skanden. Gegenüber den außereuropäischen Urwäldern sind jedoch auch diese Wälder vergleichsweise winzig.
  • Rotbuchen-Urwälder sind auch in den ukrainischen und slowakischen Waldkarpaten erhalten geblieben. Sie zählen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der mit etwa 10.000 ha größte Rotbuchen-Urwald befindet sich im Uholsko-Shyrokoluzhanskyy-Massiv, einem bis zu 1501 m hohen Kalkmassiv nordöstlich der Stadt Chust.
  • Außerdem gelten noch einige Teile der Dinarischen Bergwälder als Urwälder, unter denen die Nationalparke Sutjeska in Bosnien und Herzegowina sowie Biogradska Gora in Montenegro, mit bis zu 63 m hohen Fichten und 60 m hohen Tannen auch die höchsten Bäume in Europa bergen.
  • Ein weiteres bedeutendes Urwaldgebiet findet sich zudem im mediterranen Orjen, wo auch seltene Waldgesellschaften wie der Dinarische Karst-Blockhalden-Tannenwald sowie Schlangenhaut-Kiefer-Felswälder auftreten.
  • Ein urwaldähnlicher Mischwald befindet sich im Białowieża-Nationalpark zwischen Polen und Weißrussland. Dieses Gebiet ist bekannt für seine mächtigen Eichen, Ulmen, Eschen und Linden; die Buche fehlt, da es außerhalb ihres Verbreitungsgebietes liegt.

Die Bergwälder des Hochgebirges der Alpen sind in ihrem Bestand als relativ naturnah anzusehen, soweit sie abgelegen, oder unzugänglich sind. Trotzdem haben sich auch hier weiträumig Ersatzgesellschaften etabliert oder sind durch Almen vollständig ersetzt. Echte Urwälder gibt es in Deutschland nicht mehr. Urwaldähnliche, naturnahe Relikte minimaler Größe liegen zum Beispiel im Nationalpark Bayerischer Wald (am Höllbachspreng), im Nationalpark Harz, im Thüringer Wald und in Nordhessen (siehe hierzu Nationalpark Kellerwald-Edersee oder Urwald Sababurg).[5] Urwaldartige Strukturen weisen auch die alten Rotbuchenwälder im Zentrum des Nationalparks Hainich auf, die seit den 1960er-Jahren keiner menschlichen Nutzung mehr unterliegen. Mit über 5.000 ha befindet sich im Nationalpark Hainich auch die aktuell größte nicht genutzte Laubwaldfläche Deutschlands.

Urwälder außerhalb Europas

Die größten, weitgehend unberührten Urwaldgebiete der Erde liegen in Teilen Kanadas und Sibiriens (Borealer Nadelwald) sowie in Teilen der immerfeuchten Tropen (Tropischer Regenwald im Amazonas- und Kongobecken, sowie in Südostasien). Umgangssprachlich versteht man unter Urwald häufig nur den Tropischen Regenwald.

Siehe auch: Weitere, umfangreiche Informationen zum Thema Urwälder und eine Karte finden sich im Artikel Wildnis.

Naturnahe Wirtschaftswälder

Ein Wald kann als verhältnismäßig naturnah gelten, wenn die Baumpopulation einheimisch, und die Zusammensetzung gänzlich oder annähernd natürlich ist. Trotzdem sind solche Wirtschaftswälder ökonomischen Zielsetzungen unterworfen, die eine Festlegung des Erntealters lange vor Erreichen der natürlichen Altersgrenze herbeiführen. In Mitteleuropa sind solche Wälder den Standorten entsprechend oft durch Buchen geprägt, durch Bergmischwälder, Edellaubholz und Kiefern. Nicht autochthone Eichen-Wirtschaftswälder können noch als verhältnismäßig naturnah gelten.[3]

Naturfernere Wirtschaftswälder

Solche Wälder sind gekennzeichnet durch fremdländische Baumarten mit oder ohne künstlich herbeigeführte eingeschränkte genetische Vielfalt, oder durch Baumarten, die an gegebene Standorte nicht angepasst sind. In vielen Gebieten sind dies Kiefern-Fichten-Mischwälder und Mischwälder unter der Beteiligung von Lärche. Noch naturferner sind Fichtenkulturen, Lärchen- und Douglasienbestände der planaren und kollinen Stufe der Mittelgebirge,[3] in den Alpen sind reine Fichtenwälder über der Fichten-Tannen-Stufe, und darüber die Lärchenstufe heimisch.

Plantagen

Plantagenwälder stellen die naturfernsten Waldsysteme der Erde dar. Sie bestehen in der Regel aus nur einer einzigen schnellwüchsigen Baumart (oft Eukalypten und bestimmte Kiefern wie beispielsweise Monterey-Kiefer). Plantagen stellen eine Übergangsform zur Landwirtschaft dar und sind gekennzeichnet durch eine intensive Bodenbearbeitung, den regelmäßigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, und sehr kurze Umtriebszeiten von oft weniger als 10 Jahren. Das Pflanzenmaterial wird durch Züchtungen konstant verbessert. [3] Die Züchtungen werden in der Regel massenhaft geklont. Unter anderem kommen auch genetisch modifizierte Organismen zum Einsatz.

Plantagen zeichnen sich durch eine vergleichsweise sehr hohe Rentabilität (nicht selten im Bereich von 15 bis 20 Prozent) aus. In Mitteleuropa sind Plantagen selten vorzufinden. Pappelkulturen gewinnen jedoch als Energieträger an Bedeutung. Geregelte Forstwirtschaft findet besonders in Ländern der südlichen Hemisphäre beinahe ausschließlich in Form von Plantagen statt.

Funktionen des Waldes

Waldschäden im Erzgebirge

Wälder erfüllen im Wesentlichen drei Kernfunktionen: Nutzen (Ökonomie), Schutz (Ökologie) und soziale Funktionen (Erholung). Manche dieser Funktionen werden durch den Wald ohne Zutun des Menschen erbracht (beispielsweise die Erzeugung von Sauerstoff), andere werden erst durch die Leistungen der Forstwirtschaft ermöglicht (z.B. Waldwege, die auch das Fahrradfahren ermöglichen). Hinzu kommen noch einige Sonderfunktionen. Die Realisierung der vielfältigen Funktionen obliegt dem Besitzer des Waldes. Werden alle Funktionen gleichzeitig und ausreichend erbracht, so spricht man von Nachhaltiger Forstwirtschaft. Für das Jahr 1997 wurden die jährlich weltweit erbrachten Waldfunktionen auf einen Wert von 4,7 Billionen US-Dollar geschätzt. Das entsprach damals etwa einem Viertel des weltweiten Bruttosozialprodukts.

Durch diese Vielfalt der Anforderungen kommt es bei Bewirtschaftung und sonstigen Nutzungen zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessengruppen (die Regelung dieser Konflikte ist die Aufgabe der Forstpolitik). Streitpunkte sind hierbei oft, inwieweit ein Waldbesitzer tatsächlich zur alleinigen Erbringung (oft unentgeltlicher) Leistungen durch sein Eigentum verpflichtet ist.

Welche Funktionen der Wald zu erfüllen hat, ist bereits ein erster Gegenstand von Diskussionen. Auf internationaler Ebene werden dazu Vereinbarungen zwischen Staaten unter der Beteiligung von Interessengruppen getroffen. Der Katalog der Waldfunktionen wird dabei kontinuierlich erweitert. Nach dem Schema der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa müssen Wälder derzeit (Februar 2008) 17 Aspekte bzw. Funktionen berücksichtigen.

Wirtschaftliche Nutzung des Waldes

Man unterscheidet in der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes:[6]

  • Holzprodukte, also Holz als Material, Brennholz sowie Holzkohle
  • Agroforstwirtschaft (Waldfeldbau, engl. agroforestry)
  • Non-timber forest products (NTFP) („Nichtholzprodukte des Waldes“) als Nahrungsmittel, für Heilzwecke und als Werkstoff
  • Schutzfunktionen des Waldes für Landschaft, Tier und Mensch und andere Elemente der Biosphäre, die von ökonomischer und/oder ökologischer Bedeutung sind

Die phytogenen (pflanzlichen) Ressourcen werden heute unter dem Begriff nachwachsender Rohstoff zusammengefasst

Historische Entwicklung

Kiefernwald mit Heidelbeersträuchern

Seit der Urgeschichte des Menschen (Jäger und Sammler) werden Bestandteile des Ökosystems Wald als natürliche Ressource genutzt. Neben Tieren zählen dazu auch Wildpflanzen wie Beeren, Kräuter, Faserpflanzen, sowie Pilze, oder Sekrete wie Baumharz (Pech) und ähnliches, Waldweide für Fütterungszwecke von Kulturtieren, Zeidlerei sowie Fallholz als Brennmaterial. Daneben entwickelte sich schon früh die Nutzung der lebenden Bäume als Brenn-, Werk- und Baustoff, aus der sich zu Beginn des 18. Jh. aufgrund einer absehbaren Holznot die Forstwirtschaft als Konzept zur nachhaltigen Nutzung entwickelte (bis zur Entdeckung fossiler Energieträger war das Holz aus dem Wald der wichtigste Energieträger). Damit wurde - vor dem Hintergrund einer ungeregelten, vernichtenden Übernutzung - der Wald ggf. zum Forst.

Historisch betrachtet haben die Wälder weltweit einen starken Wandel bezüglich ihrer Nutzung und Ausprägung erlebt. Je nach Nutzungsart und -intensität bilden sich innerhalb eines Waldsystems Ersatzgesellschaften aus, die in dichter besiedelten Regionen die Regel darstellen dürften.

Siehe auch: Geschichte des Waldes in Mitteleuropa

Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft erbringt auch Dienstleistungen (das genannte Beispiel des Waldwegebaus, die Sicherung dieser Wege) und Güter, die jedoch von den Nutznießern normalerweise nicht bezahlt werden müssen, da eine gesetzliche Grundlage dafür fehlt, oder weil die Märkte nicht existieren.[7] Dies sind insbesondere die CO2-Speicherung und -sequestrierung, Tourismus und Naherholung, sowie (besonders im Falle tropischer Regenwälder) genetisches Material.[8] Auch die Erbringung von Boden-, Luft- und Wasserschutzfunktionen und der Erhalt von Biodiversität werden in der Regel nicht vergütet.[9]

Schutzfunktionen (Ökologie)

Lokale Schutzfunktionen

Waldbestand gehört zu den wichtigen mikroklimatischen Faktoren.

Böden

Wald schützt den Boden, auf welchem er wächst auf unterschiedliche Weise. Erosion wird stark vermindert (ein Kronendach vermindert die kinetische Energie von Regentropfen; Festigung des Bodens durch das Wurzelwerk)). Typische Fälle sind der Mangrovenwald im Küstenschutz oder Wälder in Bereich von Wüstenbildung und Verkarstung

Geodynamische Massenbewegungen

Der Lawinen-, Steinschlag- und Murenschutz ist eine Waldfunktion, die nur im steileren Gelände relevant ist. Der Entstehung von Lawinen wird stark vorgebeugt, herabbrechende Lawinen werden durch Wald in ihrer Wucht gebremst und fangen einen großen Teil der Schneemasse ab. Die regulative Kraft des Waldes auf Gesteins- und Erdbewegungen beruht in einer Kombination von Durchwurzelung und dem Puffern der erosiven Kräfte von Wasser (Niederschlag, Versickerung, Wasserabfluss).

Wasser

Neben der Schutz der erosiven Kräfte von Wasser haben die Wälder enorme Bedeutung für den Wasserkreislauf der Erde, und die Verfügbarkeit von Trinkwasser und Wasser für die künstliche Bewässerung sowie Energiegewinnung durch Wasserkraft. Wälder können Wasser länger und in größerer Menge zur Verfügung stellen, als eine vergleichbare Freifläche. Oberflächenabfluss von Regenwasser wird minimiert, ähnlich wie ein Schwamm wird Wasser im Boden gespeichert. Die Evaporation sinkt aufgrund der Beschattung des Bodens durch die Vegetation (allerdings steigt die Transpiration).

Luft

Unter Immissionsschutzfunktionen versteht man die Filterung der Luft von Aerosolen aller Art, sowie von Giftstoffen oder auch Radioaktivität. Einen wichtigen Beitrag zum Wasserschutz leisten Wälder, indem sie Wasser in gleicher Weise säubern.

Daneben verhindert Wald bestand auch weitgehend Erosion durch Wind (Bodenabtragung).

Sicht und Lärmschutz

Zum Immissionsschutz zählen auch dämpfende Wirkungen in Bezug auf Licht und Schall. Für die Befindlichkeit des Menschen kann die Sichtschutzfunktion von Wäldern relevant sein. Ebenso können junge belaubte Wälder Lärm um etwa die Hälfte im Vergleich zu Freiflächen reduzieren. Andererseits können Altbestände die Lärmausbreitung erhöhen, da sich unter dem geschlossenen Kronendach der Schall wie in einer Halle ausbreitet.

Flora und Fauna

Wälder sind vergleichsweise wenig intensiv genutzte Flächen. Der Eintrag von Düngemitteln und Pestiziden ist im Wald normalerweise geringer als in der Landwirtschaft. Auch ist der Stress durch Lärm und andere Reize vermindert. Deshalb stellen Wälder ein letztes Rückzugsgebiet für scheue Tiere dar. Ausgeprägte Waldtiere wie der Feuersalamander bezeichnet man als silvicol. Wie jedes andere Ökosystem gibt es aber auch im Wald Tier- und Pflanzenarten, die an das Leben dort speziell angepasst sind. Der Wald muss also Artenschutzfunktionen im Rahmen des Naturschutzes erfüllen. Bezüglich des Schutzes der Artenvielfalt stellt die natürliche Wiederbewaldung, wie auch beim Tourismus und beim Landschaftsschutz (siehe unten), manchmal jedoch auch ein Problem dar: Offene extensiv genutzte Flächen oder Brachland wird von Bäumen wiederbesiedelt. Ohne einen menschlichen Eingriff würden diese offenen Landschaften langfristig verschwinden. Dies bedeutet eine Habitatverarmung und einen Verlust an Biodiversität, da viele Pflanzen und Tiere nur auf Wiesen leben.

Wälder als Kohlenstoffsenken

Waldrand

Im Rahmen der internationalen Klimaschutzabkommen (Kyoto-Protokoll) werden auch Wälder als Klimafaktoren gesehen, aufgrund ihrer Fähigkeit, Kohlendioxid zu binden und Sauerstoff zu produzieren. Grundsätzlich werden Wälder als Kohlenstoffsenken angesehen und können in die nationale CO2-Bilanz Eingang finden. Dies ist jedoch nur bedingt richtig, da Wälder vor allem im Wachstum eine reale Kohlenstoffsenke darstellen, etablierte Wälder hingegen tragen zur Netto-Kohlendioxidfixierung in etwas geringerem Maße bei.

Eine besondere Form von nationalen Minderungsmöglichkeiten, aber auch von JI- und CDM-Projekten (Joint Implementation (JI) und (Clean Development Mechanism) (CDM)) stellen Senkenprojekte dar. Unter Senken wird prinzipiell die Kohlenstoffbindung und Speicherung in Vegetation und Böden verstanden. Unterschieden wird dabei zwischen Wäldern (Art. 3.3 KP) und landwirtschaftlich genutzten Flächen (Art. 3.4 KP). Mögliche Projekttypen sind Aufforstung und Wiederaufforstung, Bewirtschaftungsmaßnahmen auf bestehenden Forst-, Acker- und Grünlandflächen sowie Begrünung von Ödland. Die Freisetzung von Kohlenstoff durch Entwaldung muss allerdings ebenfalls eingerechnet werden. Um Risiken und Möglichkeiten der Senkenanrechnung zu untersuchen, wurde ein Bericht beim Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Auftrag gegeben. Der im Jahr 2000 fertig gestellte Bericht Land use, Land-use change, and Forestry (LULUCF) konstatiert große Unsicherheiten in vielen Bereichen. So bestehen vor allem naturwissenschaftliche Unklarheiten bezüglich der gebundenen CO2-Menge. Die Absorptionsraten während des Pflanzenwachstums sowie die Bindungszeiträume sind nur schwer zu bestimmen. Zusammen mit der Problematik der Bestimmung der Bewuchsdichte auf großen Flächen ergeben sich starke Unsicherheiten bei der Hochrechnung der Gesamtmenge. Bei der Speicherung in Böden sind diese Probleme noch gravierender, da die zugrunde liegenden biochemischen Prozesse komplizierter sind und zusätzlich mit stärkeren Freisetzungen von CO2 und Methan gerechnet werden muss. Über die naturwissenschaftlichen Unsicherheiten hinaus wird vor allem die Kontrolle der Vorschriften als problematisch angesehen. Genaue Regelungen bezüglich der Quantifizierung der Treibhausgasspeicherung und des Monitorings stehen noch nicht fest, sondern sollen vom Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) entwickelt und vorgeschlagen werden. Trotz der hohen Unsicherheiten und des Widerstandes von einigen Vertragsstaaten wurde auf der Klimakonferenz in Bonn (COP 6b) beschlossen, Senkenprojekte bei der Erfüllung der Verpflichtungen einzubeziehen. Auf der nächsten Konferenz in Marrakesch (COP 7) wurden dann die ersten wichtigen Definitionen und Regelungen für die Anrechenbarkeit von Senken nach Artikel 3.3 und 3.4 vereinbart. Insbesondere die genaue Definition und Abgrenzung des Begriffes „Wald“ wurde festgelegt. Hierbei wurden Bandbreiten für Mindestflächen (0,05–1 ha), die Mindestbewuchsdichte (10–30 %) und die Mindesthöhe (2–5 m) des Pflanzenbewuchses festgelegt, aus denen die verpflichteten Parteien Rahmenwerte für eine nationale Definition des Begriffes „Wald“. wählen müssen. Vor Beginn der ersten Verpflichtungsperiode (d. h. vor 2008) müssen die verpflichteten Staaten festlegen, welche der Bewirtschaftungsmaßnahmen, d. h. Forst-, Ackerland- und Grünlandbewirtschaftung sowie Begrünung von Ödland, für sie unter Artikel 3.4 KP anrechenbar sein sollen. Für Aufforstung und Wiederaufforstung ist keine Festlegung notwendig. Senkenprojekte im Inland generieren Emissionsreduktionsgutschriften, so genannte Removal Units (RMU), die nicht in die nächste Verpflichtungsperiode übertragen werden können. Zudem unterliegen sie in der ersten Verpflichtungsperiode gewissen Einschränkungen bezüglich ihrer Anrechenbarkeit. So können Bewirtschaftungsmaßnahmen nur bis zu einer für jede Partei individuell festgelegten Obergrenze angerechnet werden. Für Deutschland beträgt diese Obergrenze 1,24 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Auch für Senkenprojekte im Ausland existieren Restriktionen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist nun, dass jetzt die Verhandlungen für die POST-2012 Periode beginnen. Und natürlich ist LULUCF in diesen Verhandlungen ein wichtiges Thema. Die Forstwirtschaften Mitteleuropas sollten deshalb jetzt schon beginnen, darüber nachzudenken, wie man ihre Leistungen in den nächsten Verpflichtungsperioden berücksichtigen soll.

Soziale Funktionen: Erholungsgebiet und Tourismus

Menschen halten sich gerne aus gesundheitlichen Gründen und zum Zweck der Naherholung gerne in Wäldern auf. Unterschiedlichen Studien zufolge[10][11][12] schätzen Besucher die saubere Luft in einem Wald (die Vegetation wirkt als Filter), Gerüche werden als angenehm empfunden, Stress verursachende Geräusche werden gedämpft und wirken Blutdruck senkend. Das ausgeglichene Waldinnenklima zeichnet sich durch eine höhere Luftfeuchtigkeit und angenehme Kühle im Sommer aus. Dem Wald wird außerdem eine positive Wirkung auf die psychische Verfassung (Ablenkung, Inspiration) und Möglichkeiten zur Pflege des Soziallebens bescheinigt (besonders bei Kindern und Sammlern).

Neben der Naherholung nutzen Menschen den durch ein Wegenetz erschlossenen Wald auch zu sportlicher Betätigung (Wandern, Nordic Walking, Jogging, Ski Nordisch, Mountainbiking usw.). Der Schwarzwald hat auf diesem Gebiet für seinen Waldtourismus weltweit Bekanntheit erlangt. Die Anfang des 20. Jahrhunderts angelegten Fernwanderwege (Westweg, Mittelweg, Ostweg) waren Vorbild für zahlreiche weitere Fernwanderwege.

Eine speziell in Skandinavien populäre Natursportart im Wald ist der Orientierungslauf. Hier gilt es, sich mit Karte und Kompass zu orientieren und vorgegebene Punkte auf einer selbstgewählten Route anzulaufen, wenn nötig auch querfeldein.

Zunehmend beliebt sind in Deutschland Waldkindergärten, die das Spiel der Kinder in die freie Natur – häufig in den Wald – verlegen.

Sonderfunktionen

Wälder stellen einen Teil des kulturellen Erbes dar. Sie sind in ihrer heutigen Form ein Element unserer Landschaft, welche nach allgemeinem Dafürhalten und auch juristisch betrachtet ein schützenswertes Gut ist. Eine Umwandlung von Wald (also zu Bauland oder zur anderweiten Nutzung) ist aus diesem Grunde nur in Ausnahmefällen möglich. In der Regel müssen außerdem Konzessionsleistungen erbracht werden, die auch die Aufforstung von Land beinhalten können. Zu den Sonderfunktionen zählen auch der Beitrag zum Denkmalschutz (Naturdenkmäler sind sehr alte oder markante Bäume, Felsen, Wasserfälle, aber auch Hügelgräber und andere menschliche Spuren).

Wälder sind auch Objekt für Lehre und Forschung. Nicht nur die Grundlagenforschung hilft heute bei der Erforschung noch unbekannter Urwaldgebiete. Die Pharmaindustrie erzielt durch den Aufkauf von Urwaldflächen und die Entsendung von Biologen zur Erforschung des Areals bereits einige Erfolge bei der Auffindung neuer Wirkstoffe für Medikamente. Diese Form des „Sponsorings“ von Umweltschutz dient nicht ausschließlich zu propagandistischen Werbezwecken.

Weltweit werden Wälder als Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten von Staaten unter Schutz gestellt. Verschiedenste Programme dienen dem Umweltschutz und werden zu diesem Zweck von den Industriestaaten auch finanziell gefördert. Damit ist nicht nur der Schutz von Urwäldern gemeint, sondern beispielsweise auch die Einrichtung von Bannwäldern in Europa. Diese Wälder dürfen sich, begleitet von der Forschung, wieder zu Urwäldern entwickeln.

Bestandsentwicklung und Zustand in Wälder und Forsten

Wälder dominieren unter natürlichen Umständen überall dort, wo sich Bäume gegenüber anderen Pflanzen wie Gräsern als konkurrenzstärker erweisen. Solche Bedingungen sind auf den Landflächen der Erde vielerorts großflächig vorzufinden. Störungen der Waldentwicklung waren seit jeher Katastrophenereignisse wie Waldbrände und Vulkanausbrüche, aber auch Klimaänderungen wie der Wechsel zwischen Wärme- und Kälteperioden im Quartär. Pollenanalysen zeigen die fortschreitende Wiederbesiedelung von ehemals vereisten Landflächen durch Bäume unterschiedlicher Arten aus ihren Refugien zum Ende der Eiszeiten. Wälder werden zudem durch Tiere gestört. So schaffen Elefanten durch ihre zuweilen zerstörerischen Aktivitäten an Bäumen das für Savannen charakteristische Erscheinungsbild einer Graslandschaft, die locker mit Gehölzen bestockt ist. In den monotonen borealen Wäldern Amerikas und Eurasiens kommt es immer wieder zu Störungen durch die Massenvermehrung von Insekten, die an Nadeln oder anderen Teilen des Pflanzenkörpers Schäden verursachen, die Bäume innerhalb kurzer Zeit großflächig sterben lassen.

Großen Einfluss auf die Waldentwicklung nimmt der Mensch seit den ersten Tagen der Zivilisation. Vor allem wurden Wälder gerodet, um Siedlungs- und Ackerfläche zu gewinnen. Später trat in den Ländern Europas die Nutzung des Holzes als Energieträger und als Rohstoff in den Vordergrund. Die Buschlandschaften des Mittelmeerraumes und das durch Entwaldung geprägte Erscheinungsbild der Länder ehemaliger Seefahrernationen zeugen von dieser Entwicklung. Insgesamt ist der für Europäer heute gewohnte Anblick der Landschaft mit ihrem Wechsel von Feldern, Grünland, Wald und Siedlungen in der Regel das nahezu alleinige Resultat menschlicher Tätigkeit. Der Anteil des Waldes an der Landnutzung ändert sich in wohlhabenden Ländern heute nur noch marginal.

Außerhalb Europas existieren heute noch große zusammenhängende Waldgebiete, deren Größe um etwa 13 Millionen Hektar netto jährlich reduziert wird. Die Schwerpunkte der Entwicklung sind Lateinamerika, das Kongobecken und Südostasien (Indonesien, Malaysia).

Deutschland

Blick in einen Eichen-Mischwald

Die Waldfläche in Deutschland beträgt nach der zweiten Bundeswaldinventur[13] 11.075.798 Hektar, entsprechend 31 % der Staatsfläche. Davon sind rund 44 % Privatwald, 32 % Staatswald (29 % Landeswald und 3 % Bundeswald), 19 % Körperschaftswald und 5 % Treuhandwald. Dieser vergleichsweise hohe Waldanteil ist den Aufforstungsbemühungen hauptsächlich des 19. Jahrhunderts zu verdanken.

Die Waldfläche wächst weiter, in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 3.500 ha/a. Im Vergleich zur Waldfläche sind 25 % Deutschlands der Siedlungsfläche zuzurechnen, davon sind 50 % vollständig versiegelt (täglich um 129 ha oder 47.000 ha/a zunehmend). Dadurch werden jährlich rund 3.500 ha Wald zerstört. Die Zunahme der Waldfläche ergibt sich durch Aufforstungen (hauptsächlich von landwirtschaftlichen Flächen) und die sukzessive Bewaldung degenerierter Moorstandorte. Deutschland ist damit dennoch wieder eines der waldreichsten Länder in der EU.

Allerdings weicht die Baumartenzusammensetzung erheblich von der potentiell natürlichen Zusammensetzung ab. Von Natur aus wären 67 % der Landfläche Deutschlands von Buchenmischwäldern, 21 % von Eichenmischwäldern, 9 % von Auwäldern oder feuchten Niederungswäldern, 2 % von Bruchwäldern und 1 % von reinen Nadelwäldern bedeckt (Meister u. Offenberger, Zeit des Waldes, S. 36, s. u. Literatur). Die jetzige Baumartenverteilung liegt bei 14,8 % Buchen, 9,6 % Eichen, 15,7 % anderer Laubbäume, 28,2 % Fichten, 23,3 % Kiefern, 1,5 % Tannen und 4,5 % anderer Nadelbäume.[13][14] Der große Anteil von Fichte und Kiefer liegt in den forstwirtschaftlichen Praktiken der letzten 150 Jahre begründet: Diese Baumarten sind schnellwüchsig und anspruchslos und wurden daher zur Aufforstung von degenerierten Standorten wie Heiden, trockengelegten Mooren und übernutzten Niederwäldern insbesondere im 19. Jahrhundert verwendet. Andererseits leiden besonders Fichtenbestände unter Wind- und Schneewurf sowie Insektenschäden (z. B. durch Borkenkäfer) und führen zu einer Versauerung der Böden.

Da Fichten und Kiefern relativ unempfindlich gegen Wildverbiss sind (meist ist eine Umzäunung der Jungkulturen nicht nötig) und vielerorts die relativ hohen Schalenwilddichten das Aufkommen von stärker verbissgefährdeten Laubbäumen und Tannen verhindern, fällt es der Forstwirtschaft schwer, den hohen Fichten- und Kiefernanteil der deutschen Wälder zu senken.

Bezüglich des Holzvorrates je Fläche liegt Deutschland mit 319,9 m³/ha im europäischen Vergleich an dritter Stelle. Mit 3,38 Mrd. m³ weist Deutschland den größten absoluten Holzvorrat in Europa auf (Schweden 2,93 Mrd. m³; Frankreich 2,98 Mrd. m³; Finnland 1,94 Mrd. m³).

Österreich

Lärchenmischwald im Süden Österreichs

In Österreich[15][16] beträgt die Waldfläche etwa 4 Millionen Hektar (2005, steigende Tendenz), das sind 48 % des Staatsgebietes.[17][18] Aufgrund des gebirgigen Terrains beträgt der Anteil an Schutzwald etwa 20 % (755.000 ha), davon über die Hälfte (466.000 ha) ertraglos.[15] Der Hauptteil ist Nadelwald, wobei die Fichte über 50 % aller Baumarten ausmacht. An zweiter Stelle steht die Buche mit 10 %, Kiefer 9,0 % und Lärche 6,8 %, alle anderen Baumarten sind weit seltener. Die größten Bewaldungsdichten liegen im Voralpengebiet von Salzburg bis Niederösterreich sowie am Alpenostrand, von Kor- und Saualpe über die Berge des Mur-Mürz-Gebiets bis zum Wechsel.[15] Das Bundesland Steiermark besitzt die größte Waldfläche Österreichs, der waldreichste Bezirk in Österreich ist der Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich, der an die 80 % Waldfläche aufweist.

Zwei Drittel der Wälder sind nach den letzten Waldinventuren intakt. Probleme bilden nur die Schutzwälder. Es wächst auch um 30 % mehr Holz nach als verbraucht wird oder durch Windbruch oder Wildverbiss geschädigt wird. Da teure Holzbringung im Wettbewerb zu billigeren Importen stehen, wird oft das Holz im Wald nicht geschlagen. Nicht nur durch Aufforstungen, sondern auch durch Stilllegungen von landwirtschaftlichen Flächen erobert der Wald wieder Gebiete zurück.

Der Ertragswald umfasst 83 % der Waldfläche, hauptsächlich Hochwald (Verjüngung aus Samen, lange Umtriebszeit), Ausschlagwald liegt unter 3 %.[15]. Im Ertragswald hat die Fichte einen Anteil 61,4 %. Bezüglich des Holzvorrates je Fläche liegt Österreich mit 325,0 m³/ha im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Größter Waldeigentümer sind die österreichischen Bundesforste mit 523.000 Hektar, 1,73 Millionen Hektar sind bäuerlicher Wald, insgesamt gibt es 170.000 Waldeigentümer. Der Privatwaldanteil[17] liegt  – weit über dem europäischen Durchschnitt – bei etwa 80 %[19], der Kleinwaldanteil (unter 200 Hektar Katasterfläche) wird zwischen 1,56 Millionen Hektar[19] und 2,13 Millionen Hektar[20] (40–50 % der ges. Waldfläche) angegeben.

Schweiz

Rund ein Drittel der Schweiz ist bewaldet. Das ist relativ viel, wenn man berücksichtigt, dass große Teile des Landes aufgrund der Topographie keine Bewaldung zulassen. Bezüglich des Holzvorrates je Fläche belegt die Schweiz mit 336,6 m³/ha den europäischen Spitzenplatz. Obwohl Stürme wie Vivian oder Lothar große Schäden anrichteten, hat der Wald in den letzten zwanzig Jahren um 4 Prozent zugenommen. Dabei wird nur rund die Hälfte des nachwachsenden Holzes genutzt. Mit dem ungenutzten Teil könnte man rund 500.000 Einfamilienhäuser heizen. Dies bedeutet, dass der Holzschlag aus ökologischen Gründen deutlich gesteigert werden könnte und die herrschende Überalterung des Schweizer Waldes so gelöst werden könnte. Aus wirtschaftlichen Gründen ist vielerorts der Holzschlag jedoch nicht lukrativ.

In den Alpen erfüllen die Wälder eine wichtige Schutzfunktion gegen Lawinen und Erosion. Diese Schutzwälder machen rund 10 Prozent der Schweizer Waldfläche aus und stehen unter besonderem Schutz. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft beschäftigt sich mit der Nutzung und dem Schutz von Landschaften und Lebensräumen, mit Schwerpunkt auf Wäldern und Naturgefahren.

Weitere

Literatur

  • Richard B. Hilf: Der Wald. Wald und Weidwerk in Geschichte und Gegenwart - Erster Teil [Reprint]. Aula, Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01331-4
  • Raoul Heinrich Francé: Vom deutschen Walde. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin 1927
  • Heinrich Hofmeister: Lebensraum Wald. Ein Weg zum Kennenlernen von Pflanzengesellschaften und ihrer Ökologie. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1990, ISBN 3-490-17118-7
  • Antoine Lorgnier et al.: Wälder der Welt. Bucher, München und Berlin o.J., ISBN 3-7658-0791-5
  • Kurt G. Blüchel (Hrsg.): Der Garten Eden darf nicht sterben. Tropischer Regenwald. Pro Terra, München o.J., ISBN 3-924990-01-8
  • Hannes Mayer: Wälder Europas. Fischer, Stuttgart und New York 1984, ISBN 3-437-30441-0
  • Georg Meister und Monika Offenberger: Die Zeit des Waldes – Bilderreise durch Geschichte und Zukunft unserer Wälder. Zweitausendeins, Frankfurt 2004, 397 S., ISBN 3-86150-630-0–445 (Waldfotos eines halben Jahrhunderts von gleichen Aufnahmepunkten aus)
  • Albrecht Lehmann: Von Menschen und Bäumen. Die Deutschen und ihr Wald. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-498-03891-5
  • Erich Hornsmann: Allen hilft der Wald. Seine Wohlfahrtswirkungen. BLV, München, Bonn und Wien 1958
  • Peter Steiger: Wälder der Schweiz. Ott Verlag, Thun 1994, ISBN 3-7225-6205-8
  • Hansjörg Küster: Geschichte des Waldes, C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50279-2

Medien

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bundeswaldgesetz (BWaldG)
  2. a b Fischer, Anton: Forstliche Vegetationskunde. Blackwell, Berlin , Wien (u.a.) 1995, ISBN 3-8263-3061-7, S. 76.
  3. a b c d Burschel, Peter und Huss, Jürgen: Grundriß des Waldbaus. Ein Leitfaden für Studium und Praxis. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Parey, Berlin. 1999. S. 39f. ISBN 3-8263-3045-5
  4. FAO
  5. Georg Sperber, Stephan Thierfelder: Urwälder Deutschlands. BLV, München, Wien und Zürich 2005, ISBN 3-405-16609-8
  6. Secretariat of the Convention on Biological Diversity: The Value of Forest Ecosystems. Montreal, SCBD, 2001. (CBD Technical Series no. 4) ISBN 90-907211-1-9 (formal falsche ISBN). Online verfügbar
  7. The Value of Forest Ecosystems. S. 37
  8. The Value of Forest Ecosystems. S. 39
  9. The Value of Forest Ecosystems. S. 11–36
  10. Gasser, K. und Kaufmann-Hayoz, R., 2004: Woods, Trees and Human Health & Well-Being (Wald und Volksgesundheit). Literatur und Projekte aus der Schweiz. Interfakultäre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ), Bern., zitiert nach Pan Bern: Freizeit und Erholung im Wald: Grundlagen, Instrumente, Beispiele, abgerufen am 27. Mai 2008
  11. BUWAL (Hrsg.) 2005: Wald und Volksgesundheit. Literatur und Projekte aus der Schweiz. Umwelt-Materialien Nr. 195, Bern, zitiert nach Pan Bern: Freizeit und Erholung im Wald: Grundlagen, Instrumente, Beispiele, abgerufen am 27. Mai 2008
  12. Lindemann-Matthies, P., Home, R., 2007: Allerlei Schmetterlinge und Bienen. Von der Vorliebe des Städters für die biologische Vielfalt und wie diese seine Lebensqualitäten erhöhen kann. In: Neue Zürcher Zeitung, 13. Juli 2007, Dossier, B2, zitiert nach Pan Bern: Freizeit und Erholung im Wald: Grundlagen, Instrumente, Beispiele, abgerufen am 27. Mai 2008
  13. a b Die zweite Bundeswaldinventur – Das Wichtigste in Kürze
  14. Baumartenverteilung in Deutschland
  15. a b c d Artikel Wald, in Österreich im Österreich-Lexikon von aeiou
  16. Ergebnisse der Waldinventuren in Österreich
  17. a b Eurostat-Pressemitteilung
  18. Steiermärkischer Forstverein
  19. a b Quelle: Agrarstatistik, nach Eurostat
  20. Quelle: Österreichische Waldinventur, nach Eurostat
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