Bewegungsmangel

Als Bewegungsmangel wird ein Zivilisationsphänomen bezeichnet, das durch die Veränderungen im Berufs- und Arbeitsleben mit dem Trend zu überwiegend sitzenden Tätigkeiten in der modernen Industriegesellschaft hervorgerufen wird. Diese entsprechen nicht den in früheren Zeiten vorhandenen Bewegungsnotwendigkeiten wie Jagd und Ackerbau, um die Ernährung zu sichern.

Inhaltsverzeichnis

Folgen

Die Folgen des zunehmenden Bewegungsmangels sind gravierend: Allein an chronischen Rückenschmerzen leidet ein großer Teil der Bevölkerung. Neben Fehlernährung und Rauchen ist der Bewegungsmangel eine der häufigsten Ursachen für Zivilisationskrankheiten wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit und Allergien. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten, die in Folge von durch Bewegungsmangel verursachten bzw. begünstigten Krankheiten anfallen, gehen in die Milliarden.

Jedes Jahr sterben ungefähr 600.000 Menschen in Europa an Bewegungsmangel (WHO-Angaben). Durch Übergewicht und Adipositas sterben weitere 1.000.000. In Deutschland bewegen sich Kinder zu wenig: Nur etwa 24 % der 11-jährigen Mädchen bewegen sich eine Stunde oder mehr pro Tag. Dies treffe auch für etwa jeden dritten Jungen von elf Jahren zu. Harald Schmidt hat im Fernsehen schon Mitte der 1990er Jahre mit seiner Satire „Die dicken Kinder von Landau“ auf das Phänomen hingewiesen. Fachleute sprechen heute bereits von einer „Generation Chips“, benannt nach dem Buch von Edmund Fröhlich und Susanne Finsterer mit dem Untertitel „Computer und Fastfood – was unsere Kinder in die Fettsucht treibt“.[1]

Das Sterberisiko steigt innerhalb von 20 Jahren um 56 %, wenn man sich wenig bewegt, um 52 % durch Rauchen, um 31 % durch schlechte Ernährung und um 26 % durch viel Alkohol.[2]

Präventivmaßnahmen gegen Bewegungsmangel in der Bevölkerung

Durch Sportvereine, verstärkten Schulsport, durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und durch Appelle an die Bevölkerung, in der Freizeit mehr Sport zu treiben oder ein bewegtes Leben zu führen, wird versucht, auf ein besseres Bewegungsverhalten der Bevölkerung hinzuwirken. Gegenwärtig sind bei den Krankenkassen so genannte Bonusprogramme im Gespräch: Sie wollen z. B. durch Beitragsreduzierungen erreichen, dass Versicherte in Sportvereinen aktiv mitwirken und dadurch etwas für ihre Gesundheit tun und der Versichertengemeinschaft Geld sparen helfen.

Mit steigendem Gewicht kann auch der Blutdruck klettern. Es gibt kaum noch Zweifel an einem direkten Nutzen körperlichen Trainings für Herz und Kreislauf. 45 % der deutschen Erwachsenen treiben gar keinen Sport und nur jeder achte erreicht die derzeitigen Empfehlungen für ausreichende körperliche Aktivität.[3]

Weblinks

Quellen

  1. Zitiert nach Ärztliche Praxis, 28. November 2006, S. 5, „Bewegungsmangel killt jährlich 600.000 Europäer“
  2. Arch Intern Med 170, 2010, 711, zitiert nach Ärzte Zeitung, 28. April 2010, S. 2
  3. Zitiert nach „Laufen, bis der Blutdruck sinkt!“, S. Schwarz, M. Halle, MMW-Fortschr. Med., Nr. 47 / 2006 (148. Jg.), S. 29 ff.

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