Bewusstseinszustände

Ein Bewusstseinszustand ist eine Art des Erlebens, die durch die Merkmale Wahrnehmung, Selbstbewusstsein, Wachheit, Handlungsfähigkeit und Intentionalität bestimmt ist.

Eine besondere Rolle spielt dabei das Fühlen (vergl. Gefühl, Emotion, Stimmung, Affekt), weil es durch Angenehm- und Unangenehmsein und Lust- und Unlustcharakter Handlungen motiviert und der Wahrnehmung ein Wertprofil aufprägt, das damit auch das momentane Selbstwertgefühl konstituiert. Außerordentlich wichtig für den Bewusstseinszustand ist auch das jeweilige bewusst oder auch nur diffus erfahrene Körpergefühl, das durch die beiden Komponenten Empfindung und Gefühl bestimmt wird (vergl. z. B. Schmerz, Wohlbehagen). Wahrnehmungen wiederum unterscheiden sich nach Art und Intensität. Die Definition eines bestimmten Bewusstseinszustandes orientiert sich hauptsächlich an der Auswertung der subjektiven Erfahrungen des Menschen. Durch die fortschreitende Medizintechnik werden heute auch empirische Messwerte den einzelnen Zuständen zugeordnet. Ein allgemein anerkanntes erklärendes Modell der Bewusstseinszustände existiert in der Wissenschaft nicht. In manchen Bereichen können jedoch Veränderungen gemessen, erklärt und gezielt herbeigeführt werden.

Der Begriff „Bewusstseinsform“ wird meist synonym gebraucht. Dagegen impliziert der Begriff „Bewusstseinsebene“ eine Hierarchie oder auch eine Entwicklung der Bewusstseinszustände und wird somit nur innerhalb von bestimmten Theorien und Systemen verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Gewöhnlich werden vom Menschen die drei Zustände Wachbewusstsein, Schlaf und Traumbewusstsein im ständigen Wechsel erfahren. In der Tiefschlafphase werden dagegen keinerlei Bewusstseinserfahrungen angenommen. Die Begriffe verändertes Bewusstsein und erweitertes Bewusstsein setzen die Definition eines „Normalzustandes“ voraus. Als dieser wird das wachbewusste Erleben des Menschen angesehen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sich die Merkmale wie Wachheit und Wahrnehmung auch innerhalb dieser Hauptzustände ständig ändern und von der Umwelt beeinflusst werden. Ebenso muss man davon ausgehen, dass zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen der „Normalzustand“ unterschiedlich wahrgenommen und abgegrenzt wird. Ein interkultureller Vergleich von Bewusstseinszuständen, ihre Definition, Bedeutung und Bewertung muss dies berücksichtigen.

Ebenso existieren die unterschiedlichsten naturwissenschaftlichen, philosophischen, psychologischen, religiösen und esoterischen Systeme zur Einteilung und Erklärung der Bewusstseinszustände. Besonders psychologische und religiöse Erklärungsansätze weisen daraufhin, dass ein Individuum lediglich Bewusstseinszustände verstehen kann, wenn sie selbst durchlebt werden, vergleichbar mit einem mathematischen Beweis, der lediglich mit der Voraussetzung eigener Mathematikkenntnisse nachzuvollziehen ist. Ein Bewusstseinszustand wird heutzutage – im Gegensatz zum 19. Jahrhundert – als eine umfassende sich wandelnde Gesamtheit in einem genau bestimmten Zeitrahmen aufgefasst. Demnach wird das so genannte Unbewusste oder Unterbewusste nicht als eigenständiger Bewusstseinszustand gesehen. In der Psychologie hat Sigmund Freud den Begriff eingeführt, der noch heute in großen Bereichen der Psychotherapie eine bedeutende Rolle spielt.

Fragestellungen

Das gewöhnliche Wachbewusstsein konfrontiert die Philosophie und die Naturwissenschaft insbesondere mit dem Qualiaproblem und dem Intentionalitätsproblem. Die Existenz verschiedener Bewusstseinszustände wirft dagegen weitere Fragen auf. Zunächst sind dabei die Übergangsphasen und ihre Ursachen von wissenschaftlichem Interesse. Allgemeiner stellt sich die Frage, ob und wie das Gehirn verschiedene „Funktionsmodi“ realisiert, ob es eine allgemeine Beschreibung aller möglichen Zustände gibt und ob eine evolutionäre, kulturelle oder spirituelle Entwicklung der Zustände stattfindet. Einige Neurologen und Psychologen sind sogar der Ansicht, dass die Erforschung „ungewöhnlicher“ Bewusstseinszustände auch zum besseren Verständnis der klassischen philosophischen Probleme des Bewusstseins beitragen kann. (vgl. Leib-Seele-Problem, Neurotheologie).

Ursachen für Veränderungen

Ausgehend von einem Alltagsbewusstsein werden verschiedene Techniken und Methoden beschrieben, um Veränderungen herbeizuführen. Diese lassen sich grob nach folgenden Kriterien unterscheiden:

  • natürlich – anthropogen – „übernatürlich“, akausal, spontan, intuitiv
  • physisch, materiell – psychisch, spirituell
  • langfristig – kurzfristig – plötzlich
  • religiös – säkular

Auf die beiden wichtigsten Dimensionen projiziert, kann man folgende, unvollständige und grobe Einteilung durchführen.


natürlich anthropogen „übernatürlich“
physisch Körpereigene Substanzen, Neurotransmitter, Endorphine, Neuronale Aktivitätspotentiale, Gehirnschädigungen Psychedelische Drogen, Psychopharmaka, Hyperventilation, Tanz, bewusste Atmung, Reizdeprivation, Hatha-Yoga, Musik, Askese, Fasten, Biofeedback Nahtoderfahrung
psychisch emotionale Krisen, Psychose und andere psychische Erkrankungen Meditation, Kontemplation, Gebet, Raja-Yoga, Rezitation, Koan Wunder“, „Erscheinungen“, Satori, „Gnade

Merkmale

Objektive Merkmale

Gehirnwellen

Eine verbreitete Methode, um empirische Daten über die Gehirnströme zu erhalten, ist das EEG-Signal und dessen Frequenzverteilungskurve. Es ist damit möglich, anhand einer Grundfrequenz, die das Gehirn erzeugt, den aktuellen Bewusstseinszustand annähernd einzuschätzen. Hauptsächlich untersucht man dabei Amplitudenwert zwischen 0,4 und 40 Hz und Bewusstseinszustände von Aufmerksamkeit, Anspannung, Stress und nach außen gerichteter Aufmerksamkeit.

Der Zustand des Alltagsbewusstseins, der so genannte Beta-Zustand, der sich typischerweise zwischen 13 Hz und 21 Hz befindet, entspricht einem Zustand guter Aufmerksamkeit und Intelligenzleistung, während der Bereich mit einem Schwerpunkt von 21 bis 38 Hz als der Bereich „permanenten Alarmbereitschaft“ (Fritz Perls) bezeichnet wird. Der Alpha-Bereich (8 Hz–12 Hz) entspricht dem Zustand leichter Entspannung. Der Theta-Zustand (3 Hz–8 Hz) steht für Meditation und tiefe Entspannung. Die niedrigste Frequenz findet sich im Delta-Zustand (0,4 Hz – 3 Hz), der auf verschiedene Bewusstseinszustände wie Tiefschlaf, Trance oder Tiefenhypnose hinweist. Eine Aussage über den Grad der Wachheit ist mit Hilfe eines einzelnen Frequenzwertes nicht möglich; es muss vielmehr die Frequenzverteilungskurve und das Zusammenspiel mehrerer Elektrodenpunkte in Betracht gezogen werden.

In den letzten Jahren ist der Gamma-Bereich (zwischen 40 Hz und 80 Hz) durch erweiterte Messverfahren in den Blickpunkt der Forschung gerückt. Da in diesem Bereich die primäre Verarbeitung der Sinneswahrnehmung vermutet wird, erhofft man sich dadurch für die Zukunft auch objektivierbare Aussagen über die Art der Wahrnehmung und die Wahrnehmungsinhalte. Verschiedene Gemütszustände und Emotionen lassen sich für den Wachzustand heute schon unterscheiden.

Zusätzlich zur Grundfrequenz lassen sich auch zahlreiche andere Frequenzen mit wechselnden Amplitudenstärken in jedem EEG nachweisen, die ebenfalls einen Einfluss auf die Art der Informationsverarbeitung im Gehirn haben. Man nimmt heute an, dass durch die Frequenzen verschiedene Gehirnbereiche miteinander synchronisiert werden. Vereinfacht dargestellt ist die Vorstellung dabei, dass beispielsweise die Verbindung von „archaischen Hirnregionen“ mit der Großhirnrinde zum Bewusstsein von bizarren oder archetypischen Traumbildern führen kann. Die Synchronisation der beiden Gehirnhälften wird dagegen mit einem ganzheitlichen Erleben in Beziehung gebracht.

siehe auch: Mindmachine

Wachheit und Handlungsfähigkeit

Die Wachheit wird unter dem Begriff Vigilanz medizinisch und psychologisch in verschiedene Stadien eingeteilt. Diese reichen vom bewusstlosen Koma bis zur „höchsten Erregung“. Die Einteilung erfolgt meist durch phänomenologische Kriterien wie Ansprechbarkeit oder Orientierungssinn, kann aber auch durch physiologische Kriterien unterstützt werden. Man unterscheidet zum Beispiel zwischen Sopor, Somnolenz und Benommenheit. Im Hinblick auf die Unterscheidung von Bewusstseinszuständen ist das Merkmal Wachheit eng verwandt mit dem Realitätssinn oder der Fähigkeit Täuschungen und Projektionen der Wahrnehmung zu erkennen.

Die Neurophysiologie kennt heute eine Reihe von Neurotransmittern und Botenstoffen wie beispielsweise das Serotonin, Adrenalin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA), welche die Aufmerksamkeit und die Wachheit beeinflussen. Durch die gemessenen Konzentrationen kann der Grad der Wachheit dann objektiv zumindest eingegrenzt werden. Zur Kontrolle der Narkosetiefe kann seit einigen Jahren die Messung der Aktivität der NMDA-Synapsen in der Großhirnrinde herangezogen werden.

Subjektive Merkmale

Um sinnvoll über die subjektiven Merkmale bewussten Erlebens zu reden, müssen sie immer in einem speziellen kulturellen Kontext betrachtet werden. Da beispielsweise Traumwahrnehmungen von den meisten Menschen erinnert und reflektiert werden, kann man diese problemlos miteinander vergleichen und verstehen. Für jemanden, der noch nie geträumt hat, muss es sich allerdings sehr seltsam anhören. Dies gilt besonders für Bewusstseinszustände, die meist nur durch eine lange Übungszeit erreicht werden.

Wahrnehmung

Wahrnehmung aus der Sicht des bewussten Erlebens umfasst alle Eindrücke, die bewusst werden. Darunter fallen die sinnliche Wahrnehmung, Handlungsintentionen, rein mentale Bilder und Gedanken ohne konkrete äußere Reize, Gedächtnisinhalte, Stimmungen, Emotionen, Affekte, Raum- und Zeitempfinden und die so genannte außersinnliche Wahrnehmung. Synästhetiker können die Eindrücke eines Sinnesorgans als Wahrnehmungen eines anderen erleben und bieten dadurch einen interessanten Einblick in die Funktionsweise des Wahrnehmens.

Der aktuelle Bewusstseinszustand hat eine vielschichtige Beziehung zur Wahrnehmung. So wird das Wahrgenommene je nach Zustand verschieden organisiert und interpretiert. Wachheit, Verstand, Urteilsvermögen und verschiedene andere kognitive Fähigkeiten messen den Eindrücken eine Bedeutung bei. Ebenso beeinflusst der Bewusstseinszustand die Art und die erlebte Intensität der Wahrnehmung. So ist im Traumzustand die sensorisch-sinnliche Wahrnehmung stark reduziert und der Fokus liegt auf „inneren“ Bildern. Durch Drogen, Meditation, Medikamente, Aufmerksamkeit, Denk– und Lernprozesse kann gezielt die Wahrnehmung verändert werden. Menschen in Trance berichten von Wahrnehmungen aus „anderen Welten“, in der Hypnose kann die Wahrnehmung sehr gezielt fokussiert und gesteuert werden.

Selbstbewusstsein

Die psychologischen, philosophischen und spirituellen Bedeutungen des Begriffes Selbstbewusstsein sind vielfältig. Dies kommt beispielsweise in den verschiedenen Begriffen wie „das Selbst“, das sensorische Selbst, Ich-Bewusstsein oder Identitätsbewusstsein zum Ausdruck. Im Tiefschlaf ist kein „Zentrum“ des Erlebens aktiv und damit auch kein Geschehen erlebbar. Im Traumbewusstsein existiert dagegen eine „Instanz“, durch die Eindrücke zwar erfahren, aber kaum reflektiert werden. Das gewöhnliche „Alltagsbewusstsein“ unterscheidet zwischen einem Ich und einem „Nicht-Ich“ und sieht sich selbst als Zentrum des Ich-Erlebens. Weite Teile der Psychologie gehen heute davon aus, dass diese Ich-Struktur eine komplexe und dynamische Konstruktion ist. Was wir als Ich bezeichnen und erfahren ändert sich demnach auch im wachbewussten Zustand ständig.

Descartes hat mit seinem cogito ergo sum („Ich denke, also bin ich“) wesentlich zum heutigen Verständnis von Selbstbewusstsein beigetragen. Demnach identifiziert sich der Mensch selbst als ein denkendes Wesen. Später wurde die Trias Subjekt-Objekt-Natur des Selbstbewusstseins von Kant hervorgehoben, wobei er davon ausgeht, dass sich der Subjekt-Charakter letztlich nicht erklären lasse. Für Hegel realisiert sich das gesamte Weltgeschehen in seiner Entwicklung als Selbstbewusstsein. In Hegels Dialektik wird das Subjekt mit dem Objekt im Werden wieder eins.

Verschiedene spirituelle Vorstellungen stellen diese Einheit dagegen an den Anfang. So lehren manche Schulen des Hinduismus die Erlösung durch Erkenntnis der Gleichheit von Atman (persönlicher, absoluter Wesenskern) und göttlichem Brahman (Weltseele). Demnach sind Atman und Brahman letztendlich identisch, d. h. der innerste Wesenskern des Menschen ist göttlich.

Der Buddhismus spricht dagegen von der Illusion des Ich-Bewusstseins. Wahres Bewusstsein bzw. wahre Erleuchtung sei die Erkenntnis dieses Ich als Täuschung. In der christlichen Mystik gibt Meister Eckhart eine Reihe von Anleitungen, wie die „Gottesgeburt in der Seele“ erreicht werden könne. Unsicher ist jedoch, ob alle Traditionen und ihre Vertreter von demselben Bewusstseinszustand ausgehen. So betont der Zen-Buddhismus, dass die Subjekt-Erfahrung nicht äußerlich vermittelt werden, sondern nur selbst erlebt werden könne.

Bewusstseinszustände im Einzelnen

Koma

Das tiefe Koma wird als das Gegenteil vom Wachbewusstsein angesehen. Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit sind scheinbar zum Erliegen gekommen. Es existiert kein Selbstbewusstsein, welches den Zustand reflektieren könnte. Im so genannten Wachkoma (apallisches Syndrom) ist der Patient scheinbar wach, reagiert aber nicht auf seine Umwelt. In allen komatösen Zuständen kann eine elektrische Aktivität des Gehirns überwiegend im Delta-Bereich bei 0,5 Hz bis 4 Hz gemessen werden, sobald diese erlischt spricht man vom Hirntod, der von den meisten Fachleuten als der Tod des Menschen angesehen wird. Diese Annahme ist jedoch in der Öffentlichkeit umstritten.

Wachzustand

Wachbewusstes Erleben kann so unterschiedlich sein, dass eine einheitliche Definition nicht möglich ist. Die wesentlichen Eigenschaften zur Unterscheidung von anderen Bewusstseinszuständen sind ein meist sprachlich orientiertes, abstraktes Denken, eine hohe Handlungsfähigkeit, eine personale und soziale Identität, eine deutliche Trennung von Bewusstsein und Unterbewusstsein und eine mehr nach außen gerichtete Aufmerksamkeit. Das abstrakte Denken ermöglicht und erweitert viele kognitive Fähigkeiten. Dadurch wird die eigene Identität unentwegt in eine Beziehung zur Umwelt und zu den eigenen Vorstellungen gesetzt. Das Bewusstsein ermöglicht so ein sehr weit reichendes Planen der Lebensumstände, wodurch es auch ein wichtiger Vorteil im Kampf ums Überleben war.

Zudem werden im wachbewussten Zustand auch psychopathologische Krankheitsbilder wie Halluzinationen und Psychosen oder neurologische Krankheiten beobachtet, ohne dafür eigene Bewusstseinszustände zu beschreiben.

Schlaf/Tiefschlaf

Die schlafende Ariadne auf Naxos

Die Physiologie und der Verlauf des Schlafes sind heute sehr gut erforscht. Einzelne Schlafphasen werden mittels EEG unterschieden und sind auch bei fast allen Säugetieren und Vögeln nachweisbar. Der traumlose Schlaf ist für die betroffene Person praktisch ohne bewusste Wahrnehmung und damit ereignis- und zeitlos; eine Erinnerung daran ist gewöhnlich nicht vorhanden. Die Handlungsfähigkeit ist dabei eingeschränkt, jedoch nicht zwingend vollständig. Schlafwandler sind in Einzelfällen sogar ansprechbar und können antworten.

Für die Bedeutung des Schlafes gibt es mehrere Erklärungsansätze, wobei der naheliegendste schon von Schopenhauer erwähnt wird: „Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“ Der Körper, insbesondere die Skelettmuskulatur regeneriert sich, das Gehirn und seine Funktionen können sich erholen. Ebenso hat der Schlaf beim Menschen einen wichtigen Einfluss auf höhere kognitive Fähigkeiten, das Gedächtnis und auf das seelische Gleichgewicht.

Der Schlaf als wichtiges Phänomen im Leben der Menschen hat in der Mythologie vieler Kulturen eine reichhaltige Geschichte. Die Tatsache des regelmäßigen Verlustes der Kontrolle und der Identität kann tiefe Ängste hervorrufen und am Grundverständnis des Menschen rühren.

Traum

Jakobs Traum: Die Engelsleiter

Im gewöhnlichen Traumbewusstsein erlebt der Mensch die verschiedensten Szenarien, die aber zunächst kaum oder gar nicht reflektiert werden. Die Erlebnisse werden hauptsächlich bildlich erfahren, aber auch alle anderen Sinneswahrnehmungen und kognitive Fähigkeiten wie Sprache können erfahren werden. „Traumhandlungen“ können aktiv ausgeführt werden. Die Bandbreite an Gefühlen und Gemütszuständen ist sehr groß. Der wesentliche Unterschied zum Wachbewusstsein liegt, neben diesen rein psychischen Traumerlebnissen, in der unterschiedlichen Ich-Wahrnehmung und Reflexion. Dieser „Rollenwechsel“ unterliegt keiner bewussten Kontrolle. Auch innerhalb der Szenarien erlebt der Träumer nur eine minimale oder gar keine Entscheidungsfreiheit.

Die Naturwissenschaft geht heute davon aus, dass das gesamte Traumgeschehen ein inner-psychischer Prozess ist, dessen Ursache, Notwendigkeit und Sinn aber noch nicht geklärt sind. Da die Skelettmuskulatur während der Phase des REM-Schlafes maximal relaxiert ist, wird sie meistens als die typische Zeit des Träumens betrachtet. Tatsächlich ist es aber auch möglich, während aller anderen Schlafphasen zu träumen und sogar die Tagträume im Wachzustand unterscheiden sich davon physiologisch kaum.

Hingegen weisen verschiedene Schulen der Psychologie, wie beispielsweise die Tiefenpsychologie, der Bearbeitung erinnerter Träume eine große Rolle für die psychische Gesundheit zu (vgl. Traumdeutung).

Klartraum

Wenn eine Person im Traum ein kritisches und reflexives Selbstbewusstsein erlangt, spricht man vom Klartraum oder „luziden Traum“. Je nach Veranlagung und Übung kann die komplette „Traumwelt“ kontrolliert werden. Der einzige Unterschied zum Wachzustand ist dann die rein inner-psychische Wahrnehmung und Handlung. Auch hier werden verschiedene Stadien und Phasen unterschieden. Im einfachsten Fall werden die Traumerlebnisse nur besonders bewusst wahrgenommen. Durch große Erfahrung kann der Klartraum gezielt zur tiefenpsychologischen Arbeit genutzt werden. Die Wachheit und das Selbstbewusstsein unterscheiden sich dann nicht vom Wachzustand, eine Kommunikation mit der Umwelt ist eingeschränkt möglich.

Schon Aristoteles und Descartes berichten von Klarträumen. Ihre praktische „Nutzung“ zur Selbsterkenntnis hat in verschiedenen Yoga-Schulen (Traumyoga) eine lange Tradition. Buddhistische Traditionen sehen darin die Möglichkeit, sich des illusionären Charakters der Wahrnehmung insgesamt bewusst zu werden. Demnach soll es ebenso möglich sein, im wachbewussten Zustand zum „wahren“ Selbstbewusstsein zu „erwachen“ wie im Traum zum Klartraum.

Von einzelnen Autoren wird auch das so genannte Witnessing (dt. „bezeugend“) als ein bewusstes Erleben im Tiefschlaf beschrieben.[1]

Hypnotische Trance

Die Hypnotische Trance (oder Hypnose) ist ein besonderer Wachzustand mit eingeschränkter, fokussierter Wahrnehmung. Durch eine suggestive Einleitung wird die Aufmerksamkeit auf das Unterbewusstsein gelenkt, das kritische und selbstbewusste Denken tritt in den Hintergrund. Wahrgenommen werden dann besonders körperliche und emotionale Reize, aber auch einfache kognitive Leistungen sind in diesem Zustand möglich. Das sinnliche Erfassen der äußeren Umwelt ist je nach Tiefe und Intension weitgehend eingeschränkt. Die Wirksamkeit der hypnotischen Trance lässt sich leicht am Merkmal der Wachheit messen, wobei sich eine leichte Hypnose hierbei kaum vom Wachzustand unterscheidet.

Viele Aspekte der Hypnose sind wissenschaftlich gut belegt, da relativ gut kontrollierbare Forschungen möglich sind. Einerseits ist die hypnotische Trance grundsätzlich vom Wachzustand und vom Schlaf zu unterscheiden, andererseits sind die Übergänge auch hier fließend. Ein Wechsel zu einem dieser Zustände kann spontan erfolgen, wenn er vom Hypnotiseur nicht verhindert wird. Im Gegensatz zur schamanischen Trance liegt die Aufmerksamkeit meist auf unmittelbaren und praktischen Zusammenhängen und Wahrnehmungen und ist deutlich eingeschränkt. Die Ich-Identität wird ähnlich wie im Traumbewusstsein wahrgenommen und ermöglicht somit auch nur eingeschränkte Kontrolle und Reflexion. Nicht alle Menschen können in hypnotische Zustände versetzt werden.

Schamanische Trance

Ein Schamane bei der Arbeit

Die Tradition des Schamanismus ist untrennbar mit der Person des Schamanen und des rituell praktizierten Trancezustandes verbunden. Die Ausprägungen sind kulturell sehr unterschiedlich. Vielfach wird behauptet, dass Schamanismus in fast allen Kulturen vor dem Aufstieg der heutigen Religionen verbreitet war. Unser gegenwärtiges Bild ist vor allem durch die Überlieferungen der sibirischen und innerasiatischen Traditionen geprägt. Im Vergleich zu anderen Bewusstseinszuständen fällt besonders diese kulturelle, soziale und rituelle Ausrichtung auf. Die Wahrnehmungswelt innerhalb der Trance wird wesentlich von der Intension des Schamanen und seiner Erfahrung bestimmt. Sie ist zumeist strukturiert (z. B. Drei-Welten-Konzept, Tiertotem). Die Erfahrungen werden in der Ausbildung an andere Schamanen weitergegeben. Interessanterweise gibt es auch unter den Schamanen selbst keine Einigkeit darüber, ob die Trance ein rein inner-psychisches Erlebnis ist oder ob tatsächlich Reisen in andere Welten unternommen werden.

Der Schamane hat gewöhnlich ein zum Wachzustand fast unverändertes Selbstbewusstsein im Trancezustand. Dadurch kann die schamanische Trance von Zuständen abgegrenzt werden, die sich nach langer Meditations- oder Yoga-Praxis einstellen. Eine Erinnerung an die Erlebnisse ist meist vollständig vorhanden. Die Wahrnehmung ist weniger kontrollierbar als im Klartraum. Dagegen ist die Kontrolle über den physischen Körper stärker vorhanden und eine Kommunikation mit der Umwelt weitgehend möglich. Das Spektrum der Erlebnisinhalte ist enorm; es umfasst für den Schamanen Geisterwelten, Himmel und Unterwelten, Pflanzen- und Tier-Identifikation sowie emotionale Extremzustände.

Schamanische Aktivitäten können auch in einer so genannten Besessenheitstrance ausgeführt werden. Häufig bezeichnet man so ein Individuum, das Nachrichten von Verstorbenen oder Geistern zu empfangen glaubt, als Medium. Dieser Zustand wird als unkontrollierbar erfahren und kann gewöhnlich von der Person nicht erinnert werden. Eine Kommunikation mit der Umwelt ist möglich, beschränkt sich aber auf eine reine „Weitergabe“ der erfahrenen Wahrnehmung, ohne dass diese von der betreffenden Person reflektiert werden kann.

Neben diesen ritualisierten Trance-Zuständen in der schamanischen Tradition, hat der Besessenheitsglaube in der christlichen Kultur eine lange Tradition. Exorzismen sind in der katholischen Kirche auch heute noch prinzipiell möglich. So wird dieser Zustand der Besessenheit in der Bibel auch als Zungenreden bezeichnet (z. B. 1. Kor 14, 5). Die Dauer und Intensität der Besessenheitstrance kann sehr unterschiedlich sein und wird durch verschiedene Einteilungen klassifiziert (vgl. Besessenheitstypen). In der Psychiatrie wird dieser Zustand als Krankheit – Psychose oder Verfolgungswahn – diagnostiziert und behandelt.

Lange Zeit wurde im modernen eurozentrischen Weltbild die schamanische Trance mit Neurosen, Schizophrenie oder Epilepsie erklärt. Da sich die EEG-Grundfrequenz bei Trancezuständen dieser Art meist im Theta-Bereich (6 Hz bis 7 Hz mit zugleich hohen Entladungen) bewegt, ist es heute durchaus möglich, diese von verschiedenen psychopathologischen Zuständen und von reiner Phantasie im Wachzustand zu unterscheiden. Daneben können auch physiologische Veränderungen im Blutbild gemessen werden (erhöhte Konzentration von beta-Endorphinen bei gleichzeitiger Abnahme von Adrenalin und Kortisol). Die Interkulturelle Psychologie geht heute davon aus, dass der sozioreligiöse Kontext im Therapieansatz berücksichtigt werden muss und belegt für schamanische Zeremonien in den jeweiligen Kulturen eine erfolgreiche therapeutische Wirkung. Die theoretischen Grundlagen dieser Ansätze sind in der klinischen Psychologie allerdings umstritten.

Die Erlebniswelt in der schamanischen Trance ist mit dem von Carl Gustav Jung postulierten kollektivem Unbewussten womöglich eng verwandt oder gar identisch, da hier archetypische Inhalte erscheinen.

Nahtod-Erfahrung

Viele gleichartige Berichte von kurzzeitig hirntoten Patienten deuten auf ein ähnliches Erleben während dieser Zeit hin (Nahtod-Erfahrung). Ob dies als ein eigenständiger Bewusstseinszustand angesehen werden kann, ist umstritten. Verschiedene Merkmale des Bewusstseins sind aber deutlich verändert. Das Identitätsgefühl verändert sich und viele Beschreibungen der Wahrnehmung erinnern teilweise an schamanische oder mystische Zustände oder auch an die Beschreibungen des tibetischen und ägyptischen Totenbuches. Die Traditionen und Autoren der Totenbücher gehen allerdings völlig selbstverständlich davon aus, dass das Bewusstsein keine Folge der Funktionalität des Gehirns ist. Diese Sichtweise lässt sich deshalb nicht mit dem heutigen (natur-)wissenschaftlichen Modell vom Bewusstsein in Einklang bringen.

Charakteristisch für die Nahtod-Erfahrung ist die außerkörperliche Erfahrung. Die Person erlebt sich selbst beim Verlassen und Beobachten des physischen Körpers. Dabei wird eine gesteigerte Klarheit und Wachheit beschrieben, die das Erleben deutlich von Träumen oder Trancezuständen abhebt. Für die oft klinischen Situationen ist es ein interessanter Forschungsansatz, zumal auch in der Wissenschaft anerkannte Erklärungsansätze existieren.

Kausales, mystisches Bewusstsein

Wie bei allen anderen Bewusstseinszuständen, ist bei dem mystischen Bewusstsein die sprachliche Beschreibung der wahrgenommenen Erfahrung von der zugrunde liegenden persönlichen Erfahrung und dem kulturellen Hintergrund abhängig. Vergleicht man dazu Überlieferungen aus verschiedenen Kulturen und Religionen, so lassen sich viele Übereinstimmungen feststellen.

Die gesamte Wahrnehmung wird im mystischen Bewusstsein meistens als eine Einheit beschrieben. Das Raum- und Zeitgefühl sind deutlich verändert. „Universales“ und unmittelbares Wissen scheint verfügbar. Sobald das Erleben in Sprache kommuniziert wird, wirkt es häufig paradox. Die Andersartigkeit dieser Realität ist – im Gegensatz zur schamanischen Trance – für das betreffende Individuum unzweifelhaft. Der Begriff „kausales Bewusstsein“ drückt die Überzeugung aus, dass dieser „Bereich“ die Ursache aller Erscheinungen, also auch der Materie bzw. der materiell bedingten ist.

Das mystische Bewusstsein unterscheidet sich von allen anderen ungewöhnlichen Zuständen insbesondere dadurch, dass es von vielen Traditionen als vierter natürlicher Zustand angesehen wird. Als Samadhi, wie es im Hinduismus beschrieben wird, ersetzt es damit dauerhaft die Erfahrung des gewöhnlichen Wachzustandes und hat auch Einfluss auf das Erleben von Schlaf- und Traumbewusstsein. Durch Techniken wie die Meditation soll der ganze Mensch nachhaltig verändert werden. Da eine einmalige mystische Erfahrung meist noch keine grundsätzliche Veränderung bewirkt, wird aus der Sicht verschiedener traditioneller Lehren die mystische Erfahrung vom mystischen Bewusstsein deutlich getrennt. Die Aufgabe eines Meisters besteht auch darin, mystische Erfahrungen des Schülers von Trance-Erfahrungen zu unterscheiden.

Ekstatischer Zustand

Die Intensität der Erfahrung wird als „unaussprechlich“ beschrieben. Der erfahrene Frieden und die positive Stimmung können sich bis zur Ekstase steigern. Das Selbstbewusstsein wird als klar und erweitert dargestellt und kann sich im Extremfall auf das ganze Universum beziehen. Die Wahrnehmung der Umwelt ist dabei meistens sehr eingeschränkt. Die Person ist „entrückt“. Somit ist auch kaum eine Handlungsfähigkeit und Kommunikation mit der äußeren Welt möglich. In vielen indigenen Religionen oder beispielsweise auch im Sufismus werden Bewegung und Tanz als Methode, ekstatisches Erleben zu evozieren, eingesetzt.

Von einigen Autoren wird behauptet, dass dieser Zustand mit äußerst niedrigen Grundfrequenzen kleiner als 0,01 Hz erklärbar ist. Es ist aber nahezu unmöglich mit den heutigen Verfahrens- und Messtechniken dies zweifelsfrei zu belegen.

Nicht-ekstatischer Zustand

Verschiedene buddhistische Traditionen und christliche Mystiker streben hingegen einen Zustand an, der sich durch eine erhöhte Aufmerksamkeit auszeichnet, die sich auch auf die Umwelt richtet. Durch die Konzentration auf die unmittelbare Wahrnehmung selbst, verliert die Ich-Identität an Gewicht. Das Selbstgefühl ist dann in einem ständigen Fluss, im Idealfall in einem gleichzeitigen „doppelten Erleben“ der äußeren und der mystischen Realität. So schreibt Meister Eckhart: „Wo meine Seele ist, da ist Gott, und wo Gott ist, da ist auch meine Seele, und das ist so wahr als Gott Gott ist.“

Die Handlungsfähigkeit wird gegenüber dem gewöhnlichen Wachzustand als erhöht erlebt. Es scheint nichts vorhanden, das möglichen Zielen und Intensionen entgegenwirken kann. Es existiert keine Todesangst der Ich-Identität. Ebenso ist die Wachheit gesteigert, da die gesamte Aufmerksamkeit auf dem unmittelbaren inneren und äußeren Erleben liegt und die Selbstreflexion deutlich verringert ist.

Zwischenzustände

Ebenso wie für die „Bereiche“ Trance und Schlaf werden auch für das mystische Bewusstsein zahlreiche Abstufungen unterschieden. Diese lassen sich aber kaum in einen interkulturellen Zusammenhang bringen und einheitlich beschreiben und abgrenzen. Ken Wilber identifiziert die „existentielle Ebene“ in dem Versuch, verschiedene Traditionen und Ansätze zu integrieren. Es ist der Zustand der Einheit von Körper und Geist bzw. Bewusstsein, die ständig und unmittelbar empfunden wird. Taijiquan und Hatha-Yoga, aber auch moderne ganzheitliche Therapieformen wie Rolfing, die Feldenkrais-Methode oder die Atemtherapie orientieren sich an diesem Zustand.

Das Selbstbewusstsein auf der „existentiellen Ebene“ wird als klar und zentriert bezeichnet. Der Mensch in diesem „Zustand“ hat keinen Körper, er ist sein Körper. Das Erleben wird allgemein als intensiver beschrieben. Die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ist mehr nach innen und auf körperliche Empfindungen verschoben. Die „existentielle Ebene“ scheint für alle spirituellen Wege wesentlich. Eine objektive Beschreibung und Klassifizierung ist aber wegen der Vielschichtigkeit der Ausprägungen problematisch.

Wissenschaftliche Forschung

Der Anspruch der mystischen Traditionen, einen völlig andersartigen natürlichen Bewusstseinszustand realisieren zu können, ruft in der westlichen Wissenschaft deutliche Skepsis und teilweise Widerstand hervor. In neuerer Zeit versucht die Neurotheologie Verbindungen zwischen den Beschreibungen mystischer Bewusstseinszustände und physiologisch messbarer und beeinflussbarer Kriterien herzustellen. Ein empirischer Befund der mystischen Erfahrung scheitert bisher an grundlegenden philosophischen bzw. erkenntnistheoretischen Einwänden. Dennoch lässt sich ein meditativer Zustand meist eindeutig von einem wachbewussten Erleben mit Hilfe der Grundfrequenz unterscheiden. Diese liegt bei leichter meditativer Entspannung im mittleren Alpha-Bereich (ca. 10 Hz) und kann bei tiefer Meditation bis in den oberen Theta-Bereich bei ca. 7 Hz bis 8 Hz reichen. Auffallend bei Personen, die über eine lange Meditationspraxis verfügen, ist der Verlust des Gewöhnungseffektes (Alpha-Blockierung), d. h., das Großhirn blendet regelmäßige „Störungen“ nicht mehr aus dem Bewusstsein aus.

Populär, aber auch wissenschaftlich umstritten, sind viele religiös-soziologische Studien, insbesondere in den USA, die einen Zusammenhang zwischen Gebet, Religiosität und Meditation mit Lebensumständen wie Gesundheit, Wohlstand oder Langlebigkeit herstellen.

Absolutes Bewusstsein, Leere, Nirvana

Über diesen Bewusstseinszustand kann nichts weiter ausgesagt werden, darin sind sich alle Lehren und Systeme, die ihn beschreiben, einig. Eine „Leere“ ist dieser Zustand nur solange, wie sich keine besonderen Merkmale zeigen oder gegenüber anderen Zuständen abheben. Als Turiya ist er das Unendliche, der Ursprung oder der Nicht-Zustand; bei Meister Eckhart ist er die „Gottheit“. Der Begriff Nirvana aus der buddhistischen Tradition hat auch im Westen eine Bekanntheit erreicht, die ursprüngliche Bedeutung lässt sich aber kaum in den europäischen, kulturellen Kontext integrieren. Der Begriff Erleuchtung kann dagegen je nach kulturellem Hintergrund entweder das mystische oder das ‚absolute‘ Bewusstsein bezeichnen.

Symbolische Verdeutlichung des Verhältnisses zwischen dem absoluten Bewusstsein und den relativen, phänomenologischen Zuständen

Übereinstimmend in allen mystischen Lehren und religiösen Traditionen ist auch, dass dieser „Zustand“ nicht erreicht werden kann, da er unbegrenzt ist; er kann einem nur „widerfahren“. Gebet, Kontemplation und Meditation sollen den Menschen für diesen Zustand „anfällig“ machen, ein kausaler Zusammenhang wird aber abgelehnt. Es existiere dann kein „Ich“ mehr, das diesen „Zustand“ als ein Objekt erfahren könnte. Erfährt der Mensch im mystischen Bewusstsein die mystische oder „erste“ Wirklichkeit, so sei er nun diese Wirklichkeit.

Die moderne Wissenschaft stößt hier notwendigerweise an ihre Grenze und kann nur bestimmte Auswirkungen beschreiben. Wobei sich für manche Physiker die Erkenntnis des ‚absoluten‘ Bewusstseins und die Ergebnisse ihrer praktischen Arbeit nicht gegenseitig ausschließen. So schrieb Erwin Schrödinger: „Die Vielheit ist bloßer Schein. In Wahrheit gibt es nur EIN Bewusstsein.“ (1961). Es muss aber bezweifelt werden, dass sich dieser „Zustand“ mithilfe empirischer Messwerte objektiv von anderen Zuständen unterscheiden lässt.

Siehe auch

Bewusstsein, Bewusstseinserweiterung, Phänomenologie, Wissenschaft des Bewusstseins, Mind and Life Institute

Quellenangaben

  1. Jayne Gackenbach, Jane Bosveld: Herrscher im Reich der Träume: Kreative Problemlösungen durch luzides Träumen. Aurum im Kamphausen Verlag, 1991, ISBN 3-591-08298-8.

Literatur

  • James H. Austin: Zen and the Brain. MIT Press 1998, ISBN 0-262-01164-6.
  • John Carew Eccles: Die Evolution des Gehirns – die Erschaffung des Selbst. Piper, 2002, ISBN 3-492-23709-6.
  • Felicitas D. Goodman: Die andere Wirklichkeit: Über das Religiöse in den Kulturen der Welt. München 1994, ISBN 3-923804-61-X.
  • Stanislav Grof: Das Abenteuer der Selbstentdeckung. Kösel, 1987, ISBN 3-466-34172-8.
  • Peretz Lavie: Die wundersame Welt des Schlafes. Entdeckungen, Träume, Phänomene. Dtv, München 1999, ISBN 3-423-33048-1.
  • Stephan Matthiesen und Rainer Rosenzweig (Hrsg.): Von Sinnen. Traum und Trance, Rausch und Rage aus Sicht der Hirnforschung. mentis Verlag, 2007, ISBN 978-3-89785-572-4.
  • Robert Ornstein: Die Psychologie des Bewusstseins. Frankfurt a. M. 1982, ISBN 3-462-01004-2.
  • Ernst Pöppel: Grenzen des Bewusstseins. Frankfurt 2000, ISBN 3-458-34427-6.
  • Daisetz T. Suzuki, Erich Fromm: Zen-Buddhismus und Psychoanalyse. Frankfurt a. M. 2002, ISBN 3-518-36537-1.
  • Roger Walsh: Der Geist des Schamanismus. Patmos, 2005, ISBN 3-491-69126-5.
  • Ken Wilber: Das Spektrum des Bewusstseins Hamburg 1991, ISBN 3-499-18593-8.

Weblinks


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