1. Sinfonie (Beethoven)

Die Arbeit an der 1. Sinfonie in C-Dur op. 21 begann Ludwig van Beethoven im Jahre 1799 und beendete sie ein Jahr später. Die Uraufführung unter seiner Leitung am 2. April 1800 im K. K. National-Hof-Theater in Wien war ein großer Erfolg für den Komponisten. Die Sinfonie ist dem Baron Gottfried van Swieten gewidmet. Von der Anlage und dem benutzten Instrumentarium der Sinfonie her kann man noch deutlich die Vorbilder Mozart und Haydn heraushören.

Inhaltsverzeichnis

Instrumentierung und Satzbezeichnungen

Satzbezeichnungen
  1. Satz Adagio molto – Allegro con brio
  2. Satz Andante cantabile con moto
  3. Satz Menuetto (Allegro molto e vivace)
  4. Satz Adagio – Allegro molto e vivace
Instrumentierung

Analyse

Der erste Satz ist ein typischer Sinfonie-Kopfsatz mit einer langsamen Einleitung und einer nachfolgenden geradezu vorbildlichen Sonatenhauptsatzform. Völlig überraschend für die damalige Zeit beginnt die Sinfonie mit einem Septakkord, einer Dissonanz, als Zwischendominante (C7) zur Subdominante (IV=F-Dur). So wird der Hörer zunächst im Unklaren über die Grundtonart gelassen; die Tonika wird während der gesamten langsamen Einleitung kunstvoll vermieden oder nur als Durchgang genutzt. Erst mit dem Beginn der Exposition und des 1. Themas wird das lang erwartete C-Dur dafür umso deutlicher in einem vorwärtsdrängenden Allegro con brio gefestigt. Das bemerkenswerte des 2. Themas ist, dass es eine durchbrochene Instrumentation erhält, d.h. einerseits die melodieführenden Instrumente lösen sich in ungewöhnlich kurzer Folge (von Takt zu Takt) ab und anderseits geschieht diese Ablösung zudem über die verschiedenen Instrumentengruppen hinweg zwischen den Holzblasinstrumenten und Streichinstrumenten. Somit erhält der Seitensatz eine klangliche Leichtigkeit und Transparenz, die im Kontrast zu der vorherigen blockartigen Instrumentierung steht. Neu in der nachfolgenden Durchführung ist die motivisch-thematische Arbeit, in der das 1. und 2. Thema in seine motivischen Bestandteile aufgesplittert und in neue harmonische, instrumentale und kontrapunktische Kombination zueinander gesetzt wird. Die Reprise erscheint fast baugleich mit der Exposition; die Coda bezieht sich auf das 1. Thema, übernimmt Sequenzen aus dem Beginn der Durchführung, womit architektonisch eine Symmetrie geschaffen wird, und endet den Satz in festlich-konsolidierenden C-Dur Akkorden. Bereits in der Einleitung verwendet Beethoven das komplette Instrumentarium des Sinfonieorchesters und stellt somit dem Hörer sein für die Sinfonie zu erwartendes Klangspektrum vor.

Auch der zweite Satz steht in der Sonatenhauptsatzform. Das 1. Thema wird dabei in einem Fugato eingeführt. Bemerkenswert ist, dass der Charakter eines traditionell eher ruhigen, beschaulichen zweiten Satzes (hier Andante) durch den Zusatz con moto (= mit Bewegung) und die Metronomzahlangaben eher etwas pulsierendes, leichtfüßiges bekommt und damit auf bisher ungewöhnliche Weise die Frische des ersten Satzes fortsetzt. Auch wird zwischen 1. und 2. Thema nicht kontrastiert; der Gestus beider Themen bleibt sich sehr ähnlich und somit der lyrische Gesamtausdruck des Satzes. Die Durchführung bringt rhythmische und motivische Verdichtung und eine Schattierung nach Moll, jedoch nicht in der Ausführlichkeit und Intensität wie im Kopfsatz der Sinfonie. Die Reprise erscheint durch einen zusätzlichen Kontrapunkt als eine angereicherte Variante des Satzbeginns. Im Hinblick auf den kantablen Themencharakter und die Regelmäßigkeit im formlichen Aufbau könnte man bei diesem zweiten Satz auch von einer dreiteiligen Liedform sprechen, der eine ausführliche Coda folgt, die Elemente beider Themen unter einem rhythmischen Ostinato verbindet und verarbeitet. Obgleich die Instrumente wie Trompeten und Pauken gewöhnlicherweise in einem zweiten Satz schweigen (genannt tacet), verwendet Beethoven auch in diesem Satz alle Instrumente des Orchesters und bietet somit ein großes klangliches Farb- und Stimmungspektrum. Die dominierende Dynamik ist piano; der Gesamtausdruck -erzeugt durch lyrische Themen, tänzerische Rhythmik und verhaltene Dynamik- des zweiten Satzes in der (Dur-) Subdominante F-Dur ist heiter.

Der dritte Satz trägt den Titel Menuett. Es ist allerdings deutlich ein Scherzo. Das zeigt sich vor allem durch das extreme Tempo (Allegro molto e vivace), welches Beethoven in Metronom-Zahlen angibt, sowie durch die unregelmäßigen Betonungen bzw. die überraschenden Dynamik-Unterschiede als auch durch die unregelmäßigen Phrasenlängen, die keine einfache tanzbare Struktur entstehen lassen. Um dem scherzhaften dieses Satzes Rechnung zu tragen, werden zudem keine wirklichen thematischen Gebilde oder Motive verwendet oder entwickelt; stattdessen fügt Beethoven gekonnt simple Versatzstücke von Tonleiter und Dreiklang zusammen, die mit ihrem aufsteigenden Momentum dem Satz einen charakteristischen und spielerischen Schwung verleihen. Das Trio wird von harmonisch statischen Bläserakkorden mit simultan gespielten Tonleiterbestandteilen der ersten Violinen dominiert und erscheint somit im Vergleich zum quirligen Scherzo-Teil eher wie ein Innehalten.

Der vierte Satz beginnt -unüblicherweise- wieder mit einer langsamen Einleitung: Beginn des vierten Satzes (Violine 1)

Ungewöhnlicherweise gänzlich ohne Begleitung anderer Instrumente tasten sich hier die Violinen gemächlich eine Tonleiter hinauf, bis nach kurzem Halt (Fermate) das Orchester mit dem 1. Thema der Sonatenhauptsatzform (in Rondoform) losstürmt (Allegro molto e vivace). Das thematische Material wird zumeist vom musikalischen Motiv der aufsteigenden Tonleitern dominiert, welche in ihrer schnellen, spielerischen Art einen Tribut an den etablierten Charakter Haydn'scher Sinfoniefinalsätze zollen. Mit marschartigen Blechbläsersignalen und mehrfach wiederholten Tutti-Schlägen des gesamten Orchesters endet die Sinfonie.

Uraufführung und Wirkung

Die Uraufführung seiner 1.Sinfonie am 2. April 1800 hat Beethoven selbst in der ersten „Musikalischen Akademie“ im k.u.k. Nationalhoftheater geleitet. Gemeinsam mit ihr erklangen auch Joseph Haydns Chorwerk „Die Schöpfung“, eine Sinfonie Mozarts, Beethovens Septett op.20 sowie sein erstes Klavierkonzert.

Anlässlich dieser Uraufführung schrieb die „Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung“:

„Dies war wahrlich die interessanteste Akademie seit langer Zeit.“

Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung, 1800

Beethoven präsentierte sich mit seinem symphonischen Erstlingswerk als ein Komponist, der im Sinne der herkömmlichen musikalischen Form der Tradition verpflichtet bleibt, jedoch im Hinblick auf Länge und Inhalt, d.h. Ausweitung der Coda-Teile als eigenständige Formteile (1., 2. und 4. Satz) und insbesondere motivisch-thematische Arbeit, dynamische Kontraste, thematische und dynamische Dichte sowie Instrumentation und nicht zuletzt stringente Tempi Neuland betritt und bekanntlich unumkehrbar etabliert. Dies macht ihn nicht allein zum prominentesten musikalischen Vertreter seiner Zeit, sondern zu einem nachhaltig prägenden Vorbild für die nachfolgende Musikgeschichte schlechthin.

Literatur

  • Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Entstehung, Deutung, Wirkung. Vorwort von Lorin Maazel. 6. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2009, ISBN 978-3-7618-1241-9, (Bärenreiter-Werkeinführungen).
  • Günther Massenkeil: Beethoven. Die neun Sinfonien. In: Die neue Musikzeitschrift., 1967
  • Arnold Werner-Jensen: Reclams Musikführer Ludwig van Beethoven ISBN 3-15-010441-6

Weblinks


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