Bezirk Oberfranken
Oberfranken
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Deutschland
Bundesland: Bayern
Verwaltungssitz: Bayreuth
Fläche: 7.231,41 km²
Einwohner: 1.094.525 (31.12.2006)
Bevölkerungsdichte: 151 Einwohner je km²
Städte: Bayreuth
Bamberg
Hof
Coburg
Webpräsenz:

Lage in Bayern und Deutschland

Oberfranken ist in Bayern sowohl ein Bezirk als auch ein Regierungsbezirk.

Die Bezirke sind in Bayern Selbstverwaltungskörperschaften, zu denen sich mehrere Kreise zusammengeschlossen haben. Die Kreise eines Bezirks gehören jeweils zu einem gleichnamigen Regierungsbezirk, dem Zuständigkeitsgebiet der Bezirksregierung (oft nur kurz Regierung) als staatlicher Mittelbehörde. Anders als bei den Landratsämtern, die gleichzeitig staatliche und kommunale Behörde sind ("Janusköpfigkeit"), existieren hierfür in Bayern mit den Bezirksverwaltungen und den Regierungen getrennte Behörden.

Oberfranken liegt im Nordosten des Bundeslandes und grenzt an Sachsen, Thüringen, Unterfranken, Mittelfranken und an die Oberpfalz. Außerdem gibt es eine Außengrenze zur Tschechischen Republik, Verwaltungsbezirk Karlsbad (Karlovarský kraj).

Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Regierungssitz des Regierungsbezirks ist Bayreuth.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Gebäude der Regierung von Oberfranken in Bayreuth
Das Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth

Der Regierungsbezirk Oberfranken umfasst vier kreisfreie Städte und neun Landkreise:

Kreisfreie Städte

  1. Bamberg
  2. Bayreuth
  3. Coburg
  4. Hof

Landkreise

  1. Landkreis Bamberg
  2. Landkreis Bayreuth
  3. Landkreis Coburg
  4. Landkreis Forchheim
  5. Landkreis Hof
  6. Landkreis Kronach
  7. Landkreis Kulmbach
  8. Landkreis Lichtenfels
  9. Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (vor der Kreisreform nur Landkreis Wunsiedel)

vor der Kreisreform

alte Landkreisgrenzen

Bis zur Kreisreform 1972 war der Regierungsbezirk Oberfranken folgendermaßen gegliedert:

Kreisfreie Städte

Landkreise

Anmerkung: Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Regierungsbezirke Mittelfranken und Oberfranken gemeinsam verwaltet.

Größte Städte

Stadt Landkreis Einwohner
Bayreuth kreisfrei 72.549
Bamberg kreisfrei 72.341
Hof kreisfrei 48.124
Coburg kreisfrei 42.015
Forchheim Forchheim 30.817
Kulmbach Kulmbach 27.626
Lichtenfels Lichtenfels 21.143
Marktredwitz Wunsiedel im Fichtelgebirge 17.862
Kronach Kronach 17.246
Selb Wunsiedel im Fichtelgebirge 16.799

Geographie

Karte des Mainverlaufs

Landschaften

Flüsse

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

J. F. Esper beschrieb bereits zwischen 1774 und 1790 einige Höhlen der Fränkischen Alb und J. B. Fischer grub 1788 die Grabhügel von Mistelgau im Landkreis Bayreuth aus. Die älteste Anwesenheit von Menschen wird durch Werkzeuge aus Lydit aus dem Riß-Würm-Interglazial (120.000–80.000 v. Chr.) belegt, die der Neandertaler fertigte. Die nächsten Artefakte sind wenig jünger und stammen aus dem Präsolutrén von Kösten, einem Stadtteil von Lichtenfels. Das frühe und mittlere Spätpaläolithikum ist in Oberfranken bisher nicht, das Jungpaläolithikum undeutlich vertreten. Der Nachweis von neolithischen Siedlungen der Bandkeramiker, die ab 5500 v. Chr. auftraten, ist besonders im Bereich des Altneolithikums im Maintal möglich. Hier sind u. a. mehr als 50 vor- und frühgeschichtliche Erdwerke oder Ringwälle bekannt, deren Größe zwischen 3 und 50 Hektar schwankt. Die größten liegen in Hetzles, Rödlas und Wiesenthau-Schlaifhausen im Landkreis Forchheim) und auf dem Staffelberg in Bad Staffelstein-Romansthal im Landkreis Lichtenfels. Grabfunde liegen aber überhaupt nicht vor. Die bedeutendsten Fundplätze sind zwei Höhlen, die Jungfernhöhle von Tiefenellern und der Hohle Stein bei Schwabthal. Siedlungen aus dieser Zeit, die untersucht wurden, sind Altenbanz und Zilgendorf. Auch die nachfolgenden Kulturen sind hier bis in die frühe Bronzezeit nicht sonderlich stark repräsentiert. Siedlungen fehlen sogar noch aus der mittleren Bronzezeit. Die Hortfunde von Forchheim und Hollfeld belegen jedoch die relativ dünne Besiedlung in der Frühzeit. Die Anwesenheit von typischen Artefakten zeigt eine Orientierung nach Hessen und Thüringen. In der Urnenfelderzeit (1300–750 v. Chr.) werden die Spuren deutlicher und die Zahl der Depots nimmt zu. Gräber wie das so genannte Adelsgrab von Eggolsheim, Landkreis Forchheim gewähren Einblicke in die Sepulkralkultur. Die nachfolgende Hallstattzeit ist durch Gräber und Grabhügel stark vertreten, so dass von einer dichteren Besiedlung auszugehen ist. In der La-Tène-Zeit (500–100 v. Chr.) war Oberfranken ein Kernbereich der tönernen Pferdeplastiken. Auch zahlreiche Funde römischer Herkunft wurden gemacht.

Mittelalter und Neuzeit

In der Völkerwanderungszeit dehnten zuerst die Thüringer ihren Einflussbereich nach Oberfranken aus. Nach Chlodwigs Sieg 496 n. Chr. über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich geriet zunächst das westliche Maingebiet unter fränkischen Einfluss. Als im Jahre 531 auch die Thüringer geschlagen wurden, geriet das ganze Maintal unter fränkische Herrschaft.

Das Gebiet des heutigen Oberfranken bestand später im Wesentlichen aus den zwei historischen Territorien des Hochstifts Bamberg und des hohenzollernschen (seit 1791/1792 preußischen) Fürstentums Bayreuth (auch: Markgraftum Brandenburg-Bayreuth bzw. früher Brandenburg-Kulmbach). Nach der militärischen Besetzung Bambergs durch das Königreich Bayern entstand am 29. November 1802 zunächst die Bayerische Provinz Bamberg, die am 1. Oktober 1808 in Mainkreis umbenannt wurde. Das von 1806-1810 als pays reservé (Napoleons Privatbesitz) unter französischer Herrschaft stehende Markgraftum Bayreuth wurde zum Betrag von 15 Millionen Francs von Bayern den Franzosen abgekauft und am 30. Juni 1810 an das Königreich Bayern übergeben. So entstand der Obermainkreis mit Bayreuth als Hauptstadt. Den Namen Oberfranken trägt der Bezirk seit dem 1. Januar 1838 in Anlehnung an das Herzogtum Franken, in dessen ehemaligen Ostteil er liegt. Seine Abrundung erhielt der Bezirk, als zum 1. Juli 1920 der Freistaat Coburg nach Bayern eingegliedert wurde. Kleinere Veränderungen des Gebiets von Oberfranken brachte schließlich die bayerische Gebietsreform von 1972.

Wirtschaft

Die Arbeitslosen-Quote in Oberfranken betrug im März 2007 8,2 Prozent und verzeichnete einen weiteren Rückgang im Vergleich zum Vorjahr mit 10,7 Prozent Arbeitslosigkeit und Im Jahr 2005 mit 11,5 Prozent.

Branchen in Oberfranken

Über ein Viertel aller Beschäftigten sind in der Kfz-Zulieferindustrie tätig.

Porzellanbrunnen in der Fußgängerzone von Selb

Wichtigste Industriebranchen nach Beschäftigtenzahl sind (Stand September 2005):

  • Kunststoffwaren (16.100)
  • Maschinenbau (13.400)
  • Keramik und Glas (11.700)
  • Metallerzeugnisse (9900)
  • Textilien (9400)
  • Nahrungsmittel
  • Tourismus

Der Raum Hof-Bayreuth-Kulmbach zählt zu den wichtigsten Textilzentren Deutschlands, der Landkreis Wunsiedel ist das Zentrum der deutschen Keramikindustrie (Haushaltsporzellan, Hotelporzellan und technische Keramiken), der Raum Lichtenfels-Coburg ist Zentrum der deutschen Polstermöbelindustrie.

Oberfranken hat die drittgrößte Industriedichte Europas. Die Region ist außerdem das Zentrum für die deutsche Polstermöbel- und die Keramikindustrie und außerdem eines der wichtigsten Zentren der deutschen Textilindustrie.

Die Interessenvertretungen Oberfrankens sind die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken in Bayreuth, die Industrie- und Handelskammer in Coburg sowie die Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth.

Verkehr

Straßen

Bahnlinien

(Hauptstrecken)

Flugverbindungen

Radwege

Wanderwege

Bezirk

Wappen

Blasonierung

Über rotem Schildfuß, darin drei silberne Spitzen, zweimal gespalten: vorne in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter, linksgewendeter, rotbewehrter schwarzer Löwe; Mitte geviert von Silber und Schwarz; hinten fünfmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem schräggestellten und geschwungenen grünen Rautenkranz.

Erklärung

Das Wappen erinnert in der oberen Hälfte an die drei maßgeblichen historischen Territorien in Oberfranken: Der schwarze Löwe auf goldenem Grund am linken Rand steht für das Hochstift Bamberg, das Geviert von Silber und Schwarz versinnbildlicht das hohenzollersche Markgraftum Brandenburg-Bayreuth während der rechte Teil in gold, schwarz und grün das Herzogtum Coburg darstellt. Die Symbole der drei ehemaligen Gebiete stehen auf dem fränkischen Rechen in der unteren Hälfte.

Bezirkstag

Zusammensetzung

Wahl CSU SPD FW Grüne FDP REP NPD GDP¹ BP Gesamt
2008 9 4 2 1 1 17
2003 10 5 1 1 17
1998 10 8 1 1 20
1994 11 8 1 20
1990 11 7 1 1 20
1986 13 7 1 21
1982 13 8 21
1978 12 9 21
1974 13 9 22
1970 13 10 23
1966 10 10 1 2 23
1962 12 11 1 1 1 25
1958 11 10 1 2 1 25
1954 8 9 2 3 3 25

¹ 1954 und 1958 GB/BHE

Bezirkstagspräsidenten

Bezirkstagspräsidenten in Oberfranken:

  • 1954–1962 Hans Rollwagen (SPD)
  • 1962–1982 Anton Hergenröder (CSU)
  • 1982–2003 Edgar Sitzmann (CSU)
  • seit 2003 Dr. Günther Denzler (CSU)

Literatur

  • Franz X. Bogner: Franken aus der Luft. Stürtz Verlag, 136 Seiten. Würzburg, 2008. ISBN 978-3-800319138.
  • Ralf Nestmeyer: Franken. Ein Reisehandbuch. Michael-Müller-Verlag, Erlangen, 4. Auflage 2007, ISBN 978-3-89953-278-4.
  • Jörg Maier (Hrsg.): Flug über Oberfranken. Bayreuth 1995, ISBN 3-922808-13-1
  • Elisabeth Roth (Hrsg.): Oberfranken im 19. und 20. Jahrhundert. Bayreuth 1990, ISBN 3-87052-992-X
  • Björn-Uwe Abels: Archäologischer Führer Oberfranken. Theiss : 1986, ISBN 3-8062-0373-3
  • Björn-Uwe Abels, Walter Sage, Christian Züchner: Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Bayreuth 1986, ISBN 3-87052-991-1
  • Georg Krauß: Die Oberfränkische Geschichte. Hof 1982
  • Otto Meyer, Elisabeth Roth, Klaus Guth: Oberfranken im Hochmittelalter. Bayreuth 1973
  • Elisabeth Roth (Hrsg.): Oberfranken im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit. Bayreuth 1979
  • Elisabeth Roth (Hrsg.): Oberfranken in der Neuzeit bis zum Ende des Alten Reiches. Bayreuth 1984, ISBN 3-87052-990-3
  • Enrico Santifaller: Aktuelle Architektur in Oberfranken. Amberg 2008, ISBN 978-3936721331

Weblinks


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