Bialogard
Białogard
Wappen von Białogard
Białogard (Polen)
DEC
Białogard
Białogard
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Białogard
Fläche: 26 km²
Geographische Lage: 54° 0′ N, 15° 59′ O5415.9833333333337Koordinaten: 54° 0′ 0″ N, 15° 59′ 0″ O
Höhe: 31 m n.p.m
Einwohner: 24.395 (30. Juni 2008[1])
Postleitzahl: 78-200
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZBI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW163 KołobrzegWałcz
DW166
Schienenweg: PKP-Linien Nr. 202 Stargard SzczecińskiGdańsk
Nr. 404 SzczecinekKołobrzeg
Nächster int. Flughafen: Stettin-Gollnow
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Stefan Strzałkowski
Adresse: ul. 1 Maja 18
78-200 Białogard
Webpräsenz: www.bialogard.info
Marktplatz um 1900...
...und 2003
Flagge von Białogard

Białogard [bʲawˈɔgart] (deutsch Belgard an der Persante) ist eine Stadt und Landgemeinde in der Woiwodschaft Westpommern im Nordwesten Polens südwestlich von Koszalin (Köslin).

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Zentrum der Woiwodschaft Westpommern am Ufer des Flusses Parsęta (Persante) in Hinterpommern. Zu den benachbarten Kreisstädten, im Nordwesten Kołobrzeg (Kolberg) und im Nordosten Koszalin (Köslin), sind es jeweils 25 Kilometer, Stettin ist etwa 150 Kilometer entfernt.

Geschichte

Im 10. Jahrhundert befand sich an der Stelle der Stadt eine Burg, die ein wichtiges Handelszentrum an der Kreuzung der Handelsrouten zwischen PosenKolberg und StettinDanzig war. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte aber erst 1105 durch Gallus Anonymus, der die weiße Burg erwähnte, die auf dem Feldzug zur Angliederung Pommerns an Polen entdeckt wurde.

Erstes Anzeichen einer Besiedlung im Raum des späteren Belgard ist eine westslawische Wehrburg auf dem Burgberg, die etwa im 6. Jahrhundert errichtet wurde. In unmittelbarer Nähe entstanden erste unbefestigte Siedlungen. Zweihundert Jahre später siedelten hier die Pomoranen. Die Wehrburg war jetzt Sitz des lokalen Stammesoberhauptes und wurde schon mit dem Namen Belgard, die weiße Burg, wegen ihres Schutzwalls aus weißer Birke, versehen.

Herzog Mieszko I. (um 960–992) hatte Stämme der Polanen im Raum von Warthe und mittlerer Weichsel unter seiner Oberhoheit vereint, die er etwas später auch auf den zweiten Kernraum der Polanen in der Region Krakau ausdehnte. Er und sein Sohn Bolesław I. (992–1025) brachten später auch Teile Pommerns, Schlesiens und Mährens durch Eroberung vorübergehend in ihre Abhängigkeit. Im Zuge dieser Eroberungszüge erstürmten Polanen auch die alte pomoranische Burgwallanlage Belgard. Doch Polanen (Polen) siedelten niemals hier – ebenso wenig nach ihren abermaligen Einfällen in den Jahren 1102 und 1107/8, denn ihnen kam es auf Unterwerfung und Beute und nicht auf dauerhaften Siedlungsbesitz an. So ist die wiederholte Einverleibung Belgards sowie anderer Burgen der Pomoranen (Wenden) durch polnische Herrscher um 1000 und 1100 eine kurze Episode in der langen Territorialgeschichte Pommerns geblieben.[2]

Als sich zum Ende des zehnten Jahrhunderts Handwerk und Handel entwickelt hatten, begann der Fluss Persante, an dessen Ufer der Ort lag, an Bedeutung zu gewinnen. Er war der Transportweg für das Salz, das in dem im Norden gelegene Kolberg gewonnen wurde. Belgard wurde zum Umschlagplatz und Verarbeitungsort des wichtigen Minerals. Im elften Jahrhundert wurde Belgard gemeinsam mit Kolberg Residenz des pommerschen Greifengeschlechtes. So rühmten sich die Polen bei ihren Einfällen in den Jahren 1102 und 1107/8, mit Belgard eine reiche und mächtige Stadt eingenommen zu haben. Als Bischof Otto von Bamberg seine Missionsreise durch Pommern unternahm, gehörte 1124 auch Belgard zu seinen Stationen. Als sich 1181 Pommern unter die Lehnshoheit des Kaisers Friedrich I. Barbarossa begab, begann Belgards Geschichte als deutsche Stadt. Pommerns Herzöge warben verstärkt deutsche Siedler an, die sich auch in Belgard niederließen und Handwerk und Handel weiter aufblühen ließen. 1299 wurde Belgard das lübische Stadtrecht verliehen[3], und 1307 erhielt die Stadt das Stapelrecht, mit dem die Voraussetzung geschaffen wurde, dass durchziehende Händler ihre Waren in der Stadt anbieten mussten. Ab 1315 wurde Belgard erneut Residenzstadt, als sich Pommernherzog Wartislaw IV. dort niederließ. In diese Zeit fallen der Baubeginn der Marienkirche und die Errichtung der Stadtmauer.

1469 kam es zwischen den Belgardern und Schivelbeinern zu einem Gefecht in der Langener Heide, dessen Ursache eine Kuh aus Nemmin gewesen sein soll.[4] Ein anfangs privater Streit zwischen einem Bauern aus dem Belgarder Land und einem Nachbarn aus dem Schivelbeiner Land entwickelte sich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Städten Belgard und Schivelbein. Sie wurde zugunsten der Schivelbeiner entschieden, wobei die Belgarder mehr als 300 Mann verloren haben sollen. Dieses Ereignis wird seit 1969 als Volksfest gefeiert.[5]

Mit der Einführung der Reformation in Pommern 1534 und der Annahme des evangelischen Bekenntnisses durch seine Herzöge und dessen gleichzeitiger Übertragung auf ihre Untertanen wurden auch die Bürger Belgards evangelisch. Sie waren inzwischen so wohlhabend geworden, dass der Stadtrat eine Verordnung gegen Völlerei erlassen musste. Den guten Zeiten setzte der Dreißigjährige Krieg ein vorläufiges Ende. Kaiserliche wie schwedische Truppen besetzten abwechselnd die Stadt und zerstörten sie erheblich. Eine Pestepidemie tat ihr Übriges, die Zahl der Einwohner um die Hälfte zu dezimieren. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 wurde Belgard brandenburgisch und 1714 zur preußischen Garnisonsstadt. Zu dieser Zeit hatte die Stadt etwa 1.200 Einwohner. Im Siebenjährigen Krieg war Belgard 1760 von den russischen Truppen besetzt. Schweren Schaden richtete 1765 ein Großbrand an, dem die Mehrzahl der Häuser zum Opfer viel. Aus der Zeit der Napoleonischen Kriege werden hingegen keine Zerstörungen erwähnt. Nach dem Wiener Kongress wurde Belgard eine Stadt in der preußischen Provinz Pommern und 1818 Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte durch die Industrialisierung ein neuer Aufschwung ein. Es entstanden neue Betriebe, wie Brauereien, Webereien und Bleichereien. Die Einwohnerzahl erhöhte sich auf knapp 4.000, die sich bis zum Ende des Jahrhunderts noch einmal auf 7.000 steigerte, als bedingt durch den Eisenbahnanschluss sich weitere Industriebetriebe der Holz- und Metallverarbeitung ansiedelten. 1898 erhielt die Stadt ein Gaswerk und 1911 nahm eine elektrische Überlandzentrale ihren Betrieb auf. Für ein Artillerieregiment wurde eine Kaserne errichtet.

Der Erste Weltkrieg stoppte die Weiterentwicklung in Belgard, wenngleich nach Kriegsende bereits 11.000 Menschen dort wohnten. Die Wirren der ersten Jahre der Weimarer Republik machten sich 1920 durch die Teilnahme der dort ansässigen Großbauern am Kapp-Putsch bemerkbar. Positiv wirkte sich hingegen die Erweiterung der Stadt durch neue Siedlungsgebiete in den zwanziger Jahren aus. Die rechtskonservative Prägung der Stadt wurde bei den Reichstagswahlen 1924 deutlich, als die Deutschnationale Volkspartei hier ihr drittbestes Ergebnis deutschlandweit erzielte. 1933 erhielten die Nationalsozialisten in Belgard 61,8 % der Stimmen.

Der Zweite Weltkrieg machte sich ab 1940 unmittelbar bemerkbar. Die Stadt musste Evakuierte aus dem Rheinland, vornehmlich aus Bochum, aufnehmen, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene kamen hinzu. Ab Herbst 1944 erreichten die ersten Flüchtlinge aus Ostpreußen und dem Memelland die Stadt, deren Einwohnerzahl dadurch von 14.900 im Jahre 1939 auf gut 20.000 gegen Kriegsende anwuchs. Am 4. und 5. März 1945 wurde Belgard von der Roten Armee eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die meisten Einwohner noch in der Stadt, da der Räumungsbefehl erst am Abend des 3. März gegeben worden war, als die sowjetischen Truppen bereits vor Belgard standen.[6]

Nachdem die deutsche Bevölkerung fast vollständig in Belgard verblieben und die Häuser von der Roten Armee und bald auch von nachrückenden Polen geplündert worden waren, wurde wenige Wochen nach Kriegsende die Verwaltung der Stadt an polnische Behörden übergeben. Der deutschen Besitz wurde beschlagnahmt, und Häuser und Wohnungen wurden an Polen weitergegeben, die aus Gebieten östlich der Curzon-Linie vertrieben worden oder aus Zentralpolen und dem Wartheland zugewandert waren. Die deutsche Bevölkerung wurde Ende 1945 / Anfang 1946 von der polnischen Miliz aus Belgard vertrieben. Lediglich einige Deutsche, die für die Versorgung der Stadt unentbehrlich waren, wurden noch einige Zeit festgehalten, ebenso die auf den von der Roten Armee beschlagnahmten Gütern beschäftigten Deutschen, welche die Versorgung des Militärs sicherzustellen hatten. 1950 lebten in der Stadt nur noch 12.700 Einwohner.[7]

Das an die südliche Stadt angrenzende Dorf Kisielice mit Ackerhof (Przemiłowo) wurde nach 1945 in das Stadtgebiet integriert.

Einwohnerentwicklung


Politik

Bürgermeister 1517–1945

  • Deteleff Bogatzke, 1517
  • Hans Gautzel, 1517–1527
  • Pawel Glasenapp, 1517–1540
  • Sivert Wopersnow, vor 1540
  • Reimar von dem Wolde, 1544–1548
  • Joachimus von Wobersnow, 1548–1566
  • Jacob Schmidt, 1566–1576
  • Paulus Cassube, 1576–1588
  • Joachim Godmar, 1588–1606
  • Joachim Hencke, 1606–1614
  • Joachim Schütt, 1614–1616
  • Paul von Glasenapp, 1616–1619
  • Petrus Schmolcke, 1619–1628
  • Christian Hencke, 1628–1632
  • Paul Sellicke, 1632–1654
  • Dr. jur. Johann Hintz, 1654–1658
  • Paul Rangow, 1658–1660
  • Joachimus Hencke, 1660–1667
  • Petrus Doepcke, 1667–1668
  • Johann Feist, 1668
  • Samuel Schmidt, 1668–1675
  • Joachim Morgenstern, 1675–1692
  • Martin Dubschlaff, 1692–1722
  • Laurentius Meyer, 1722–1726
  • Hofrat Peter Laurentius Doepcke, 1726–1736
  • Lic. med. Paul Drawe, 1736–1738
  • Dr. med. Tobias Bogislaff Rückert, 1738–1759
  • Kriegskomm. Friedrich Dubschlaff, 1759–1776
  • Carl Benjamin Barfenicht, 1776–1780
  • Hofrat Daniel Wilhelm Filius, 1780–1781
  • Hermann Jacob Justus Meyer, 1781–1809
  • Carl Wilhelm Dallmer, 1809–1816
  • Johann Ludwig Rehfeldt, 1816–1835
  • Johann Friedrich Ferdinand Wille, 1835–1841
  • Carl Ludwig Neitzel, 1841–1847
  • Ernst George Gottfried Baehr, 1847–1871
  • Carl Boy (zur Probe), 1871–1872
  • Ulrich Kleist, 1872–1884
  • Eugen Böhmer, 1884–1902
  • Dr. Edmund Trieschmann, 1902–1923
  • Carl Friedrich Müke, 1923–1926
  • Reg.–Ass. Dr. Wegener (komm.), 1926
  • Dr. Walter Chlebowsky, 1926–1945
Stadtverwaltung
Hohes Tor

Partnerstädte

Sehenswürdigkeiten

  • Die backsteingotische Stadtpfarrkirche St. Marien (Kościół pw. Najświętszej Marii Panny) aus dem 14. Jahrhundert
  • Georgenkirche (Kościół pw. św. Jerzego) aus dem 14. Jahrhundert
  • das gotische Hohe Tor (Brama Połczyńska) aus dem 14. Jahrhundert
  • Rathaus von Anfang des 19. Jahrhunderts

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Gmina Białogard

Wappen der Gmina Białogard
Lage der Gmina Białogard im Powiat

Die Stadt Białogard ist Verwaltungssitz der Landgemeinde (gmina wiejska) Białogard, gehört ihr als eigenständige Stadtgemeinde jedoch nicht an. Die Gmina Białogard umfasst eine Fläche von 328 km² um die Stadt Białogard mit 7740 Einwohnern.[1]

Sie gliedert sich in folgende 32 Schulzenämter:

Diesen sind weitere 53 Ortschaften zugeordnet, wie:

Verweise

Literatur

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden, Sändig Reprint Verlag (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1865), Vaduz 1996, ISBN 3253027341, S. 32-38, online.
  • Werner Reinhold: Chronik der Städte Belgard, Polzin und Schivelbein und der zu den beiden Kreisen gehörenden Dörfer: Schivelbein 1862, 224 Seiten.

Weblinks

Fußnoten

  1. a b Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008
  2. Sieghard Rost: Meine Heimat Pommern. Erinnerungen an das Land am Meer. München u. Berlin 1994, S. 143f.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden der Verfassungs- Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 176 und S. 970.
  4. Die Schlacht um eine Kuh
  5. Sieghard Rost: Meine Heimat Pommern. Erinnerungen an das Land am Meer. München u. Berlin 1994, S. 146f.
  6. Helmut Lindenblatt: Pommern 1945. Eines der letzten Kapitel in der Geschichte vom Untergang des Dritten Reiches. Leer 1984, S. 205ff.
  7. Helmut Lindenblatt: Pommern 1945. Eines der letzten Kapitel in der Geschichte vom Untergang des Dritten Reiches. Leer 1984, S. 205ff.

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