AG Döbelner Straßenbahn
Döbelner Straßenbahn
Pferdebahn Döbeln 1897
Pferdebahn Döbeln 1897
Streckenlänge: 2,450 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Legende
0,00 Hauptbahnhof
 ?
0,50 Ende der zweigleisigen Strecke
Hotel Kronprinz
Depot
Depot
Kreuzung Bahnhof- / Burgstr.
Hotel Garni
Freiberger Mulde
Bahnhofstraße
Theater
Hotel Stadt Altenburg
Hotel Reichshof
Posthof
Obermarkt
Hotel Goldene Sonne
Hotel Goldene Sonne
Freiberger Mulde
2,45 Weißes Kreuz
Historischer VOMAG-Omnibus der Döbelner Straßenbahn AG, mit solchen Fahrzeugen wurde seinerzeit die Pferdebahn ersetzt
Das Gleis der Pferdebahn, Blick zurück von der heutigen Endstelle Obermarkt in Richtung Nikolaikirche
Die Döbelner Pferdebahn heute, Eröffnung des Museumsbetriebs am 9. Juni 2007

Die Döbelner Straßenbahn verband von 1892 bis 1926 den peripher gelegenen Hauptbahnhof der sächsischen Stadt Döbeln mit der Innenstadt und wurde stets als Pferdebahn betrieben. Seit Juni 2007 wird ein wieder aufgebautes Teilstück zu besonderen Anlässen als Museumsbahn befahren.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

1847 erreichte die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn von Riesa aus die Stadt und wurde 1857 nach Chemnitz weitergeführt. 1868 folgte die Linie Dresden–Döbeln–Leipzig. Seitdem war Döbeln Eisenbahnknotenpunkt. Allerdings lag der Bahnhof rund zwei Kilometer Luftlinie vom Zentrum der Altstadt entfernt. Der Wunsch nach einem innerstädtischen Verkehrsmittel führte schließlich am 20. Februar 1891 zur Gründung der AG Döbelner Straßenbahn unter Beteiligung der Stadt und privater Kapitalgeber. Im Jahre 1943 besaß die Stadt nur 12 % der Aktien.

Eröffnung und Betrieb

Am 10. Juli 1892 konnte ein erstes Teilstück der Straßenbahn als meterspurige Pferdebahn zwischen dem Bahnhof und dem Obermarkt eröffnet werden. Später wurde die Bahn dann bis zum "Weißen Kreuz" verlängert, die Streckenlänge erhöhte sich dadurch auf 2,450 km. Die Pferdebahn beförderte außer Personen auch Post und Stückgut. Beginnend am Hauptbahnhof führte sie parallel zur Staatsbahnstrecke nach Dresden durch die Bahnhofstraße, an der auch die Wagenhalle lag. Dann erreichte sie die auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen der Freiberger Mulde liegende Altstadt mit dem Nieder- und dem Obermarkt und endete am Weißen Kreuz in der Dresdner Straße. Weil nur die ersten 500 Meter der Strecke zweigleisig angelegt waren, erhielt sie im folgenden Abschnitt insgesamt acht Ausweichstellen[1] sowie eine kurze Abzweigung zum Posthof (Postamt).

Betriebseinstellung

Obwohl die Stadt Döbeln damals weniger als 20.000 Einwohner zählte, wurden vor dem Ersten Weltkrieg jährlich über 200.000 Fahrgäste mit der Pferdebahn befördert. Dennoch kam es nicht zur Einführung des elektrischen Betriebs – stattdessen wurde die zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr zeitgemäße Pferdebahn am 20. Dezember 1926 stillgelegt; sie war eine der letzten Pferdebahnen in Deutschland (lediglich die Zerbster Straßenbahn (bis 1928), die Straßenbahn Stadthagen (bis 1930) und die Spiekerooger Inselbahn (bis 1949) wurden noch länger mit Pferden betrieben). Die Bahn wurde endgültig durch den Omnibusbetrieb ersetzt, der bereits einige Monate zuvor parallel zum Straßenbahnbetrieb eingerichtet wurde. Dieser Busbetrieb befand sich ebenfalls in der Hand der bisherigen Gesellschaft, welche auch weiterhin unverändert als Döbelner Straßenbahn AG firmierte. 1928 wurden die Gleise zwischen den Bahnhof und dem Niedermarkt entfernt. Trotz der frühen Stilllegung blieben weitere Teilabschnitte der Pferdebahn noch lange erhalten – ein Teil der Strecke verschwand erst bei Straßenbauarbeiten in den 1980er-Jahren, ein letzter kurzer Abschnitt auf dem Obermarkt wurde 2006 im Zuge der dortigen Neupflasterung entfernt. Diese Reste zählten zu den ältesten erhaltenen Gleisrelikten einer deutschen Straßenbahn (zusammen mit den bis heute vorhandenen Gleisresten auf dem Zerbster Marktplatz).

Wiederbelebung

Am 11. Januar 2002 gründeten 25 Mitglieder den Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V. mit dem Ziel der Wiederbeschaffung andernorts noch erhaltener Originalfahrzeuge der Döbelner Straßenbahn sowie der Einrichtung eines historischen Fahrbetriebs. Dem Verein gelang es später einen ca. 550 m langen Streckenabschnitt in der Innenstadt wieder aufzubauen. Die noch bis 2006 vorhandenen Original-Gleisreste konnten dabei jedoch nicht wieder verwendet werden. Sie waren zu stark verschlissen und mussten deshalb durch neue Schienen ersetzt werden. Seit dem 9. Juni 2007 ist dieses Teilstück im Sommer am ersten Samstag im Monat und zu besonderen Anlässen wieder in Betrieb und gilt heute als touristische Attraktion von Döbeln. Als Besonderheit wird die Bahn heute jedoch nicht wie alle anderen Straßenbahnen Deutschlands nach der 1938 in Kraft getretenen Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BOStrab) betrieben; sie wurde bei ihrer Wiedereröffnung lediglich durch den TÜV abgenommen.

Fahrzeuge

Zur Betriebseröffnung im Jahr 1892 standen der Pferdebahn drei Personenwagen zur Verfügung, ihr Bestand wurde bis 1912 auf sieben Fahrzeuge erhöht. Sie waren ca. 6 Meter lang und 1,80 Meter breit, jeder Wagen verfügte über 12 Sitz- und 15 Stehplätze. Zusätzlich existierten drei geschlossene Postwagen sowie ferner zwei Salzstreuwagen zum Freitauen der Schienen im Winter. Wagen Nr. I überlebte bis heute, er kam nach der Betriebseinstellung zunächst zur Straßenbahn Meißen und wurde dort als Beiwagen hinter elektrischen Triebwagen verwendet. Nach seiner 1937 erfolgten Ausmusterung überdauerte er die Zeit als Gartenlaube im Weiler Keilbusch (einem Ortsteil der bei Meißen gelegenen Gemeinde Diera-Zehren). Im Juni 2003 wurde er vom Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V. geborgen, heute ist er nach einer aufwändigen Restauration in Dresden wieder in seiner alten Heimat in Betrieb.

Siehe auch

Abgesehen von sporadischen Einsätzen historischer Pferdebahnen bei elektrifizierten Straßenbahnbetrieben existieren heute außer der Döbelner Straßenbahn noch mindestens vier weitere – ebenfalls touristisch geprägte – Pferdebahnbetriebe:

Einzelnachweise

  1. http://www.doebeln-entdecken.de/doebeln/pferdebahn2007.html

Weblinks


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