Biblia pauperum
Seite einer Biblia Pauperum aus dem 15. Jahrhundert: Mittelbild Verkündigung, links Eva, rechts Gideon

Als Armenbibel (lateinisch Biblia pauperum = Bibel der Armen) werden mittelalterliche bildliche Gegenüberstellungen von Szenen aus den Evangelien und aus dem Alten Testament bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Gewöhnlich ist eine Seite einer Biblia Pauperum in neun Teile aufgeteilt. Im mittleren Teil ist eine Szene aus dem Leben von Jesus Christus dargestellt, darüber und darunter Bilder von Propheten sowie rechts und links davon je eine Szene aus dem Alten Testament.

Die Biblia Pauperum ist also eine Art Konkordanz, die Stellen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament als Typus und Antitypus (Typologie) miteinander in Verbindung bringt. Das zeigen auch die Bezeichnungen „Figuræ typicæ Veteris Testamenti atque antitypicæ Novi Testamenti“ (Figürliche Bilder des alten und neuen Testaments) oder „Historia Christi in Figuris“ (Geschichte Christi in Bildern). Typische spätmittelalterliche Armenbibeln bestehen aus rund vierzig solchen Szenen. Sie wurden als Blockbuch im Holzdruckverfahren hergestellt, jede Seite einzeln einseitig bedruckt, dann jeweils zwei Seiten zusammengeklebt und das ganze als Buch gebunden.

Biblia pauperum, um 1455: Blockdruck mit teils eingedrucktem, überwiegend aber handschriftlich ergänztem Text

Eine solche Bibelausgabe war wesentlich preiswerter als ein Manuskript, und die Armenbibeln fanden so als eines der ersten Blockbücher weite Verbreitung.

Geschichte und Rezeption

Die Erfindung der Biblia Pauperum wird Ansgar von Bremen zugeschrieben. Dafür spricht eine handschriftliche Notiz auf einer Armenbibel in Hannover und dazu passende Überreste von Bildern, die in der Kathedrale von Bremen gefunden wurden. Die Bezeichnung Armenbibel für diese Art der Darstellung kommt jedoch erstmals in einem Bibliothekskatalog in Wolfenbüttel vor.

Der genaue Zweck der Armenbibeln ist nicht bekannt. Sie hatte jedoch einigen Einfluss bei der Verbreitung von Glaubensmysterien und die Motive wurden von Predigern und Künstlern benutzt.

Mit der Verbreitung von gedruckten Vollbibeln im 16. Jahrhundert verloren sie jedoch an Bedeutung und gerieten fast in Vergessenheit.

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