Bibliomantie

Die Stichomantie oder Bibliomantie ist eine Form der Wahrsagung mittels Texten. Oft werden dafür Werke benutzt, die als heilig oder jedenfalls besonders bedeutend gelten, etwa die Bibel oder das I Ging.

Der Wahrsager formuliert eine Frage, die er nicht selbst beantworten kann. Dann sticht er mit einem spitzen Gegenstand irgendwo intuitiv in eine Buchseite und deutet die Textstelle an dieser Position als Antwort. Er versucht mit dieser Methode etwas über eigene oder „fremde“ Verhaltensweisen, über künftige Bestimmungen und Möglichkeiten zu erfahren.

Die Bibliomantie war bereits in der Antike bekannt. Oft wurden dafür Texte von Homer und Vergil benutzt. Im Lateinischen sprach man von Sortes homericae bzw. Sortes vergilianae. Mit dem Aufkommen des Christentums wurden diese Weissagungspraktiken als häretisch verdammt, zum Beispiel durch Papst Gregor I.. Die Bibliomantie wurde aber weiterhin ausgeübt, allerdings auf Basis der Bibel. Dies ist sowohl für den Kirchenvater Augustinus als auch für Franz von Assisi überliefert.

Neuerlich angeregt u.a. durch Nikolaus Graf von Zinzendorf, war im 19. Jahrhundert die Bibliomantie in allen Schichten verbreitet, man bezeichnete sie auch als däumeln, weil die Seiten mit dem Daumen schnell durchgeblättert wurden und man dann eine zufällige Seite aufschlug.

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  • Bibliomantīe — (griech.), Wahrsagung und Entschließung nach aufgeschlagenen Bücherstellen, wozu im Altertum der Homer, in den spätern Zeiten die »Äneide« (Sortes Virgilianae) und seit den ersten Jahrhunderten des Christentums die Bibel gebraucht wurde. Man nahm …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bibliomantie — Bibliomantīe (grch.), Wahrsagen aus aufgeschlagenen Bücher (namentlich Bibel )stellen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Bibliomantie — ◆ Bi|blio|man|tie 〈f. 19; unz.〉 Wahrsagen durch wahllos aufgeschlagene Buchstellen [<grch. biblion „Buch“ + manteia „Weissagung“] ◆ Die Buchstabenfolge bi|bl... kann in Fremdwörtern auch bib|l... getrennt werden. * * * Bibliomantie  … …   Universal-Lexikon

  • Bibliomantie — ◆ Bi|bli|o|man|tie 〈f.; Gen.: ; Pl.: unz.〉 Wahrsagen durch wahllos aufgeschlagene Buchstellen   ◆ Die Buchstabenfolge bi|bl… kann auch bib|l… getrennt werden …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Bibliomantie — Bi|blio|man|tie die; <zu gr. manteía »das Weissagen, Weissagung«> das Wahrsagen aus zufällig aufgeschlagenen Buchstellen, bes. aus der Bibel …   Das große Fremdwörterbuch

  • Stichomantie — Die Stichomantie oder Bibliomantie ist eine Form der Wahrsagung mittels Texten. Oft werden dafür Werke benutzt, die als heilig oder jedenfalls besonders bedeutend gelten, etwa die Bibel oder das I Ging. Der Wahrsager formuliert eine Frage,… …   Deutsch Wikipedia

  • Magie — (von altgr. μαγεία, mageía, „Zauberei“, „Blendwerk“), abgeleitet vom altiranischen Mager,[1] bezeichnet die (angebliche) Beeinflussung von Ereignissen, Menschen und Gegenständen auf übernatürliche Art und Weise. Dabei wendet der Magier zur… …   Deutsch Wikipedia

  • Däumeln — Däumeln, s. Bibliomantie …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rhapsodomantīe — (griech.), bei Griechen und Römern Wahrsagung aus einem Dichtervers, der sich beim Aufschlagen der Ilias oder Äneïde dem Auge zuerst darbot, also eine Art der Bibliomantie (s. d.) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Stichomantīe — (griech.), eine Art Wahrsagung aus Zeilen oder Versen (stichoi), die bei den Römern darin bestand, daß Stellen aus Dichtern (namentlich aus Vergil) auf Zettel geschrieben und diese, nachdem man sie in einer Urne gemischt hatte, gezogen wurden.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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