Bibratunnel
Bibratunnel
Bibratunnel
Blick von der Saubachtalbrücke zum zukünftigen Südwestportal des Bibratunnels (August 2007)
Nutzung Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle
Ort Hermundurische Scholle
Länge 6.466 m
Anzahl der Röhren 2
Größte Überdeckung 50 m
Bau
Baubeginn 17. Oktober 2008
Fertigstellung 2012
Lage
Bibratunnel (Sachsen-Anhalt)
Red pog.svg
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Koordinaten
51° 12′ 36″ N, 11° 33′ 16″ O51.2111.554444444444
51° 15′ 18″ N, 11° 36′ 15″ O51.25511.604166666667

Der Bibratunnel ist ein im Bau befindlicher Eisenbahntunnel der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle. Seine beiden Röhren sollen bei einer Länge von je 6466 m[1] in nordöstlicher Richtung die Hochebene der Hermundurischen Scholle unterqueren und östlich des Dissautals wieder an die Oberfläche treten. Das Südwestportal liegt zwischen Bad Bibra und Saubach.

Die Rohbauarbeiten an dem 230 Millionen Euro teuren Tunnel sollen 2012 fertiggestellt werden.[1]

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Die beiden für eine Entwurfsgeschwindigkeit von 300 km/h trassierten Röhren verlaufen in einem Abstand der Gleisachsen von 20 m bis 25 m. Die Überdeckung liegt zwischen 15 m und 50 m.[1]

Dem Südwestportal schließt sich die Saubachtalbrücke, der Betriebsbahnhof Saubachtal und der Finnetunnel an. Dem Nordostportal folgt ein Abschnitt ebenerdiger Strecke mit der Überleitstelle Bibra (Km 246,1) und der Unstruttalbrücke. Das Bauwerk liegt im Planfeststellungsabschnitt 2.2 der Neubaustrecke.

Geologie

Geologisch liegt der Tunnel auf seiner ganzen Länge in Schichten des Mittleren Buntsandsteins durchweg etwa 30 m über dem Grundwasserspiegel.[1]

Geschichte

Planung

1994 war eine Länge von 6.800 m für das Bauwerk geplant.[2]

Bau

Der Bauauftrag für den Tunnel einschließlich des Erdbaus auf rund 1300 m anschließender freier Strecke wurde im August 2007 europaweit ausgeschrieben und im Januar 2008 vergeben.

Die Bauarbeiten begannen im Mai 2008 mit dem Aushub von Voreinschnitten an beiden Portalen.[1] Als bauvorbereitende Maßnahmen wurde die 60.000 m² umfassende Baustelleneinrichtung und eine Startbaugrube errichtet.[3] Außerdem entstanden 10 km lange Baustraßen.[1]

Der feierliche Tunnelanschlag erfolgte am 17. Oktober 2008. Die Tunnelpatenschaften haben die sachsen-anhaltische Gesundheits- und Sozialministerin Gerlinde Kuppe und Gisela Reiche, die Ehefrau des Landrates Harri Reiche, übernommen. Symbolisch lösten die beiden die ersten beiden Sprengungen aus. Der Vortrieb läuft seither gleichzeitig in beiden Röhren in beiden Richtungen.[4]

Blick in die im Rohbau fertiggestellte Nordröhre (März 2010)

Die beiden Röhren werden parallel von allen vier Portalen teils mit Sprengungen, teils mit Abbauwerkzeugen hergestellt. Bei einem Durchmesser von je 9,6 m liegt der Ausbruchsquerschnitt bei ca. 86 m². Insgesamt sollen 150.000 m³ Beton und etwa 17.000 t Armierungsstahl aufgewendet werden. Die geplante Bauzeit liegt bei 21 Monaten.[1] Insgesamt sollen rund 1.500 Tonnen Sprengstoff für die Arbeiten aufgewendet werden. Die Fertigstellung soll bis zum 31. Dezember 2011 erfolgen.[4] Während der Bauarbeiten sind etwa 200 Mitarbeiter auf der Baustelle beschäftigt.[3] Im Januar 2009 kam ein Arbeiter bei einem Arbeitsunfall ums Leben.[5]

Ein Schild am Querschlag 6 (rund 3,0 km vom Westportal entfernt) während der Bauphase

Das Ausbruchsvolumen von ca. 1,1 Mio. m³ wird für Geländeveränderungen am Ostportal verwendet.[1] Die Überschussmassen wurden dabei über ein Förderband mit Absetzer transportiert.[6] 13 Querschläge sollen im Abstand von 500 m[6] die beiden Röhren miteinander verbinden.[1] Ursprünglich waren sechs Querschläge vorgesehen.

Der Bauphase ging ein archäologische Erkundungsprogramm voraus. Dabei wurden u. a. historische Wall- und Grabenanlagen aus der Bronze- und Eisenzeit entdeckt. Darüber hinaus wurden fast 5.000 Jahre alte Grabanlagen gefunden.[1] Die Bauarbeiten werden von großflächigen Grabungen des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie begleitet, das bis zu etwa 5.000 Jahre alte Funde sichert.[3]

Neben dem Tunnel entsteht im Bauabschnitt der Röhren u. a. auch ein Einschnitt und eine Straßenüberführung vor dem Ostportal.[1] Beauftragt wurde eine Arbeitsgemeinschaft Marti Tunnelbau AG, Marti Deutschland GmbH und der Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG (Papenburg).

Durchschlag

Am 3. März 2010 wurde in der Nordröhre der Durchschlag durch Sprengung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre und Bahnchef Rüdiger Grube vollzogen. Neben dem symbolischen Durchschlag des benachbarten Finnetunnels am gleichen Tag markierte dies die offizielle „Halbzeit“ bei der Realisierung der Neubaustrecke Erfurt–Halle/Leipzig.[7] Der Durchschlag erfolgte in der Nordröhre etwa 3,6 km vom Westportal entfernt. Unter den Augen von Mitarbeitern und Presse lösten die Ehrengäste die letzte Sprengung im Schutz des 6. Durchschlags (rund 3,5 km vom Westportal entfernt) aus. Anschließend fuhren Ehrengäste und Presse zum Ostportal des Finnetunnels, vor dem das Schneidrad der dortigen Tunnelbohrmaschine feierlich enthüllt wurde.

Technik

Der Tunnel soll eine Feste Fahrbahn und eine Oberleitung vom Typ Re 330 erhalten.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k DB ProjektBau GmbH, Regionalbereich Südost, Großprojekt VDE 8, NBS Erfurt–Leipzig/Halle (Hrsg.): Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle. Bibratunnel. Broschüre (6 Seiten) mit Stand vom August 2008
  2. Thomas Schubert, Frank Kniestedt: Erste Weichen gestellt: Eisenbahn-Neubautrasse Erfurt-Leipzig/Halle. In: Baukultur, Heft 3, 1994, S. 20–24, ISSN 0722-3099
  3. a b c Deutsche Bahn AG: Tunnelanschlag für 6,5 Kilometer langen Bibratunnel der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle im Burgenlandkreis. Presseinformation vom 17. Oktober 2008
  4. a b Baustart für 6,5 Kilometer langen Bibratunnel. In: Mitteldeutsche Zeitung, 17. Oktober 2008
  5. Kontrolldruck führt zu weniger Arbeitsunfällen. In: Mitteldeutsche Zeitung, 17. März 2009
  6. a b 25 Tunnel für die Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg – Berlin. In: Deine Bahn, ISSN 0948-7263, S. 14–18
  7. Deutsche Bahn AG: Doppelter Tunneldurchschlag in Deutschlands größtem Infrastrukturprojekt Nürnberg-Erfurt-Halle/Leipzig-Berlin. Presseinformation vom 3. März 2010

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