Bicken
Bicken
Gemeinde Mittenaar
Wappen von Bicken
Koordinaten: 50° 42′ N, 8° 23′ O50.6922222222228.3813888888889237Koordinaten: 50° 41′ 32″ N, 8° 22′ 53″ O
Höhe: 237–252 m ü. NN
Fläche: 11,26 km²
Einwohner: 1.788 (30. Juni 2003)
Eingemeindung: 1. Jan. 1972
Postleitzahl: 35756
Vorwahl: 02772
Karte

Lage von Bicken in Mittenaar

Bicken ist ein Ortsteil und der Verwaltungssitz der Gemeinde Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis, Hessen, Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Durch den Ort verläuft die Landstraße 3050, die im Dorf auf die Bundesstraße 255 trifft. Der Fluss Aar teilt den Ort in zwei Hälften, Klein- und Groß-Bicken. In diesen Fluss münden die Bäche Weibach, von Groß-Bicken kommend, und der von Klein-Bicken kommende Gettenbach.

Geschichte

1990 fand man im Ortsbereich Siedlungsspuren aus der La-Tène-Zeit (400–300 v. Chr.). Ältere Siedlungsspuren und Kultstätten in den Höhenlagen stammen aus der Zeit um 2000 v. Chr.

In Bicken saß das Adelsgeschlecht der Herren von Bicken, von denen ein Anselm von Bicken erstmals im Jahre 1218 in einer Kölner Urkunde erwähnt wurde. Der Stammsitz der Herren von Bicken war Burg Bicken, von der nichts mehr erhalten ist. Der Ort selbst wurde im Codex Zwettel von 1232 erstmalig erwähnt. Wahrscheinlich ist das Dorf aber noch älter, da ein von einem Wassergraben umgebenes befestigtes Haus mit Stallungen fränkischer Zeit in Bicken stand.

Eine Urkunde von 1237 erwähnt eine Sühne zwischen den Grafen Heinrich und Marquartt von Solms und Rudolf von Greifenstein einerseits und Konrad und Gumpert von Bicken andererseits. Diese Sühne war die Folge eines Angriffs auf die Reichsstadt Wetzlar durch die beiden Bickener. Diese unterlagen, nachdem die Grafen von Solms der Reichsstadt zu Hilfe gekommen waren.

Die Herren von Bicken und die Herren von Dernbach unterlagen in der von 1230 bis 1333 dauernden Dernbacher Fehde den Grafen von Nassau im Kampf um die Vorherrschaft in der Herborner Mark und mussten diesen ihre dortigen Rechte und Besitztümer abtreten oder verkaufen. Ob die verlorene Dernbacher Fehde dazu beigetrug, dass sich die Herren von Bicken aus dem Ort allmählich zurückzogen, ist nicht nachweisbar. Bekannt ist, dass sich die Familie spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in zwei Linien teilte, die Wolkersdorfer und die Haincher Linie.

Bekundet ist, dass nach dem Ende der Dernbacher Fehde am 21. Mai 1336 ein Vertrag zwischen den Herren von Bicken und dem Haus Nassau geschlossen wurde, in dem die Herren von Bicken ihre Burg Hainchen mit dem Großteil des zugehörigen Besitzes (ausgenommen ihre Höfe und Gülten in Bicken und Herbornseelbach und den dortigen Patronatsrechten) für 800 Mark an Graf Heinrich III. von Nassau-Dillenburg verkauften. Das Gericht Ebersbach sollten sie, nachdem Graf Heinrich bewiesen habe, dass er die Lehnshoheit darüber von den Herrn von Molsberg gekauft habe, von den Grafen von Nassau zu Lehen nehmen.[1]

Die günstige Verkehrslage Bickens (mit Anbindung an mehrere Fernstraßen) führte in der Vergangenheit auch zu Nachteilen. So litt der Ort während des Dreißigjährigen Krieges immer wieder unter ungebetenen Besuchen von Soldaten und Landsknechten, die mit Verlusten an Menschenleben, Hab und Gut endeten.

In der Napoleonischen Zeit war Bicken Mittelpunkt der Ortschaften Ballersbach, Bicken, Offenbach und Herbornseelbach.

Während der beiden Weltkriege musste Bicken große Verluste unter seinen Einwohnern hinnehmen. Im Ersten Weltkrieg fielen 27 und im Zweiten Weltkrieg 78 Soldaten aus dem Ort.

Wappen

Das Dorf Bicken führte früher kein Wappen und benutzte auch keine Siegel. Erst am 31. März 1952 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zur Führung eines Wappens (GVBl. 1952, S. 280 bzw. HHStAW Abt. 503, Nr. 3509):

Das Wappen zeigt in schwarz zwei silberne Balken. Es basiert auf dem Wappen der ehemaligen Adelsfamilie, dem Geschlecht der Herren von Bicken, die das Dorf als Lehnsmannen der Grafen von Nassau in der Zeit von 1327 bis 1732 besaßen.

Nach der Eingemeindung wurde es zum Bestandteil des Gemeindewappens von Mittenaar.

Klima

  • Durchschnittliche Jahrestemperatur: 7–8 °C je nach Höhenlage
  • Durchschnittliche Jahresschwankungen der Lufttemperatur: ca. 16,5 °C
  • Durchschnittlicher Niederschlag Jahresniederschlagssummen: ca. 800 mm
Die evangelische Kirche

Sonstiges

  • Im Ort gibt es die katholische Kirche Heilig-Geist, eine evangelische Kirche und einen evangelischen Kindergarten.
  • In Bicken gibt es die Johann-Heinrich-Alsted-Schule (Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe).
  • In Bicken ist das Dorfgemeinschaftshaus
  • Bicken hat folgende Haltestellen: Rathaus, Alte Schmiede, Aarbrücke und Leipziger Straße (ab 2009). Sie werden vom RMV mit den Linien 403, 404 und 407 angefahren.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dernbacher Fehde, auf der Webseite des Heimatvereins Dietzhölztal

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  • Bicken — Bicken, Pfarrdorf im nassauischen Amte Herborn; 600 Ew.; Stammort des adligen Geschlechts Bicken …   Pierer's Universal-Lexikon

  • bicken — bickenv koitieren.Bicken=mitdemSchnabelhacken.⇨hacken.1500ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • bicken — [biggà] 1. aufkleben, kleben 2. klebrig sein (der ganze Bodn bickt...) …   Bayrische Wörterbuch von Rupert Frank

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