Bielefeldverschwörung

Die Bielefeldverschwörung ist eine Satire, die die Existenz der Stadt Bielefeld anzweifelt, um die in sich geschlossene unangreifbare Argumentationsstruktur von Verschwörungstheorien auf humorvolle Weise herauszustellen.

Die Bielefeldverschwörung wurde erstmals 1994 im deutschsprachigen Usenet veröffentlicht, kursiert seither als Dauerwitz im Internet und wurde so Teil der Internet-Folklore, die zur Netzkultur gehört.[1]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt und Kult

Die Anhänger dieser Verschwörungstheorie stellen die Existenz der Stadt Bielefeld in Frage. Sie behaupten, dass alle Hinweise auf diese Stadt Teil einer groß angelegten Verschwörung sind, der Bielefeldverschwörung. Diese Verschwörung soll die Menschheit von dem Dasein einer Stadt namens Bielefeld überzeugen. Die Anhänger dieser Verschwörungstheorie sprechen in Bezug auf die Urheber der Verschwörung grundsätzlich nur von IHNEN oder SIE. Einige vermuten als Urheber der Bielefeldverschwörung die CIA, den Mossad oder Außerirdische unter der Führung eines gewissen Ashtar Sheran, die ihr Raumschiff als Universität getarnt haben. Eine andere Version dieser Verschwörung argwöhnt, dass sich in Bielefeld der Eingang zu Atlantis befindet. Um SIE nicht aufmerksam zu machen, werden statt Bielefeld oft die Termini B*e*e*e*d, B**l*f*ld, Blfd oder Bielefake verwendet, oder es wird schlicht von dem B-Wort gesprochen. Auch Lachen bei Berichten in Nachrichtensendungen über Ereignisse in Bielefeld gehört zum Verhaltens-Repertoire der Anhänger der Theorie.

Unter Anhängern der Bielefeld-Theorie gilt das Nummernschild BI an deutschen Kraftfahrzeugen nach wie vor als Fälschung, da es per definitionem ein solches Nummernschild nicht geben kann.

Ursprung

Die erste bekannte öffentliche Erwähnung der Bielefeldverschwörung stammt von dem deutschen Informatiker Achim Held und wurde am 16. Mai 1994 im Usenet in der Newsgroup de.talk.bizarre veröffentlicht.[2]

Im Gegensatz zur Verschwörungstheorie selbst hat sich jedoch die Geschichte ihrer Entstehung nicht sehr stark verbreitet, und es sind im Netz viele, zum Teil gegensätzliche, Gerüchte umgegangen, wie die Bielefeldverschwörung entstanden sein könnte.[3]

Das ZDF hat zum zehnten Geburtstag der Verschwörungstheorie ein Interview mit Achim Held, seinerzeit Informatik-Student in Kiel, geführt, in dem er angibt, dass die ganze Geschichte auf einer Studentenparty entstanden sei. Von einem Bekannten, der viele Esoterik-Magazine gelesen habe, und einem Anwesenden, der eingeworfen habe: „Bielefeld gibt es gar nicht“, sei die Idee geboren worden.[4]

Verfilmung

Im Jahr 2010 erschien ein Film mit dem Titel „Die Bielefeld-Verschwörung“ im Stile eines Agententhrillers auf Basis des Textes von Held, in dem Held selbst mitspielt.[5] Produzenten sind Bielefeld-Marketing und das medienpädagogische Labor der Universität Bielefeld unter Leitung von Fabio Magnifico. Gefilmt wurde seit Mai 2009 „in Griechenland und in Bielefeld“. Die Uraufführung des Films war am 2. Juni 2010 im Cinemaxx Bielefeld. Der Film basiert auf dem Roman von Thomas Walden.[6][7][8][9]

Der ebenfalls auf der Bielefeldverschwörung basierende Film „Bielefeld – stirb stilvoll“ in München uraufgeführt.[10] wurde am 18. April 2011[11][12] Die Krimi-Komödie stellt Wahrheit mit Bielefeld gleich. Da es Bielefeld laut der Bielefeldverschwörung nicht gibt, existiere auch keine eindeutige Wahrheit. Gedreht wurde unter Regie von Daniel Mechling mit Mirjam Novak und Cecilia Lanzi ab April 2010 in München.

Der Cartoonist Ralph Ruthe, der in Bielefeld geboren wurde, hat sich des Themas in dem kleinen Video Zeugenschutzprogramm angenommen.[13]

Rezeption

Die Stadt Bielefeld selbst steht der Bielefeldverschwörung mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Wir nehmen das mit Humor“, wird Anika Hempelmann vom Presseamt Bielefeld in einem ZDF-Bericht zitiert. Die Leiterin des Presseamtes der Stadt Bielefeld gab an: „Soll ich ehrlich sein? Ich hasse es wie die Pest!“ Die Stadt Bielefeld erhalte häufig E-Mails, in denen die Existenz der Stadt angezweifelt wird.[4] Die Stadt wird ihr 800-jähriges Jubiläum 2014 mit dem Motto „Das gibt's doch gar nicht“ begehen.[14]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Katharina Miklis: Aus Bielefeld? Das gibt’s doch nicht! Der_Freitag, 7. April 2010, abgerufen am 3. September 2011.
  2. Achim Held: Die Bielefeld-Verschwoerung. In: de.talk.bizarre. 16. Mai 1994, abgerufen am 24. Januar 2009.
  3. Volker Backes im Interview mit Achim Held: „Bielefake“-Schöpfer: „Es musste schon eine farblose Stadt sein“. In: Spiegel online. 4. Juni 2010, abgerufen am 8. Juni 2010.
  4. a b Mario Sixtus: Die Stadt, die nicht sein darf. In: SIXTUS.NET. heute.de, 5. Juni 2004, abgerufen am 31. Januar 2008.
  5. Die Bielefeld Verschwörung (2010). Internet Movie Database, abgerufen am 3. September 2011.
  6. „Bielefeld-Verschwörung“ wird verfilmt. In: Spiegel Online. 13. Februar 2009, abgerufen am 17. Oktober 2009.
  7. Bielefake-Satire – Wir sehen uns nur in dieser Welt ... Spiegel Online, 4. Juni 2010, abgerufen am 3. September 2011.
  8. „Die Bielefeld Verschwörung“. In: Universität Bielefeld. 11. März 2010, abgerufen am 11. März 2010.
  9. „Die Bielefeldverschwörung“ startet im Kino. Focus, 2. Juni 2010, abgerufen am 4. Juni 2010.
  10. Bielefeld – stirb stilvoll (2011). Internet Movie Database, abgerufen am 3. September 2011.
  11. Bielefelder debütiert als Leiche. Westfalenblatt, 20. April 2011, abgerufen am 6. Mai 2011.
  12. Erstaufführung von Amateurfilm Bielefeld stirb stilvoll ein voller Erfolg. Nachrichten München, 19. April 2011, abgerufen am 6. Mai 2011.
  13. Ralph Ruthe: Zeugenschutzprogramm. YouTube, 15. Oktober 2007, abgerufen am 3. September 2011.
  14. Bielefeld Stadtmarketing: 800 Jahre Bielefeld! Abgerufen am 5. November 2011.
52.0215248.534961

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