Bienenfresser (Art)
Bienenfresser
Bienenfresser (Merops apiaster)

Bienenfresser (Merops apiaster)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Familie: Bienenfresser (Meropidae)
Gattung: Merops
Art: Bienenfresser
Wissenschaftlicher Name
Merops apiaster
(Linnaeus 1758)

Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist ein auffallend bunter Vogel aus der gleichnamigen Familie der Bienenfresser (Meropidae). Er gehört zu den Zugvögeln, die in warmen Weltregionen wie im südlichen Afrika überwintern.[1]

Inhaltsverzeichnis

Aussehen und Verhalten

Der im Durchschnitt ca. 28 Zentimeter große Bienenfresser ist einer der buntesten Vögel Europas. Er ist kaum zu verwechseln: Der Bauch- und Brustbereich ist türkisfarben, Scheitel-, Nacken- und Rückenpartien sind rostbraun, die Flügel sind ebenfalls in beiden Farben gehalten, und über dem gelblichen Kinn befindet sich ein schwarzer Augenstreif.

Ein weiteres Merkmal neben der exotischen Färbung ist der typische leicht gebogene, lange Schnabel und die verlängerten mittleren Schwanzfedern, die Schwanzspieße bei den Altvögeln. Jungvögeln fehlen diese Schwanzspieße. Sie sind auf dem Rücken und den Flügeldecken grünlich getönt, bräunlich-grau bis schmutzig-sandfarben und insgesamt blasser gefärbt als die Altvögel.[2]

Verbreitung und Lebensraum

Der Bienenfresser bevorzugt warmes Klima. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Südwest- und Vorderasien, Nordwestafrika sowie Süd- und Südosteuropa nordwärts bis Südostpolen. In Deutschland galt er Ende der 1980er Jahre als ausgestorben, seit 1990 wandert er jedoch wieder ein, vermutlich aufgrund des Klimawandels. Er hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Bereich um den Kaiserstuhl in Deutschland angesiedelt.[1] In 2011 lebt die Hälfte der in Deutschland angesiedelten Brutpaare im südlichen Sachsen-Anhalt bei Merseburg[3].

Sein Lebensraum sind offene Landschaften mit einzelnen Bäumen und Gebüschen. Er brütet in Steilhängen an Ufern von Flüssen, Seen oder Teichen.

Verhalten

Bienenfresser sind oft in Kolonien anzutreffen. Sie sitzen gerne, meist zusammen mit Artgenossen, auf herausragenden Ästen, Leitungsdrähten und Masten. Sie sind sehr gute Flieger, wirken hingegen auf dem Boden eher unbeholfen.

Ernährung

Ein Bienenfresser fängt einen Hautflügler
Bienenfresser mit Beute

Der Bienenfresser ernährt sich von Insekten, welche er im Flug erbeutet. Zu seiner Beute zählen vor allem Hautflügler wie Bienen, Wespen, Hummeln, aber auch fliegende Käfer, Libellen und Zikaden. Viele von ihnen sind wehrhaft, deshalb fliegt er, nachdem er ein Insekt gepackt hat, zunächst zu einer in der Nähe gelegenen Sitzwarte, beispielsweise einem Ast. Dort wird das Insekt mit kräftigen Hieben auf die Unterlage getötet und durchgeknetet, wobei sich die Giftdrüse des Stachels entleert. Dann wird die Beute verschluckt oder an die Jungen verfüttert.

Stimme

Bienenfresser sind ruffreudige Vögel. Der häufigste Ruf ist ein im Flug vorgetragenes heiseres »prürr« oder »krük krük«, welches vielfach variiert wird. Wird der Vogel aufgeschreckt, hört man ihn »pitt-pitt-pitt« rufen.

Fortpflanzung

Nestanlagen bei Halle/Saale

Der Bienenfresser ist ein Koloniebrüter. Sein Nest legt er als Höhle in den Hängen und Wänden von Steilufern oder Sandgruben an.[2] Die Brutpaare graben ihre Brutröhren ziemlich nah beieinander in derselben Wand. Allerdings sind, besonders am Rand ihres Verbreitungsgebietes, auch einzelne Brutpaare beobachtet worden. Solche Pionieransiedlungen vergrößern sich danach entweder rasch zu Brutkolonien, oder sie verschwinden bald wieder.

Die als Nest genutzten Röhren sind selbst gegraben und meist einen bis eineinhalb Meter, im Extremfall bis zu 2,7 Meter lang und haben einen Durchmesser von vier bis fünf Zentimetern. Das Einflugloch misst circa acht bis zehn Zentimeter. Am Ende der Röhre befindet sich die blasenförmig erweiterte Brutkammer. Neben den bewohnten Röhren, die meist mehrere Meter auseinander liegen, befinden sich oft unfertig gebliebene Gänge. Die Grabarbeiten des Paares sind nach circa zwei bis drei Wochen abgeschlossen.

Die Brutzeit (eigentliches Brüten: circa 20 bis 22 Tage) beginnt um Mitte Mai nach der Rückkehr aus seinem Winterquartier in Afrika und dauert einschließlich Jungenaufzucht bis Ende Juli an. Es kommt zu keiner weiteren Jahresbrut. Beide Partner beteiligen sich am Brüten, das Männchen allerdings in geringerem Maße. Das Gelege besteht aus fünf bis sieben fast kugeligen, rein weißen, stark glatt-glänzenden Eiern der Größe 22,5 bis 29,5 mal 17,6 bis 23,6 Millimeter, wobei die Eier in der Kammer direkt auf dem Boden liegen. Die Anzahl der Eier ist stark vom Nahrungsangebot beeinflusst.[1] Der Boden der Brutkammer reichert sich im Laufe des Brutgeschäftes zunehmend mit Speiballen aus Insektenresten, Kot und sonstigen Abfällen zu einer zentimeterhohen Schicht an.

Die Nestlinge sind nackt mit rosafarbener Haut. Der Schnabel der Jungen ist grau und mit sehr schmalen gelblichen Randwülsten. Die Jungvögel werden von beiden Elternvögeln 20 bis 30 Tage im Nest, und auch noch eine Zeit lang nach dem Verlassen der Brutstätte, betreut.

Einzelnachweise

  1. a b c Bedohte Tiere unserer Heimat. Bienenfresser - merops apiaster. Aus: Stiftung Pro Artenvielfalt, Bielefeld (Einzelblatt)
  2. a b Svensson, L.; Grant, P. J.; Mullarney, K.; Zetterström, D.: Der neue Kosmos-Vogelführer - Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart. 1999. ISBN 3-440-07720-9, S. 222
  3. Mitteldeutsche Zeitung Online-Ausgabe vom 3. August 2011

Weblinks

 Commons: Bienenfresser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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