Bienenvergiftungen durch Neonicotinoide

Als Neonicotinoide wird eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden bezeichnet. Sie alle sind synthetisch hergestellte nikotinartige Wirkstoffe und wirken als Nervengift.

Inhaltsverzeichnis

Wirkungsweise

Die Neonicotinoide sind systemische Insektizide, die als Kontakt- und auch als Fraßgift wirken können. Sie werden gut über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert, die dann vor beißenden und saugenden Insekten geschützt sind. Deshalb werden diese Stoffe auch als Saatgutbeizmittel verwendet. Da die Wirkstoffe in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält die Wirkung längere Zeit an.

Bei Insekten wirkt diese Stoffgruppe wie Acetylcholin am nikotinischen Acetylcholinrezeptor der Nervenzellen. Der Abbau durch das Enzym Acetylcholinesterase findet aber nicht statt. Durch den ausgelösten Dauerreiz wird die chemische Signalübertragung gestört.[1]

Problematik und Kritik

In den letzten Jahren treten immer wieder Meldungen[2][3] von angeblichen und teilweise auch nachgewiesenen Bienenvergiftungen durch Neonicotinoide auf. Die Problematik besteht darin, dass diese Vergiftungen nur sehr schwer durch sehr geringe Wirkstoffmengen (Größenordnung Nanogramm, bezogen auf 100g, etwa 1000 Bienen) nachgewiesen werden können und meist gleichzeitig Schädigungen der Bienenvölker durch andere Einflüsse, z.B. die Varroamilbe möglich waren. Auch bei dem in den letzten Jahren in verschiedenen Weltgegenden auftretenden spektakulären und mysteriösen Massensterben von Bienenvölkern, das den Namen Colony Collapse Disorder erhielt, wurden immer wieder diese Insektizide als mögliche oder mitverantwortliche Ursache vermutet.

Bei einem Ereignis im April/Mai 2008 konnte eindeutig der Nachweis erbracht werden, dass bei einem Bienensterben im Rheintal ausschließlich der Wirkstoff Clothianidin die Ursache war.[4] Hierbei wurde damit gebeiztes Maissaatgut mit pneumatischen Vorrichtungen ausgebracht (Standardverfahren), wobei sich die Abluft und Stäube weitläufig in der Gegend verbreiteten. Die sogenannte Todeszone, mit amtlich ermittelten 11.500 geschädigten Bienenvölkern, erstreckte sich im Rheintal von Lörrach bis Rastatt. Vereinzelt traten auch Schäden in anderen Gegenden Süddeutschlands auf. Es ist gut möglich, dass noch weitere Schäden auftreten, bzw. gemeldet werden (Stand Juni 2008). Durch die systemische Wirkung des Insektizids kann auch noch eine verzögerte, zweite Schadenswelle auftreten, sobald der Mais blüht. Für die Honigbienen ist der Maispollen eine häufig angeflogene Futterquelle zur Aufzucht der Bienenbrut. Schließlich sind auch noch längerfristige Belastungen der Böden möglich. Je nach Witterungverlauf und Beschaffenheit kann z. B. bei Clothianidin in den oberen Bodenschichten eine Halbwertszeit von etwa 1 bis 3 Jahren auftreten[5]. Der Hersteller Bayer Crop Science gibt allerdings einen deutlich kürzeren Wert von 120 Tagen an.

Liste bekannter Wirkstoffe

Einzelnachweise

  1. Pesticide Toxicity Profile: Neonicotinoid Pesticides (engl.)
  2. http://www.netzwerk-regenbogen.de/gaucho040219.html - Frankreich: Bayer und BASF wegen Bienensterben angeklagt (19.02.2004)
  3. Mysterious Honey Bee Disorder Buzzes into Court; im August 2008 reicht das Natural Resources Defense Council eine Klage wegen der Verwendung des Insektizids Clothianidin beim amerikanischen Bundesgerichtshof von Washington ein.
  4. Informationsdienst Wissenschaft: Mit Clothianidin gebeiztes Saatgut ist nach Untersuchungen des Julius Kühn-Instituts Ursache für aktuelle Bienenschäden in Baden-Württemberg
  5. United States Environmental Protection Agency, Office of Prevention, Pesticides and Toxic Substances: Pesticide Fact Sheet "Clothianidin", Conditional Registration, May 30, 2003, Page 15 (PDF-Datei)

Weblinks


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