Bienwaldbahn
Wörth–Lauterbourg
Strecke der Bienwaldbahn
Kursbuchstrecke (DB): 677.1
Streckennummer: 3400
Streckenlänge: 15 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
Strecke – geradeaus
Strecke von Schifferstadt
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Pfälzische Maximiliansbahn von Winden
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Stadtbahnstrecke S5 von Wörth Badepark
Bahnhof, Station
49,9 Wörth (Rhein)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Pfälzische Maximiliansbahn nach Karlsruhe
Haltepunkt, Haltestelle
51,5 Maximiliansau-Im Rüsten
Bahnhof, Station
54,4 Hagenbach
Haltepunkt, Haltestelle
57,3 Neuburg am Rhein
Haltepunkt, Haltestelle
59,6 Berg (Pfalz)
Grenze
61,0
59,6
Berg (Pfalz) Grenze Staatsgrenze D / F
   
ehem. Strecke von Wissembourg
Bahnhof, Station
55,5 Lauterbourg
Strecke – geradeaus
Strecke nach Strasbourg
Zug nach Lauterbourg im Bahnhof von Wörth
Haltepunkt "Maximiliansau Im Rüsten"
Zug im Bahnhof Hagenbach
Bahnhof Lauterbourg

Die Bienwaldbahn ist eine Eisenbahnstrecke von Wörth am Rhein nach Lauterbourg. Ihren Namen erhielt die Strecke im Zuge der Reaktivierung im Jahr 2002 vor allem aus Marketinggründen, weil sie am östlichen Rand des Bienwald verläuft.

Während sie früher vom überregionalen Personenfernverkehr mitbenutzt wurde, dient die Strecke heute dem Nahverkehr und den Atommüll-Transporten (Castortransporte) von La Hague nach Gorleben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eröffnung (1876)

Für die Strecke von Wörth nach Lauterbourg arbeiteten verschiedene Bahningenieure in den Jahren 1872 und 1873 einen generellen Entwurf aus und legten diesen anschließend der bayerischen Staatsregierung vor.

Die Bienwaldbahn wurde am 24. und 25. Januar 1876 als Teil der Strecke Schifferstadt–Speyer–Germersheim–Wörth–Lauterburg (Elsass)–Straßburg errichtet. 1906 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut. Bis zum ersten Weltkrieg fuhren über die Strecke Fernzüge von Straßburg nach Berlin. Nachdem das Elsass nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich gefallen war, wechselte der Fernverkehr auf die andere Seite des Rhein. Allerdings hatte der Güterverkehr auf dieser Strecke schon immer eine größere Bedeutung als der Personenverkehr.

Einstellung des Personenverkehrs (1990)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke endgültig zur Nebenbahn degradiert.[1] Gleichzeitig wurde der grenzüberschreitende Verkehr stark eingeschränkt; Berg (Pfalz) wurde, da letzter Bahnhof auf deutscher Gemarkung, Endbahnhof für die Züge.[1] Erst in den fünfziger Jahren gab es wieder ein Zugpaar, das bis nach Lauterbourg durchfuhr.[1] Am 11. Juni 1980 wurde der Eilzug Ludwigshafen–Straßburg, der hauptsächlich den französischen Streitkräften gedient hatte, eingestellt, womit der grenzüberschreitende Personenverkehr zu Ende war. 1984 wurde auch der restliche Reisezugverkehr zwischen Wörth und Berg eingestellt, der zuletzt mit Schienenbussen bewältigt worden war.[1] Bis 1990 wurde die Bahn eingleisig zurückgebaut.[1]

Jedoch fand über die Strecke weiterhin sehr umfangreicher Güterverkehr statt. So verkehrten täglich bis zu fünf Güterzugpaare, bei denen oftmals französische Lokomotiven zum Einsatz kamen. Über diese Bahnstrecke verkehrten in diesen Jahren gelegentlich Castortransporte von und nach den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield, was regelmäßig zu Protesten von Kernkraftgegnern führte und entsprechende Medienpräsenz zur Folge hatte.

Reaktivierung des Personenverkehrs (1999)

Von 1999 bis Ende 2002 verkehrten an Sonn- und Feiertagen von April bis Oktober auf der Strecke Ausflugszüge, die von Wörth bis Lauterbourg ohne Zwischenhalt fuhren. Die Züge dieses Ausflugsverkehrs wurden als Bienwaldexpress bezeichnet. Dieses Angebot umfasste insgesamt vier Zugpaare.

Die Reaktivierung mit täglichem Reisezugverkehr fand am 15. Dezember 2002 statt. An den stillgelegten Bahnhöfen Hagenbach, Neuburg und Berg wurden moderne Bahnsteige errichtet. Der Haltepunkt Maximiliansau Im Rüsten wurde 2002 neu eingerichtet, da die Bebauung von Maximiliansau sich im Westen zunehmend in Richtung Bienwaldbahn orientiert hatte.

Die Strecke wird regelmäßig für Atommülltransporte genutzt. Seit dem Verbot der sog. Wiederaufarbeitung im Jahr 2005 finden keine Transporte abgebrannter Brennelemente ins Ausland mehr statt. Transporte von in Glaskokillen verpackten hochradioaktiven Abfällen (insbesondere aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague) in das Transportbehälterlager Gorleben werden jedoch weiterhin über diese Strecke durchgeführt. Am 8. September 2008 wurde im Vorfeld eines solches Transports die Strecke in der Nähe von Berg durch drei Demonstranten, welche sich an einem unter den Gleisen befestigten Betonblock angekettet hatten, blockiert. Unter Einsatz von schwerem Gerät gelang es der Polizei nach rund zwölf Stunden, die Aktivisten zu entfernen. Der Zug mit den Atommüllbehältern musste so lange in Lauterbourg warten. 2010 musste ein fahrplanmäßig für diese Strecke vorgesehener Zug mit Atommüll aus La Hague kurzfristig über Straßbourg und Kehl umgeleitet werden, weil die Strecke nahe des Bahnhofs Berg von mehreren Hundert Atomkraftgegnern mittels Sitzblockade versperrt war.

Es ist geplant, den Umsteigezwang in Lauterbourg, der zur Zeit noch besteht, zu beseitigen, indem die mit modernen SNCF-Triebwagen ausgestatteten Fahrten der Relation Lauterbourg - Strasbourg bis nach Wörth durchgebunden werden. Allerdings wird dies erst später realisiert werden können als ursprünglich vorgesehen, da es vor allem auf französischer Seite Probleme hinsichtlich des Fahrzeugmaterials gibt.

Außerdem gab es Überlegungen, eine S-Bahn-Linie von Straßburg bis in die Karlsruher Innenstadt zu realisieren. Diese Idee wurde aber bisher nicht weiter verfolgt, da man in Frankreich einen Abfluss der Kaufkraft fürchtete.

Betrieb

Fahrplan

Im Kursbuch der Deutschen Bahn ist die Bienwaldbahn als KBS 677.1 verzeichnet. In den Kursbüchern des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) hat sie die Nummer R52. Die Tarife des KVV und VRN werden auf der gesamten Strecke anerkannt. Auf der Strecke verkehren Dieseltriebwagen der Baureihe 643. [2] Werktags findet der Personenverkehr zwischen fünf und 22 Uhr mit insgesamt 18 Zugpaaren statt.

Güterverkehr

Bei Hagenbach zweigt ein Gütergleis ab, das hauptsächlich dem Transport von Kies dient. Der Güterverkehr wird von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) durchgeführt.

Literatur

  • Klaus D. Holzborn: Eisenbahn-Reviere Pfalz. transpress, Berlin 1993, ISBN 3-344-70790-6.
  • Wolfgang Fiegenbaum, Wolfgang Klee: Rückkehr zur Schiene – Reaktivierte und neue Strecken im Personenverkehr 1980–2001. transpress, Berlin 2002, ISBN 3-613-71185-0.

Weblinks

 Commons: Bienwaldbahn – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Holzborn, S. 42
  2. Südpfalznetz - Übersicht

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