Bierbach
Bierbach
Wappen der früheren Gemeinde Bierbach
Koordinaten: 49° 16′ N, 7° 17′ O49.2636117.283333220Koordinaten: 49° 15′ 49″ N, 7° 17′ 0″ O
Höhe: 220 m ü. NN
Einwohner: 1.935 (30. Juni 2011)
Eingemeindung: 1. Jan. 1974
Postleitzahl: 66440
Vorwahl: 06842
Bierbach (Saarland)
Bierbach

Lage von Bierbach in Saarland

Blick Richtung Blieskastel und katholische Kirche

Blick Richtung Blieskastel und katholische Kirche

Bierbach ist ein Stadtteil von Blieskastel im Saarland und gehört zum Saarpfalz-Kreis. Durch den Ort verläuft die Blies. Bis Ende 1973 war Bierbach eine eigenständige Gemeinde.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Im Radius von 10 km des Ortes liegen sechs Städte: Blieskastel, Homburg (Saar), Zweibrücken, St. Ingbert, Neunkirchen (Saar) und Bexbach. In Luftlinie beträgt die Entfernung nach der Landeshauptstadt Saarbrücken 23 km, nach Kaiserslautern 40 km, nach Luxemburg 93 km, nach Trier 72 km, nach Karlsruhe 90 km und nach Metz 82 km.[1]

Die Ortsmitte liegt auf etwa 220m über Normalnull. Neuere Siedlungen schmiegen sich an die Hänge des Bliesgaus, der sich weit vor dem Ort erstreckt. Die höchsten Erhebungen sind der Steinberg mit 349 m und der Schucht mit rund 332 m. August Becker, der Vater der pfälzischen Volkskunde, behauptet 1858 in seinem Buch "Die Pfalz und die Pfälzer", dass die Bierbacher Aue der schönste Wiesengrund der Pfalz sei.[2]

Geschichte

Aus römischer Zeit stammt der gallorömische Tempelbezirk auf dem Rödersberg, der zwischen Bierbach und Wörschweiler liegt. Allerdings wurde er nach der Ausgrabung wohl wieder zugeschüttet und ist heute nicht mehr auffindbar.[3]

Soweit bisher nachweisbar, wurde Bierbach erstmals 1230 schriftlich erwähnt. Graf Heinrich von Castel und Heinrich von Kirkel tauschten Güter des Klosters Wörschweiler in Hassel gegen Güter zu Bierbach.[4]

Wann Bierbach erstmals besiedelt wurde, liegt im Nebel der Geschichte verborgen. Man weiß seit 1994 allerdings, dass im Bliestal die ersten Siedler schon vor 200.000 Jahren wohnten. Hans Cappel fand in Blieskastel einen Faustkeil aus der Altsteinzeit.[5]

In Bierbach selbst kann man Bodenfunde nachweisen, die um das Jahr 100 bis 150 nach Christus entstanden sind. In diese Zeit wird die Erbauung einer römischen Villa mit Grabmal datiert, deren Überreste man erstmals 1804 fand; endgültig ausgegraben wurden sie 1924 und 1929. Daneben lassen sich im gesamten Bliesgau römische Überreste, z. B. in Schwarzenacker oder im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim nachweisen. Bei der Villa handelte es sich wahrscheinlich um den Sommersitz eines vermögenden Mannes. Die Rekonstruktion ergab, dass die zweistöckige Villa über eine repräsentative Säulenreihe und einen großen Portikus verfügte. Der rechteckige Bau hatte eine Länge von rund 68 Meter und eine Tiefe von etwa max. 10 Meter. Die Überreste sind wegen der Überbauung durch einen Industriebetrieb in den 1920er Jahren nicht mehr sichtbar, die Ausgrabungsstücke können aber im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, im Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken und im nahen Römermuseum Schwarzenacker besichtigt werden.[1]

Eine sichere und wichtige Quelle über Bierbach ist das „Bierbacher Weistum“ vom 10. August 1529.[6] {„Vnnd ist dis jhargeding vff dhinstag sanct Lawrency tag anno etc. 1529 zu Birbach gehalten worden durch Arnolt, apt zu Werßweiller, vnnd des priors Adam Kellers, des gerichts sampt der gemein vnnd des gantzen vmbstandts, wie hernach vnderschiedtlich zu sehen.“} Hier werden bei den Banngrenzen des Ortes u. a. erwähnt „die Klain Birbach“ und die „Alt Birbach“. {„... von dem Rech fortter offen mit an sant Pirmanns waldt, da steeth ein stein; von dem stein fortter mit an die Klain Birbach; ...; darnach die Alt Birbach ...“.} Im Zweibrücker Oberamts Bannbuch von 1547 findet man statt „Alt Birbach“ auch „Groß Birbach“.[7] Auf diese beiden Gewässernamen gründet die dörfliche Überlieferung der Herkunft des Ortsnamens.

Im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde zum 1. Januar. 1974 die bis dahin eigenständige Gemeinde Bierbach der damals neu gebildeten Stadt Blieskastel zugeordnet und ist seitdem ein Stadtteil und ein Gemeindebezirk.

Etymologie des Ortsnamens

Die spätere Dorfgründung auf Resten römischer Häuser dürfte wahrscheinlich zur Namensgebung des Ortes Bierbach geführt haben. Ernst Christmann kommt in seinem Buch „Die Siedlungsnamen der Pfalz“" 1952 zu folgendem Ansatz: „Bier“ ist meist aus dem althochdeutschen Wort „bûrea“, „bûri“, oder „bûr“ = Gebäude hervorgegangen. Es ist also denkbar, dass der Bach von den germanischen Erstsiedlern nach römischen Häusern oder ihren Überresten „Bûribach“ genannt wurde. Dies wurde bis zum 15./16. Jahrhundert in „Bierbach“ umgedeutet.[8]. Für die Herkunft des Ortsnamens „Bierbach“ aus dem Althochdeutschen sprechen auch die sprachwissenschaftlichen Untersuchungen von Heinrich Tischner aus Bensheim. Er erläutert die Herkunft des Weilers Bierbach (Odenwald) in der Gemeinde Brensbach in der gleichen Weise:[9] „‚Bürbach‘ - amtl. Name ‚Bierbach‘, Überlieferung: 1314 ‚Burbach‘; 1748 ‚Bierbach‘; - Glied 1: ahd. ‚bûrea‘ = Haus; Glied 2: dt. ‚Bach‘ = kleiner Fluss“.

Neben dieser Erklärung gibt es noch eine weitere: Im 8. Jahrhundert wirkte der Abt des Klosters Hornbach - Pirminius - als Glaubensbote im Bliestal. Das Klosterland hieß „Pirminsland“, die Hintersassen „Pirmannsleute“. Der Klosterwald war der „Pirmannswald“ (so heißt dieser Wald noch heute). Es könnte also durchaus so gewesen sein, dass die Bächlein, die im Pirmannswald entspringen, einstmals „Groß-Pirminsbach“ und „Klein-Pirminsbach“ hießen. Durch die im Volk übliche Zusammenziehung und Abkürzung ist aus dem „Groß-Pirminsbach“ dann „Groß-Birbach“ geworden. Der Ort, der am „Groß-Birbach“ entstand, wurde dann von den Nachbargemeinden „Birbach“ genannt, woraus dann später der heutige Name „Bierbach“ wurde.[10]

1563 erteilte Herzog Wolfgang von Zweibrücken dem aus Siegen stammenden Geometer und Kartographen Tilemann Stella den Auftrag, eine Beschreibung der pfalz-zweibrückischen Ämter Zweibrücken und Kirkel zu erstellen. Tileman Stella nannte den Ort „Beurbach“.[11] Dies ist die lautgeschichtliche Fortentwicklung von „Bûribach“.[12]

Bekannte Söhne und Töchter des Ortes

Ortsvorsteher

  • Hubert Feuerstein [13]

Literatur

  • Alfons Kolling: Die Villa von Bierbach. Einöd 1968.
  • Stadt Blieskastel (Hrsg.): 750 Jahre Bierbach 1230–1980. Heimatbuch, zusammengestellt v. Heinrich Ehrmantraut, Blieskastel o. J.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bierbach (Odenwald) — Bierbach Gemeinde Brensbach und Fränkisch Crumbach Koordinaten …   Deutsch Wikipedia

  • Bierbach (Gersprenz) — Bierbach Blick über den Bierbach im Vordergrund auf die nördlichen Bierbacher Gehöfte die zu Wersau gehörenVorlage:Infobox Fluss/KARTE fehlt …   Deutsch Wikipedia

  • Bierbach (Begriffsklärung) — Bierbach bezeichnet: Bierbach, ein Ortsteil der Gemeinde Blieskastel im Saarland Bierbach (Gersprenz), ein Gewässer im Flusssystem der Gersprenz in Hessen Bierbach (Odenwald), ein Weiler an der Grenze der Gemeinden Brensbach und Fränkisch… …   Deutsch Wikipedia

  • Martin Bierbach — (* 30. November 1926 in Kalbsrieth; † 9. April 1984) war Botschafter der Deutschen Demokratischen Republik. Leben Martin Bierbach erlernte den Beruf des Maschinenschlosser in der „VEB Zuckerfabrik Artern“ und trat 1948 in die SED ein. Er… …   Deutsch Wikipedia

  • Gallo-römischer Tempelbezirk Bierbach — Der Gallo römische Tempelbezirk Bierbach, der auch Tempelbezirk auf dem Rödersberg genannt wird, war ein im Bierbacher Klosterwald gelegenes antikes Heiligtum nahe den heutigen Orten Bierbach und Wörschweiler im Saarpfalz Kreis im Saarland.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bliestal-Freizeitweg — Bliestalbahn Kursbuchstrecke (DB): 686 (zuletzt) 280c (vor 1970)/ 280d (Reichskursbuch 1944) Streckennummer: 3283 Homburg Einöd 3285 Schwarzenacker Reinheim Streckenlänge: 39 km Spurweite: 1435 mm (Normalspur) Legende …   Deutsch Wikipedia

  • Bliestalbahn — Homburg/Zweibrücken–Sarreguemines Kursbuchstrecke (DB): 686 (zuletzt) 280c (vor 1970) 280d (Reichskursbuch 1944) Streckennummer (DB): 3283 (Homburg–Einöd) 3285 (Schwarzenacker–Reinheim) Streckenlänge: 39 km Spurweite: 1435 mm… …   Deutsch Wikipedia

  • Elisenhain — Pilzbewachsener Stamm Das Naturschutzgebiet Eldena (NSG Eldena) ist ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Wald im Südosten der kreisfreien Stadt Greifswald in Mecklenburg Vorpommern. Die Unterschutzstellung erfolgte am 30. März 1961 und umfasst …   Deutsch Wikipedia

  • NSG Eldena — Pilzbewachsener Stamm Das Naturschutzgebiet Eldena (NSG Eldena) ist ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Wald im Südosten der kreisfreien Stadt Greifswald in Mecklenburg Vorpommern. Die Unterschutzstellung erfolgte am 30. März 1961 und umfasst …   Deutsch Wikipedia

  • Naturschutzgebiet Eldena — Pilzbewachsener Stamm Das Naturschutzgebiet Eldena (NSG Eldena) ist ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Wald im Südosten der kreisfreien Stadt Greifswald in Mecklenburg Vorpommern. Die Unterschutzstellung erfolgte am 30. März 1961 und umfasst …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”