Bierut

Bolesław Bierut (* 18. April 1892 in Rury Brigidkowskie bei Lublin, Polen; † 12. März 1956 in Moskau, UdSSR), war ein kommunistischer polnischer Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bierut wurde als Sohn eines Dorflehrers geboren und trat schon als Zwanzigjähriger in die weit nach links orientierte sozialdemokratische Splitterpartei „PPS-Lewica“ ein, die sich später zur polnischen Kommunistischen Partei entwickelte. Schon 1927 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Polens. In der Zwischenzeit übte er mehrere Funktionen im linksgerichteten Konsumverein aus und weilte 1925–1926 und 1928–1930 in Moskau, wo er die Partei-Hochschule besuchte. In den Jahren 1930–1932 war er als Funktionär der Kommunistischen Internationale (Komintern) in Bulgarien, der Tschechoslowakei und Österreich tätig. Im Jahre 1933 wurde er von polnischen Gerichten zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt, die er im berüchtigten Gefängnis in Rawicz abbüßte, 1938 wurde er jedoch begnadigt und entlassen. Ironischerweise rettete der Gefängnisaufenthalt sein Leben, denn er entging dadurch den Stalin-„Säuberungen“, durch die die ganze Spitze der (ziemlich kleinen, etwa 30.000 Mitglieder bei der Bevölkerung von 35 Millionen zählenden) polnischen KP um 1937 liquidiert wurde. Bis zum Kriegsausbruch im Jahre 1939 arbeitete er dann als Büroangestellter in einer Warschauer Konsumgenossenschaft.

Um sich (im Alter von 47 Jahren) dem Dienst in der polnischen Armee nach dem Kriegsausbruch zu entziehen, floh er aus Warschau nach Ostpolen, das nach dem 17. September 1939 von der Roten Armee okkupiert wurde. Von dort begab er sich nach Kiew, wo er 1940 in die KPdSU eintrat. Im Jahre 1941 zog er nach Minsk, das von den Deutschen okkupiert war, und arbeitete dort beinahe zwei Jahre in der Stadtverwaltung. Auf Stalins Befehl begab er sich 1943 ins okkupierte Warschau und übernahm bald wichtige Funktionen im Zentralkomitee und Generalsekretariat der neu entstehenden polnischen Arbeiterpartei. Ab Dezember 1944 war er Vorsitzender der Provisorischen Regierung Polens. Am 24. Juli 1945 führte er die polnische Regierungsdelegation bei der Potsdamer Konferenz mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten der polnischen Exilsregierung Stanisław Mikołajczyk und dem polnischen Außenminister Wincenty Rzymowski an. Er nivellierte die Zahl der zu vertreibenden Deutschen in den umstrittenen Gebieten auf höchstens anderthalb Millionen; zu diesem Zeitpunkt müssen dagegen wohl noch etwa noch mindestens vier Millionen Deutsche angenommen werden, während eine weitere Million zurückzukehren versuchte. Er wurde 1947 vom Sejm zum Staatspräsidenten gewählt und hatte diese Funktion bis 1952 inne. Nach der Umbildung des Staates in eine „Volksrepublik“, wodurch das Präsidentenamt abgeschafft wurde, war er zuerst Vorsitzender des Staatsrats und danach Ministerpräsident; die ganze Zeit blieb er Generalsekretär bzw. Erster Sekretär des ZK. Nach dem sowjetischen Muster wurde er zum Gegenstand des Personenkults.

Mausoleum von Bierut

Im März 1956 fuhr Bierut nach Moskau, um an den Beratungen des 20. Parteitags der KPdSU teilzunehmen. Nachdem er Nikita Chruschtschows Geheimrede über den Personenkult und Stalins Verbrechen gehört hatte, erkrankte er plötzlich und verstarb in Moskau.[1] Er erhielt ein Staatsbegräbnis und ein Mausoleum auf dem Militärfriedhof in Warschau.

Bierut-Dekrete

Die nach ihn benannten Bierut-Dekrete stellten, ähnlich wie die Beneš-Dekrete in der ehemaligen Tschechoslowakei, die nach der Potsdamer (Berliner) Konferenz der drei großen Siegermächte 1945 vertraglich zum „Recht“ erhobenen Umsiedlungen, Vertreibungen und Enteignungen der deutschen Bevölkerung in Ostpreußen, Schlesien, Pommern und Ost-Brandenburg unter Straffreiheit.

Literatur

  • Czesław Kozłowski: Namiestnik Stalina, Warszawa 1993.
  • Izabella Main: President of Poland or „Stalin’s most faithful Pupil“? The Cult of Boleslaw Bierut in Stalinist Poland, in: Balazs Apor u. a. (Hrsg.): The Leader Cult in Communist Dictatorships. Stalin and the Eastern Bloc, New York 2004, S. 179–193.

Einzelnachweise

  1. http://images.zeit.de/text/2006/08/A-Geheimrede

Weblinks


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