Big Tuna

Anthony Joseph Accardo (* 28. April 1906 in Chicago; † 22. Mai 1992) war ein italo-amerikanischer Mobster und Anführer des Chicago Outfit. Ursprünglich als Antonino Leonardo Accardo geboren, wurde er auch als „Joe Batters“ und „Big Tuna“ bekannt.

Im Gegensatz zu seinem Nachfolger Sam Giancana und anderen bekannten Gangstern exponierte sich Accardo nicht in der Öffentlichkeit, so dass er nicht in die Schlagzeilen geriet. Vielleicht auch aus diesem Grunde führte er die Familie der La Cosa Nostra in Chicago - welche auch als „Chicago Outfit“ bezeichnet wird, - weit länger an, als z. B. Al Capone es getan hatte. Sein Komplize und Vorgänger Paul Ricca äußerte sinngemäß, dass Accardo bereits vor dem Frühstück mehr Hirn gezeigt hätte, als Capone über den gesamten Tag.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Accardo wuchs im Nordwesten von Chicago auf und begann seine kriminelle Karriere als jugendlicher Taschendieb. Später stahl er dann Autos. Er wurde zwar unzählige Male festgenommen, kam aber immer wieder umgehend frei ohne verurteilt zu werden. Außerdem war Accardo zusammen mit Anthony „Tough Tony“ Capezio Anführer einer kleinen Gruppierung von Jugendlichen, die durch die Straßen ihres Heimatbezirks zog und Unruhe stiftete. Mit der Zeit verliefen die Aktivitäten der Bande immer weiter außerhalb der Legalität; eine beliebte Beschäftigung der Bande war es vor allem Geld aus den Kassen verschiedener Geschäfte zu stehlen. (Ein Mitglied, welches zu dieser ethnisch-gemischten Gruppierung gehörte, war Lester Joseph Gillis, welcher 1934 als „Babyface Nelson“ zum „Staatsfeind Nummer 1“ von FBI-Chef Hoover ausgerufen wurde.)

Als die Alkoholprohibition 1920 begann, trieb er sich in der North Avenue um das Circus Cafe herum, welches dem Gangster John Edward „Screwy“ Moore gehörte, den viele nur als Claude Maddox kannten. Maddox war Mitglied der Alkohol-Schmuggelbande von John Torrio, dem damaligen Anführer des Chicago Outfit, und so begann auch für Accardo die Arbeit unter Torrio.

Dort stieg er bald zum Durchsetzter (en: „Enforcer“) auf und erarbeitete sich den Spitznamen Joe Batters. Diesen Spitznamen hatte ihm Al Capone gegeben, als er im Alter von 20 Jahren in die Bande aufgenommen wurde (und wohl auch Capones Leibwächter wurde), weil er die Köpfe zahlungsunwilliger Opfer mit dem Baseballschläger bearbeitete, während er selbst eine Baseballmütze trug. In den 1930er stieg Accardo zum Capo auf und überwachte die Glücksspielinteressen des Outfit. Später erwarb er sich den Namen Big Tuna und soll am Rande auch mit dem sogenannten Valentinstag-Massaker zu tun gehabt haben.

1931 wurde Al Capone durch Frank Nitti abgelöst, dessen Nachfolger wiederum ab März 1943 Paul Ricca wurde. Als dieser 1943 verhaftet wurde und 1945 für zehn Jahre ins Gefängnis musste, wurde Accardo sein Nachfolger, wobei unklar ist, ob er zunächst als Strohmann für Ricca tätig war, oder bereits von Anfang an eigenständig handelte. Eventuell bildeten die beiden sogar ein Führungsduo, bei dem sich das Gewicht zunehmend auf Accardo verlagerte, denn Ricca war nach drei Jahren zwar freigelassen worden, konnte aber nun nicht mehr direkt Führungsaufgaben wahrnehmen, da er von den Ermittlungsbehörden beobachtet wurde.

Jedenfalls expandierte das „Outfit“ unter Accardo beträchtlich, u.a. gelang es, die Kontrolle über Las Vegas zu gewinnen, indem der Einfluss der „Fünf Familien“ aus New York City zurückzudrängt wurde. Wahrscheinlich war damals sogar der größte Teil des Westens der USA unter der Kontrolle des Outfit. In den 1950er Jahren begannen in Las Vegas die Millionen Investitionen in diverse Spielbanken, wie z.B. das Riveriera, Stardust und das Tropicana.

Politisch gedeckt wurde der Outfit bei seinem Vorgehen durch die Verbindung zwischen Joseph P. Kennedy, dem Vater von John F. Kennedy, und Sam Giancana. Der Mob von Chicago unterstützte die Wahl von John F. Kennedy. Umso größer war sicherlich die Überraschung, als Robert Kennedy gegen das Organisierte Verbrechen vorging. Als das FBI begann, die Cosa Nostra in Chicago näher zu überprüfen, handelte Accardo ein Gentlemen’s Agreement mit den anderen Familien aus, sich nicht gegenseitig zu bekämpfen.

Auch nach seiner Ablösung als Boss war Accardo nach 1962 noch der „Consigliere“ in Chicago und spielte damit weiter eine wichtige Rolle im Tagesgeschäft, bei den sonstigen geschäftlichen Aktivitäten und bei den Auftragsmorden. Als z.B. Giancana 1965 verhaftet wurde und danach frei kam, waren es Accardo und Ricca, die ihn als Oberhaupt absetzten. Dadurch wurde Joseph Aiuppa der neue Boss. Accardos Wort hatte auch danach immer noch Gewicht.

Als z.B. im Januar 1977 in sein Haus eingebrochen wurde, gab Accardos den Befehl an Aiuppa, die Beteiligten, darunter auch Anthony Spilotro, zu beseitigen. Es wurde geradezu ein Lawine an brutalen Morden losgetreten, da jeder, der nur irgendwie mit dem Einbruch in Verbindung stand, umgebracht wurde. Die Opfer wurden dabei in der Regel vor ihrem Tod schwer misshandelt; so wurden einige kastriert, anderen wurde das Gesicht verbrannt. In der Logik der La Cosa Nostra war dies die logische Konsequenz, um Accardos Reputation zu schützen; denn ein Mafioso bei dem ungestraft eingebrochen werden konnte, dem konnte bald auch noch das Leben gestohlen werden.

Tony Accardo verbrachte nicht eine einzige Nacht in Haft und starb am 22. Mai 1992 nach Herzproblemen im Alter von 86 Jahren eines natürlichen Todes im St. Mary of Nazareth Krankenhaus.

Film

  • Accardo wurde im Fernsehfilm Der Pate und das Showgirl (Sugartime) (1995) von Maury Chaykin porträtiert.

Literatur

  • William F. Roemer, Jr.: Accardo: The Genuine Godfather, Ivy Books 1996, ISBN 0804114641

WebLinks



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