Bilanzbuchhalter

Buchhalter (en. auch accountant genannt) geben die beim geschäftlichen Verkehr eines Unternehmens anfallenden Daten finanzieller Transaktionen in die Geschäftsbücher ein, kontrollieren diese und führen am Ende einer Rechnungsperiode in der Finanzbuchhaltung vorbereitende Tätigkeiten zum Jahresabschluss durch. Zusätzlich zu der Bearbeitung der Transaktionen von Kunden (Debitorenbuchhaltung) und Lieferanten (Kreditorenbuchhaltung) fallen Aufgaben wie das Verfassen von Steuererklärungen, Lohnabrechnungen und eventuell auch Verzollungserklärungen (sofern das Unternehmen dafür keine eigene Abteilung unterhält) an. Die dem Unternehmen dienenden langlebigen Wirtschaftsgüter werden in einer Anlagenbuchhaltung erfasst. Die Buchhaltung liefert das Zahlenwerk und somit die Arbeitsgrundlage für das Controlling und stellt Informationen für die Geschäftsleitung bereit.

Buchhalter sind überwiegend als kaufmännische Angestellte tätig. In Deutschland ist in der Regel der Kaufmannsgehilfenbrief, also eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung, Voraussetzung für eine Anstellung. Buchhalter ist hier ohne weitere Zusätze keine geschützte Berufsbezeichnung. In Österreich besteht ein Ausbildungsberuf Buchhalter. Die Berufsbezeichnung im Zusammenhang mit einer selbständigen Tätigkeit ist in Österreich eine durch das Bilanzbuchhaltungsgesetz (BibuG) geschützte Bezeichnung.

Inhaltsverzeichnis

Bilanzbuchhalter (Deutschland)

Der Abschluss einer kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildung sowie drei Jahre Berufserfahrung (alternativ sechs Jahre Berufspraxis) sind Voraussetzung für eine Weiterbildung zum „Geprüften Bilanzbuchhalter“. Lehrgänge werden von verschiedenen Trägern angeboten und enden mit einer Fachkaufmann-Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Aufgaben des Bilanzbuchhalters nach § 46 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes sind:

Sofern Bilanzbuchhalter selbständig tätig sind, werden ihnen Beschränkungen durch § 6 (3) und (4) des Steuerberatungsgesetzes auferlegt. Sie dürfen im Gegensatz zum Steuerberater und zu den selbständigen Bilanzbuchhaltern in Österreich und der Schweiz keine Buchführung einrichten und keinen Jahresabschluss aufstellen. Die Bundesregierung hat am 19. September 2007 über den Entwurf eines 8. Steuerberatungsänderungsgesetzes beschlossen. Von einer zunächst geplanten Befugniserweiterung geprüfter Bilanzbuchhalter bei der Vornahme von Umsatzsteuer-Voranmeldungen wurde nach Interventionen der Steuerberaterverbände Abstand genommen.

Österreich

In Österreich werden fünf geschützte Berufsbezeichnungen für die selbständige Berufsausübung unterschieden.

Der gewerbliche Buchhalter gehört der Wirtschaftskammer an. Er besitzt weitgehende Rechte der Buchführung, Kostenrechnung und Personalverrechnung, darf jedoch nicht bilanzieren. Mit der Einführung des Bilanzbuchhalters durch das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2006 endete die Möglichkeit, diesen Beruf aufzunehmen, am 30. Juni 2008.

Der selbständige Buchhalter (SBH), ebenfalls eine geschützte Berufsbezeichnung, ist ein freier Beruf und gehörte seit seiner Einführung der Kammer der Wirtschaftstreuhänder an. Die Rechte der selbständigen Buchhalter sind im Wirtschaftstreuhandberufsgesetz (WTBG) geregelt. Selbständige Buchhalter sind im Wesentlichen zur Buchhaltung und Bilanzierung (innerhalb gewisser Umsatzgrenzen) berechtigt, nicht jedoch zur steuerlichen Vertretung im vollen Ausmaß. Beide Berufsstände wurden 1999 anlässlich der EU-rechtlich bedenklichen Rechtslage eingeführt, nach der ausschließlich Wirtschaftstreuhänder zur Buchführung für Dritte berechtigt waren – in den meisten EU-Ländern ist das ein freies Gewerbe.

Mit der Einführung des Bilanzbuchhalters durch das Bilanzbuchhaltungsgesetz 2006 endete die Möglichkeit der Aufnahme dieses Berufes ebenfalls am 30. Juni 2008. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass selbständige Buchhalter, die die Voraussetzungen zur Aufnahme des neuen Berufes Bilanzbuchhalter nicht erbringen, mit 1. April 2008 aus der Kammer der Wirtschaftstreuhänder ausscheiden mussten und der Wirtschaftskammer Österreich zugeordnet wurden.

Der Bilanzbuchhalter wurde nach langen Verhandlungen zwischen den beiden Kammern 2006 eingeführt. Bei grundsätzlich gleichen Rechten kann er seine Kammerzugehörigkeit auswählen und jährlich wechseln. Er besitzt alle Rechte der bisherigen Gewerblichen und Selbständigen Buchhalter, wird öffentlich bestellt und verfügt über erweiterte Berufs- und Vertretungsrechte. Bisherige gewerbliche und selbständige Buchhalter konnten sich bei Nachweis entsprechender Ausbildung oder Prüfung bis 31. Dezember 2007 mit erleichterten Übergangsbestimmungen zum Bilanzbuchhalter bestellen lassen. Vom Berufsumfang her entspricht der österreichische Bilanzbuchhalter eher einem deutschen Steuerberater, da er wesentliche Rechte besitzt, die in Deutschland dem Steuerberater vorbehalten sind.

Der Buchhalter und Personalverrechner (neu) wurden ebenfalls mit dem Bilanzbuchhaltungsgesetz geschaffen. Es handelt sich dabei um Teilberechtigungen des neuen Bilanzbuchhalters, die ebenfalls der Bestellung und Aufsicht durch die Paritätische Kommission unterliegen. Bis Ende 2008 wurden in den neuen Berufen 2.424 Personen bzw. Gesellschaften öffentlich bestellt.

Zu unterscheiden ist die unselbständige Ausübung der oben angegebenen Berufe. Diese ist an keine speziellen berufsrechtlichen Vorschriften gebunden.

Als Regulierungsbehörde wurde die Paritätische Kommission Bilanzbuchhaltung geschaffen.

Das Bilanzbuchhaltungsgesetz (BibuG) trat am 1. Jänner 2007 in Kraft. In einer Novellierung Anfang 2008 wurde u.a. die EU-Berufsqualifikationrichtlinie umgesetzt, die auch für ausländische Bilanzbuchhalter eine erleichterte Aufnahme der Dienstleistung in Österreich gestattet.

Schweiz

Die praktisch tätigen Fachleute des Rechnungswesens werden in der Schweiz berufsbegleitend (Duale Ausbildung) und normalerweise nicht - wie in anderen Ländern üblich - an der Hochschule ausgebildet. Ausbildung und Prüfung sind praxisorientiert und stärker spezialisiert als eine vergleichbare Hochschulausbildung. Die Prüfung hat sich aus der Meisterprüfung entwickelt. Die Diplom-Buchhalterprüfung wurde vom KV Schweiz 1909 das erste Mal durchgeführt. 1934 erhielt sie mit dem neuen schweizerischen Berufsbildungsgesetz die staatliche Anerkennung.

Dem Bilanzbuchhalter vergleichbar ist der Inhaber des eidgenössischen Fachausweises im Finanz- und Rechnungswesen. Den Fachausweis erlangt man in der Regel nach einer fachspezifischen Weiterbildung über fünf Semester. Nach weiteren fünf Semestern kann ein Diplomabschluss zum diplomierten Experten in Rechnungslegung und Controlling erlangt werden. Träger der Ausbildung und Prüfung ist der VEB Schweiz zusammen mit dem KV Schweiz.

Beides sind staatlich reglementierte höhere Fachprüfungen und gehören zur höheren Berufsbildung, die zusammen mit den Hochschulen die Tertiärstufe des schweizerischen Bildungswesens darstellt. Die Berufsbezeichnungen sind gesetzlich geschützt und anerkannte Abschlüsse mit gutem Ruf. Während Fachausweisinhaber häufig höher qualifizierte Aufgaben in der Sachbearbeitung des Rechnungswesens (wie beispielsweise die Vorbereitung des Jahrsabschlusses) übernehmen, werden aus den diplomierten Experten überwiegend (Nachwuchs-)führungskräfte für das Finanzwesen rekrutiert.

Prüfer

Externe Revisoren, nämlich Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, sowie interne Revisoren prüfen die von Buchhaltern vorgenommenen Buchungen und erstellten Jahresabschlüsse.

Siehe auch

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