Bilaterales Oligopol

Das Oligopol bezeichnet in der Mikroökonomik eine Marktform, bei der es zwar viele Nachfrager, aber nur wenige Anbieter gibt (Angebotsoligopol). Ein Oligopson ist genau der umgekehrte Fall, bei dem wenigen Nachfragern viele Anbieter entgegen stehen (Nachfrageoligopol).[1] Ein Oligopol mit genau zwei Anbietern heißt Duopol oder Dyopol, während ein Markt, auf dem wenigen Anbietern ebenfalls wenige Nachfrager gegenüberstehen, als bilaterales Oligopol (auch zweiseitiges Oligopol) bezeichnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Arten von Oligopolen

  • homogenes Oligopol: Die angebotenen Güter sind aus Sicht der Kunden perfekte Substitute, es bestehen folglich keine Präferenzen für Güter unterschiedlicher Anbieter.
  • heterogenes bzw. inhomogenes Oligopol: Die angebotenen Güter sind nur in begrenztem Maß Substitute (differenzierte Produkte).

Besonderes Kennzeichen eines Oligopols ist die Reaktionsverbundenheit zwischen der Preis- oder Mengensetzung der verschiedenen Anbieter. Bei einer atomistischen Marktstruktur (Polypol) ist dies nicht der Fall. Weil es nur wenige Anbieter gibt, hat jeder eine gewisse Marktmacht und kann durch seine Preis- oder Mengenentscheidung das Marktgeschehen beeinflussen. Folglich hängt die Nachfrage nach dem Gut eines Anbieters davon ab, wie sich dessen Konkurrenten verhalten, d. h., es besteht eine strategische Interdependenz zwischen den Anbietern. Diese Interdependenz basiert darauf, dass ein Oligopol bereits dann vorliegt, wenn einer der Konkurrenten glaubt, dass das Ergebnis einer von ihm getroffenen Entscheidung signifikant von den Entscheidungen eines oder mehreren anderen Wettbewerbern abhängig ist[2]. Im Oligopol sind sich die Verkäufer also bewusst, dass ihre Entscheidungen sich auf jene der anderen Verkäufer auswirken, die Käufer jedoch nehmen die Marktkonditionen als gegeben hin. Ein Oligopolist steht also vor einem komplexen Entscheidungsproblem, hängt die Qualität seiner Entscheidung doch maßgeblich davon ab, wie gut er seinen Einfluss auf die Entscheidungen anderer abschätzen und dieses für sich antizipieren kann. Gelegentlich können gerade Oligopole zu einem sehr intensiven Wettbewerb und damit zu Wohlstand führen. Senkt ein Anbieter den Preis, so werden die Konkurrenten ihre Preise auch rasch entsprechend anpassen, um keine Kunden zu verlieren.

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangssituation sind verschiedene Reaktionen der Marktteilnehmer denkbar:

  • Preisführerschaft: Ein Oligopolist wird von den anderen als Preisführer anerkannt. Alle Marktteilnehmer verändern ihre Preise erst dann, wenn der Preisführer den Preis verändert hat. Im statischen Fall führt dieses Verhalten zu einem sog. Stackelberg-Gleichgewicht.
  • Abgestimmte Verhaltensweisen und Kartellbildung: In engen Oligopolen lassen sich Preis- und Mengenabsprachen leicht organisieren. Diese Verhaltensweise ist dann für die Anbieter besonders attraktiv, wenn andere Formen des Wettbewerbs (Qualität, Service) ausscheiden, was vor allem bei homogenen Oligopolen der Fall ist. (Beispiele: Zucker-, Zement- und Stromindustrie)
  • Ruinöser Wettbewerb: Wenn ein Unternehmen nur überleben kann, wenn es eine gewisse Größe erreicht, besteht die Tendenz, Konkurrenten durch ein besonders aggressives Preisverhalten aus dem Markt zu drängen, worauf andere mit weiteren Preissenkungen reagieren.
  • Preisstarrheit: bei mehreren gleich starken oder schwachen Konkurrenten wagt es keiner, sein Verhalten zu ändern, weil er fürchtet, dass die Konkurrenz seine Strategie durchkreuzt.
  • Intensiver, dem technischen Fortschritt und dem Kunden dienender Wettbewerb: Ist insbesondere in weiten, heterogenen Oligopolen gegeben.

Darstellung in der Theorie

In der Theorie werden Oligopole häufig mit den Instrumenten der Spieltheorie analysiert. In einem solchen Spiel kann bei vollständiger Information jeder Anbieter die optimale Reaktion der Konkurrenten antizipieren. Ein Marktgleichgewicht (Nash-Gleichgewicht) liegt dann vor, wenn kein Anbieter einen Anreiz hat, seine Menge bzw. seinen Preis zu verändern (was entsprechende Reaktionen der Mitbewerber hervorrufen würde).

Oligopolmodelle

  • Cournot-Oligopol: Markt, auf dem die Teilnehmer vorab simultan über die Angebotsmengen entscheiden
  • Stackelberg-Wettbewerb: Markt, auf dem die Teilnehmer vorab hintereinander über die Angebotsmengen entscheiden
  • Bertrand-Wettbewerb: Markt, auf dem die Teilnehmer vorab simultan über die Angebotspreise entscheiden
  • Preisführerschaft: Markt, auf dem die Teilnehmer vorab hintereinander über die Angebotspreise entscheiden
  • Kreps-Scheinkman-Modell: Markt, auf dem die Teilnehmer zunächst simultan über den Aufbau von Kapazitäten und danach simultan über die Angebotspreise entscheiden
  • Hotelling-Modell: Markt, auf dem die Teilnehmer vorab über ihre Positionierung (räumlich oder durch Produktvarianten) entscheiden
  • Sweezy-Modell: Markt, auf dem der Preis als Wettbewerbsoption der Teilnehmer entfällt, da dieser quasi starr bleibt und somit nur Größen wie Werbung und Serviceleistungen entscheiden.
  • (( Drei D Modell)): Stringer und Rudnik beschreibt das Oligopol aus drei Dimensionen.

Rechtliche Konsequenzen

Direkte Preisabsprachen sind nach dem Wettbewerbsrecht verboten, da sie zu einem Effekt führen können, der den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand negativ beeinflusst. Sozialer Überschuss wird dadurch vermindert, dass die Produzenten die Konsumenten ausnutzen.

Durch die Vielfalt „eigenständiger Marken“ kann ein Oligopol verschleiert werden [3]. Unter anderem ist der Handel mit CDs und anderen Tonträgern ein Oligopol weniger Anbieter, die einen Marktanteil von knapp 72 % (2004) haben. Durch die Heterogenität der Produkte und die geringe Preiselastizität der Nachfrage, befand sich der Markt in der Vergangenheit in einer sehr starken Preis- und Organisationsstruktur.

Beispiele

Zwei Trinkwasseranbieter, Nestlé/Perrier und BSN, hat die Europäische Kommission im Rahmen einer Fusionskontrollprüfung als Duopol angesehen. Sie könnten aufgrund ihrer Reaktionsverbundenheit auch ohne Absprachen das Angebot so verknappen und damit den Marktpreis in die Höhe treiben (siehe auch Kollusion).

Auf dem deutschen Strommarkt gibt es ein Oligopol. Der Strommarkt ist im Wesentlichen unter den vier Großkonzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall aufgeteilt, die gemeinsam 80 % des Erzeugungsmarktes kontrollieren. Der Marktführer E.ON kontrolliert allein 34 %.

Auch im Fahrtreppenbau gibt es ein Oligopol. Auf dem deutschen Fahrtreppenmarkt gibt es heute nur noch vier Fahrtreppenhersteller: Otis Elevator Company, Schindler Aufzüge, Thyssen Krupp Elevator und KONE.

Ein weiteres Beispiel ist der Mobilfunkmarkt: es gibt in Deutschland vier Netzbetreiber, nämlich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2, denen Millionen von Mobilfunknutzern gegenüberstehen.

Weiterführende Literatur

  • Ludger Steckelbach: Wirkungen wettbewerbspolitischer Regulierungen auf oligopolistischen Märkten, Verlag Dr. Kovac. ISBN 3-8300-0594-6
  • Hal R. Varian: Grundzüge der Mikroökonomik, Oldenbourg Verlag. ISBN 3-486-25543-6
  • Wilhelm Pfähler/Harald Wiese: Unternehmensstrategien im Wettbewerb - Eine spieltheoretische Analyse, Spinger Verlag, Heidelberg, zweite Auflage 2006, ISBN 3-540-28000-6.

Siehe auch

Weblinks

  • Microeconomics by Elmer G. Wiens: Online Interactive Models of Oligopoly, Differentiated Oligopoly, and Monopolistic Competition

Einzelnachweise

  1. Arthur Woll (2000) Wirtschaftslexikon, 9. Auflage, R.Oldenbourg Verlag, München, S.564
  2. Gravelle, Hugh und R. Rees (1992) Microeconomics, Pearson Education, London, 2. Aufl., S. 298
  3. Mogelpackung Wettbewerb: Die Vielfalt der Einkaufstüten täuscht – viele Marken gehören zu wenigen Konzernen | ZEIT online

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