Bildnis einer vornehmen Dame
 
Bildnis einer vornehmen Dame
Bernhard Strigel, 1520
Öl auf Leinwand
Antoniterkloster Memmingen

Das Bildnis einer vornehmen Dame ist das in der Spätgotik in Öl auf Leinwand gemalte Porträt einer vornehmen Frau des Memminger Malers Bernhard Strigel aus dem Jahre 1520. Das Bild stammt aus der Sammlung Pannwitz und ist seit dem Jahre 1966 im Eigentum der Sparkasse Memmingen – Lindau – Mindelheim.[1] Es befindet sich als Leihgabe im Antoniterkloster in Memmingen, Bayern.

Der Memminger Bernhard Strigel war der Hofporträtist des für die Belange der Kunst aufgeschlossenen Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Maximilian I. Der Maler war zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Werkes 60 Jahre alt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ein dunkelblauer Himmel nimmt die obere Hälfte des Bildes ein. Nur in der Anfangsphase seines Schaffens hat Strigel mit Hintergründen aus Goldgrund gearbeitet. Auch gibt es die Landschaft nicht nur als Fensterausschnitt wie beim Bildnis der Kaiserin Bianca Maria Sforza oder beim Porträt des Wiener Neustädter Kaisers selbst. Schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fingen niederländische Porträtmaler an, Innenräume durch Fensterausschnitte abzulösen.

Das Gemälde mit dem historischen Rahmen

Den unteren Teil des Bildes bestimmt eine jahreszeitlose, in warmen Farben abgestimmt gehaltene Landschaft. Ein schlossartiges Gebäude linker Hand und eine Kirche rechter Hand stehen harmonisch auf je einer Erhöhung. Im Vordergrund sehen wir das Brustbild der jungen anmutigen Frau. Ihr Blick ist nachdenklich in die Ferne gerichtet. Ihr linker Arm schließt das Bild horizontal ab. Sie hält ein Blumensträußchen in der Hand. Der Wappenring am Finger der Dame ist undeutlich ausgeführt, somit ist hiervon kein Rückschluss auf die Person möglich. Brustbilder wurden noch im frühen 15. Jahrhundert ohne Darstellung der Hände gemalt. Das helle rosafarbene Gesicht der Frau und die creme-farbene Haube heben sich vom Goldbrokat des Kleides ab. Die Ausstattung mit Schmuck verweist auf eine adelige Dame, ebenso der reich verzierte Brokatstoff des Dekolletés. Auch geschlitzte und gepuffte Ärmel waren ein adeliges Vorrecht bei der Kleidung.

Man kann aufgrund der Haube davon ausgehen, dass es sich um eine verheiratete Frau handelt. Eheverträge wurden in den damaligen Zeiten oft gemalt. Ein Ehemann ist hier nicht dargestellt. Die vornehme Dame auf dem Bildnis blickt nach links. Dem Ehemann war die, heraldisch gesprochen, rechte bessere Hälfte vorbehalten. Möglicherweise ist ihr Mann der Apotheker Huldreich von Wolfhard, der auf einem zu diesem Bild passenden Gemälde von Strigel porträtiert wurde.

Beurteilung

Antoniter Kloster heute Strigel Museum

Das Bild zeigt das schmiegsame malerisch Weiche und Differenzierte des späten Bernhard Strigel. Das Gesicht hat die bei Strigel typische lange große Nase mit hervorspringender Kinnpartie. Dem späten Strigel gelingt es Figur und Landschaft zu verbinden. Strigels Malerei begibt sich mit diesem Porträt auf den Weg in die Renaissance, in die Welt der Verselbständigung der Persönlichkeit und zur Emanzipation des Individuums. Beim Betrachten des Bildes wird einem klar, warum der Kaiser Strigel auswählte und nicht etwa den bedeutenderen Dürer oder einen der Augsburger Maler Burkmaier und Breu, die der Kaiser auch alle kannte. Strigel nimmt in der Porträtkunst bis heute einen besonderen Platz in der Kunstgeschichte ein und das Porträt ist ein Beleg für sein Talent. Das Gutachten für das Porträt stammt von Prof. Alfred Stange aus dem Jahre 1966. Er kam 1966 zu dem Schluss, dass es eines der späten Werke des Malers ist und datierte es auf das Jahr 1520. Der Gutachter befindet außerdem, dass das Bild zu Strigels Meisterwerken zu zählen ist.

Nach dem reformatorischen Bildersturm wurde es für Künstler zunehmend schwieriger Aufträge zu bekommen. Darstellung von Heiligen waren nun als Götzenbilddarstellung verpönt. Die meisten Künstler in den sich zur Reformation bekennenden Reichsstädten wurden mit einem Berufsverbot belegt. Doch die Künstler waren erfindungsreich und verlegten sich auf das Porträtmalen von reichen Kaufleuten und dem Adel.

Malerei der Spätgotik

Die Malerei der Spätgotik befreit sich aus der Umklammerung biblischer Heiligen-Malerei oder weltlicher Historienmalerei. Die Reformation mit all ihren Umwälzungen stand vor der Tür, die Loslösung des Individuums aus der großen Gemeinschaft. Stärkere Betonung seiner einmaligen geistigen und körperlichen Eigenheiten sind die Stichworte dieser Entwicklung seit dem Jahre 1500 in Richtung Moderne.

Literatur

  • Gertrud Otto: Bernhard Strigel. München/Berlin 1964.
  • Staatsgalerie Augsburg, Städtische Kunstsammlung, Band I. Altdeutsche Gemälde. Katalog, hrsg. von den Bayrischen Staatsgemäldesammlungen, München 1988
  • Elisabeth Wiemann: Altdeutsche Malerei. Staatsgalerie Stuttgart, hrsg. vom Stuttgarter Galerieverein e.V., Stuttgart 1989

Einzelnachweise

  1. Memminger Zeitung: Schöne Frauen 17. Januar 2009

Weblinks

 Commons: Bernhard Strigel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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