Bildniskopf
Porträtbüste der Nofretete (etwa 1338 v. Chr.)
Max Liebermann: Bildnis Fräulein Hedwig Ruetz, 1903

Ein Porträt (auch Portrait; v. frz. portrait) ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere künstlerische Darstellung einer oder mehrerer Personen. Die Absicht eines Porträts ist, neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit auch das Wesen, bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck zu bringen. Daher zeigt das Porträt typischerweise das Gesicht der Person.

Zahlreiche namhafte Maler, Graphiker und Bildhauer haben sich intensiv mit Porträts befasst und dadurch zur Entwicklung einer großen Darstellungsvielfalt beigetragen. Die Porträtmalerei als Thema der Malerei hat seit dem 17. Jahrhundert sehr stark an Bedeutung gewonnen. Seit dem 19. Jahrhundert hat die Fotografie als Darstellungsmedium die Porträtmalerei ergänzt, und ist auch in die Filmkunst als szenisches Element eingegangen.

Die Darstellungsformen werden bezeichnet nach der Anzahl der dargestellten Personen, dem Ausschnitt der Figur und nach deren Haltung zum Betrachter. Überdies werden Bildnisse auch nach ihrer Funktion oder thematischen Auffassung differenziert, wie z. B. als Herrscher- oder Kostümbildnis.

Inhaltsverzeichnis

Formen der bildlichen Darstellung

Je nach der Anzahl der dargestellten Personen werden Porträts klassifiziert in Dreifach-, Doppel- und Gruppenporträts.

Nach dem Ausschnitt

Bezeichnungen für den gewählten Ausschnitt der Bildnisdarstellung:

  • Ganzfigur: Darstellung stehend oder sitzend. Als Skulptur auch Statue (Standbild) oder Statuette
  • Kniestück: mit Einbeziehung der Knie, stehend oder sitzend
  • Hüftbild: Oberkörper bis zum Schritt
  • Halbfigur: Oberkörper bis zur Taille, unter Einbeziehung der angewinkelten Arme mit den Händen
  • Bruststück: Kopf mit einem Großteil des Oberkörpers, Schultern und Armabschnitten
  • Schulterstück oder Büste: Die Schulteransätze sind miteinbezogen und das Porträt endet auf Achselhöhe
  • Kopfbild: Darstellung mit dem Hals (Halsabschnitt), ohne jeglichen Teil des Rumpfes.
Siehe auch: Einstellungsgröße, zum analogen Begriff des Films

Nach der Kopfhaltung

Bezeichnung für die Kopfhaltung des Dargestellten bzw. den Blickwinkel[1]:

  • Frontalansicht (en face): Das Gesicht ist direkt auf den Betrachter gerichtet.
  • Dreiviertelprofil: Das Gesicht ist leicht aus der Frontalansicht gedreht.
    Wegen der Rundung des menschlichen Kopfes wird die dem Betrachter zugewandte Seite des Gesichts voll, die vom Betrachter abgewandte Seite stark verkürzt wiedergegeben. Sie liegt dann auch oft im Schatten.
  • Halbprofil: das Gesicht so von der Seite dargestellt, dass das zweite Auge zu erkennen ist.
  • Viertelprofil: ein Überwiegen von en profil gegenüber der Halbansicht.
  • Profilansicht (en profil): Das Gesicht wird von der Seite abgebildet.
    Diese Art des Malens des Schattenrisses wurde oft im 15. Jahrhundert angewandt, da es der zeitgenössischen Forderung nach Überprüfbarkeit und Genauigkeit entsprach.
  • Verlorenes Profil (profil perdu): „Dreiviertelansicht von hinten“, es sind nur die Konturen der Wangenknochen erkennbar.

Selbstporträt

Das Porträt eines Künstlers von sich selbst bzw. seinem eigenen Bild ist das Selbstporträt. Selbstporträts zählen zu den berühmtesten Werken zahlreicher Künstler. Weltweite Verbreitung hat die Porträtfotografie erlangt.

Idealporträt

Bereits aus griechischer Zeit bekannte Bildnisgestaltung. Das Idealporträt stellte ein, dem Künstler nicht persönlich bekanntes Individuum als erfundener Charaktertypus dar (z.B. Köpfe des Homer), die das Wesen, nicht jedoch die realistische Gestalt der betreffenden Person versinnbildlichen sollten.

Das Porträt in Kunst und Kultur

Geschichte

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Carl Spitzweg: Der Porträtmaler, um 1860

Frühe Beispiele von Porträtmalerei sind die so genannten Mumienporträts aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, und die römischen Kaiserporträts.

Nach der Antike entstehen die ersten profanen Porträts lebendender Personen, die den Rahmen religiöser Darstellungen verlassen, in Europa Mitte des 14.Jahrhunderts (Spätgotik). Das älteste ist das Seitenporträt König Johanns des Guten, das als Gegenstück das Porträt seiner Frau Johanna hat. Das älteste Frontalporträt ist das von Herzog Rudolf IV. von Österreich.

In der modernen Auftragsmalerei entsteht der Porträtentwurf oftmals durch die Fotokamera. Das Ölporträt wird auf Basis einer – gegebenenfalls im Computer verfremdeten oder bearbeiteten – Fotografie ausgeführt. Es kommt zu einer neuen künstlerischen Arbeitsteilung des Porträts als Ölgemälde beschränkt, wird das Motiv selbst durch den Fotografen oder gar einen privaten Auftraggeber entworfen.

Die Geschichte des Portraitzeichnens

· Die Darstellung der menschlichen Figur gehört zu den ältesten Motiven der Geschichte der Malerei · Doch das Darstellen des Kopfes als charaktergebenden Teil des Körpers, kam erst in der späten Klassik und der Neuzeit (Dürer) · Vorher hat man den Mensch nur als Ganzes gesehen · Man beschränkte es auf Gegenstände wie z.B. Speer, Krone, Standesabzeichen um individuelle und persönliche Kennzeichen darzustellen

· Gesichter wurden in den Menschendarstellungen der Steinzeit gar nicht oder nur schematisch dargestellt

· In der ägyptischen Kunst entstanden die ersten porträtähnlichen Plastiken und Malereien (Grabmalkunst) - die ersten ägyptischen Porträts hatten religiösen Charakter - oft wurden auch Könige porträtiert - bereits 2600-2160 vor Christus gab es Bilder mit individuellen Portraits (auch Gruppenbilder) - um 1551-1070 vor Christus erreichte die persönliche Portraitdarstellung ihren Höhepunkt in Ägypten, es gab Modellbüsten wie z.B. Nofretete

· in der griechischen Antike legte man erst wenig Wert auf Portraitähnlichkeit - sie sollten eher idealisierte Menschendarstellungen sein und Phantasiedarstellungen (Homer)

· im späten Hellenismus um 320-100 vor Christus bildet sich jedoch ein neues Bewusstsein und der denkende Mensch wird wichtiger (es entstehen die ersten Kopfbilder auf Münzen, z-B. Alexander der Große).

· dies setzte sich im römischen Portrait fort, das den Menschen in seiner Vergänglichkeit darstellt - es wird nicht idealisiert und nicht geschönt - es war eine besonders starke Epoche der Portraitkunst - es entstanden viele Plastiken und Büsten, die dem griechischen nachgeahmt wurden

· im Mittelalter bis zum 14 Jhr. gab es keine individuellen Menschendarstellungen und Portraits, da die Menschen sich auf die Religion konzentrierten

- auf Grabdarstellungen waren die Personen schemenhaft - · ab 14. Jh. Bedürfnis nach naturnaher Sachtreue, der Wunsch nach Portraitähnlichkeit rückte näher( Bildhauer Peter Parler und Jan van Eyck)

· In Europa beginnt das Portraitieren in der Zeit der Renaissance (Albrecht Dürer, Selbstbildnisse, Einmaligkeit des Individuums, Religion tritt in den Hintergrund, Maler als Künstler nicht mehr Handwerker, Studien ...)

Es folgen Leonardo da Vinci (Mona Lisa), Raffael.

· Um 1600 Durch die neue Lasurtechnik und den lockeren Pinselstrich als Stilmittel verleiht es den Portraits Lebendigkeit (Rembrandt van Rijn) - Impulse aus der höfischen Malerei (Ende des 18. jh.) - In Frankreich tritt nach Barock und Rokoko das Bedürfnis nach Strenge auf. - Im Klassizismus wenden sich die Maler in Frankreich wieder der portraithaften Idealisierung zu.

· Im Impressionismus geht es jedoch wieder um konsequenten Naturalismus (Monet, Renoir, Liebermann) · im 20. Jh., in der modernen Kunst, ist das malerische Portrait kein zentrales Thema.

- Naturbildnisse

- Wissenschaft: Fotographie

· Dennoch bleibt das Portrait aktuell und fasziniert große Maler der Moderne (Pablo Picasso, Oskar Kokoschka, welcher die impressionistisch Maltechnik fortsetzt, indem er ihr eine expressionistisch Wendung gab)

· In der neueren und neuesten Kunst wird nahezu völlig auf das Portrait verzichtet, der Kopf ist nur noch ein Motiv unter vielen anderen.

Funktion des Portraitierens

Portraits haben immer einen memorialen Aspekt, dienen also der Erinnerung an einen Menschen, in seiner Persönlichkeit, oder in einem bestimmten Moment seines Lebens. Ausdrücklich zum ersten Aspekt gehören die ägyptischen Mumienportraits ebenso wie Stifterbilder und Totenmasken, zum zweiten etwa Hochzeitsfotos, oder die Inthronationsportraits eines Monarchen oder einer Monarchin.

In der Politik wird ein Herrscherbild oder das Porträt eines Regierungschefs oft als staatliches Symbol gebraucht, es ziert öffentliche Gebäude, Banknoten oder auch Briefmarken, und kann auch Ziel oder Mittel eines Personenkults darstellen.

Siehe auch

Literatur

  • Dagmar Hirschfelder: Tronie und Porträt in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Berlin 2008. 
  • Sylvia Asmus, Brita Eckert: „Meinem besten Porträtisten …“ – Porträtfotografien und -zeichnungen aus den Beständen des Deutschen Exilarchivs 1933–1945. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 und der Deutschen Bibliothek. Die Deutsche Bibliothek, Leipzig/Frankfurt am Main/Berlin 2005. 
  • Daniel Spanke: Porträt – Ikone – Kunst. München 2004. 
  • Andreas Beyer: Das Porträt in der Malerei. München 2002. 
  • Philipp Zitzlsperger: Gianlorenzo Bernini. Die Papst- und Herrscherporträts. München 2002. 
  • Andreas Köstler, Ernst Seidl: Bildnis und Image. Das Porträt zwischen Intention und Rezeption. Köln 1998. 

Weblinks

Quellen

  1. P.W. Hartmann: Das grosse Kunstlexikon. In: BeyArs.com. http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_a.html (8. November 2006)

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