Bildschirmarbeitsplatz
Ungewöhnlicher Bildschirmarbeitsplatz

Der Bildschirmarbeitsplatz ist eine gebräuchliche Bezeichnung für einen Arbeitsplatz in der elektronischen Datenverarbeitung (EDV). Er besteht aus einem Bildschirm, Eingabegeräten wie Tastatur und Zeigegerät und einer Software, der Schnittstelle Mensch – Maschine, sowie einem Bürostuhl, einem Arbeitstisch und weiteren optionalen Ablagemöglichkeiten; ferner gehören zusätzliche Geräte wie z. B. das Telefon dazu. Bildschirmarbeitsplätze gibt es in allen Büros und Bereichen von Verwaltungen.

Inhaltsverzeichnis

Rechtliche Definition

Beschäftigte die gewöhnlich bei einem nicht unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit ein Bildschirmgerät benutzen, unterliegen der EG-Richtlinie 90/270/EWG vom 29. Mai 1990 über Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmgeräten. In Deutschland wurden mehrere EG-Richtlinien, darunter die EG-Richtlinie 90/270/EWG aufgrund der Ermächtigung nach § 19 Arbeitsschutzgesetz durch die Bundesregierung eine Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten (BildScharbV) vom 4. Dezember 1996 erlassen.

Optisch-Visuelle Faktoren

Abstimmung ergonomisch relevanter Einflussfaktoren erfordern Berücksichtigung optisch-visueller Gesichtspunkte, so dass Kompatibilität mit den diversen Leistungsfunktionen besteht (Adaptation, Akkommodation und Fixation, Sehschärfe, Wahrnehmungstiefe und -zeit).

Bei Negativdarstellung (helle Zeichen auf dunklem Grund) entstehen zeitbehaftete und belastende Adaptionsvorgänge des Auges, wenn zwischen Bildschirm und gedruckter Information gewechselt wird. Daher ist die Positivdarstellung (dunkle Zeichen auf hellem Grund) zu bevorzugen.

Helle Bildschirmarbeitsplätze sind (abgesehen von Dunkelräumen) im Hinblick auf Blendung günstiger, da sich Reflexionen oder Störlichtquellen auf hellem Hintergrund weniger spiegeln. Mangelnde Zeichenschärfe im seitlichen Gesichtsfeld führt zu Kopfschmerzen, sowie tränenden und brennenden Augen. Die Bildfolgefrequenz sollte größer sein als die Flimmerverschmelzungsfrequenz (~50Hz).

Unter dem Begriff Starrer Blick oder Office Eye Syndrome wird bei der Computerarbeit die konzentrierte Fixierung der Bildschirmdarstellung und -inhalte verstanden. Durch die Fixierung des Bildschirms „vergisst“ das Auge quasi den Lidschlag (der Lidschlag wird unbewusst unterdrückt). Der regelmäßige Lidschag ist essentiell wichtig für den Aufbau des Tränenfilms, denn bei jedem Lidschlag wird die für den Tränenfilm schützende Lipidschicht über den Tränenfilm erneut aufgetragen und stabilisiert. Die Lipidschicht verhindert die Verdunstung oder das Ablaufen des Tränenfilms vom Auge und verhindert somit die Entstehung des Trockenen Auges (Keratoconjunctivitis sicca).

Geräteeinstellung

Im Hinblick auf Reflexionsblendungen sind die matten Oberflächen vorteilhaft. Seitlicher Tageslichteinfall im Raum dient dazu, Blendwirkungen und Kontrastreduzierung zu vermeiden. Bei Farbbildschirmen mit maximal 5 Vordergrundfarben sollte auf im Grenzbereich liegende Spektralfarben wie Rot und Blau verzichtet werden, da das Auge hier am wenigsten empfindlich ist und diese Farben nicht gleichzeitig scharf gesehen werden können, so dass die Akkommodation zusätzlich gefordert ist (Akkomodationsdifferenzen aufgrund chromatischer Aberration).

Raumbeleuchtung und Abstand

Ein Absolutwert für eine gute Beleuchtung kann nicht angegeben werden. Bei der Gestaltung guter Beleuchtungsverhältnisse sollten folgende Punkte Berücksichtigung finden:

  • angemessene Beleuchtungsstärke
  • Gleichmäßigkeit der Beleuchtung (harmonische Leuchtdichteverteilung)
  • Begrenzung der Blendung
  • Kontrast
  • Lichtrichtung
  • Schatten
  • Lichtfarbe
  • Farbwiedergabe
  • Interferenz

Eine große Bedeutung für die Beurteilung der Beleuchtung hat die Beleuchtungsstärke (Beleuchtungsstärke E=Lichtstrom/Fläche). Die Beleuchtungsstärke sollte umso höher sein, je schwieriger die Sehaufgabe ist. Um Kontraste richtig wiederzugeben, muss im Arbeitsbereich eine möglichst gleichmäßige Beleuchtungsstärke herrschen. In der DIN 5035 sind die für bestimmte Sehaufgaben erforderlichen Nennbeleuchtungsstärken festgelegt. Die Nennbeleuchtungsstärke ist dabei als der empfohlene örtliche und zeitliche Mittelwert der Beleuchtungsstärke definiert und bezieht sich auf den mittleren Alterungszustand der Beleuchtungsanlage.

Für allgemeine Beleuchtungszwecke sollte die Lichtrichtung parallel zur Blickrichtung verlaufen. Die Innenraumbeleuchtung mit Tageslicht erfolgt durch Fenster. Diese haben neben der Beleuchtung noch die wichtige Aufgabe, eine Sichtverbindung zwischen Arbeitsplatz und Außenwelt herzustellen. Da das Tageslicht großen tages- und jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist, hat man zur Beurteilung von Tageslicht den sog. Tageslichtquotienten eingeführt. Das Tageslicht fällt insbesondere in tiefen Räumen zur Raumtiefe steil ab.

Für die Künstliche Beleuchtung wird oftmals auf sogenannte Bildschirm-Arbeitsplatz-Leuchten (BAP-Leuchten) zurückgegriffen. Diese Leuchten müssen eine Blendbewertung (UGR-Wert) ≤ 19 besitzen, um offiziell als BAP-Leuchte ausgewiesen zu werden.

Die räumliche Anordnung soll die maximale Entlastung des Akkomodationsapparates gewährleisten. Der empfohlene Abstand des Bildschirms wäre demnach etwa 50 cm, bei Menschen ab 50 Jahren circa 70 - 80 cm. Der Abstand der Tastatur zur Tischkante sollte im Idealfall eine halbe Elle betragen, so dass die Handballen bequem aufliegen können.

Flimmernde Lichtquellen (auch oberhalb der Grenze der Flimmerverschmelzungsfrequenz) führen nachweislich zu schnellerer Ermüdung der Augen[1]. Bisher wenig beachtet ist die Tatsache, dass die Kombination flimmernder Beleuchtungsquellen wie Leuchtstofflampen in Verbindung mit der Nutzung flimmernder CRT-Bildschirme zu Augenbeschwerden führen kann.[2] Vermutlich verstärkt die Überlagerung unterschiedlicher Flimmerfrequenzen Ermüdungserscheinungen der Augen.

Es sollte beachtet werden, dass nicht nur CRT-Bildschirme sondern auch Leuchtstofflampen mit konventionellen Vorschaltgeräten flimmern, was ebenso zu schnellerer Ermüdung führt. Durch den Einsatz elektronischer Vorschaltgeräte lässt sich dies vermeiden.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. IAW Uni Bremen: Ergo-T.I.M.E. Online Version vom 23. September 2007
  2. E. Lawrence Bickford: Computers and Eyestrain. Revised 19. Januar 1996

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