Bildstelle

Medienzentren (vormals Bildstellen) versorgen Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen mit geeigneten Medien, beraten sie über deren Einsatz und bilden Lehrkräfte medienpädagogisch und -technisch weiter. Die Förderung von Medienkompetenz, die modellhafte Entwicklung interaktiver Unterrichtsformen mit Hilfe multimedialer Werkzeuge, der Support für schulische Netze und sachgerecht erschlossene Mediendatenbanken sind Bestandteile des heutigen Programms. Medienzentren in staatlicher, kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft folgen einem gemeinnützigen Bildungsauftrag.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ursprünge der Bildstellen – wie Medienzentren bis in die 1990er Jahre genannt wurden – waren Sammlungen von Lichtbildreihen für den Unterricht. Nachdem mit der Elektrifizierung und der Entwicklung von Projektoren die technischen Voraussetzung für die Präsentation von Diapositiven in der Schule geschaffen waren, setzte seit etwa 1905 eine intensive Beschäftigung mit den didaktischen Möglichkeiten des neuen Mediums ein. In zahlreichen Städten und Regionen Deutschlands propagierten engagierte Pädagogen den Nutzen des Lichtbilds für den Unterricht und bemühten sich um die Errichtung von Verleihstellen. Als eine der ersten Bildstellen entstand um 1910 die Lichtbildstelle im westfälischen Soest. Gründer war der Lehrer Heinrich Genau, der durch die Beschaffung und den Verleih entsprechender Bilder vor allem die Heimat- und Jugendpflege fördern wollte. Anfang 1917 wurde die Soester Stelle durch die Bezirksregierung Arnsberg als „Lichtbilderhauptstelle für die Jugendpflege im Regierungsbezirk Arnsberg“ anerkannt.

Wenig später kam der Verleih von Unterrichtsfilmen, die seit den 1920er Jahren weithin anerkanntes Instrument der Schulpädagogik und -didaktik sind, als weiterer Gründungsanstoß für Bildstellen hinzu. Zum Angebot gehörte auch immer die Einweisung in die Bedienung der Geräte. 1934 ordnete ein Zentralerlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung die flächendeckende Gründung von Kreis-, Stadt- und Landesbildstellen an. Die Bildstellen wurden in der Folge zu einem wichtigen Instrument nationalsozialistischer Schulpolitik. Nach 1945 kamen zusätzlich zu Diaserien und 16mm-Filmen Schulfernsehen und Schulfunk auf; Folien für den Tageslichtprojektor sowie Gerätereparatur ergänzten das Angebot. Die VHS-Videokassette setzte sich in den 1970er Jahren durch und wird seit den 1980er Jahren durch digitale Medien auf CD und DVD verdrängt. Seither halten auch Software und Multimediapakete auf diesen Datenträgern Einzug; seit Anfang des 21. Jahrhunderts etabliert sich zudem die Onlinedistribution von Medien über Breitbandnetze. Der unterrichtsbezogenen Erschließung und Begutachtung des Materials kommt dabei entscheidende Bedeutung zu.

Das flächendeckende System der Landesbildstellen, Kreis- und Stadtbildstellen ist seit den 1990er Jahren in einigen Bundesländern teilweise aufgelöst worden. Da die Ausstattung der Schulen mit Medien Aufgabe der Schulträger ist (die dieses i. d. R. an die Kreise delegiert haben), haben die Länder nur beschränkten Einfluss auf den Erhalt der Medienzentren. In einigen Ländern (wie z. B. Baden-Württemberg, Sachsen und Hessen) ist die flächendeckende Versorgung noch gewährleistet. In anderen Ländern übernehmen teilweise Bibliotheken, schulnahe Behörden und Dienstleister diese Aufgaben. Auch wird versucht, den traditionellen Medienverleih durch Internet-basierte Distributionsmodelle zu ersetzen.

Andere Wortverwendungen

Einzelne Mediengesellschaften aus Film, Print und anderen Sparten (z.B. die Verlagsgesellschaft Madsack in Hannover) bezeichnen Standorte als Medienzentrum, an denen Medien produziert, gesendet oder vermarktet werden.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Medien, Bildung und Vision. 75 Jahre Bildstellen/Medienzentren. 50 Jahre FWU, Lahnstein 2000.
  • Medienkompetenz in kommunaler Verantwortung – Ergebnisse einer Werkstatt von Medienzentren in NRW, hg. vom LWL-Medienzentrum für Westfalen und dem Medienzentrum Rheinland, Münster/Düsseldorf 2005.
  • Markus Köster: Fotografien als Medien der Heimatpflege Entstehung, Funktion und Bildprogramm westfälischer Lichtbildreihen der Jahre 1912 bis 1939, in: Westfälische Forschungen 58(2008).

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