Bildungssystem in Italien

Das Bildungssystem in Italien wird im Allgemeinen durch nationale Gesetze geregelt und ist daher weitgehend einheitlich. Innerhalb der Exekutive ist das Ministerium für Unterricht, Universitäten und Forschung für das Schul- und Hochschulwesen zuständig. Für die Berufsbildung gibt es einen einheitlichen strukturellen Standard, das Nähere regeln auch Regionen und Provinzen. Autonome Gebietskörperschaften wie Südtirol haben im Bildungsbereich erweiterte Zuständigkeiten und Aufgaben.

Das italienische Schulsystem untergliedert sich horizontal in mehrere Stufen. Der Vorschulbesuch ist nicht obligatorisch, jedoch üblich. Die Primarstufe und die Sekundarstufe I umfassen zusammen acht Jahrgangsstufen. Jugendliche wechseln in der Regel im Alter von 14 Jahren in die weiterführenden Schultypen der Sekundarstufe II. Hochschulen verschiedener Art und höhere Berufsbildungseinrichtungen bilden den tertiären Bildungsbereich. Von wenigen Ausnahmen abgesehen gehört die Erwachsenen- und Weiterbildung nicht zum staatlichen Bildungssystem im engeren Sinn.

Grundsätzlich besteht in Italien für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 16 Jahren eine zehnjährige Schulpflicht. Wer danach die Schulausbildung nicht fortsetzen will, muss bis zum vollendeten 18. Lebensjahr eine Berufsausbildung absolvieren. Der Schulbesuch ist gebührenfrei, für Schulbücher und Unterrichtsmaterialien müssen die Familien aufkommen.

Inhaltsverzeichnis

Übersicht

Alter Schulstufe Dauer Italienische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung
3 - 6 Vorschulstufe 3 Jahre Scuola dell`Infanzia Kindergarten
6 - 11 Primarstufe 5 Jahre Scuola Primaria Grundschule
11 - 14 Sekundarstufe I 3 Jahre Scuola Secondaria di Primo Grado Sekundarschule
14 - 19 Sekundarstufe II 3 bis 5 Jahre Liceo
Istituto Tecnico
Istituto Professionale
Gymnasium
Fachoberschule
Berufsfachschule
ab 19 Tertiärbereich 1 bis 8 Jahre Università
Istruzione e Formazione Tecnica Superiore
Hochschulen
Berufshochschulen

Die oben genannten Bezeichnungen der Schultypen wurden 2004 zum Teil neu eingeführt, die alten Namen sind weiterhin sehr verbreitet. Folgende Schultypen wurden umbenannt:

  • Scuola Materna in Scuola dell'Infanzia,
  • Scuola Elementare in Scuola Primaria,
  • Scuola Media in Scuola Secondaria di Primo Grado.

Bei den Schulstufen ergaben sich folgende Veränderungen:

  • scuole elementari in istruzione primaria (Primarstufe)
  • scuole medie inferiori in istruzione secondaria di primo grado (Sekundarstufe I)
  • scuole medie superiori in istruzione secondaria di secondo grado (Sekundarstufe II)
  • scuole superiori in istruzione superiore (Tertiärbereich).

Vorschulstufe

Kleinkinder im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren können in Kinderkrippen (Asilo Nido) betreut werden. Diese Einrichtungen wurden 1971 durch ein Gesetz institutionalisiert, gehören jedoch nicht zum staatlichen Bildungswesen. 1968 führte man unter der damaligen Bezeichnung Scuola Materna die staatlichen Vorschulen ein, deren Besuch nicht obligatorisch ist. In der Regel werden Kinder ab drei Jahren, unter Umständen auch ab zweieinhalb Jahren, auf spielerische Weise auf den Pflichtschulbesuch vorbereitet. Es gibt ein Halbtags- und ein Ganztagsschulangebot. Die Scuola dell’Infanzia umfasst drei Jahrgangsstufen. Sie gehört zum staatlichen Schulsystem.

Primarstufe

Die Grundschule wird trotz der Umbenennung in Scuola Primaria weiterhin oft als Scuola Elementare bezeichnet. Sie bildet den ersten Abschnitt des Pflichtschulbereiches. In der Regel erfolgt die Einschulung mit sechs Jahren. Die fünf Jahrgangsstufen werden zu drei Zyklen zusammengefasst. Das erste Jahr dient der Einführung, es folgen zwei zweijährige Zyklen. Auch an den Pflichtschulen gibt es unter Umständen ein Ganztagsschulangebot. Von 1990 bis 2009 waren für italienische Grundschulklassen einzelne Lehrerteams zuständig, danach kehrte man wieder zum Klassenlehrerprinzip zurück. In der Grundschule beginnt der Unterricht in der ersten Fremdsprache, in der Regel ist dies Englisch. Eine Abschlussprüfung am Ende der Grundschule gibt es nicht mehr. Der Übertritt in die Sekundarstufe I erfolgt in der Regel mit elf Jahren.

Sekundarstufe I

Die Sekundarstufe I ist für Jugendliche zwischen elf und 14 Jahren vorgesehen und umfasst drei Jahrgangsstufen. Sie ist seit 1963 als Einheitsschule organisiert. Die offizielle Bezeichnung lautet seit 2004 scuola secondaria di primo grado. Der unkompliziertere alte Name scuola media ist nach wie vor weit verbreitet und in Südtirol als Mittelschule weiterhin üblich. In der Mittelschule wird mit einer zweiten Fremdsprache begonnen. In der Regel stehen Französisch, Spanisch oder Deutsch zur Auswahl, Latein wird als zusätzliches Wahlfach angeboten. Von 1963 bis 1977 war die erfolgreiche Teilnahme am Latein-Unterricht Voraussetzung für den Besuch eines Gymnasiums (Liceo). Damals wurde nur eine lebende Fremdsprache unterrichtet, meist Französisch. Die Mittelschule endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung, deren Bestehen Voraussetzung für den Übertritt in weiterführende Schulen ist.

Schulen, an denen jeweils eine Vor-, Grund- und Mittelschule unter einem Dach besteht, nennen sich auch istituto comprensivo. Dies gilt auch für in nächster Nachbarschaft gelegene Vor-, Grund- und Mittelschulen, die zusammen verwaltet werden.

Sekundarstufe II

Allgemeines

In Italien beginnt mit der neunten Jahrgangsstufe die Sekundarstufe II und damit das gegliederte Schulsystem. Die in der Regel 14jährigen Schülerinnen und Schüler müssen sich für einen von drei Schultypen und deren verschiedene Ausbildungsrichtungen entscheiden. Die Gymnasien (liceo) bereiten im Allgemeinen auf ein Hochschulstudium vor und sind in ihren Lehrinhalten eher abstrakt. Die praxisorientierten Fachoberschulen (istituto tecnico) bieten die Möglichkeit, neben der Allgemeinen Hochschulreife auch einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben. Sowohl die Gymnasien als auch die Fachoberschulen umfassen fünf Jahrgangsstufen, wobei die ersten beiden Jahre allgemeinbildender gehalten sind und auch der Orientierung dienen. Der dritte Schultyp ist die Berufsfachschule (istituto professionale), an der nach drei oder vier Jahren ein Berufsabschluss erreicht werden kann, nach fünf Jahren die Allgemeine Hochschulreife. Darüber hinaus ist auch eine Duale Berufsausbildung möglich.

Bis zum Jahr 2000 unterlagen sechs- bis 14jährige Kinder und Jugendliche einer nur achtjährigen Schulpflicht. Grund- und Mittelschulen bildeten daher die so genannte Pflichtschule (scuola dell’obbligo). Seither gilt eine zwölfjährige Bildungspflicht für sechs- bis 18jährige. Grundsätzlich soll kein Jugendlicher das Bildungssystem verlassen, ohne einen berufsqualifizierenden Abschluss erreicht zu haben. Nach derzeitiger Rechtslage gibt es zehn Pflichtschuljahre, wobei das zehnte Pflichtschuljahr zugunsten einer dualen Berufsausbildung aufgegeben werden kann, sofern die Mittelschule und das erste Berufsfachschuljahr erfolgreich abgeschlossen wurden. Jugendliche werden von der zwölfjährigen Bildungspflicht befreit, wenn sie vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreichen.

Für die Reifeprüfung bzw. für den entsprechenden Abschluss wird in Italien die Bezeichnung maturità nicht mehr offiziell verwendet. Die Abschlüsse führten neben der Bezeichnung maturità immer auch einen schultypbezogenen Zusatz, also z.B. diploma di maturità classica, maturità tecnica oder maturità professionale. Heute ist die offizielle Bezeichnung einfach nur Staatliche Abschlussprüfung. In der Umgangssprache heißt es weiterhin fast immer maturità. Die Prüfungsaufgaben werden in Italien zentral vom Ministerium gestellt.

Gymnasien

In Italien gibt es sechs Arten von Gymnasien:

Offizielle italienische Bezeichnung Offizielle deutsche Bezeichnung (Südtirol)[1] In Deutschland übliche Benennung
Liceo Classico Klassisches Gymnasium Humanistisches Gymnasium
Liceo Scientifico Realgymnasium Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium
Liceo Artistico Kunstgymnasium Kunstgymnasium
Liceo Linguistico Sprachengymnasium Neusprachliches Gymnasium
Liceo Musicale e Coreutico Musisches Gymnasium Musisches Gymnasium
Liceo delle Scienze Umane Sozialwissenschaftliches Gymnasium Sozialwissenschaftliches Gymnasium

Die Gymnasien stehen hier in der Reihenfolge ihrer Einführung. Sie vermitteln eine breite Allgemeinbildung, die als Grundlage für das universitäre Studium dienen soll. Der an italienischen Gymnasien traditionell stark ausgeprägte Latein-Unterricht wurde etwas eingeschränkt. Am Kunstgymnasium und am Musischen Gymnasium ist Latein nicht Pflicht. Am Naturwissenschaftlichen Gymnasium und am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium bestehen besondere Zweige, an denen auf Latein ebenfalls verzichtet wurde. Kennzeichnend für die verschiedenen Gymnasien ist ansonsten der jeweils unterschiedliche Fächerschwerpunkt, insbesondere in den letzten drei der insgesamt fünf Schuljahre.

Das traditionsreiche und prestigeträchtige humanistische Gymnasium (Liceo Classico oder Liceo Ginnasio) hat seinen Schwerpunkt im humanistischen Bereich und bei den Sprachen Latein und Altgriechisch. Als lebende Fremdsprache wurde Französisch erst in neuester Zeit vom Englischen verdrängt. Das Liceo Scientifico konzentriert sich auf naturwissenschaftliche Fächer. Es entstand 1923 aus dem 1911 eingeführten Liceo Moderno und aus Teilen des Fachoberschulbereiches. In den 1960er Jahren entstand das Liceo Artistico, das heute neben klassischer Kunsterziehung auch modernere Inhalte wie Multimediakunst oder Design in seinem Fach-Curriculum hat. Die ehemaligen Kunstschulen (Istituto d’Arte) wurden den Kunstgymnasien und den Berufsfachschulen zugeschlagen. Das neusprachliche Liceo Linguistico wurde erst in den 1970er Jahren eingeführt und besteht heute oft als Fachrichtung an anderen Gymnasien. Am neusprachlichen Gymnasium sind drei lebende Fremdsprachen Pflicht. Die musischen Gymnasien waren früher Teil der Musikhochschulen (Konservatorien), als eigenständige Gymnasialform wurden sie erst mit den jüngsten Schulreformen anerkannt. Das sozialwissenschaftliche oder pädagogosche Gymnasium entstand nach Umbenennungen aus der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt (Istituto Magistrale), an der früher Grundschullehrer ausgebildet wurden, bis auch für diese ein Hochschulstudium Pflicht wurde. Wirtschaftsgymnasien und technologische Gymnasien entstanden nach verschiedenen Schulversuchen durch Umbenennungen von Fachoberschulen von 2004 bis 2006, dann wurden diese Reformen entweder wieder rückgängig gemacht oder durch besondere (lateinlose) Zweige am Sozialwissenschaftlichen oder Naturwissenschaftlichen Gymnasium ersetzt. Einige wenige Gymnasien (und andere Oberschulen) haben ein besonderes Sport-Angebot und bieten angehenden Leistungssportlern einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Unterricht.

Schulen, an denen mehrere Gymnasial- oder Oberschultypen unter einem Dach bestehen oder die in einem Schulzentrum zusammengefasst und dort organisatorisch miteinander verbunden sind, nennen sich auch istituto di istruzione secondaria superiore.

Fachoberschulen

Kennzeichnend für die italienischen Fachoberschulen war die im Lauf der Jahre gewachsene starke Ausdifferenzierung in Ausbildungsrichtungen und Fachklassen. Bis 2010 gab es nachstehende Fachrichtungen:

Offizielle italienische Bezeichnung Offizielle deutsche Bezeichnung (Südtirol) In Deutschland übliche Benennung
Istituto Tecnico Commerciale Handelsoberschule (HOB) FOS Ausbildungsrichtung Wirtschaft
Istituto Tecnico Industriale Gewerbeoberschule (GOB) FOS Ausbildungsrichtung Technik
Istituto Tecnico Agrario Landwirtschaftsschule FOS Ausbildungsrichtung Agrarwirtschaft
Istituto Tecnico Nautico (nicht vorhanden) FOS Ausbildungsrichtung Seefahrt
Istituto Tecnico Aeronautico (nicht vorhanden) FOS Ausbbildungsrichtung Luftfahrt
Istituto Tecnico per Geometri Oberschule für Geometer FOS Ausbildungsrichtung Vermessungswesen
Istituto Alberghiero Hotelfachschule FOS Ausbildungsrichtung Touristik
Istituto Magistrale Lehrerbildungsanstalt (LBA) Ehemalige Lehrerbildungsanstalt

Seit 2010 bestehen nur noch zwei Ausbildungsrichtungen mit insgesamt neun Fachrichtungen:

Ausbildungsrichtung Fachrichtung
Wirtschaft Betriebswirtschaft
Tourismus
Technologie Maschinenbau, Mechatronik, Energie
Transport und Logistik
Elektronik und Elektrotechnik
Informatik und Telekommunikation
Grafik und Kommunikation
Chemie, Werkstoffkunde und Biotechnologie
Stoffe, Kleidung und Mode
Landwirtschaft und Agroindustrie
Bauwesen, Umwelt und Raumplanung

Nach den ersten beiden, vorwiegend allgemeinbildenden Jahren erfolgt die fachpraktische Ausbildung unter anderem in Lehrwerkstätten, Laboratorien und ähnlichen Einrichtungen. Es sind auch Praktika bei Unternehmen vorgesehen. Die neuen Bezeichnungen der Fachoberschulen lauten Istituto Tecnico Economico (Wirtschaftsfachoberschule) und Istituto Tecnico Tecnologico (Technologische Fachoberschule), wobei der italienische Ausdruck tecnico hier nicht für „Technik“ steht, sondern in diesem Fall für „Fach“.

Berufsschulen

Staatliche Berufsfachschulen

An staatlichen Berufsfachschulen (Istituto Professionale) dient das erste Berufsbildungsjahr der Orientierung. Jugendlichen werden die Grundlagen von verschiedenen Berufsfeldern vermittelt, auch durch Betriebsbesuche und kurze Praktika. In den folgenden zwei Jahren sind die beruflichen Grundkenntnisse dann je nach gewählter Fachrichtung schrittweise zu vertiefen. Die praktische Ausbildung erfolgt in Lehrwerkstätten und im Rahmen von Betriebspraktika. Nach insgesamt drei Jahren schließen die in der Regel 17jährigen Jugendlichen die Ausbildung mit einem Berufsbefähigungszeugnis ab, nach einem weiteren Jahr die erweiterte Ausbildung mit einem Berufsbildungsdiplom. Letzteres ermöglicht eine Fortsetzung der beruflichen Ausbildung an den neuen Berufshochschulen (Istruzione e Formazione Tecnica Superiore, IFTS), die zwei- bis viersemestrige Lehrgänge anbieten, von denen rund ein Drittel als Betriebspraktikum zu absolvieren sind. Wer an der Berufsfachschule das fünfte und letzte Schuljahr absolviert und die Abschlussprüfung besteht, erwirbt die Allgemeine Hochschulreife.

Auch die Ausbildungs- und Fachrichtungen der Berufsfachschulen wurden 2010 rationalisiert. Derzeit gibt es folgende Ausbildungs- und Fachrichtungen:

Ausbildungsrichtung Fachrichtung
Industrie und Handwerk Handwerkliche und industrielle Produktion
Wartung und technische Unterstützung
Dienstleistungsbereich Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
Soziales und Gesundheit
Gastronomie und Hotellerie
Handel

Regionale Berufsschulen

Die oben genannten staatlichen Berufsfachschulen sollten früheren Planungen zufolge ganz in den Verantwortungsbereich der italienischen Regionen übergehen. Diese Reform wurde nicht umgesetzt, unter anderem, weil man den staatlichen Einfluss auf die Berufsbildung für stabilisierend hält und auf diese Weise weiterhin eine gewisse Einheitlichkeit gewährleistet wird.

Das regionale Berufsschulwesen besteht seit den 1970er Jahren. Die Regionen legen in diesem Bereich den rechtlichen Rahmen fest und überlassen das Nähere und insbesondere den Betrieb und den Unterhalt der Berufsbildungseinrichtungen den unteren Gebietskörperschaften, die sich bei ihren Planungen von den Bedürfnissen der örtlichen Wirtschaft leiten lassen. Auch hier ist eine zwei- bis dreijährige Vollzeitausbildung vorgesehen, wobei der praktische Teil wiederum in eigenen Lehrwerkstätten oder im Rahmen von Betriebspraktika absolviert wird. Dieser Ansatz überwiegt vor allem in Regionen mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Soweit wie möglich hat man sich ansonsten an der im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten dualen Ausbildung orientiert.

Mit der letzten Reform des Bildungswesens wurde in einigen Regionen ein Mischsystem eingeführt. Das erste Berufsbildungsjahr wird an staatlichen Berufsfachschulen absolviert, danach ist eine Fortsetzung der Ausbildung im regionalen Berufsbildungswesen und in Ausbildungsbetrieben möglich. Die staatlich anerkannten regionalen Abschlüsse ermöglichen eine Fortsetzung der Ausbildung an staatlichen Schulen bis hin zur Hochschulreife. Spätere Aus- und Fortbildungskurse sind in der Regel kostenpflichtig, in vielen Fällen gibt es jedoch öffentliche Förderprogramme, unter anderem auch bei Umschulungen.

Privatschulen

Privatschulen, die den oben genannten Schulstufen zugeordnet werden können und bestimmte staatliche Voraussetzungen erfüllen, werden in Italien als „paritätische“ oder gleichgestellte Schulen bezeichnet. Ihre Zeugnisse und Abschlüsse entsprechen rechtlich denen der staatlichen Schulen. An staatlich anerkannten, aber nicht gleichgestellten Privatschulen kann die Schul- oder Berufsbildungspflicht erfüllt werden, jedoch können diese Schulen keine rechtlich gültigen Zeugnisse ausstellen.

Rund 20 Prozent aller italienischen Vor-, Primar- und Sekundarschulen sind Privatschulen. An ihnen sind rund zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler im Alter von drei bis 18 Jahren eingeschrieben. Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass der Schwerpunkt im Vorschulbereich liegt.

Etwa die Hälfte der Privatschulen sind in kirchlicher Trägerschaft, in der Vergangenheit war dieser Anteil wesentlich höher. Die finanzielle Unterstützung von Privatschulen durch den Staat ist umstritten, auch weil die Unterrichtsqualität oft nicht an die staatlicher Schulen heranreicht.[2]

Stundenpläne

Die Stundenpläne sämtlicher staatlicher Schulen (auch der Oberschulen) sehen einen großen für alle Schüler gleichen Pflichtteil vor, nur wenige (10-20%) der Stunden sind Wahlpflichtstunden. Über die Stundentafel entscheidet aber im Rahmen der allgemeinen Vorgaben durch Staatsgesetze jede Schule selbst. Durch die feste Zuteilung sind Schüler die gesamte Schulkarriere über fest in Klassen eingeteilt. Einzig und allein durch den Schulwechsel und den Wechsel der Schulstufen ändert sich die Klassenzugehörigkeit.

In Südtirol erfolgt der Unterricht wahlweise auf Deutsch, Ladinisch oder auf Italienisch (jedoch auf getrennten Schulen). Im Aostatal findet der Unterricht in Französisch und Italienisch statt.

Charakteristisch für das italienische Schulsystem ist auch der Religionsunterricht. In der Grundschule beschäftigt sich dieser mit katholischem Bibelunterricht. In der Mittelschule werden daneben auch die Weltreligionen behandelt und in der Oberschule ethische und moralische Erziehung. In allen Schulstufen kann der Religionsunterricht jedoch auch abgewählt werden.

Versetzung und Zurückreihung

Im italienischen Schulsystem können Schüler, die das Schuljahr mit nicht genügendem Ergebnis abgeschlossen haben, nicht versetzt werden. Der Schüler muss (nach der Pflichtschule: kann) das Schuljahr dann wiederholen. Wird ein Schüler zweimal nicht versetzt, kann die Schule die Wiedereinschreibung verweigern. Eine Einschreibung in einer anderen Schule des gleichen Typs ist jedoch weiterhin möglich.

Die Entscheidung über die Versetzung trifft der Klassenrat, also eine Versammlung sämtlicher Lehrer einer Klasse. Im Zweifel entscheidet der Klassenlehrer oder der Schuldirektor über die Versetzung. In der Grundschule erfolgt die Nichtversetzung nur nach Zustimmung der Eltern.

Seit dem Jahre 2009 muss das Schuljahr in Oberschulen in allen Fächern positiv abgeschlossen werden, um die nächsthöhere Stufe besuchen zu können (vorher konnte eine Versetzung mit Vorbehalt erfolgen; d.h. der Schüler wurde zwar versetzt, musste im Folgejahr jedoch eine sogenannte Nachholprüfung bewältigen). Heute muss der Schüler seine Lernrückstände während der Sommerferien aufholen und Anfang September, bevor das neue Schuljahr beginnt, eine Prüfung in den aufgeschobenen Fächern absolvieren. Erfolgt diese mit positivem Resultat wird der Schüler versetzt, andernfalls muss dieser die Klasse wiederholen.

Die Notenskala reicht von 0 bis 10, wobei 10 die beste Note ist. Die Noten von 0 bis 5 sind negativ und damit nicht ausreichend.

Integration behinderter Kinder

Im Jahr 1977 wurde in Italien mit dem Gesetz 517 eine Grundlage geschaffen, die behinderte Kinder verpflichtend in die Regelschule einschult. Damit wurden die erst 1962 gegründeten Sonderschulen abgeschafft. Es bleibt den Schulen jedoch vorbehalten, mehrfach schwerbehinderte Kinder vom Unterricht auszuschließen. In der Grund- und Mittelschule erhalten diese sowie besonders schwache Schüler mit Lernstörungen eine besondere Lehrkraft, sogenannte „Integrationslehrer“, die während des Unterrichtes ausschließlich dem behinderten Schüler zur Seite steht.

Besonderheiten hier sind:

  • Maximal vier behinderte oder lerngestörte Kinder pro Klasse (in der Regel nicht mehr als ein oder zwei)
  • Maximal 20 Kinder pro Klasse (ab 21 Schülern wird die Klasse geteilt)
  • Ein Stützlehrer (insegnante di sostegno) für ein bis vier behinderte Kinder (Ursprünglich war dieser 24 Stunden die Woche anwesend, dies wurde jedoch auf 12 Stunden die Woche gekürzt).

PISA 2009

In den PISA-Studien der OECD belegte Italien in den Jahren 2000, 2003, 2006 und 2009 unterdurchschnittliche Plätze. Eine nach italienischen Regionen differenzierte Untersuchung zeigt ein starkes Nord-Süd-Gefälle, wobei norditalienische Regionen regelmäßig über dem OECD-Durchschnitt liegen. Ausgeprägt sind auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Schularten: Bei 15jährigen wurden an Gymnasien die besten Ergebnisse erzielt, es folgten die Fachoberschulen und dann die Berufsfachschulen. Am absoluten Ende standen die regionalen Berufsschulen in Süditalien.[3]

Nachstehend eine Tabelle mit den Ergebnissen der 2009 durchgeführten PISA-Tests in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Verglichen werden die Ergebnisse Italiens mit denen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie mit dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Zur Veranschaulichung der regionalen Unterschiede in Italien kommen die Ergebnisse der bestplatzierten Region Lombardei und letztplatzierten Region Kalabrien hinzu. Das Gesamtergebnis von Südtirol ist überdurchschnittlich, insbesondere das der deutschsprachigen Schulen des Landes.[4]

Land Lesekompetenz Mathematik Naturwissenschaften
Italien 486 483 489
- Lombardei 522 516 526
- Kalabrien 448 442 443
- Südtirol 490 507 513
Österreich 470 496 494
Deutschland 497 513 520
Schweiz 501 534 517
OECD-Durchschnitt 493 496 501

Hochschulen

Universitäten

Vor dem Start des Bologna-Prozesses konnte ein grundständiges Universitätsstudium in Italien je nach Fachrichtung drei bis sechs Jahre dauern. Die dreijährigen praxisorientierten Studiengänge spielten ab Ende der 1980er Jahre in etwa die Rolle der Fachhochschulen des deutschsprachigen Raumes. Für die Masse der Studiengänge galt früher eine Regelstudienzeit von vier Jahren, bei den Ingenieuren waren es fünf, bei den Medizinern sechs. Die vierjährigen Studiengänge wurden schließlich um ein Jahr verlängert. Auch in Italien ist der Bologna-Prozess umstritten. In einigen Fächern wurde der erste Abschluss nach dreijährigem Studium wieder abgeschafft. Nach dem Master gibt es weitere postgraduale Spezialisierungen, die in der Regel in zwei Jahren absolviert werden können. Ein Promotionsstudium dauert mindestens drei Jahre.

Neben den normalen staatlichen Universitäten gibt es in Italien auch Technische Universitäten (die noch den alten Namen Politecnico tragen), Ausländeruniversitäten und Fernuniversitäten. Hinzu kommen Universitäten in Trägerschaft unterer Gebietskörperschaften und Privatuniversitäten. Etliche Päpstliche Universitäten befinden sich zwar in Italien, gehören jedoch dem Heiligen Stuhl.

Elitehochschulen

Bis in die neueste Zeit gab es in Italien kein eigenes System von Eliteuniversitäten wie in Frankreich. Einige staatliche Hochschulen haben einen besseren Ruf als andere, manchmal auch wegen ihrer langen Tradition und des daraus resultierenden Selbstverständnisses.

Dennoch gehen die sich derzeit entwickelnden staatlichen Elitehochschulen auf eine französische Gründung zurück: die 200 Jahre alte Scuola Normale Superiore in Pisa. Es handelt sich um eine Einrichtung, die ausgewählten Studierenden neben ihrem normalen Studium an der Universität Pisa ein wissenschaftliches Zusatzangebot und einige andere Dienstleistungen bietet. Eine Aufnahme ist bereits im ersten Studienjahr möglich, oder aber nach dem Bachelor oder nach dem Master-Examen für ein Promotionsstudium. Weitere selbständige Einrichtungen dieser Art befinden sich derzeit in Pisa (Sant’Anna), Pavia, Triest, Florenz und Lucca. Einzelne Universitäten haben unter den Bezeichnungen Scuola Superiore, Istituto Superiore oder Collegio Superiore vergleichbares aufgebaut, in der Absicht, diese Institute nach pisanischem Vorbild später rechtlich zu verselbständigen.

Private Elitehochschulen wie die LUISS in Rom erheben oft sehr hohe Studiengebühren.

Andere Hochschulen

Zum Tertiären Bildungsbereich gehören auch die Kunstakademien (Accademia di Belle Arti[5]), Kunstfachhochschulen (Istituto Superiore per le Industrie Artistiche[6]), die Konservatorien,[7] die Nationale Tanzakademie (Accademia Nazionale di Danza[8]) und die Nationale Akademie für dramatische Kunst (Accademia Nazionale d’Arte Drammatica[9]). Diese Einrichtungen werden unter dem Begriff Alta formazione artistica, musicale e coreutica[10] zusammengefasst. Hinzu kommen die Nationale Filmschule (Scuola Nazionale di Cinema[11]) und einige spezialisierte Privathochschulen. In Rom gibt es eine staatliche Sporthochschule (Italian University of Sport and Movement - Uni Roma 4[12]).

Verwaltungs-, Polizei- und Militärakademien haben ebenfalls Hochschulrang.[13]

Berufshochschulen

Neu ist das höhere Berufsbildungswesen (Istruzione e Formazione Tecnica Superiore). Beteiligte Akteure sind die Oberschulen, Hochschulen, Unternehmen und Verbände, sowie Regionen und auch nachgeordnete Gebietskörperschaften. Die höheren Berufsbildungslehrgänge dauern zwei bis vier Semester und richten sich an Absolventen der Oberschulen, der staatlichen und regionalen Berufsbildungseinrichtungen sowie allgemein an Erwerbstätige, die bestimmte fachliche Mindestanforderungen erfüllen. Die sehr praxisorientierten Lehrgänge können auch berufsbegleitend durchgeführt werden.[14][15]

Erwachsenen- und Weiterbildung

Zweiter Bildungsweg

Der nachträgliche Erwerb eines Mittel- oder Oberschulabschlusses erfolgt in Italien oft über den Besuch von Abendschulen. Dabei kann es sich um staatliche Einrichtungen oder um Abendunterricht für Erwachsene an staatlichen Schulen handeln, oder aber um Angebote von regionalen Einrichtungen oder Privatschulen. In letzterem Fall sind die Jahrgangs- und Abschlussprüfungen an staatlichen Schulen abzulegen.[16]

Verbreitet ist an staatlichen Oberschulen auch die Nichtschülerprüfung zur Erlangung der Hochschulreife. In diesem Fall müssen sich die als „Privatisten“ bezeichneten externen Kandidaten selbständig auf die Prüfung vorbereiten. Dies ist nicht zu verwechseln mit Homeschooling für Kinder und Jugendliche, da es sich bei den „Privatisten“ um Erwachsene handelt, die nach Erfüllung der Schulpflicht einen nicht erreichten oder höheren Schulabschluss nachholen wollen. Auch in diesem Bereich bieten verschiedene, meist private Einrichtungen Unterstützung an.

Volkshochschulen

Die ersten Volkshochschulen (Università popolare) entstanden in Italien um das Jahr 1900. Als Gründungsväter gelten verschiedene Gewerkschaften und die Sozialistische Partei Italiens. Nachdem die Volkshochschulen vom Faschismus unterdrückt, aufgelöst oder in Parteiorganisationen eingegliedert wurden, lebten sie nach dem Zweiten Weltkrieg unter verschiedenen Bezeichnungen („Rentnerhochschule, Freizeithochschule, Offene Hochschule“) langsam wieder auf. Träger der Volkshochschulen in Italien sind in der Regel gemeinnützige privatrechtliche Organisationen und wohltätige Vereinigungen. Der Großteil der italienischen Volkshochschulen ist Mitglied der 1982 gegründeten „Nationalen Vereinigung der Volkshochschulen“ (Confederazione Nazionale delle Università Popolari Italiane - CNUPI[17]) oder des „Italienischen Bundes für Erwachsenenbildung“ (Unione italiana di educazione degli adulti - UNIEDA[18]), die ihrerseits Mitglieder des Europäischen Verbandes für Erwachsenenbildung sind (European Association for the Education of Adults - EAEA). Daneben gibt es unter anderem den Verband der Volkshochschulen Südtirols.[19]

Das thematische Angebot ist im Allgemeinen mit dem deutscher Volkshochschulen vergleichbar. In vielen Fällen bestehen Kooperationen mit staatlichen Universitäten. Mehrjährige berufsbildende Kurse sind oft staatlich anerkannt und besonders in strukturschwachen Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit von großem sozialem Nutzen. Das VHS-Netz ist in verschiedenen Regionen Italiens noch relativ weitmaschig. Viele Volkshochschulen entstanden erst in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten.

Sonstige

Das weitere Bildungsangebot im Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung ist sehr heterogen und oft von den Bedürfnissen und Initiativen einzelner Unternehmen oder Wirtschaftszweige abhängig. Große staatliche Behörden und Organisationen haben eigene Fortbildungseinrichtungen, darunter die Scuola Superiore della Pubblica Amministrazione[20] oder das Centro Alti Studi per la Difesa.

Das E-Learning hat auch in Italien erheblich an Bedeutung gewonnen.

Geschichte

Vor der Einigung Italiens

Bis ins Hochmittelalter blieb die schulische Erziehung in den italienischen Staaten wie fast überall in Europa in den Händen der Kirche. Im 13. Jahrhundert entstanden in verschiedenen Gegenden kirchenunabhängige Gemeindeschulen und Privatschulen, die vor allem Lesen und Schreiben in der Volkssprache lehrten. In der Regel folgte nach drei Jahren Elementarausbildung vor allem in Finanz- und Handelszentren wie Florenz und Venedig der Besuch einer Abakus- oder Rechenschule, an der kaufmännische Inhalte im Vordergrund standen. Daneben gab es auch Grammatikschulen, an denen Latein gelernt und die Klassiker antiker Schriftsteller gelesen wurden. In den Genuss einer solchen kirchlichen oder klassischen Schulausbildung kamen in der Regel nur wenige Jungen einer kleinen gesellschaftlichen Oberschicht, die ihren Bildungsweg dann auch an Universitäten fortsetzen konnten. Die eher praxisorientierte Ausbildung war in städtischen Handelskreisen nicht unüblich. In Florenz und Venedig etwa besuchten um 1500 rund ein Drittel aller Jungen eine Schule, der Alphabetisierungsgrad lag wegen des Privatunterrichts noch etwas höher.[21] In den Städten war der Analphabetismus unter Mädchen sehr hoch, bei der Landbevölkerung die Regel. Mit der Gegenreformation traten die kirchlichen Bildungseinrichtungen wieder in den Vordergrund, insbesondere die der Jesuiten, die sich bald auf die höhere Bildung spezialisierten. Andere Orden wie die Barnabiten oder die Somasker machten sich im 17. und 18. Jahrhundert um die Volksbildung verdient. Im 18. Jahrhundert wurden in einzelnen italienischen Staaten erste staatliche Schulen eingerichtet, vor allem nach der Aufhebung der Jesuitenschulen. Mangels Infrastruktur und qualifiziertem Personal gerieten viele dieser Schulen bald wieder unter kirchliche Kontrolle. Mit der napoleonischen Besetzung kamen auch die Bildungsideale der Französischen Revolution nach Italien. Der kirchenunabhängige Grundschulunterricht sollte für alle Jungen und Mädchen verpflichtend und kostenlos sein, die weitere Ausbildung nur von Talent und Leistung abhängen. Die Vorstellungen konnten nur ansatzweise umgesetzt werden, blieben aber als Ideal auch in der Restaurationszeit nach 1815 bei vielen Pädagogen erhalten. Die Analphabetismusrate blieb in Italien bis zur Einigung des Landes hoch, insbesondere im Süden. Die politischen Veränderungen und Systemwechsel verschärften das Problem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogar noch.

Nach der Einigung

Nach der Einigung Italiens im Jahr 1861 wurden die Regelungen des Königreiches Piemont-Sardinien aus dem Jahr 1859 auf das ganze Land ausgedehnt. Bereits das piemontesische Schulsystem sah nach der damals vierjährigen Grundschule eine Aufteilung in (ausschließlich humanistische) Gymnasien (Unterstufe: ginnasio, Oberstufe: liceo) und berufsvorbereitende Schulen (Unterstufe: scuola tecnica, Oberstufe: istituto tecnico) vor. Der Hochschulzugang war fast ausschließlich über die kostenpflichtigen Gymnasien möglich. Nach der Regelung aus dem Jahr 1859 beschränkte sich die Schulpflicht auf die ersten beiden Jahre der vierjährigen Grundschule, welche 1877 um eine weitere Jahrgangsstufe ausgebaut wurde, 1904 vorübergehend um eine sechste (Schulpflicht für die 6- bis 12jährigen).

Im Auftrag des faschistischen Regimes führte Unterrichtsminister Giovanni Gentile 1923 eine umfassende, jedoch sehr konservativ orientierte Schulreform durch. Die Schulpflicht wurde auf acht Jahre (für 6- bis 14jährige) verlängert (jedoch nicht wirklich durchgesetzt). Nach der wiederum fünfjährigen Grundschule bestanden zwei Möglichkeiten den Bildungsweg fortzusetzen: einerseits der sehr elitäre gymnasiale Bildungsweg, andererseits zum Teil wenig attraktive berufsvorbereitende Schulen. Der gymnasiale Zug gliederte sich in eine fünfjährige Unter- und Mittelstufe (ginnasio, 3+2), im Bereich der dreijährigen Oberstufe kam es zur Unterscheidung zwischen dem humanistischen liceo classico und dem naturwissenschaftlichen liceo scientifico. Neben die vierjährigen Fachschulen und die anschließenden drei- oder vierjährigen Fachoberschulen (scuola/istituto tecnico) gesellte sich die neue scuola di avviamento professionale, eine dreijährige berufsvorbereitende Schule ohne weitere Aufstiegsmöglichkeiten. Seit 1940 betrieb man die Zusammenlegung der Unterstufen der Gymnasien und der Fachschulen in die neue scuola media (3 Schuljahre), ohne jedoch die scuola di avviamento professionale in diesen Prozess miteinzubeziehen. Dies geschah nach langen Debatten erst Ende 1962, als mit der scuola media unica alle Unterstufen der Sekundarschulen zu einer dreijährigen Einheitsschule zusammengelegt wurden.

Im Jahr 1968 führte man die staatliche Vorschule (scuola materna) auf systematische Weise ein. In ihren Lehrinhalten richtete sie sich nach Maria Montessori. 1969 leitete man nach Studentenprotesten eine Neuordnung der Oberstufen ein. Nicht nur die Gymnasien, sondern auch die Fachoberschulen und die neuen Berufsfachschulen wurden durchlässiger gemacht und führten schließlich alle zur Hochschulreife, wobei die entsprechende Prüfung nach neuen Schwerpunkten ausgerichtet wurde. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich der Geist dieser Reformen im ganzen Schulsystem durch, das jedoch strukturell weitestgehend unverändert blieb. Ab Mitte der 1980er Jahre gab es Forderungen nach einer Verlängerung der Schulpflicht auf zehn Jahre und nach einem Ausbau der scuola media unica um zwei Jahrgangsstufen, womit sie die ersten beiden Klassen der Oberschulen übernehmen sollte. Wegen organisatorischer, infrastruktureller und finanzieller Gründe, vor allem aber wegen pädagogischer Vorbehalte gegen eine als dann überlang empfundene gemeinsame Schulausbildung von Schülern unterschiedlicher Begabung wurden diese Vorschläge immer wieder abgelehnt. Die im Jahr 2000 eingeführte Verlängerung der Schulpflicht gab man 2004 aus strukturellen Gründen auf und ersetzte sie durch eine berufliche Ausbildungspflicht, womit man die für die berufliche Bildung mitverantwortlichen Regionen in die Verlängerung der Schul- und Ausbildungspflicht einband und so zu einer akzeptablen Zwischenlösung kam. In den Jahren danach folgten weitere Modernisierungen des bestehenden Systems, die 2010 zu ihrem vorläufigen Abschluss kamen.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Mit den letzten Schulreformen wurden in Südtirol die Bezeichnungen der Gymnasien in folgenden Fällen geändert (in Klammern die alten Namen): Klassisches Gymnasium (ehemals Humanistisches Gymnasium), Realgymnasium (Wissenschaftliches Lyzeum), Kunstgymnasium (Kunstlyzeum), Sprachengymnasium (Neusprachliches Gymnasium), Sozialwissenschaftliches Gymnasium (Pädagogisches Gymnasium), www.schulreform.bz.it, eingesehen im August 2011
  2. Prof. S. Giulini, Uni Genua, auf www.unibocconi.it mit Link auf Pisa 2009 (it.)
  3. Aufschlussreiche tabellarische und grafische Darstellung auf den Offiziellen Webseiten des Schulamts Apulien (it.), eingesehen im August 2011
  4. Offiziellen Webseiten des Pädagogischen Instituts für die deutsche Sprachgruppe in Südtirol (de.), eingesehen im August 2011
  5. Darunter die 1563 als Accademia delle Arti del Disegno gegründete Kunstakademie Florenz. Die italienischen Kunstakademien entsprechen deutschen Kunsthochschulen. Die Diplome wurden dem Bachelor und Master gleichgestellt. Im Lauf der Zeit wurde der Bereich Architektur weitgehend an die Universitäten abgegeben.
  6. Im Gegensatz zu den Kunstakademien stehen hier die Bedürfnisse der Industrie im Vordergrund, insbesondere in den Bereichen Grafik und Produktdesign. Daher der Terminus „Fachhochschule“.
  7. Italienische Konservatorien haben Hochschulrang, die Abschlüsse wurden dem Bachelor und dem Master gleichgestellt. Den Konservatorien sind oft oben genannte Musische Gymnasien angeschlossen. Andere Musikschulen sind nicht mit den Konservatorien (oder den Musischen Gymnasien) zu verwechseln.
  8. Offizielle Webseiten der Accademia Nazionale di Danza (it.), eingesehen im August 2011
  9. Offizielle Webseiten der Accademia Nazionale d’Arte Drammatica (it.), eingesehen im August 2011
  10. Alta formazione artistica, musicale e coreutica auf den Webseiten des italienischen Bildungsministeriums (it.)
  11. Teil des Centro Sperimentale di Cinematografia.
  12. Offizielle Webseiten der Italian University of Sport and Movement - Uni Roma 4 (it.), eingesehen im August 2011
  13. Die Bezeichnung „Akademie“ impliziert in diesen Fällen, dass hier angehende Offiziere oder ihnen gleichgestellte Beamte auf Hochschulniveau ausgebildet werden. Ausbildungseinrichtungen für andere angehende Staatsdiener werden in der Regel „Schulen“ genannt, obwohl sie zum Teil ebenfalls Bachelor-Studiengänge anbieten.
  14. Höhere Technische Bildung auf den Webseiten des deutschen und ladinischen Berufsbildungswesens in Südtirol (de.), eingesehen im August 2011
  15. Istruzione e Formazione Tecnica Superiore auf den Webseiten für Schulen und Berufsbildung der Region Marken (it.), eingesehen im August 2011
  16. Deutsches Schulamt Südtirol zu den Abendschulen (pdf, de.)
  17. Confederazione Nazionale delle Università Popolari Italiane (it.)
  18. Unione italiana di educazione degli adulti (it.)
  19. Verband der Volkshochschulen Südtirols (de.)
  20. Offizielle Webseiten der Scuola Superiore della Pubblica Amministrazione, eingesehen im August 2011. Die 1957 gegründete SSPA bildet angehende Führungskräfte der öffentlichen Verwaltungen aus und leitende Beamte fort. Sie untersteht dem Ministerratspräsidium.
  21. Uni Florenz über die mittelalterlichen Abakusschulen (it.)

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