Biled
Biled
Billed
Billéd
Wappen von Biled
Biled (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Timiș
Koordinaten: 45° 53′ N, 20° 58′ O45.88611111111120.96166666666790Koordinaten: 45° 53′ 10″ N, 20° 57′ 42″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 90 m
Fläche: 63,23 km²
Einwohner: 3.614 (1. Juli 2007)
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahl: 307060
Telefonvorwahl: (+40) 02 56
Kfz-Kennzeichen: TM
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Gemeinde
Bürgermeister: Leontin Duță (PD-L)
Postanschrift: Str. Principală, nr. 359
loc. Biled, jud. Timiș, RO-307060
Webpräsenz:

Biled (früher Billiet, deutsch Billed, ungarisch Billéd) ist eine Gemeinde im Kreis Timiș (Rumänien). Sie hat 3571 Einwohner (Stand 2005).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Biled liegt auf einer Höhe von 90–93 m über dem Meeresspiegel am südöstlichen Rande der Banater Heide, die geographisch Teil der Großen Ungarischen Tiefebene ist. Der Ort wird im Osten vom Jerbach und im Westen vom Warjascher Graben umflossen. Es liegt an der Staatsstraße Timișoara (Temeswar)–Sânnicolau Mare (Großsanktnikolaus), 28 km nordwestlich von Timișoara. Wie das ganze Banat hat Biled kontinentales Klima mit kalten Wintern und heißen Sommern; der Frühling ist meistens kurz. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 10,6 °C. Die Schwarzerde des Bileder Bodens und der relativ niedrige Grundwasserspiegel bestimmen die hohe Fruchtbarkeit der Felder.

Geschichte

Biled wurde im Jahre 1462 erstmals urkundlich erwähnt. 1765 begann im Rahmen des Zweiten Schwabenzuges die deutsche Besiedlung des Ortes. Anfangs siedelten sich 252 deutsche Siedler-Familien an; Biled gehörte zuerst noch zur Pfarrei Neubeschenowa. Für das Jahr 1766 werden 705 Einwohner in den Matrikelbüchern für Biled angegeben. In den ersten Jahren des Ortes sind überproportional viele Sterbefälle verzeichnet; seit der Grundsteinlegung des Ortes bis Ende des Jahres 1771 waren 936 Personen in Biled verstorben. Allein im Hungerjahr 1770 starben 256 Menschen, darunter 185 Kinder. Ganze Familien wurden dabei ausgelöscht. Neue Siedler kamen jedoch hinzu und zogen in die leer stehenden Häuser. Schon 1771 kamen 150 Nachzügler aus dem Deutschen Reich nach Biled. Die Geburtenrate war recht hoch; im Jahre 1772 wurden 117 Geburten in Biled registriert. Obwohl mit dem Beginn der Besiedlung von Knees durch Deutsche 1797 viele Bileder dahin umzogen, musste 1798 die Neugasse angelegt werden, denn Biled hatte eine Bevölkerungszahl von 1800 Personen erreicht. Ab 1830 stiegen die Geburtenzahlen gar auf über 200 jährlich, wobei 1880 mit 276 Geburten die höchste Zahl erreicht wurde. Dadurch stieg die Einwohnerzahl Bileds stetig, um im Jahre 1889 mit 5410 Einwohnern – davon 5254 Deutsche – den Höchststand in seiner Geschichte zu erreichen.

Einige Jahre danach begann die Auswanderung nach Amerika, wobei weit über tausend Personen zwischen 1894 und 1914 das Dorf verließen.

Seit Ende des 19.Jahrhunderts hat Biled einen Eisenbahnanschluss.

Der starke Geburtenrückgang ab 1900 wie auch der Verlust von 124 gefallenen jungen Männern im Ersten Weltkrieg führten dazu, dass die Einwohnerzahl Bileds kontinuierlich sank. Bei der Erfassung im März 1941 wurden noch 3652 Deutsche gezählt. Die Zahl dezimierte sich weiter durch Gefallene und Vermisste im Zweiten Weltkrieg sowie in Gefangenschaft geratene Bewohner Bileds. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges flüchteten einige Familien nach Österreich, Deutschland und Übersee. Viele weitere kehrten nie wieder aus den russischen Arbeitslagern zurück, in die sie nach dem Weltkrieg deportiert wurden. In den Jahren 1951-1956 wurden einige Einwohner von rumänischen Behörden in die Bărăgan-Ebene verschleppt.

In Biled lebten bis in die 70er Jahre noch etwa 2500 Donauschwaben, was ca. 56 % seiner Gesamtbevölkerung ausmachte. In der darauffolgenden Zeit, vor allem in den 1980er Jahren, hat jedoch die überwiegende Mehrheit das Land in Richtung Deutschland oder Amerika verlassen, so dass heute nur noch circa 90 Einwohner donauschwäbischer Herkunft in Biled leben.

Persönlichkeiten

  • Nikolaus Hummel, Bischof der Altkatholischen Kirche in Österreich
  • Franz Klein, Obmann der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Österreich

Zeittafel zur Billeder Ortsgeschichte

  • 1462: Der Ort wird erstmals dokumentarisch festgehalten, unter der Bezeichnung Billyed
  • 1720: Das Prädium Billied ist auf der Mercy-Karte eingezeichnet
  • 1765: Ortsgründung unter der Aufsicht des Distriktverwalters Franz Josef Knoll; Billiet wird als Deutsche Mustergemeinde mit 252 Häusern angelegt. Die Siedler kommen aus dem Rheinland und aus der Pfalz, aus Hessen, aus dem Sauerland, aus Baden und aus Württemberg, aus Luxemburg und aus Lothringen; der erste Friedhof in der Bahngasse wird angelegt
  • 1770/71: Hungersnot; 474 Menschen sterben
  • 1775–77: Bau der Kirche
  • 1778: Die Familie Habsburg-Lothringen überschreibt das Temescher Banat politisch an Ungarn. Billed gehört nun zum ungarischen Komitat Torontal
  • 1800: Übergabe der Kameralgemeinde Billiet an das Bistum Agram
  • 1809: Billiet wird zum Markt erhoben
  • 1833: Bau der barocken Pfarrkirche
  • 1848: Während der Revolution finden im Ort blutige Gefechte statt
  • 1849: Das Banat wird nach der Revolution wieder österreichisches Kronland
  • 1850: Errichtung eines Bezirksamtes in Billiet, zu welchem 20 Dörfer mit 37.257 Einwohnern gehören
  • 1867: Der „Ausgleich“ innerhalb der Doppelmonarchie findet statt. Das Banat fällt erneut an Ungarn
  • 1890: Billed zählt 4978 Einwohner, davon sind 4816 Deutsche (96,75 %)
  • 1895: Bau der Eisenbahnlinie Temeswar-Billed-Großsanktnikolaus
  • 1900: Auswanderungswelle nach Amerika
  • 1914–18: Erster Weltkrieg; Billed beklagt 123 Gefallene
  • 1918: Zerfall der k. u. k. Monarchie. Ausrufung der Autonomen Banater Republik
  • 1920: Der Friedensvertrag von Trianon hat die Dreiteilung des Banats zur Folge: Billed fällt an Rumänien
  • 1930: Volkszählung: 3791 Personen, davon 3431 Deutsche (90,5 %)
  • 1943: Zwischenstaatliches Abkommen über die Einreihung rumänischer Staatsbürger deutscher Nationalität in die deutsche Wehrmacht; Billed beklagt rund 100 Kriegsgefallene
  • 1944: Seitenwechsel Rumäniens; 70 Familien ergreifen die Flucht
  • 1945: Deportation aller deutschen Frauen und Männer in arbeitsfähigem Alter in Arbeitslager in der Sowjetunion; 76 Personen kehren nicht mehr zurück. Bodenreformgesetz; Enteignung der Deutschen
  • 1951: Zwangsevakuierung von 175 Personen in die Baragan-Steppe; davon kehren 59 nicht mehr zurück, die restlichen erst 1956
  • 1978: Mit dem Abkommen zwischen Deutschland und Rumänien über eine verstärkte Aussiedlung der deutschen Minderheit im Sinne der Familienzusammenführung beginnt die Auswanderungswelle
  • 1992: Laut Volkszählung leben in Billed 3458 Personen, davon 251 Deutsche (7,3 %)

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