Bilharziose
Histologische Untersuchung der Blase mit Schistosoma haematobium-Eiern.
Klassifikation nach ICD-10
B65 Schistosomiasis (Bilharziose)
ICD-10 online (WHO-Version 2006)
Eier von Schistosoma japonicum im Portalfeld der Leber

Schistosomiasis (früher als Bilharziose bezeichnet) ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.

Inhaltsverzeichnis

Erreger

Krankheitserreger sind so genannte Pärchenegel (Schistosoma), eine 1-2 cm lange Saugwürmergattung (Trematoda). Die von den Schnecken freigesetzten Larven dringen bei Kontakt in kontaminiertem Wasser durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in die Leber, wo sie sich weiterentwickeln. Dann verbreiten sie sich über die Venen vor allem in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn, sowie über die Ausscheidungen in Oberflächengewässer. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist ausgeschlossen.

Es sind unterschiedliche Erreger der Bilharziose bekannt: Schistosoma haematobium ist der Erreger der Blasenbilharziose, bei der vornehmlich die ableitenden Harnwege und die Harnblase befallen sind. Im Gegensatz hierzu verursachen die S. mansoni, S. intercalatum, S. japonicum und S. mekongi einen Darmbefall. Eine ungefährliche, jedoch äußerst lästige Infektion mit Trichobilharzia ocellata (parasitiert Wasservögel) ist als Cerkarien- oder Badedermatitis bekannt.

Namensursprung - Bilharziose

Der Erreger der Krankheit wurde 1851 von dem deutschen Tropenarzt Theodor Bilharz bei Obduktionen in einer Kairoer Klinik entdeckt und zunächst nach diesem als Bilharzia benannt.

Epidemiologie

Die Krankheit ist vor allem in Japan, China, den Philippinen, Afrika, Ägypten, Saudi-Arabien, Jemen, Südamerika, der Karibik und dem Nahen Osten verbreitet. Es wird geschätzt, dass ca. 250 – 300 Millionen Menschen von dem Parasiten befallen und 600 Millionen gefährdet sind. Durch Staudammbauten (z.B. Assuan-Staudamm in Ägypten) und Bewässerungsprojekte nimmt das Erkrankungsrisiko zu.

Klinik

Cercariendermatitis: deutlich sind hier die Eintrittsstellen der Larven durch die Haut auszumachen.

Die kennzeichnenden Symptome sind Juckreiz an der Eintrittsstelle der Larven, die Bildung eines Hautausschlages, lebensbedrohliches Fieber, Schüttelfrost, Husten, Kopfschmerzen und die Vergrößerung von Leber, Lymphknoten und Milz. Dieser akute Verlauf der Infektion wird auch als Katayama-Fieber bezeichnet. Je nach befallenem Organ unterscheidet sich der weitere Krankheitsverlauf. Innerhalb weniger Wochen bilden sich die Symptome zurück, vereinzelt kam es jedoch auch zu Todesfällen. Wenn die Erkrankung nicht behandelt wird, kann dies zu einer chronischen Infektion führen, wobei lebensbedrohliche Krankheitsverläufe in allen Stadien der Erkrankung auftreten können. Zur Therapie kommen relativ nebenwirkungsarme Medikamente zum Einsatz, sehr gebräuchlich ist eine Ein-Tages-Behandlung mit dem Wirkstoff Praziquantel. Aufgrund der wenigen wirksamen Medikamente besteht jedoch die Befürchtung von Resistenzbildungen [1].

Forschung

Im Jahr 1989 erhielten Aklilu Lemma und Legesse Wolde-Yohannes für ihre Erforschung der Eigenschaften der Endod-Pflanze (Phytolacca dodecandra, siehe: Kermesbeeren) als preiswertes Vorbeugungsmittel gegen Bilharziose sowie für ihren Kampf zur Überwindung der Voreingenommenheit der westlichen Medizin gegenüber der Forschung der Dritten Welt den alternativen Nobelpreis. 2008 wurde die Wirksamkeit von Oxadiazol-Derivaten gegen den Pärchenegel entdeckt.

Weblinks

Quellen

  1. http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/ein_hoffnungsschimmer_im_kampf_gegen_bilharziose_1.694953.html
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