AIDS Coalition to Unleash Power

Die Bewegung Act Up entstand 1987 in New York (USA). Aktivisten der Aids-Bewegung, die bislang vor Ort als Gay Men's Health Crisis organisiert war, und hauptsächlich in den Bereichen Prävention und Pflege engagiert war, wurden zunehmend ungeduldig mit der vermeintlich unpolitischen Haltung dieser Gruppe, und schlossen sich zusammen, um offensiver in der Öffentlichkeit für mehr Mittel für Forschung und für leistbarere und effektivere Medikamente gegen das HI-Virus zu werben. Der Name Act Up ist eine Abkürzung für AIDS Coalition To Unleash Power, bedeutet aber in der englischen Sprache auch etwa "sich auflehnen".

Der Organisation gehören nicht nur Schwule an, sondern auch Liberale, Feministinnen, Lesben und Mitglieder anderer sozialen Gruppen, die sich mit den politischen Zielen der Gruppe identifizieren. Sie tritt aktiv ein gegen die Stigmatisierung von Menschen mit AIDS, ein Problem das insbesondere in der Gründungszeit in den USA, wo die Krankheit als "schwule Seuche" oder "Strafe Gottes" dargestellt wurde, aktuell war. Sie geht ebenfalls radikal gegen Gruppen vor, die sich gegen die Nutzung und Verteilung von Kondomen engagieren, wie etwa die römisch-katholische Kirche.

Ebenso gerieten die Pharmakonzerne ins Visier der Aktivisten, wegen der Preisgestaltung für die Medikamente gegen das Virus, wie z. B. AZT, das in der Gründungszeit der Organisation neu auf dem Markt kam und bis zu 10.000 $ pro Jahr für die Behandelten kostete. Act Up behauptete, dass sie durch den Einsatz ihrer Lobbyisten die Zulassung neuerer, wirksamerer Medikamente behinderten, um aus den anfänglichen Fehlproduktionen möglichst lange Profit schöpfen zu können.

Methodik

Um ihre Ziele durchzusetzen, suchte Act Up die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren indem sie massive Meinungsbildung betrieb. Hierbei suchten sie besonders, in den Massenmedien vorzukommen. Das Thema AIDS wurde bis dahin in den Medien weitgehend vermieden; vereinzelte Erwähnungen der neuen Epidemie stellten Homosexuelle und Drogenabhängige eher negativ dar, und verknüpfte die Krankheit mit einer moralischen Bewertung und vermeintlichen persönlichen Schuld. Act Up vertrat hingegen andere Denkansätze und hat diese mit Kreativität öffentlich vertreten und versuchten Zeitungen und Abendnachrichten als Multiplikator ihrer Botschaften zu nutzen.

Besonders zu erwähnen ist hier eine Demonstration am 11. Oktober 1988 vor dem Sitz der Food and Drug Administration (FDA). Zusätzlich zu mediengerechtem Bildmaterial bekamen die Teilnehmer der Demonstration im Voraus Schulungen über die als bürokratisch und langsam kritisierte Arbeitsweise der FDA, durch die laut Act Up wichtige Medikamente blockiert würden. Auch wurden die Medien schon vorher durch hunderte Anrufe bei Journalisten und sorgfältig vorbereitete Pressemappen informiert und eingeladen. Die Medien reagierten wie erhofft und rückten das Problem AIDS und die Forderungen von Act Up ins politische Blickfeld.

Fortbestand

Die Organisation, die inzwischen weltweit tätig ist, feierte 2002 ihr 15-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde der Film Fight Back, Fight AIDS: 15 Years of Act Up des Regisseurs James Wentzy veröffentlicht. Der Film ist eine Dokumentation über das Netzwerk, das eine entscheidende Wende in der Behandlung des Themas AIDS herbeiführte. Er ist aber auch eine Mahnung, dass die Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Sachen AIDS auch aktuell noch unvermindert voran getrieben werden muss.

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