Bill Townley
William Townley
Spielerinformationen
Voller Name William J. Townley
Geburtstag 14. Februar 1866
Geburtsort Blackburn
Sterbedatum 30. Mai 1950
Sterbeort BlackpoolEngland
Position Flügelstürmer
Vereine in der Jugend
Blackburn Junior Football
Vereine als Aktiver1
Jahre Verein Spiele (Tore)
0000-1886
1886-1894
1894-1900
1900-
Blackburn Olympic
Blackburn Rovers
Darwen FC
Manchester City
Stationen als Trainer
0000-1909
1909-1911
1911-1913
1914
1914
1914
1919-1921
1920
1921
0000-1923
1923-1925
1924
1926-1927
1920er
1928-1929
1930-1932
1932-

unbestätigt:
?
DFC Prag
Karlsruher FV
SpVgg Fürth
FC Bayern München
SpVgg Fürth
FC Bayern München
FC Bayern München
FC St. Gallen
SV Waldhof Mannheim
SC Victoria Hamburg
FC St. Gallen
Niederlande
SpVgg Fürth
FSV Frankfurt
FC Union Niederrad 07
SpVgg Fürth
Arminia Hannover


Aufenthalt in Schweden

1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

William J. Townley (* 14. Februar 1866 in Blackburn; † 30. Mai 1950 in Blackpool, England) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler und -trainer. Er war der erste Spieler in der Geschichte des FA Cups, dem in einem Endspiel drei Tore gelangen. Später machte er sich als Pionier in der Trainerarbeit in der deutschen Fußballgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts einen Namen.

Inhaltsverzeichnis

Spielerlaufbahn

Billy Townley 1890 im Darwen Jersey

Townley begann seine Karriere bei Blackburn Olympic und schloss sich später den Blackburn Rovers an, die zu diesem Zeitpunkt die wohl beste englische - und damit weltweit beste - Fußballmannschaft stellten. Er spielte vornehmlich auf der Position des linken Flügelstürmers, gewann 1890 und 1891 jeweils den FA Cup und trug bei seinem ersten Finale zum 6:1-Sieg gegen The Wednesday, dem heutigen Sheffield Wednesday, drei Treffer bei, was zuvor noch keinem anderen Spieler gelungen war. Auch bei der Titelverteidigung im anschließenden Jahr konnte er ein Tor erzielen, als Notts County mit 3:1 besiegt wurde. Diese Rekordmarke von vier Toren in FA Cup-Endspielen wurde erst in den 1980er-Jahren von Ian Rush übertroffen, der jedoch dafür drei Finalpartien benötigte. In den Jahren 1889 und 1890 absolvierte Townley zwei Länderspiele für die englische Nationalmannschaft und konnte dabei zwei Tore erzielen. Im Jahre 1894 wechselte er zum Darwen FC, wo er sechs Jahre verbrachte, bevor es ihn dann zu Manchester City verschlug, wo er dann seine Karriere später aufgrund einer schweren Kopfverletzung als Fußballspieler beenden musste. Gerüchte, nach denen er beim damals noch zweitklassigen Woolwich Arsenal erfolgreich als Torhüter aktiv gewesen war, können nach heutigem Stand der historischen Aufzeichnungen nicht belegt werden, was vor allem im Fehlen jeglicher Hinweise in der offiziellen Geschichtsschreibung des FC Arsenals begründet liegt.

Trainerlaufbahn

Zum Abschluss seiner Spielerkarriere begann er damit, das Trainieren von Fußballmannschaften berufsmäßig zu gestalten, wobei er sich schon zuvor für die theoretischen Elemente des Fußballspiels interessiert hatte und ihm die notwendige pädagogischen Kenntnisse bei seiner Lehrerausbildung vermittelt wurden. Ob Townley offiziell eine Trainertätigkeit in England ausgeübt hat, kann nach heutigem Stand der Recherchen nicht mit Exaktheit gesagt werden.

Es kann jedoch gesagt werden, dass der Wettbewerb für relativ wenige Trainerpositionen in England recht stark war. Wohl auch deshalb orientierte sich Townley auf dem europäischen Festland, wo sich der Fußballsport erst ernsthaft zu etablieren begann. In Deutschland war der Fußball - wie wohl auch überall sonst in Europa - noch ein reiner Amateursport, wo die Spieler für ihre eigenen Ausgaben selbst aufkommen mussten. Einen Trainer anzustellen wurde als reiner Luxus angesehen und die Trainerfunktion wurde in der Regel auf einen erfahrenen Spieler oder einen Vereinsfunktionär übertragen. Oft wurde ein Trainer nur für spezielle Gelegenheiten engagiert, oder nur für eine sehr kurze Zeit, die der Mannschaft zur einmaligen Verbesserung der Leistungsstärke dienen sollte.

Anfänge und erste Erfolge in Deutschland

Townleys erste Trainerstation war beim Deutschen Fußball-Club Prag, der schon 1903 im Endspiel zur ersten deutschen Meisterschaft gestanden hatte. Prag zählte zu dieser Zeit zu einer der Hochburgen des "englischen Laufballspieles" auf dem Kontinent, was wohl auch auf zahlreiche Auftritte englischer Vereine zurückzuführen war.

Ab 17. Januar 1909 übernahm er das Training bei dem von dem legendären Walther Bensemann geförderten Spitzenverein Karlsruher FV, der 1905 ebenfalls bereits einmal im Finale zur deutschen Meisterschaft stand. Der Verein steckte vor Townleys Amtsantritt in einer Krise, wofür vornehmlich schlechtes Training verantwortlich gemacht wurde. Townley formte um Spieler wie Max Breunig eine formidable Mannschaft und gewann 1910 mit einem 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Holstein Kiel den ersten und einzigen Meistertitel in der Geschichte des KFV. Darüber hinaus richtete er seine taktischen Vorgaben - „Stoppen, schauen, zuspielen“ - die sich das schottisches Flachpassspiel zum Vorbild nahmen, bis in die Jugendbereiche des Vereins aus. Diesem Prinzip folgte er auch auf seinen weiteren Trainerstationen.

Die Vereinsführung des KFV verzichtete aber bald auf die Dienste Townleys, da sich der finanzielle Aufwand angesichts der später recht geringen Trainingsteilnahme der Spieler nicht mehr zu lohnen schien.

Begründung der Goldenen Ära der SpVgg Fürth

Im anschließenden Jahr wurde er dann von dem fränkischen Verein SpVgg Fürth, der heutigen SpVgg Greuther Fürth, verpflichtet. Der Verein besaß im kaiserlichen Deutschland die fortschrittlichsten Anlagen und war mit circa 3.000 Mitgliedern der größte Verein des Landes. Er führte den Klub zu seinen zwei ersten bayerischen Meisterschaften die seinerzeit als „Ostkreismeisterschaft“ firmierten und begründete damit die „goldene Ära“ des Vereins, die bis in die 1930er-Jahre hinein andauerte.

Im Dezember 1913 verpflichte ihn der FC Bayern München, von dem er im April des folgenden Jahres nach Fürth auf eine Art Leihbasis zurückkehrte. Mit den Franken drang er bis ins Endspiel der deutschen Meisterschaft in Magdeburg vor und schlug dort den seinerzeitigen mit drei Titeln Rekordmeister VfB Leipzig in der Verlängerung durch ein Tor in der 153. Minute mit 3:2. Die Mannschaft mit hochrespektablen Spielern wie Hans "Bumbes" Schmidt, Georg Wellhöfer, Karl Franz und dem Ungarn Frigyes Weicz holte damit die erste Deutsche Meisterschaft nach Fürth und auch Bayern (siehe auch Deutsche Meisterschaft 1913/14).

Anschließend zog es ihn zurück in die bayerische Hauptstadt. Als sich der Erste Weltkrieg ankündigte, könnte Townley Deutschland zeitweise verlassen haben, da er wohl eine Gefangennahme in Deutschland befürchten musste - eine reale Gefahr, wie beispielsweise Steve Bloomer erfahren musste, der als Trainer eines Berliner Vereins interniert wurde. Doch 1916/17 war er bereits erstmals in der hessischen Metropole Frankfurt beim dortigen FSV anzutreffen.[1]

Wanderjahre nach dem Krieg

Nach dem Krieg trainierte er wieder den FC Bayern München und gewann dort einige regionale Titel. Im August 1920 ging er für einige Wochen zum Schweizer Verein FC St. Gallen, den in jenen Jahren mit dem Münchner Club eine Sportfreundschaft verband, und betreute die dortige Mannschaft in einer Art Sommertrainingslager. Beim FC Bayern arbeitete Townley während seiner zwei Amtszeiten mit dem bayerischen Präsidenten Kurt Landauer zusammen, der selbst den Verein im Jahre 1932 mit dem Österreicher Richard Dombi - dem späteren Erfolgstrainer von Feyenoord Rotterdam - zur ersten Meisterschaft in der Vereinsgeschichte führen sollte.

Townley zog es anschließend zum SV Waldhof Mannheim, den er auf die süddeutsche Meisterschaft 1921 vorbereiten sollte. Der SV Waldhof wurde dann auch erst vom amtireenden Meister auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung, dem 1. FC Nürnberg besiegt. Der Club wurde wiederum vom ebenso bedeutenden ungarischen Trainer Izidor Kürschner betreut, der in jenen Jahren auch einmal kurzfristig beim FC Bayern anheuerte.

n der Folgezeit war er möglicherweise auch in Schweden aktiv, doch konkrete Anhaltspunkte sind hierzu nicht zu finden. Die nächste Spur von Townley ist ab 1921 beim SC Victoria Hamburg zu finden, wo er etwas mehr als zwei Spielzeiten verbrachte und dabei auch seinen Sohn zum Einsatz auf der Stürmerposition kommen ließ. Hamburger und Münchner Zeitungen nannten "ein Gehalt von M. 800,- pro Woche, die Einnahme eines Benefizspieles sowie die Beschaffung und Einrichtung einer Vierzimmerwohnung" als angebliche Bedingungen Townleys für einen Zweijahresvertrag. Der Trainer "soll sich mit dem Gedanken tragen, seine Familie aus England nach Deutschland kommen zu lassen. In diesem Falle würde auch sein 18jähr. Sohn, der in England als erstklassiger Stürmer einen guten Ruf hat, nach Hamburg übersiedeln und hier für die Farben Viktoria´s (sic!) tätig sein." [2]

Im Jahre 1923 kehrte Townley nach St. Gallen zurück, wo er bis Februar 1925 bleiben sollte. In diesem Zusammenhang ist noch interessant, dass St. Gallen mit Jack Reynolds bereits zu Beginn der 1910er-Jahre einen englischen Trainer beschäftigt hatte, der im weiteren Verlauf seiner Trainerkarriere nach Amsterdam wechselte und dort Ajax zu einem führenden Verein der Niederlande machte.

Townley unterbrach seine Trainerbeschäftigung in der Schweiz für vier Monate und nahm mit der niederländischen Nationalmannschaft an den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris teil. Dort verlor er mit seiner Mannschaft im Halbfinale nur knapp mit 1:2 gegen das damals wohl weltbeste Team aus Uruguay - mit Spielern wie José Andrade und Pedro Cea - und musste sich letztlich mit dem vierten Platz begnügen - immerhin für 50 Jahre der größte Erfolg der Niederländer. Bei diesem Turnier feierte auch die Schweizer Fußballnationalmannschaft mit dem Gewinn der Silbermedaille ihren bis heute größten Triumph, und zu deren Trainer-Triumvirat gehörte wiederum der bereits erwähnte Izidor Kürschner.

Neuer Erfolg mit Fürth

Im Mai 1926 schloss sich er erneut der SpVgg Fürth an und gewann sogleich mit dem mit einem klaren 4:1-Endspielsieg gegen Hertha BSC (siehe auch Deutsche Meisterschaft 1925/26) die zweite Meisterschaft der Klubgeschichte, welche für ihn die dritte war. Die Nationalspieler Hans Hagen, Leonhard "Lony" Seiderer und Andreas Franz gehörten zu den Stars dieser Meistermannschaft. Nach dem Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft von 1927 verblieb er noch bis September des Jahres bei der Spielvereinigung.

Als nächstes wurde er beim FSV Frankfurt, dem Vizemeister von 1925, angetroffen. Die Details zu seiner Zeit bei den Hessen sind allerdings etwas schwammig. Um 1928 war er auch für 15 Monate beim FC Union Niederrad 07, der sich in jener Zeit kurz als die Nummer drei in Frankfurt etablieren konnte. Finanzielle Engpässe zwangen die Vorstädter aber das Engagement nach 15 Monaten zu beenden.[3]

Mittlerweile gewann die SpVgg Fürth ihre dritte deutsche Meisterschaft. Unter den Spielertrainergespann Hans "Urbel" Krauss und Andreas Franz gewannen die Franken das Finale von 1929 gegen die Berliner Hertha mit 3:2. Der kicker kommentierte das weiland wie folgt: Das Geheimnis (...) ist und bleibt das Erbe des genialen Engländers William Townley; Fürths System ist immer noch die wundervolle Schöpfung des alten Blackburn-Roversmann, der den Fürthern einmal vor dem Krieg die Feinheiten der Fußballkunst so fest eingeimpft hat, daß sie es auf dem fruchtbaren Nürnberg-Fürther Boden noch nicht verlernt haben. (Rechtschreibung wie im Original)[4]

Der so gepriesene kehrt im September 1930 erneut nach Fürth zurück und gewann 1931 wieder die süddeutsche Meisterschaft. Im Rennen um die deutsche Meisterschaft verlor Titelverteidiger Fürth jedoch im Viertelfinale gegen den nunmehrigen Titelverteidiger Hertha BSC Berlin im Poststadion der Reichshauptstadt mit 1:3. 1932 kann sich die Spielvereinigung nicht für die Meisterschaftsendrunde qualifizieren und Townley verabschiedet sich im März ein letztes mal von den Franken.

Danach war Townley bei Arminia Hannover tätig. Er schloss sich dem Verein 1932 an und schlug mit den Niedersachsen im Achtelfinale den Dresdner SC, verlor dann aber in der nächsten Runde mit 0:3 auf eigenem Platz gegen den späteren Meister Fortuna Düsseldorf, in deren Reihen der legendäre Paul Janes stand. Diese Zeit sollte die erfolgreichste Periode in der Geschichte von Arminia Hannover sein und es war zugleich die letzte zurückverfolgbare Trainerposition Townleys.

Im Alter von 84 Jahren verstarb Townley 1950 in Blackpool an der englischen Kanalküste.

Sportliche Erfolge

  • Deutscher Meister: 1910, 1914, 1926
  • Süddeutscher Meister: 1931
  • Süddeutscher Pokalsieger: 1927
  • Bayerischer Meister („Ostkreismeisterschaft“): 1912, 1913
  • Norddeutscher Meister (Bereich Süd): 1933
  • Südbayerischer Meister: 1920
  • Münchner Meister: 1920
  • Vierter bei den Olympischen Spielen: 1924

Bilanz als Nationaltrainer der Niederlande

Amtszeit[5] S G - U - V
23.März 1924 - 9. Juni 1924 8 2 - 3 - 3

Einzelnachweise

  1. William Townley Portrait bei "El Bombin"
  2. Zitiert nach: Kampf. Illustrierte sächsische Sportwochenschrift, Nr. 8 vom 23. Februar 1921, S. 15
  3. Vereinshistorie auf der Website des FC Union Niederrad 07
  4. Der kicker, 6. August 1929
  5. „Dutch National Team Coaches“ (rsssf.com)

Weblinks


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