1. Violinkonzert (Bruch)
Max Bruch; Photographie von 1913

Das 1. Violinkonzert in g-Moll, op. 26 ist ein Violinkonzert des Komponisten und Dirigenten Max Bruch. Es ist eines der wenigen seiner Werke, die noch heute regelmäßig aufgeführt werden. Dem Komponisten aus Köln, der zwar zu Lebzeiten ähnlich angesehen wie Johannes Brahms war, jedoch nach dem Tod schnell an Ansehen und Präsenz verlor, gelang hier ein Violinkonzert von Weltrang. Das Werk entstand in den Jahren 1866 bis 1868. Eine erste Fassung wurde auf dem Niederrheinischen Musikfest uraufgeführt; die heute bekannte, noch einmal vom Komponisten ausgebesserte Fassung wurde erstmals am 7. Januar 1868 in Bremen gespielt. Gewidmet war das Werk dem bedeutenden Geiger Joseph Joachim, der auch Solist der Uraufführung war. Er hatte Bruch vorher bei der Ausgestaltung des Soloparts beraten. Das Konzert bietet dem Solisten an einigen Stellen die Möglichkeit, Virtuosität zu demonstrieren. Die Aufführungsdauer des Konzertes beträgt je nach Ausführung etwa 25 Minuten.

Werkbeschreibung

Das Violinkonzert besteht aus folgenden Sätzen:

  1. Vorspiel, Allegro moderato
  2. Adagio
  3. Finale, Allegro energico

Der erste Satz, von Bruch als Vorspiel bezeichnet, hat einen stark rhapsodischen Charakter. Eröffnet wird der Satz mit zwei pianissimo Paukenschlägen. Auf diese folgt das zunächst von den Holzbläsern vorgetragene lyrische, Hauptthema. Die Solovioline beginnt anschließend bereits das Thema zu bearbeiten und einige Improvisationen vorzutragen. Einem kurzen Orchestertremolo folgt der erste eigentliche Solopart der Violine. Nach einiger Zeit führt Bruch ein B-Dur-Seitenthema in den Satz ein. Es folgt eine verhältnismäßig kurze Durchführung, welche jedoch den Höhepunkt des Satzes einleitet. Dieser besteht aus einem vorandrängenden Orchestertutti (Un poco piu vivo). Die Reprise bringt ein Wechselspiel von Solovioline und Orchester, in welchem das Thema leicht verändert wird. Das Orchester leitet nun direkt in den zweiten Satz über.

Das lyrische Adagio ist der zentrale Punkt des Werkes. Der höchst einfühlsame und innige Satz ist einer Romanze nachempfunden. Er beginnt direkt mit dem gesanglichen und elegischen Hauptthema. Die Solovioline entwickelt mit leiser Orchesterbegleitung ein lyrisches Kantilenenspiel. Hier wird der melodische Erfindungsspielraum Bruchs besonders deutlich. Der empfindsame Satz steigert sich langsam über den melodischen und ebenfalls lyrisch-elegischen Seitengedanken. In der Mitte des Satzes folgt ein Wechsel nach Ges-Dur. Diese leichte musikalische Verschiebung bewirkt eine Veränderung des Klangbildes. Mit weiteren dynamischen Steigerungen, wird das Klangbild schließlich zu einem hellen Es-Dur entwickelt. Ein letztes Mal erklingt das träumerische Hauptthema, bevor der ergreifende Satz langsam verklingt.

Das Finale ist von tänzerischem Charakter und steht größtenteils in G-Dur. Die Orchestereinleitung stellt das leidenschaftliche und populär gewordene Hauptthema vor. Der rhythmische Kerngedanke des Satzes wird allmählich entwickelt und erstrahlt schließlich im Fortissimo. Der Solist hat dieses Thema mit oft anspruchsvollen Doppelgriffspiel zu bewältigen. Im weiteren Verlauf des Satzes umspielt und variiert die Solovioline das Hauptthema. Auch wird ein festliches und kompaktes Seitenthema durch die Violine eingeführt. Den Abschluss des majestätisch wirkenden Satzes bildet eine virtuose Presto-Stretta, vorgetragen vom Orchester und dem Solisten.

Stellenwert

Das Violinkonzert g-Moll op. 26 ist eines der wenigen Werke Max Bruchs, die heute noch regelmäßig gespielt werden. Das Werk hat einen ähnlichen Stellenwert wie die Violinkonzerte von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy. Die ausdrucksstarke Melodik, die Klangschönheit und die klare Struktur des Werkes begründen seine anhaltende Beliebtheit bei Solisten und Zuhörern. Anfangs war Max Bruch erfreut über den Erfolg seines Konzerterstlings. Im Lauf der Zeit wurde dieser Erfolg jedoch zur Belastung, da die gesamte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sich nun auf das erste Violinkonzert konzentrierte und Bruchs restliche Musik, auch das zweite und das dritte Violinkonzert, vernachlässigt wurden. So schrieb Bruch an seinen Verleger:

„Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutsche Geiger. Alle vierzehn Tage kommt einer und will mir das erste Concert vorspielen: ich bin schon grob geworden und habe zu Ihnen gesagt: 'Ich kann dieses Concert nicht mehr hören - habe ich vielleicht nur dieses eine Concert geschrieben? Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Concerte, die ebenso, wenn nicht besser sind!'“

Max Bruch

1893 schrieb er gar eine Xenie, in der er ein Verbot des Konzerts forderte:

„Da sich in neuester Zeit das erstaunliche Factum ereignet, / Daß die Geigen von selbst spielten das erste Konzert, / Machen wir schleunigst bekannt zur Beruhigung ängstlicher Seelen, / Daß wir besagtes Concert verbieten mit Ernst.“

Max Bruch, 1893

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