Billwerder
Lage des Stadtteils

Billwerder

Lage des Bezirks

Bergedorf

Basisdaten Billwerder
Staat: Deutschland
Fläche: 9,5 km²
Einwohner: 1299 (2006)
Bevölkerungsdichte: 137 Einwohner je km²
Geografische Lage: 53° 30' n. Br. , 10° 14' ö. L.

Billwerder ist ein Stadtteil der Stadt Hamburg im Bezirk Bergedorf.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Billwerder ist Teil der Marschlande. Der Stadtteil befindet sich im feuchten Marschgebiet und ist dünn besiedelt. Billwerder bildet den Übergang der ländlichen Vier- und Marschlande zu den Industrie- und Gewerbegebieten der östlichen Ausläufer des Hamburger Hafens. Insofern prägen das Bild des Stadtteils größtenteils Gartenbau und Landwirtschaft, andererseits jedoch auch Gewerbebereiche sowie die Bundesautobahn 1.

Der Billwerder ist eigentlich eine Bezeichnung für die Elbinsel zwischen Dove Elbe und Bille, auf der auch die Stadtteile Allermöhe, Billbrook, Billwerder und Moorfleet liegen.

Geschichte

Der Name Billwerder rührt von Bilnawerthere bzw. Billna und Billenkercken her, was „Insel in der Bille“ bedeutet. Bis 1949 hieß der Ort Billwärder an der Elbe.

Glockenhaus 1885

Etwa um 1150 begann die Besiedelung der Elbinsel. Die damals sächsischen Siedler errichteten Deiche auf dem Bill- und dem Ochsenwerder nach holländischem Vorbild. Sie entwässerten die Gegend und betrieben Landwirtschaft. 1320 verwüsteten schwere Sturmfluten die Dörfer Billwerder, Allermöhe und Moorfleet. 1331 verkauften die Dörfer ihre Kirchenglocken zur Finanzierung eines neuen Deichs. 1385 erwarben zunächst zwei Hamburger Ratsherren Nutzungsrechte an Billwerder. 1395 kaufte die Stadt Hamburg Billwerder und andere Dörfer auf dem Gebiet der heutigen Marschlande für 2500 Mark dem Grafen Otto I. von Schauenburg ab, um im eigenen Interesse die Elbschifffahrt und den Handel zu sichern. Hamburg richtete die Landherrenschaft Bill- und Ochsenwerder ein, die die Verwaltung Billwerders übernahm. Dies bedeutete, dass ein Hamburger Landherr die Rechte der Stadt wahrnahm; hierbei unterstützten ihn Land- und Bauernvogte mit hoheitlichen Befugnissen. Die Stadt baute und finanzierte neue Deiche, so dass Billwerder im 15. Jahrhundert weitgehend gesichert war.

Billwerder Motive 1907

Wie auch in Moorfleet bauten die meisten Bauern Hopfen und Getreide an, wobei sie den Hopfen an die Hamburger Brauereien zur Herstellung des Bieres verkauften. 1627, während des Dreißigjährigen Krieges, erlitt Billwerder Plünderungen der kaiserlichen Armee. 1675 durchzogen dänische Truppen den Ort und 1686 besetzte der Herzog von Braunschweig-Lüneburg Billwerder. Aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen verarmten große Teile der Bevölkerung. Durch die Umstellung von Getreide- auf Gemüseanbau erholte sich die Bevölkerung allmählich. 1830 entstand die Landherrenschaft Marschlande, in die Billwerder überging. Nach 1850 entwickelte sich im Nordosten Billwerders ein riesiges Gewerbe- und Industriegebiet, das 1913 zum eigenen Stadtteil Billbrook wurde. Im Nordwesten hingegen entstand ein dicht besiedeltes Gebiet, das 1871 zum Vorort Billwerder Ausschlag wurde, 1894 den Status eines Stadtteils erhielt und 1938 zumindest zum Teil in Rothenburgsort umbenannt wurde. 1962 erlitt Billwerder durch die Flutkatastrophe schwere Schäden.

Politik

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Billwerder zum Wahlkreis Bergedorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Die evangelisch-lutherische St. Nikolaikirche entstand von 1737 bis 1739. Das dazugehörige Pastorat bildete sich 1833, das Gemeindehaus 1905. Bei Lötarbeiten brannte die Kirche 1911 ab. Der 1913 eingeweihte Neubau entstand auf den alten Mauern der Kirche.

Wirtschaft und Infrastruktur

1993 entstand in Billwerder ein Umschlagbahnhof für den kombinierten Verkehr der Deutschen Bahn, in dem jährlich etwa 180.000 Ladeeinheiten (überwiegend Container) von der Straße auf die Schiene und umgekehrt kommen.
Seit 1934 befindet sich in Billwerder der Rundfunksender Billwerder-Moorfleet. Dessen längster Sendemast ist mit 304 m das höchste Bauwerk in Hamburg.

Verkehr

Autobahn

Die Bundesautobahn 1 unterquert die Bahnanlagen in einem 243 Meter langen Tunnel. In Moorfleet befindet sich das Autobahndreieck Hamburg-Südost, an dem die Bundesautobahn 25 abzweigt. Hamburg-Moorfleet ist eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 1 und speziell für die Industrie gefertigt worden.

S-Bahn

Drei S-Bahnhöfe, namentlich Billwerder-Moorfleet, Mittlerer Landweg und Allermöhe liegen in Billwerder.
Die Haltestelle Billwerder-Moorfleet wurde am 7. Mai 1842 als Bedarfshaltepunkt der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn eröffnet. Der S-Bahnbetrieb mit Gleichstromzügen begann am 1. Juni 1958. Die Hamburger Marschbahn kreuzte hier im rechten Winkel von 1928 bis 1952 auf der Strecke von Billbrook nach Zollenspieker.

Öffentliche Einrichtungen

2000 begann unmittelbar an der Bundesautobahn 1 auf einem fast 200.000 Quadratmeter großem Areal der Bau der Justizvollzugsanstalt Billwerder. Der erste Bauabschnitt wurde im Juni 2003 in Betrieb genommen und der zweite Bauabschnitte war im Februar 2006 abgeschlossen. Die neue, mit 803 Plätzen ausgestattete Anstalt ersetzte die Justizvollzugsanstalt Neuengamme, die zum Teil auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme stand.

Bildergalerie

Quellen und Weblinks

  • Hamburg von Altona bis Zollenspieker, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 1. Auflage 2002, ISBN 3-455-11333-8
  • Billwärder Recht (niederdeutsch)

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