Billy Graham
Billy Graham, 1966
Billy Graham im Feyenoord-Stadion in Rotterdam (Video, 30. Juni 1955)

Billy Graham, eigentlich William Franklin Graham, KBE (* 7. November 1918 in Charlotte, North Carolina) ist ein US-amerikanischer Baptistenpastor, Erweckungsprediger, der dem Evangelikalismus zuzurechnen ist. Der Theologe wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von konservativen Theologen als einer der einflussreichsten Christen des 20. Jahrhunderts bezeichnet.[1]

Graham hat mit seiner Frau Ruth Bell-Graham, die als Tochter von Missionaren in China und Korea aufgewachsen ist, drei Töchter und zwei Söhne, die ebenfalls in amerikanischen evangelikalen Kirchen aktiv und überregional bekannt sind. Sein Sohn Franklin Graham führt die Geschäfte der Billy Graham Evangelistic Association. Graham lebte bis zum Tod seiner Frau, die am 14. Juni 2007 im Alter von 87 Jahren starb, mit ihr zusammen in Montreat, North Carolina.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Richard Nixon und Billy Graham am 28. Mai 1970 während einer Evangelisation

Graham führte von den fünfziger Jahren bis zum Jahr 2000 Massenevangelisationen (so genannte „crusades“ (engl. für Kreuzzug)) durch. Er begann seinen evangelistischen Dienst als Mitbegründer und erster Vollzeitmitarbeiter von Jugend für Christus in den USA und weitete sein Evangelisationswerk auf alle Erdteile aus. Ende der 1980er Jahre wirkte er als einer der ersten ausländischen Evangelisten in Moskau.

In Deutschland führte er in Verbindung mit der Evangelischen Allianz insgesamt fünf „crusades“ durch. Die bekannteste unter ihnen war die „Euro 70“. Diese Veranstaltung fand in der Dortmunder Westfalenhalle statt und wurde mit damals modernster Technik in viele Großstädte Deutschlands live übertragen. Er war in den 90er Jahren ebenfalls am Aufbau von ProChrist beteiligt.

Graham leidet an der Parkinson-Krankheit sowie an Prostatakrebs und beendete im Jahre 2000 seine Missionsarbeit. Er predigt jedoch noch heute vor großem Publikum.

Positionen

Grahams Predigten sind inhaltlich einfach, aber rhetorisch eindringlich. Dies trug ihm den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ ein.[2]

Durch Anekdoten und Beispiele aus dem persönlichen Erleben wird seine Verkündigung für breite Massen verständlich und überzeugend.

Graham ist Baptist, aber seine Verkündigung war niemals konfessionell gebunden. Er arbeitete mit vielen unterschiedlichen Denominationen zusammen. Theologisch gehört er zu den Begründern der evangelikalen Bewegung, die sich in den 1950er-Jahren vom Christlichen Fundamentalismus löste. Wie der Großteil der amerikanischen Evangelikalen vertritt Graham eine konservative Moral, ist gegen Abtreibung und Homosexualität und befürwortet die Todesstrafe. In diesen politischen Fragen tritt er auf Seiten konservativer Rechter in den USA auf. Graham unterstützte den Krieg der USA in Vietnam durch Truppenbesuche und Großveranstaltungen (crusades) zu Weihnachten 1966, 1967 und 1968.

Seinen Argwohn gegenüber „der gewaltigen Macht des Kommunismus“, des „Feindes des Christentums“, verknüpfte er mit endzeitlichen Vorstellungen (1954):

Der Antichrist, vor dem die Propheten warnten, daß er in den letzten Tagen erscheinen würde, wächst und nimmt Gestalt an vor unseren Augen …[3]

Das Erscheinen des Antichristen schien für Graham bereits sehr nahe:

Die Zeit rückt nahe, die Zielstrecke ist schon abgesteckt … Die Anzeichen des falschen Propheten sind überall zu erkennen, und viele von uns mögen lebendige Zeugen des furchtbaren Augenblicks werden, wenn der letzte Akt dieses uralten Dramas beginnt.

Allerdings legte sich Graham zeitlich nicht fest, zum Unterschied zu solchen Buchautoren und Gemeinschaften, für die das Thema Endzeit zentral war. Das zentrale Anliegen für Graham war, dass Menschen Frieden mit Gott (so ein Buchtitel) finden.

Schon früh begann Graham die modernen Massenkommunikationsmittel zu nutzen. Neben umfangreicher Literaturarbeit (er gründete die Zeitschrift Decision / Entscheidung) nutzte er schon früh das Radio und den Film (World Wide Pictures Inc.) als Massenmedien. Später kam das Fernsehen hinzu, schließlich das Satellitenfernsehen (Fernsehprediger). Millionen von Menschen weltweit bringen ihre Konversion zum christlichen Glauben mit der Verkündigung Billy Grahams in Verbindung.

Insgesamt verkündigte Graham auf 417 Großveranstaltungen vor 210 Millionen Menschen in 185 Ländern. Allein sieben Mal trat er in Deutschland auf, zuletzt 1993 bei der Veranstaltung ProChrist.

Grahams Bemühungen um einen religiösen Neuanfang in den Nachfolgestaaten der atheistischen Sowjetunion brachten wenig Ergebnisse. Das könnte an kulturellen Unterschieden liegen, und an Vorbehalten seitens der ehemals staatsnahen russisch-orthodoxen Kirche, die ihren Status gefährdet sah.

Zu Grahams Arbeit gehörte die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter und sogenannter Multiplikatoren. Bedeutsam – aber auch umstritten  – war sein Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. Graham fungierte auch als seelsorgerlicher Berater mehrerer US-amerikanischer Präsidenten, so etwa bei Richard Nixon. Präsident George W. Bush wurde nach eigenen Aussagen bei der Überwindung seiner Alkoholprobleme entscheidend durch Graham, einem Freund der Familie Bush, unterstützt.

Über den gemäßigten Prediger, der sich stilistisch deutlich von den radikaleren, so genannten jungen Wilden (Jerry Falwell, Pat Robertson, Jimmy Swaggart, Eugene Scott) abgrenzte, sind, teilweise aus eigenem Mund, Anekdoten bekannt.

Laut Aussagen des renommierten Journalisten Ben Bagdikian wurde Graham durch Unterstützung der sprichwörtlichen (Citizen Kane) Zeitungsmogule William Randolph Hearst und Henry Luce bekannt. So erwirkte Hearst durch ein Telegramm an den Herausgeber des Nachrichtenmagazins TIME Anfang der 1950er Jahre to puff Graham, dass dieser auf dem Titelbild der Zeitschrift erschien.

Als 30 Jahre nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Nixon dessen illegal mitgeschnittene Tonbänder durch das National Archive veröffentlicht wurden, kam es nach der Freigabe eines aufgezeichneten Gesprächs zwischen Nixon und Graham zu einem Eklat. O-Ton Graham am 1. Februar 1972:

“A lot of the Jews are great friends of mine, they swarm around me and are friendly to me because they know that I'm friendly with Israel. But they don't know how I really feel about what they are doing to this country. And I have no power, no way to handle them, but I would stand up if under proper circumstances.”

„Eine Menge Juden sind gute Freunde von mir, sie umschwärmen mich und sind freundlich zu mir, denn sie wissen, dass ich freundlich zu Israel bin. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich darüber denke, was sie mit diesem Land machen. Und ich habe nicht die Macht das zu ändern, habe keine Möglichkeit anders mit ihnen umzugehen, aber unter angemessenen Umständen würde ich mich dagegen wehren.“

Nachdem die Mitschnitte veröffentlicht wurden, sagte Graham, er könne sich nicht an das Gespräch aus der Zeit seiner Evangelisationen und angetragenen moralischen Führerschaft erinnern, und entschuldigte sich - die Tonbandmitschnitte gäben jedenfalls nicht seine Meinung wieder.

Schriften (Auswahl)

Literatur

  • Curtis Mitchell: Die nach vorne kamen – Evangelisation mit Billy Graham. 1967
  • John Barnhart: Die Billy Graham Story – Seine Botschaft und ihre Wirkung in Politik und Gesellschaft. 1973
  • Franklin Graham: Wenn man einen berühmten Vater hat. Der lange Weg zu sich selbst. Holzgerlingen 2001, ISBN 3-7751-3598-7
  • John Pollok: Billy Graham – Die Biografie. 2004, ISBN 3-7751-4180-4
  • Hanspeter Nüesch: Ruth und Billy Graham: Ein Ehepaar verändert die Welt. 2009, ISBN 978-37751-5061-3

Weblinks

 Commons: Billy Graham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Time Magazine: The 100 most important people of the century
  2. Belege bieten z. B.:
    Stichtag, vom 24. Juni 2004 auf wdr.de
    tagesschau.de-Beitrag vom Stand: 26. Juni 2005 10:58 Uhr (nicht mehr online verfügbar)
    Letzte Salve aus „Gottes Maschinengewehr“ in Spiegel Online, 26. Juni 2005
    alle abgelesen am 9. Januar 2010.
  3. In seinem Buch „Friede mit Gott“, in der 10.Tb.-Auflage 1971, S.151f. Das folgende Zitat S.46. - Ausführliche Zitate bei Franz Graf-Stuhlhofer: „Das Ende naht!“ Die Irrtümer der Endzeit-Spezialisten (Theologisches Lehr- und Studienmaterial; 24). Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn, 3.Aufl. 2007 (Nachdruck der 2.Aufl. 1993, nun mit Register), S.32, 34, 47f, 86f, 147.

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