Billy Graham (Evangelist)
Billy Graham, 1966

Billy Graham, eigentlich William Franklin Graham, KBE (* 7. November 1918 in Charlotte) ist ein US-amerikanischer Baptistenpastor, Prediger und Erweckungsprediger. Der promovierte Theologe wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von konservativen Theologen als einer der einflussreichsten Christen des 20. Jahrhunderts bezeichnet.[1]

Graham hat mit seiner Frau Ruth Bell-Graham, die als Tochter von Missionaren in China und Korea aufgewachsen ist, drei Töchter und zwei Söhne, die ebenfalls in amerikanischen evangelikalen Kirchen aktiv und überregional bekannt sind. Sein Sohn Franklin Graham führt die Geschäfte der Billy Graham Evangelistic Association. Graham lebte bis zum Tod seiner Frau, die am 14. Juni 2007 mit 87 Jahren starb, mit ihr zusammen in Montreat, North Carolina.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Richard Nixon und Billy Graham am 28. Mai 1970 während einer Evangelisation

Graham führte von den fünfziger Jahren bis zum Jahr 2000 evangelistische Großveranstaltungen (so genannte „crusades“ (engl. für Kreuzzug)) durch. Er begann seinen evangelistischen Dienst als Mitbegründer und erster Vollzeitmitarbeiter von Jugend für Christus in den USA und weitete sein Evangelisationswerk auf alle Erdteile aus. Ende der 1980er Jahre wirkte er als einer der ersten ausländischen Evangelisten in Moskau. In Deutschland führte er in Verbindung mit der Evangelischen Allianz insgesamt fünf „crusades“ durch. Die bekannteste unter ihnen war die „Euro 70“. Diese Veranstaltung fand in der Dortmunder Westfalenhalle statt und wurde mit damals modernster Technik in viele Großstädte Deutschlands live übertragen.

Grahams Predigten kennzeichnen inhaltliche Schlichtheit und große Rhetorik. Mit Anekdoten und gezielten Beispielen aus dem persönlichen Erleben strebt er danach, seine Verkündigung für breite Massen verständlich und überzeugend zu machen.

Obwohl Graham Baptist ist, war seine Verkündigung niemals konfessionell gebunden. Er arbeitete mit vielen unterschiedlichen Denominationen zusammen. Theologisch gehört der amerikanische Erweckungsprediger zu den Begründern der evangelikalen Bewegung, die sich in den Fünfzigerjahren vom Christlichen Fundamentalismus abspaltete. Wie der Großteil der amerikanischen Evangelikalen vertritt Graham eine konservative Moral, ist gegen Abtreibung und Homosexualität und befürwortet die Todesstrafe. In diesen politischen Fragen tritt er massiv auf Seiten konservativer Rechter in den USA auf. Graham unterstützte den Krieg der USA in Vietnam durch Truppenbesuche und Großveranstaltungen (crusades) Weihnachten 1966, 1967 und 1968.

Schon früh begann Graham die modernen Massenkommunikationsmittel zu nutzen. Neben umfangreicher Literaturarbeit (zum Beispiel die Zeitschrift Decision / Entscheidung) nutzte er schon früh das Radio und den Film (World Wide Pictures Inc.) als Massenmedien. Später kamen das Fernsehen und das Satellitenfernsehen hinzu (Fernsehprediger). Millionen von Menschen bringen weltweit ihre Konversion zum christlichen Glauben mit der Person Billy Grahams in Verbindung.

Aufgrund kultureller Unterschiede und wegen materieller Konflikte mit der ehemals staatsnahen russisch-orthodoxen Kirche, die ihren Status gefährdet sah, werden Grahams Bemühungen eines religiösen Neuanfangs in den Nachfolgestaaten der verblichenen atheistischen Sowjetunion als gescheitert betrachtet.

Zu Grahams Arbeit gehörte die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter und sogenannter Multiplikatoren. Bedeutsam für ihn – aber auch umstritten bei vielen seiner Zeitgenossen – war für Graham der Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. Graham fungierte in diesem Zusammenhang auch als seelsorgerlicher Berater mehrerer US-amerikanischer Präsidenten, so z. B. bei Richard Nixon. Präsident George W. Bush wurde nach eigenen Aussagen bei der Überwindung seiner Alkoholabhängigkeit entscheidend durch Graham, einem Freund der Familie Bush, unterstützt.

Über den gemäßigten Prediger, der sich stilistisch deutlich von den radikaleren, so genannten jungen Wilden (Jerry Falwell, Pat Robertson, Jimmy Swaggart, Eugene Scott) abgrenzte, sind, teilweise aus eigenem Mund, Anekdoten bekannt. Laut Aussagen des renommierten Journalisten Ben Bagdikian wurde Graham durch Unterstützungen der sprichwörtlichen (Citizen Kane) Zeitungsmogule William Randolph Hearst und Henry Luce bekannt. So erwirkte Hearst durch ein Telegramm an den Herausgeber des Nachrichtenmagazins TIME Anfang der 50er Jahre to puff Graham, dass Graham auf dem Titelbild der Zeitschrift erschien. Als dreißig Jahre nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Nixon dessen illegal mitgeschnittene Tonbänder durch das National Archive veröffentlicht wurden, kam es nach der Freigabe eines aufgezeichneten Gesprächs zwischen Nixon und Graham zu einem Eklat. O-Ton Graham am 1. Februar 1972:

A lot of the Jews are great friends of mine, they swarm around me and are friendly to me because they know that I'm friendly with Israel. But they don't know how I really feel about what they are doing to this country. And I have no power, no way to handle them, but I would stand up if under proper circumstances.

übersetzt:

Eine Menge Juden sind gute Freunde von mir, sie umschwärmen mich und sind freundlich zu mir, denn sie wissen, dass ich freundlich zu Israel bin. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich darüber denke, was sie mit diesem Land machen. Und ich habe nicht die Macht das zu ändern, habe keine Möglichkeit anders mit ihnen umzugehen, aber unter angemessenen Umständen würde ich mich dagegen wehren.

Der ehemalige Geistliche Graham wollte sich nicht an das Gespräch aus der Zeit seiner Evangelisationen und angetragenen moralischen Führerschaft erinnern und entschuldigte sich mit der Behauptung, die Tonbandmitschnitte gäben nicht seine Meinung wieder.

Graham leidet an der Parkinson-Krankheit sowie an Prostatakrebs und beendete im Jahre 2000 seine Missionsarbeit: „Ich habe Parkinson, was mich aus dem Gleichgewicht wirft und die Hälfte der Zeit benutze ich einen Krückstock.“ Er predigt jedoch noch heute vor großem Publikum: Im Sommer und Herbst 2002 trat er jeweils mehrere Tage lang in den Football-Stadien von Cincinnati und Dallas auf. Noch Ende Juni 2005 hat Graham eine dreitägige Großevangelisation in New York City durchgeführt, bei der er vor insgesamt 242.000 Zuhörern predigte.

Insgesamt verkündigte Graham auf 417 Großveranstaltungen vor 210 Millionen Menschen in 185 Ländern. Allein sieben Mal trat er in Deutschland auf, zuletzt 1993 bei der Veranstaltung ProChrist.

Spitz- und Spottnamen

  • Maschinengewehr Gottes
  • evangelical pope (deutsch: Evangelikaler Papst)

Trivia

  • In der Zeichentrickserie Die Simpsons wird sich in der Folge „Ned Flanders: Wieder allein“ über Billy Graham lustig gemacht. In der Episode wird ein „Computerspiel“ namens „Billy Graham's Bible Blaster“ gezeigt, in welchem man Heiden (dargestellt als Höhlenmenschen) mit Bibeln beschießen muss, um diese zu Christen zu bekehren. Als Endgegner taucht ein „freundlicher Bahai“ auf.
  • Im Simpsons Comics Heft 102 meint Ned Flanders, dass sie "wo immer die Straße uns hinführt, solange es in einem der von Billy Graham abgesegneten familienfreundlichen Staaten ist" reisen wollen.

Schriften

  • Billy Graham, Ulrich Wever: Das Geheimnis des Glücks. R. Brockhaus 1954
  • Billy Graham, Richard Dumath: Friede mit Gott. R. Brockhaus, 1954, ISBN 3-417-20464-X
  • Billy Graham, Alfred Schmidt: Billy Graham an die Teenager. Oncken, 1960
  • Billy Graham, Alfred Schmidt: Christus bricht Ketten. Oncken, 1963
  • Billy Graham: Herausforderung zum Leben. R. Brockhaus, 1970
  • Billy Graham: So wie ich bin. Brunnen, Gießen 2001, ISBN 3-7655-3694-6
  • Billy Graham: Jedes Leben - eine Reise, Hänssler 2007, ISBN 978-3-7751-4638-8

Literatur

  • Franklin Graham: Wenn man einen berühmten Vater hat. Der lange Weg zu sich selbst. Holzgerlingen 2001, ISBN 3-7751-3598-7
  • John Pollok: Billy Graham - Die Biografie. 2004, ISBN 3-7751-4180-4
  • Curtis Mitchell: Die nach vorne kamen - Evangelisation mit Billy Graham. 1967
  • John Barnhart: Die Billy Graham Story - Seine Botschaft und ihre Wirkung in Politik und Gesellschaft. 1973

Einzelnachweise

  1. Time Magazine: The 100 most important people of the century

Weblinks


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