Billy Holiday
Billie Holiday, 1949
Foto: Carl van Vechten

Billie Holiday, geboren als Elinore Harris,[1] (* 7. April 1915 in Philadelphia[2]17. Juli 1959 in New York City) zählt zu den bedeutendsten Jazzsängerinnen.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Billie Holiday wurde von vielen Eleanora, aber auch Lady Day genannt. Die Informationen über ihre Kindheit beruhen überwiegend auf ihrer Autobiografie Lady sings the Blues, die sie ab 1956 dem Journalisten W. Dufty diktierte, deren Wahrheitsgehalt jedoch umstritten ist. Bereits der erste Satz deutet ihre persönliche Sicht auf die Lebensumstände ihrer Kindheit an: „Mam und Dad waren noch Kinder, als sie heirateten. Er war achtzehn, sie war sechzehn, und ich war drei.“ Tatsächlich war ihre Mutter bei der Geburt der Tochter neunzehn Jahre alt.

Ihre Mutter Sadie (Sarah) Harris (1896–1945) erzählte ihr, dass ihr Vater Clarence Holiday (1898–1937) war, der später als Gitarrist in der Fletcher Henderson Band spielte, aber mit einer anderen Frau verheiratet war. Die Mutter arbeitete in New York als Hausmädchen, und Billie wuchs bei Verwandten in Baltimore auf, von denen sie nur zur Urgroßmutter ein inniges Verhältnis hatte. Wegen Schulschwänzens kam sie in das katholische Heim Good Shepherd. Mit elf Jahren wurde sie von einem Nachbarn vergewaltigt, arbeitete mit zwölf in einem Bordell als Putzhilfe. Sie lernte auf dem Grammophon des Etablissements die Musik von Louis Armstrong kennen, der ihr großes Idol wurde. Mit 15 arbeitete sie als Prostituierte in Baltimore in einem Bordell, ging aber im Streit und folgte ihrer Mutter nach New York.

1930 begann sie in Clubs, wie dem Cafe Society, aufzutreten. Ihren Künstlernamen übernahm sie von Billie Dove, einer von ihr bewunderten Schauspielerin. Ihr musikalisches Vorbild fand Billie in der Blues Sängerin Bessie Smith (1894–1937). Drei Jahre später entdeckte sie der Plattenproduzent John Hammond. Er organisierte für sie einige Aufnahmen mit Benny Goodman. Später arbeitete sie zusammen mit Musikern wie Lester Young, Count Basie und Artie Shaw. Mit Young, den sie zuerst 1934 traf, verband sie eine lebenslange, enge Freundschaft – eine der wenigen engeren Beziehungen zu Männern, die unproblematisch verliefen.

Als eine der ersten Jazzsängerinnen trat sie mit weißen Musikern auf und überwand damit Rassenschranken. Trotz dieser Vorreiterrolle war sie weiterhin gezwungen, Hintereingänge zu benutzen. Sie berichtete, dass sie in dunklen, abgelegenen Räumen auf ihre Auftritte warten musste. Auf der Bühne verwandelte sie sich in Lady Day mit der weißen Gardenie im Haar. Sie erklärte die Dramatik ihres Gesangs einmal so: „Ich habe solche Songs gelebt“. 1939 sang sie erstmals den Song Strange Fruit, der eindringlich die Lynchjustiz an Schwarzen thematisierte. Seither verband das Publikum Billie Holiday mit diesem Stück und wollte es immer wieder von ihr hören. Billie litt unter ihrer Diskriminierung als Schwarze. Vor allem bei den Touren mit gemischten Bands wie der von Artie Shaw 1938 machten sie und die schwarzen Musiker täglich entwürdigende Erfahrungen. Als besonders entwürdigend empfand sie Gigs, für die ihr Gesicht extra mit make-up geschwärzt wurde, da Billie nicht klassisch schwarz war, aber es vom meist weißen Publikum erwartet wurde (so in der Count Basie Band). Der ersehnte Auftritt im Film New Orleans (1946) neben ihrem Idol Louis Armstrong war für sie und ihre Fans höchst enttäuschend. Sie durfte nur die Rolle spielen, die Hollywood damals für Schwarze vorsah: das Dienstmädchen.

Schon als sie in ihrer Jugend triviale Popsongs interpretierte, zeichneten sich ihre Auftritte durch ihre einzigartige Stimme und ihre gefühlsbetonte Interpretation aus.

Ihren größten Triumph erlebte sie, als sie 1944 in der Metropolitan Opera in New York als erste Jazz-Sängerin gefeiert wurde. Billie nahm ca. 350 Titel auf, darunter waren einige kommerzielle Erfolge: Z. B. neben Strange Fruit auch Fine and Mellow oder Lover Man. 1954 ging sie mit Leonard Feather auf eine äußerst erfolgreiche Europatournee. Sie war dreimal verheiratet: mit Jimmy Monroe, mit dem Trompeter Joe Guy und mit Louis McKay. Keine der Ehen war glücklich – die Männer nutzten sie aus, insbesondere McKay, der zudem ihren Drogenkonsum unterstützte, um sie leichter zu kontrollieren und auszupressen. Seit Anfang der vierziger Jahre war Billie heroinabhängig, nachdem sie vorher schon wie in den Musikerkreisen üblich Marihuana und in beträchtlichem Umfang Alkohol konsumierte. Die Sucht brachte sie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Mehrfach wurde sie verhört und verhaftet. 1947 verlor sie aufgrund ihrer Drogenprobleme die New Yorker Cabaret-Lizenz (notwendig um in Lokalen zu singen, in denen Alkohol ausgeschenkt wurde), mit einschneidenden finanziellen Folgen. Sie machte mehrere Entziehungsversuche durch und wurde wieder rückfällig. Der Drogenkonsum wirkte sich auch auf ihre Stimme aus und in ihren späteren Aufnahmen weicht ihr jugendlicher Elan zusehends einem Anflug von Schwermut.

Holidays letzte Jahre waren eine Tragödie. Sie wurde um ihre beträchtlichen Einkünfte betrogen und verarmte. Die Nachricht von Lester Youngs Tod führte zu einem Zusammenbruch. Mit nur 44 Jahren wurde sie schwer herz- und leberkrank in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert, wo sie unter entwürdigenden Umständen an Leberzirrhose verstarb. Polizisten umstanden das Krankenbett, die sie verhaften sollten, sobald sie sich erholt hätte. Holiday wurde auf dem Saint Raymonds Cemetery, Bronx, Bronx County, New York, USA bestattet.

Einfluss

Holiday hatte in allen Phasen ihrer Karriere einen großen Einfluss auf andere Künstler. Nach ihrem Tod beeinflusste sie Sängerinnen wie Janis Joplin und Nina Simone.

Ihre späten Aufnahmen für das Schallplattenlabel Verve, wie Solitude 1952 oder Music for Torching 1955 sind genauso gut in Erinnerung wie die Aufnahmen, die seit 1933 für Columbia Records, Commodore und Decca Records entstanden. Einige ihrer Stücke, unter anderem God Bless the Child, George Gershwins I Loves You Porgy und ihr reuevoller Blues Fine and Mellow sind Jazzklassiker.

Billie Holiday besaß eine ganz eigene Gesangsstimme. Obwohl sie keine musikalische Ausbildung hatte, war sie eine außergewöhnliche Sängerin; zugleich herb und zerbrechlich, sowohl unterkühlt als auch leidenschaftlich. Einige der bekanntesten Standards, die sie mit ihrer Interpretation geprägt hat, sind A Fine Romance, All of Me, But Beautiful, Do you know what it means, Fine and Mellow, God Bless the Child, Good Morning Heartache, I Gotta Right To Sing The Blues, I Loves You, Porgy, Lover Come Back To Me, Lover Man, The Man I Love, Mean To Me, Nice Work If You Can Get It, Solitude, Stormy Weather, There Is No Greater Love, Willow Weep For Me.

Das Leben von Billie Holiday wurde 1972 unter dem Titel Lady Sings The Blues verfilmt. Die Hauptrolle spielte die amerikanische Soul-Sängerin Diana Ross, die für ihre Rolle für den Oscar als beste Schauspielerin nominiert wurde. Billie Holiday wurde 1991 in die Blues Hall of Fame aufgenommen.

Literatur

  • Donald Clarke: Billie Holiday – Wishing on the Moon. Eine Biographie, Piper Verlag 1995, ISBN 3-492-03756-9
  • Billie Holiday, William Dufty: Lady sings the Blues. Autobiographie. Edition Nautilus, Hamburg 1999, ISBN 3-89401-110-6
  • Julia Blackburn: Billie Holiday Berlin Verlag, 2006, ISBN 3-8270-0663-5
  • Robert O´Meally: Billie Holiday – Lady Day. Hannibal Verlag 1995, ISBN 3-85445-111-3
  • Studs Terkel: Giganten des Jazz. Zweitausendeins, Frankfurt 2005, ISBN 3-86150-723-4
  • John Chilton Billies blues, London 1975

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. Manchmal wird auch Eleonara Fagan Gough angegeben, nach dem Namen ihres Stiefvaters, der ihre Mutter heiratete, als sie fünf Jahre alt war. In dem Jazz-Film von Ken Burns wird Eleanora Fagan angegeben.
  2. [1]


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